Als die Nazis 1933 anfingen, Dix von der Akademie zu entfernen, gehörte Erika Streit zu einer Gruppe von sieben Studentinnen und Studenten, die sich in einer Note vom 15. März 1933 an den nationalsozialistischen Studentenbund für Dix einsetzte, darunter Hainz Hamisch, Rudolf Nitschke und Kurt Sillack. Nach der Entlassung von Dix aus der öffentlichen Institution gab er ihr weiterhin Privatunterricht.
Streit hatte Kontakte zu Künstlern wie Ernst Ludwig Kirchner und Cuno Amiet. 1934–1938 folgten verschiedene Studienaufenthalte in Paris. An der Académie de la Grande Chaumière im Atelier von Jean Darna (1893–1965) lernte sie die Malerinnen Margrit Haemmerli und Susanne Baader (* 1906) kennen und blieb mit ihnen zeitlebens befreundet. Zudem kam sie mit dem Werk von Pablo Picasso, Aristide Maillol und weiteren Zeitgenossen in Berührung. 1938 begann Erika Streit mit dem Bemalen von Keramik, schuf aber auch eigene Formen.
1943 erfolgte die kriegsbedingte Übersiedlung in die Schweiz, seither lebte die Künstlerin in Kilchberg bei Zürich. Von Mitte der 1960er Jahre bis nach 1996 galt ihre Beschäftigung vorwiegend dem Tiefdruck sowie den von ihr entwickelten Bienenwachszeichnungen. Ihr umfangreiches Werk wird seit 2001 durch die Erika Streit-Stiftung verwaltet und inventarisiert.
1930 wurde Erika Streit mehrfach durch den Fotografen Hugo Erfurth porträtiert, 1934 auch durch den Grafiker und Maler Hans Theo Richter.
Am Anfang ihres 102. Lebensjahres verstarb Erika Streit im Frühsommer 2011 in Kilchberg am Zürichsee.
1952: Musée d’art décoratif, Palais de Rumine, Lausanne
1971: Musée d’art moderne à l’ancienne Douane, Strasbourg
1978: Galerie suisse de Paris, Paris
2005: Städtische Galerie Böblingen
2010/2011: Museum für Moderne Kunst Arnhem
2011/2012: Dresden, Neue Sachlichkeit in Dresden. Malerei der Zwanziger Jahre von Dix bis Querner, Kunsthalle im Lipsius-Bau
Literatur
Erika Streit: Leben, Kunst und Lebenskunst. Bildmeditationen zu Texten von Rudolf Steiner. DreiPunktVerlag, Wald/Zürich 1998, ISBN 978-3-905409-00-0.
Martin Kraft, Rainer Wandel (Hrsg.): Erika Streit zum 90. Geburtstag. Arbeiten in verschiedenen Techniken. Akanthus, Kilchberg/Zürich 1999, ISBN 3-905083-14-0.
Barbara Stark, Rainer Wandel (Hrsg.): Erika Streit. Ein Malerleben zwischen Dresden, Prag, Paris und Zürich. Akanthus, Kilchberg/Zürich 2006, ISBN 3-905083-22-1.
Gisbert Porstmann, Johannes Schmidt (Hrsg.): Erika Streit. Das frühe Werk. Ausstellungskatalog. Städtische Galerie, Dresden 2010, ISBN 978-3-941843-04-2.
Erika Streit. In: Birgit Dalbajewa (Hrsg.): Neue Sachlichkeit in Dresden. Sandstein Verlag, Dresden 2011, ISBN 978-3-942422-57-4, S.304–305.
↑Eva-Marina Froitzheim: Sehen, was da ist: Menschenbilder von Dix und anderen aus der Sammlung Frieder Gerlach. Städtische Galerie, Böblingen 2005, ISBN 3-928754-44-0.
↑Siehe auch den Ausstellungskatalog von Ype Koopmans: Te waar om mooi te zijn. Het kritische realisme van Dix & Co 1920–1940. Museum voor Moderne Kunst, Arnhem 2010, ISBN 978-90-72861-47-4. (Niederländisch)