Eldorado

Eldorado (span. El Dorado „Der Goldene“) ist die Bezeichnung für ein sagenumwobenes Goldland im Inneren des nördlichen Südamerikas. Ursprünglich bezeichnete der Name „El Dorado“ einen Mann, später eine Stadt und dann ein ganzes Land. Andere (indigene) Namen für diesen mythologischen Ort sind z. B. Manóa oder Omagua.

Eldorado basiert auf einer kolumbianischen Legende, die sich unter den Konquistadoren des frühen 16. Jahrhunderts verbreitete und deren Abenteuerlust weckte, was dazu führte, dass über Jahrzehnte hinweg immer wieder (erfolglose) Expeditionen in Zentralsüdamerika unternommen wurden. Spanische Chronisten berichteten erstmals in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts ausführlicher über das vermeintliche Goldland.

Legende

Das Goldfloß von Eldorado (ausgestellt im Museo del Oro).

Jeder neue Herrscher der Muisca (eines Chibcha-Volkes) brachte bei seinem Amtsantritt ein Opfer für den Sonnengott im Bergsee von Guatavita in der Nähe des heutigen Bogotá dar. Nachts wurden Freudenfeuer entzündet, und der nackte Körper des Fürsten wurde mit einer Paste aus Goldstaub überzogen. Zusammen mit vier Adligen fuhr der Fürst auf einem Floß zur Mitte des Sees. Das Floß war mit vielen verschiedenen Goldgegenständen und Edelsteinen beladen. Die Gefährten opferten diese Gegenstände, indem sie diese ins Wasser warfen. Danach sprang der König in den See, und der Goldstaub auf seinem Körper sank zusammen mit Smaragden und Gold auf den Grund. Eine andere Variante lässt den König am Rand des Sees nach der Zeremonie das Gold abwaschen. Diese Kulthandlungen wurden von den Muisca vermutlich vom 10. Jahrhundert an bis mindestens Ende des 15. Jahrhunderts, vielleicht bis ins frühe 16. Jahrhundert hinein ausgeübt (sie fanden somit nur wenige Jahrzehnte vor der Ankunft der Spanier ihr Ende).

Als eines der Beweisstücke für die Legende gilt das vermutlich zwischen 1295 und 1410 entstandene Goldfloß von Eldorado, das sich heute im Museo del Oro in Bogotá befindet. Der etwa 20 Zentimeter lange und zehn Zentimeter breite Gegenstand wurde (in Einzelteilen) 1969 im Departamento de Cundinamarca gefunden.

Entstehung des Mythos

Eine goldene Tierstatuette (tunjo) der Muisca (ausgestellt im Museo del Oro).

Bei Ankunft der Spanier wurde der Muisca-Brauch bereits nicht mehr ausgeübt und er war den Neuankömmlingen aus Europa zunächst auch nicht bekannt, jedoch schürten Erzählungen von gefangen genommenen Muisca die Gier der Konquistadoren nach weiteren, vermeintlich gigantischen und noch unentdeckten Schätzen. Hintergrund war hierbei vor allem die Eroberung des Inka-Reiches ab 1531 durch Francisco Pizarro, wobei diesem ein enormer Goldschatz in die Hände fiel (das Lösegeld für den von den Spaniern gefangengesetzten – und später ermordeten – Inka-Herrscher Atahualpa), dieser beflügelte die Phantasie der Eroberer hinsichtlich weiterer möglicher Schätze.

Insbesondere die Schriften von Juan Rodriguez Freyle (siehe El Carnero), der sich auf Schilderungen seines Vaters Don Juan Freyle, der zugleich der Neffe des letzten Herrschers der Region um Guatavita war, stützte, sowie die Berichte des Dichters und Chronisten Juan de Castellanos (1522 bis 1606), der als Kavalleriesoldat ab etwa 1545 in Venezuela diente, trugen später dazu bei, dass sich die Legende von einem sagenhaften Goldland im nördlichen Südamerika entwickelte. So war die Suche nach jenem Goldland – wobei der Muisca-Brauch und mit diesem der Begriff Eldorado (wobei sich dieser in diesem Fall auf den betreffenden König und nicht auf einen Ort bezog) indessen erstmals von spanischen Chronisten im Jahr 1636 schriftlich festgehalten und ausführlicher beschrieben wurde – sogar eine der wesentlichen Triebfedern für die Erkundung und Eroberung Südamerikas durch die Spanier.

Lokalisierungsversuche und Expeditionen

Der (vergleichsweise riesige) Parime-See auf der Karte Nieuwe caerte van het Wonderbaer ende Goudrjcke Landt Guiana von Jodocus Hondius aus dem Jahre 1598. Der Ort Manóa ist an der nordöstlichen Küstenlinie des Sees verzeichnet.

Die Spanier verlegten Eldorado mit der Zeit vom Bergsee Guatavita an verschiedene Orte. Mal war Eldorado ein riesiger Tempel, mal eine im Urwald versunkene Stadt, und im Jahr 1596 berichtete der englische Seefahrer und Abenteurer Sir Walter Raleigh von dem sagenhaft reichen Königreich „Eldorado“, das er irgendwo zwischen dem Amazonas und Peru vermutete (siehe Details unten). Er stützte sich hierbei auf Aufzeichnungen und Erzählungen des spanischen Konquistadors und späteren Gouverneurs von Trinidad Antonio de Berrio, der zwischen 1584 und 1589 drei Expeditionen entlang des Laufes des Orinoco und ins südwestliche Guayana unternommen hatte. Vor allem die Aufzeichnungen Raleighs trugen mit zur Verbreitung der Legende bei, wenngleich es auch schon davor zahlreiche Expeditionen gegeben hatte.

Das Verblassen des Mythos

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts galt die Suche nach Eldorado bereits als äußerst riskantes Unterfangen und wurde der Weg als „mit Leichen bedeckt“ angesehen. Nicht nur waren alle bisherigen Expeditionen gescheitert, sondern sie waren auch mit hohen Verlusten verbunden gewesen; dies galt sowohl für die Zahl der Todesopfer als auch für die finanziellen Aufwendungen der Expeditionsverantwortlichen und von deren Finanziers. Da bereits eine größere Anzahl von Expeditionen in verschiedenen Regionen erfolglos geblieben war, sank auch insgesamt die Wahrscheinlichkeit, das legendenbehaftete Goldland noch zu finden. Hinzu kam, dass einerseits mit der Erschließung der Silberminen des Cerro Rico bei Potosí eine vergleichsweise sichere und zugleich enorme Einnahmequelle entstanden war (was es wiederum stark erschwerte, Finanziers für riskantere Unternehmungen zu gewinnen) und dass andererseits sich im 17. Jahrhundert auch keine charismatische Führerpersönlichkeit, die hinsichtlich persönlicher Risikobereitschaft mit Hernán Cortés oder Francisco Pizarro vergleichbar gewesen wäre, fand.

So gab es denn auch im 17. Jahrhundert nur wenige Versuche, Eldorado zu suchen. 1611 unternahm der englische Diplomat Sir Thomas Roe eine kurze Suche nach dem Parime-See. Er musste jedoch die Suche nach rund 300 Meilen, die er landeinwärts auf dem Amazonas vorgedrungen war, infolge von Nahrungsmittelmangel abbrechen und ohne Ergebnis umkehren. Im Jahr 1674 durchquerten zwei französischstämmige Jesuitenmissionare, Jean Grillet und François Bechamel, das Bergland von Guayana und drangen auf der Suche nach dem Parime-See bis in das Gebiet des Oberlaufes des Orinoco vor. Den See beziehungsweise Eldorado fanden sie indessen nicht. Ebenso durchquerte in den 1680er Jahren der erwähnte Jesuitenmissionar Samuel Fritz im Rahmen von Missionstätigkeiten das Gebiet der Omagua entlang des Marañón und am oberen Amazonas.

Karte von Samuel Fritz aus dem Jahr 1707. Der Parime-See ist als Rechteck in der Mitte der rechten Kartenhälfte verzeichnet.

Auch im Verlauf des 18. Jahrhunderts fanden nur wenige Suchbemühungen statt. Im Spätjahr 1739 brach der deutsche Arzt Nicolas Horstmann im Auftrag der Niederländischen Westindien-Kompanie beziehungsweise des niederländischen Gouverneurs Laurens Storm van 's Gravesande (Gouverneur von Essequibo und Demerara) zusammen mit sechs Begleitern zu einer Suche nach dem Parime-See auf. Er überschritt dabei den Rio Branco und erreichte die Rupununi-Savanne, galt jedoch danach für einige Jahre als verschollen. 1742 kehrten zwei Begleiter zurück und berichteten, dass Horstmann und einer seiner Begleiter mehrere Monate in einem Dorf am Pará gelebt hatten, dann aber, da sie die Grenze nach Portugiesisch-Brasilien überquert hatten, von den Portugiesen verhaftet worden seien. Der französische Forscher Charles Marie de La Condamine konnte Horstmann 1743 auffinden, wobei ersichtlich wurde, dass Horstmann sich frei bewegen durfte und mittlerweile für die Portugiesen arbeitete. Horstmann übergab La Condamine eine handgezeichnete Karte seiner Reiseroute durch das nördliche Brasilien und sein, allerdings nur fragmentarisch erhaltenes, Tagebuch. In diesem beschrieb er, wie er im Mai 1740 den Parime-See gefunden habe. Diese Darstellung ist jedoch umstritten, wahrscheinlich fand Horstmann den Amucu-See im Norden der Rupununi-Savanne.

Eine weitere Expedition, die beinahe zur gleichen Zeit stattfand (ab 1740) und die ebenfalls die Suche nach dem Parime-See zum Ziel hatte, war jene des spanischen Gouverneurs von Santo Tomé de Guayana de Angostura del Orinoco (die Stadt Ciudad Bolívar im Norden des Bundesstaats Bolívar in Venezuela), Don Manuel Centurion. Er drang dabei über den Río Caura und den Río Caroní vor, musste aber bereits nach einem Jahr das Vorhaben erfolglos einstellen, da Krankheiten und Angriffe indigener Völker zu schweren Verlusten geführt hatten.

Das Ende des Mythos

Humboldt (links) und Bonpland während ihrer Orinoco-Expedition (Gemälde von Eduard Ender aus dem Jahr 1856).

Im Verlauf des 18. Jahrhunderts, auch vor dem Hintergrund der Aufklärung und der zunehmenden Verknüpfung von rationalistischen und empirischen Idealen – und auch da große Teile des Nordens und Nordwestens von Südamerika bereits durchdrungen und erforscht waren –, schwand das Interesse an Eldorado deutlich. In den Jahren 1800 und 1801 durchquerte der preußische Forscher Alexander von Humboldt gemeinsam mit dem französischen Botaniker Aimé Bonpland das Einzugsgebiet des Orinoco (siehe Humboldts Orinocokarte) und konnte nicht nur nachweisen, dass der legendenbehaftete Parime-See nicht existierte, sondern konnte zugleich auch in Erfahrung bringen, dass der Begriff „Parime“ den lokalen Eingeborenenstämmen vielmehr nur zur generellen Beschreibung einer größeren Wasserfläche dient. Diese Forschungsergebnisse führten dazu, dass der Parime-See endgültig von Karten verschwand. In den Jahren 1801 und 1802 folgte eine weitere Expedition Humboldts und Bonplands quer durch Kolumbien, wobei sie unter anderem den Río Magdalena befuhren und später ausführlich die Areale zwischen Marañón und dem Quellgebiet des Amazonas erforschten, gleichwohl, ohne dass sie auf mögliche Spuren von Eldorado stießen.

Humboldts Thesen wurden später, im Jahr 1836, von dem deutsch-britischen Forschungsreisenden Robert Hermann Schomburgk bestätigt, der unter anderem feststellte, dass Humboldts Erkenntnisse die verbliebenen Reste jener trügerischen Gedankenblase hinsichtlich einer Goldstadt Eldorado zum Platzen gebracht hätten.

Auch wenn der Mythos von Eldorado und das Bild einer versunkenen Goldstadt im Dschungel Südamerikas rein wissenschaftlich betrachtet widerlegt ist, so zog der faszinierende Gedanke an sich auch in späteren Jahren noch Kreise und inspirierte noch im 20. Jahrhundert Forschungsreisende zu Expeditionen (siehe beispielsweise die Reisen von Percy Fawcett). Ebenso ist die sagenumwobene Goldstadt auch heutzutage noch ein beliebtes Topos in der Literatur und der Unterhaltungsindustrie.

Rezeption in der Populärkultur

Literatur

Comics

  • Carl Barks: The Gilded Man (dt.: Jagd nach der Roten Magenta), 1952, Inducks W OS 422 02. Disney-Comic. Donald und seine drei Neffen suchen in Südamerika nach einer seltenen Briefmarke und treffen dort in einer alten Ruinenstadt im Dschungel zufällig auf El Dorado.
  • Don Rosa: The Last Lord Of Eldorado (dt.: Der letzte Herr von Eldorado), 1998, Inducks D 96066. Disney-Comic. Onkel Dagobert, Donald und seine Neffen begeben sich auf die Spuren der Konquistadoren und suchen die Schätze Eldorados.

Filme und Serien

Computerspiele

Brettspiele

Musik

Siehe auch

Wiktionary: Eldorado – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. ↑ Historia natural, civil y geográfica de las naciones situadas en las riveras del río Orinoco / Von Padre Joseph Gumilla (Erzählung über die Legende der Stadt Manóa) (spanisch)
  2. ↑ In Search of El Dorado von Harry Collingwood (englisch)
  3. ↑ Eldorado Legendary Country aus Encyclopædia Britannica (englisch)
  4. 1 2 Wurster, Wolfgang W.: Die Schatzgräber. Archäologische Expeditionen durch die Hochkulturen Südamerikas. 1. Auflage. Gruner & Jahr AG. Hamburg 1991, S. 308.
  5. ↑ Colección Arqueológica de los Museos del Oro. Banco de la República, Colombia, 2026, abgerufen am 3. April 2026 (spanisch).
  6. ↑ Descola, Jean: Das sagenhafte Eldorado. In: Die letzten Geheimnisse unserer Welt. Verlag DAS BESTE GmbH, Stuttgart 1977, S. 30.
  7. 1 2 Descola: Eldorado, S. 36.
  8. ↑ Schneider, Christina: Die Legende vom Reich des Goldes. In: GEO Epoche Nr. 71: Südamerika. Geschichte eines Kontinents. (2015), S. 36ff.
  9. ↑ Schneider: Reich des Goldes, S. 45.
  10. 1 2 Huber, Vitus: Die Konquistadoren. Cortés, Pizarro und die Eroberung Amerikas. C. H. Beck. München 2019, S. 97.
  11. ↑ Descola: Eldorado, S. 34.
  12. 1 2 Groushko, Michael: Von Schliemanns Troja bis zum Raub der Mona Lisa. Legendäre Schätze und ihre Geheimnisse. Weltbild Verlag, Augsburg 1997, S. 82.
  13. ↑ Sellin, Paul R.: Treasure, Treason and the Tower: El Dorado and the Murder of Sir Walter Raleigh. Ashgate Publishing Ltd., Farnham 2011, S. 164.
  14. ↑ Sellin: Treasure, Treason and the Tower, S. 192.
  15. ↑ Sellin: Treasure, Treason and the Tower, S. 191.
  16. ↑ Descola: Eldorado, S. 35.
  17. ↑ Descola: Eldorado, S. 37.
  18. ↑ Williamson, James Alexander: English colonies in Guiana and on the Amazon, 1604-1668. Clarendon Press. Oxford 1923, S. 54.
  19. 1 2 Goodman, Edward J.: The Search for the Mythical Lake Parima. In: The Journal of the Society for the History of Discoveries, Volume 7 (1975). Tayler & Francis Online, 19. Juli 2013, abgerufen am 23. April 2025 (englisch).
  20. ↑ Schomburgk, Sir Robert Hermann: Lettre de N. Horstman à M. La Condamine, Great Britain, Edmond Herbert Hills, ed. Imprimé au Foreign office, par Harrison and sons, 1903 – Brazil.
  21. ↑ Burnett, D. Graham: Masters of All They Surveyed. Exploration, Geography, and a British El Dorado. University of Chicago Press. Chicago 2000, S. 36.
  22. ↑ Outer Banks bei Netflix, abgerufen am 28. Dezember 2023.
  23. ↑ https://boardgamegeek.com/boardgame/217372/quest-el-dorado
  24. ↑ Wettlauf nach El Dorado auf der Website des Spiel des Jahres e.V.