

Marguerite Duras [] (* 4. April 1914 in Gia Định bei Saigon, Vietnam (damals Französisch-Indochina) als Marguerite Donnadieu; † 3. März 1996 in Paris) war eine französische Schriftstellerin, Dramatikerin, Drehbuchautorin und Filmregisseurin. Sie feierte Erfolge mit Filmen wie Hiroshima, mon amour (1959). Für diesen Film hatte sie das Drehbuch verfasst.
Marguerite Donnadieu, Tochter eines Lehrerehepaars, nahm den Künstlernamen Marguerite Duras nach dem Familiensitz ihres Vaters im Département Lot-et-Garonne an. Sie wuchs in Vietnam in ärmlichen Verhältnissen auf. Die Mutter zog sie und die zwei Geschwister alleine auf und kämpfte mit den Folgen einer Fehlinvestition in Reisfelder im heutigen Kambodscha. Duras verarbeitete diese Erfahrung im erstmals 1950 auf Französisch veröffentlichten Roman Un barrage contre le Pacifique (1988, dt. Heiße Küste).
Duras ging während der Weltwirtschaftskrise im Jahr 1931 nach Frankreich und studierte in Paris zunächst Mathematik und dann Jura und Politikwissenschaft. Sie engagierte sich mit Philippe Roques für ein Wiedererstarken des französischen Kolonialreichs. Das NS-Regime führte im Frühjahr 1940 den Westfeldzug. Wehrmacht-Truppen besetzten die Benelux-Staaten und zwangen die Führung Frankreichs, am 22. Juni 1940 den kapitulationsgleichen Waffenstillstand von Compiègne zu unterzeichnen. Duras schloss sich einer Résistance-Gruppe von Buchhändlern an. Dort hatte sie Zugang zu rationiertem Papier und lernte den späteren französischen Präsidenten François Mitterrand kennen. Ihr Ehemann Robert Antelme (1917–1990), ebenfalls in der Résistance aktiv, wurde im Juni 1944 von der Gestapo verhaftet und ins KZ Dachau verschleppt. Duras publizierte 1985 seine in Dachau geschriebenen Tagebucheinträge unter dem Titel La Douleur.
Duras trat 1944 der Kommunistischen Partei Frankreichs (PCF) bei. Sie protestierte später gegen die Behandlung von Schriftstellern in der stalinistischen Sowjetunion und wurde 1950 aus der PCF ausgeschlossen, blieb aber zeitlebens Kommunistin. Während der Zeit ihrer Partizipation in der Résistance lernte Duras Dionys Mascolo kennen, der 1947 ihr zweiter Ehemann und Vater ihres Sohnes Jean (Outa, geb. 1947) wurde. Duras, die unter Alkoholismus litt, hatte bei der Erziehung ihres Sohns Jean größte Schwierigkeiten. Ihre Umgebung drängte sie dazu, Jean auf ein Internat zu schicken.
Die letzten 16 Jahre ihres Lebens verbrachte Duras mit dem knapp 40 Jahre jüngeren Schriftsteller Yann Andréa (eigentlich Yann Lemée). Sie widmete ihm das Buch Yann Andréa Steiner (1992). Andréa selbst widmete seinem Leben mit Duras mehrere autobiographische Werke, darunter M. D. (1983) und Cet amour-là von 1999 (2000, dt. Diese Liebe), das im Jahr 2001 von Josée Dayan mit Jeanne Moreau verfilmt wurde.
Ihr Erstlingsroman Les impudents (1943) wurde von der Öffentlichkeit mehr oder weniger übersehen. Bereits ihr zweites Werk jedoch, Un barrage contre le Pacifique (1950), war ein Erfolg und brachte ihr beinahe den Prix Goncourt ein. Internationale Bekanntheit erlangte sie schließlich 1959 mit dem Drehbuch zu dem Film Hiroshima, mon amour, das zum ersten Mal die noch bis in die 1990er Jahre als Tabu behandelte Demütigung und Ächtung französischer Frauen thematisierte, denen sogenannte „horizontale Kollaboration“ vorgeworfen wurde, in erster Linie Liebesbeziehungen mit deutschen Besatzungssoldaten.
Ihre Romane waren fast alle autobiographisch geprägt, so beispielsweise L’amant (1984, dt. Der Liebhaber), für den sie 1984 den Prix Goncourt erhielt, oder L’amant de la Chine du Nord (1991, dt. Der Liebhaber aus Nordchina). In beiden Werken beschrieb sie ihre turbulente Kindheit und ihre frühen Liebeserfahrungen im Indochina der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Die Autorin war auch für das Theater tätig und verfasste 1965 z. B. das Drama La musica. In den 1970er und frühen 1980er Jahren trat sie auch als Filmregisseurin in Erscheinung, wobei sie nicht nur bereits erschienene eigene Texte (India Song, 1975; Les enfants, 1984) auf die Leinwand brachte, sondern auch eigenständige Arbeiten für das Kino produzierte (Le Camion, 1977). Während dieser Zeit erschienene literarische Publikationen von Duras standen immer im Zusammenhang mit ihrem filmischen Schaffen – L’amant ist die erste wieder „rein“ literarische Publikation nach dieser Phase.
Charakteristisch für ihre Sprache ist eine große Schlichtheit in Vokabular und Satzbau, die sich zudem durch zahlreiche Ellipsen, Anspielungen, Unausgesprochenes, das jedoch im Hintergrund steht, sowie fragmentarisch zusammengefügte Sätze auszeichnet. Ihr Gesamtwerk ist keiner der großen literarischen Strömungen des 20. Jahrhunderts zuzuordnen.
Gegenüber der Tendenz, Duras wegen der häufigen Wiederholung von Motiven und Topoi in ihren zahlreichen Büchern für eine oberflächliche Schriftstellerin zu halten, äußerte sich Duras in einem kurzen Interview mit Leslie Kaplan von 1988 zu ihrer eigenen Schriftstellerei, gab aber auch ihre Meinung über das entfremdete Leben in der Neuzeit wieder:
„Der Wahnsinn selbst ist auf ewig offen für den Verlauf des Wahnsinns. … Das Nichts ist sich selbst gegenüber offen. … Ich glaube, das Offene schafft sich selbst gegenüber einen religiösen Raum. Ich habe an dem Horror teil, aus dem das Ganze besteht, aber ich spüre es nicht. Das könnte eine Definition der Arbeiterklasse sein. Die Fabrik ist eine Art Luftschiff, wo innerhalb und außerhalb das gleiche Luftmaterial ist, mit einem winzigen Unterschied jedoch. Dieser Unterschied ist die Unendlichkeit des Menschen, der neun Stunden am Tag Kabel herstellt, ohne es zu spüren. … Wie das Gedicht kommt dieser Gedanke aus dem Grund der Zeiten, aus einer Art fundamentaler Wiederholung, derjenigen des Lebens, aus einer Art ozeanischer Ewigkeit, die jene des Todes wäre, verneint und erfaßt durch die Zeit.“
Diese Unendlichkeit des Menschen war letztlich ihr Thema.
Literarische Vorlage
Drehbuch
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Duras, Marguerite |
| KURZBESCHREIBUNG | französische Schriftstellerin, Drehbuchautorin und Filmregisseurin |
| GEBURTSDATUM | 4. April 1914 |
| GEBURTSORT | Gia Dinh, Vietnam |
| STERBEDATUM | 3. März 1996 |
| STERBEORT | Paris |