Das Baure ist eine indigene Sprache, die im bolivianischen Departamento Beni von weniger als hundert Personen gesprochen wird. Wegen der geringen Sprecherzahl wird es als ernsthaft gefährdet eingestuft. Das Baure gehört zum südlichen Zweig der Familie der Arawak-Sprachen.
Die bolivianische Verfassung von 2009 erkennt das Baure als eine offizielle indigene Sprache an.

Der Ethnie der Baures gehören etwa 3000 bis 5000 Personen an, die in und um die Orte Baures und El Carmen in der Provinz Iténez leben. Die Anzahl der Sprecher liegt unter 100 und die meisten, die die Sprache fließend beherrschen, wurden vor 1950 geboren. Hinzu kommen einige Hundert Personen, meist vor 1970 geboren, die passive Sprachkenntnisse haben. Die Anzahl der jugendlichen Sprecher ist sehr gering. Bei der Volkszählung 2024 gaben nur 11 Personen Baure als Muttersprache an. Alle Sprecher sind zweisprachig, d. h. sie sprechen auch Spanisch. Im Alltag wird das Baure nur noch in wenigen Kontexten benutzt. Allerdings wurde beobachtet, dass im Zusammenhang mit einer Alphabetisierungskampagne viele Personen die Sprache wieder häufiger im täglichen Leben benutzen und auch bemüht sind, sie gegenüber Jugendlichen zu verwenden.
Die Erforschung der Baure-Sprache gliedert sich in eine frühe Phase der Jesuiten im 18. Jahrhundert, Forschungen durch SIL Mitte des 20. Jahrhunderts und moderne Dokumentationsprojekte im 21. Jahrhundert. Als wichtigste koloniale Quellen gelten das im Jahr 1749 fertiggestellte Manuskript Arte de la lengua de los indios Baures de la provincia de los Moxos des Jesuitenmissionars Antonio Magio sowie eine von Francisco de Asis Coparcari um 1767 geschriebene Gramática de la Lengua de los Indios Baures de la Provincia de Mojos. Diese beiden Werke umfassten rein theoretische Arbeitsgrammatiken für nachfolgende Missionare. Ein separates Wörterbuch oder ein eigenständiger Katechismus waren den Originaldokumenten nicht beigefügt; religiöse Phrasen und christliche Kernbegriffe waren lediglich fragmentarisch als grammatikalische Beispielsätze in den Text integriert. Im Archiv von San Calixto in La Paz sollen 22 religiöse Texte der Jesuiten auf Baure aufbewahrt werden, doch ist öffentlicher Zugang zu diesen nicht gestattet und ihr Inhalt nicht öffentlich dargestellt.
Erst im Jahr 1880 wurde Magios und Coparcaris Manuskripte von den französischen Linguisten Lucien Adam und Charles Leclerc kritisch ediert und publiziert. Um das schmale koloniale Material lexikalisch zu erweitern, extrahierten die Herausgeber die verstreuten Vokabelbeispiele aus Magios Grammatik und ergänzten diese im Anhang durch eine kurze Wortliste des Naturforschers Alcide d’Orbigny aus den 1830er Jahren.
Durch den Abbruch der institutionalisierten Missions-Liturgie nach der Vertreibung der Jesuiten (1767) geriet das religiös geprägte Baure im Alltag der indigenen Gemeinschaften vollständig in Vergessenheit, während sich das Baure als intime Familiensprache im Verborgenen weiterentwickelte. Der Kautschukboom Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts mit seiner Versklavung der Indigenen des Amazonastieflandes führte zu einer Entwurzelung und einem massiven Sprachverlust auch bei den Baures. Mit der Einführung der Schulpflicht mit Spanisch als Unterrichtssprache in den 1950er Jahren kam ein weiterer Einschnitt. Das Sprechen der Muttersprache auf dem Schulhof oder im Klassenzimmer wurde mit Prügelstrafe geahndet.
1954 kamen mit Priscilla Baptista and Ruth Wallin zwei Vertreterinnen des SIL zu den Baure, zeichnete auch einige narrative Texte auf und veröffentlichten 1967 nach mehreren Jahren eingehender Sprachforschung eine Grammatik. Sie übersetzten einige Paulus- und Johannesbriefe ins Baure, doch kam es – anders als bei einigen benachbarten indigenen Sprachen – vor dem Hintergrund der bereits damals kritischen Sprachsituation des Baure nicht zu einer Übersetzung des ganzen Neuen Testaments oder auch nur einzelner Evangelien.
Im Zuge des rasanten Sprachtods im späten 20. und frühen 21. Jahrhundert rückte die systematische wissenschaftliche Rettung der verbliebenen Sprachstrukturen ins Zentrum des wissenschaftlichen Interesses. Ein umfassendes Dokumentationsprojekt im Rahmen des DOBES-Programms (2008–2013) unter der Leitung der Linguistin Swintha Danielsen (Nimwegen) konnte hunderte Stunden Ton- und Videomaterial sichern. Dabei zeigte sich ein drastischer Rückgang der Sprecherzahlen: Gab es 2009 unter den mehreren tausend ethnischen Baure noch 56 fließende Sprecher, schrumpfte die Gruppe der vollkommen fließenden, traditionellen Muttersprachler bis zum Ende der Projektphase im Jahr 2013 auf rund zehn gealterte Personen. Im Gegensatz zu den kolonialen Fragmenten gelang durch diese modernen Aufzeichnungen erstmals die flächendeckende Dokumentation der originären Alltagskultur, wie traditioneller Jagdberichte, indigener Naturmythen sowie der handwerklichen Kakaoverarbeitung.
In prähispanischer Zeit lebten die Baure zusammen mit einer Vielzahl anderer Völker in der Moxos-Ebene. Die Vorfahren der dortigen Arawak-Völker waren entlang der großen Flüsse aus dem nördlichen Amazonasbecken zugewandert. Ihre Siedlungen befanden sich auf Waldhügeln, die oft von Menschenhand geschaffen waren. Diese erhöht liegenden Waldinseln boten Schutz vor den regelmäßig auftretenden Überschwemmungen in der Regenzeit. Die gesamte Moxos-Ebene wurde in unterschiedlichen Graden von ihren Bewohnern landschaftlich gestaltet und dadurch landwirtschaftlich nutzbar gemacht.
Auf der Suche nach dem mythischen Eldorado gelangten die ersten Europäer im 16. Jahrhundert in die Moxos-Ebene; sie gründeten dort jedoch keine dauerhaften Siedlungen. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts wurden erstmal die Baure von den Jesuiten kontaktiert. Sie wurden als sehr kultivierte und hochentwickeltes Volk beschrieben, das Baumwollkleidung trug und in komplex organisierten großen Siedlungen lebte. Die Jesuiten gründeten im Gebiet der Baure eine Reihe von Reduktionen: Befestigte Siedlungen, in denen die Einheimischen zum Zweck der Missionierung zusammengefasst wurden. Die Jesuiten führten auch eine weiterentwickelte Landwirtschaft und Viehzucht ein. Als 1767 die Jesuiten aus Bolivien vertrieben wurden, begann ein allmählicher Verfall des Wohlstands. Es siedelten sich die ersten Europäer an, die vorwiegend Viehzucht betrieben und auf einheimische Arbeitskräfte angewiesen waren. Ab etwa 1870 brachte dann der Kautschukboom zahlreiche europäischstämmige Zuwanderer in die Moxos-Ebene, die große Teile der einheimischen Bevölkerung versklavten und zur Zwangsarbeit in andere Gebiete verschleppten.
Nach der Nationalen Revolution im Jahr 1952 verfolgte die Regierung einen Kurs der Integration. Die Indigenen sollten mit der übrigen Bevölkerung gleichgestellt und auch am öffentlichen Schulsystem teilhaben. Diese öffentlichen Schulen trugen dazu bei, dass die indigene Bevölkerung zunächst Spanisch lernte und letztlich vielfach die eigenen Sprachen aufgab.
Das Baure gehört zum südlichen Zweig der Arawak-Sprachen, die in großen Teilen Südamerikas, besonders aber im Küstengebiet der Karibik und im westlichen Amazonasbecken gesprochen werden. Sie ist eng verwandt mit den Mojeño-Sprachen Trinitario und Ignaciano. Ein Unterschied zu diesen Sprachen besteht im Verlust der Vokale am Wortende.
Das Baure kennt 14 Konsonanten einschließlich des glottalen Verschlusslauts, dessen Phonemstatus noch ungeklärt ist. Außerdem gibt es vier Allophone, die in der Tabelle in Klammern aufgeführt werden.
| Bilabial | Labiodental | Alveolar | Postalveolar | Palatal | Velar | Glotal | ||
| Plosiv | stimmlos | p | t | k | (ʔ) | |||
| sonoras | (b) | (d) | (g) | |||||
| Affrikate | stimmlos | tʃ | ||||||
| sonora | dʒ | |||||||
| Frikativ | stimmlos | s | ʃ | h | ||||
| sonora | v | |||||||
| Nasal | m | n | ||||||
| Vibrant | r | |||||||
| Halbvokal | w | j |
Das Baure verfügt über vier Vokale und kennt keine Unterscheidung nach Länge oder Nasalisierung: /i/, /e/, /o/ und /a/. Das /o/ wird, vor allem in Kombination mit dem Halbvokal /w/, häufig als [u] realisiert.