Beate Wimmer-Puchinger

Beate Wimmer-Puchinger (* 29. April 1948 in Oberösterreich) ist eine österreichische Psychologin, die sich in Forschung und Praxis dem Thema Frauengesundheit widmet. Von 1999 bis 2015 setzte sie als erste Frauengesundheitsbeauftragte der Stadt Wien das Wiener Frauengesundheitsprogramm um.

1992 gründete sie Österreichs erstes Frauengesundheitszentrum – das F.E.M. in der Semmelweis-Frauenklinik in Wien. Als externe Professorin lehrt sie seit 1992 am Institut für Psychologie der Universität Salzburg zu den Schwerpunkten Klinische Psychologie, Public Health, Health & Gender und unterrichtet als Gastprofessorin u. a. an der Alice Salomon Hochschule Berlin und am Public-Health-Institut der Medizinischen Universität Wien.

Sie setzt sich für die Anerkennung der Ausbildung der klinischen Psychologen in Österreich ein und ist Mitgestalterin des österreichischen Psychologengesetzes, wofür sie 2011 mit dem Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ausgezeichnet wurde.

Leben

Beate Wimmer-Puchinger maturierte 1966 am Realgymnasium Wels, Oberösterreich. 1967 belegte sie das Studium der Psychologie, Pädagogik und Germanistik an der Universität Wien, absolvierte ein Studienjahr am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München und promovierte 1974 im Fach Psychologie an der Universität Wien zur Dr. phil. 1985 folgte die Habilitation, venia docendi für den Gesamtbereich Psychologie, 1993 verlieh ihr die Universität Salzburg den Titel „außerordentliche Universitätsprofessorin“.

Beate Wimmer-Puchinger ist seit 1977 mit dem Architekten Albert Wimmer verheiratet und Mutter von zwei Töchtern.

Leistungen

Beate Wimmer-Puchingers Bemühungen um die Frauengesundheit in Österreich wurzeln in der zweiten Welle der Frauenbewegung und in deren Kampf um das Selbstbestimmungsrecht der Frau. Die Frauengesundheitsbewegung, die sich wehrte, den männlichen Körper als medizinische Norm zu begreifen und die die Medikalisierung des weiblichen Körpers sowie die Medizin als paternalistisch und rein biologisch kritisierte, beeinflusste ihre Arbeit. An der Ignaz-Semmelweis-Frauenklinik baute sie 1984 die Psychosomatik-Ambulanz auf und startete 1992 das Frauengesundheitszentrum F.E.M., das als WHO-Modellprojekt begann.

Auf Empfehlung der WHO erstellte sie den ersten Wiener Frauengesundheitsbericht (1996), der geschlechtsspezifische Gesundheits- und Krankheitsindikatoren sowie Defizite in Prävention und Versorgung aufzeigte. Die Berichtergebnisse motivierten den damaligen Gesundheitsstadtrat Sepp Rieder, ein eigenes Frauengesundheitsprogramm entwickeln zu lassen. Mit der Umsetzung wurde Wimmer-Puchinger 1999 betraut.

Als Frauengesundheitsbeauftragte realisierte sie zahlreiche Projekte zur Information, Gesundheitsförderung und -versorgung von Mädchen und Frauen in Wien, die heute zur Gesundheitslandschaft der Stadt gehören. U. a. die Essstörungshotline, die Einrichtung des kultursensiblen Frauengesundheitszentrums F.E.M. Süd, verständliche Informationsbroschüren, Gesundheitsförderungsangebote für Frauen mit sozialer Benachteiligung, Maßnahmen zur Früherkennung von Postpartaler Depression und Schwangerschaftskrisen, großflächige Pilotprogramme für ein qualitätsgestütztes Mammographiescreening, Schulungen für das Gesundheitspersonal zur Früherkennung von häuslicher Gewalt, zu weiblicher Genitalverstümmelung (FGM).

Ehrungen

Veröffentlichungen

Einzelnachweise

  1. ↑ Frauengesundheitsprogramm im Wiener Gemeinderat. Stadt Wien Presse-Service, 6. November 1998, abgerufen am 14. Juli 2026.
  2. ↑ Wiener Frauengesundheitszentrum erhält hohe WHO-Auszeichnung. Stadt Wien Presse-Service, 15. September 1999, abgerufen am 14. Juli 2026.
  3. ↑ Ellen Kuhlmann, Petra Kolip: Gender und Public Health: Grundlegende Orientierungen für Forschung, Praxis und Politik (Grundlagentexte Gesundheitwissenschaften), Juventa. München 2005
  4. ↑ Rieder präsentiert Ersten Wiener Frauengesundheitsbericht. Stadt Wien Presse-Service, 24. September 1996, abgerufen am 14. Juli 2026.
  5. ↑ Wiener Frauengesundheitsprogramm (1). Stadt Wien Presse-Service, 14. Oktober 1998, abgerufen am 14. Juli 2026.
  6. ↑ www.essstoerungshotline.at
  7. ↑ Rieder und Brauner eröffnen F.E.M.-Süd. Stadt Wien Presse-Service, 5. Mai 1999, abgerufen am 14. Juli 2026.
  8. ↑ Türkischsprachiges Service bei Vorsorgeuntersuchung. Stadt Wien Presse-Service, 30. Oktober 2006, abgerufen am 14. Juli 2026.
  9. ↑ Erfolg für "Ich bleib’ gesund – Saglikli kalacagim". Stadt Wien Presse-Service, 8. August 2011, abgerufen am 14. Juli 2026.
  10. ↑ Wehsely: Goldene Ehrenzeichen an Wimmer-Puchinger, Seidl und Bart. Stadt Wien Presse-Service, 17. Juni 2010, abgerufen am 14. Juli 2026.
  11. ↑ Wiener Frauengesundheitsbeauftragte erhält Goldenes Ehrenkreuz - Frauengesundheit-Wien
  12. ↑ Frauengesundheitsbeauftragte mit Merit Award gewürdigt - Frauengesundheit-Wien
  13. ↑ Frauenpreis für Wiener Gesundheitspionierin auf ORF vom 7. Dezember 2016, abgerufen am 7. Dezember 2016.
  14. ↑ http://www.diesie.at/downloads/dokumente/Factsheets_Praesentationen_Folder/2013_einflussfaktoren_geburtsmethoden_zufriedenheit.pdf
  15. ↑ Postpartale Depression - Von der Forschung zur Praxis - Beate Wimmer-Puchinger - Springer
  16. ↑ bmg.gv.at: Österreichischer Frauengesundheitsbericht 2005 (Memento vom 22. Dezember 2015 im Internet Archive; PDF; 5,1 MB)
  17. ↑ http://www.abtreibung.at/wp-content/uploads/2009/04/Schwangerschaftskonflikt.2001.pdf
Personendaten
NAME Wimmer-Puchinger, Beate
KURZBESCHREIBUNG österreichische Psychologin
GEBURTSDATUM 29. April 1948
GEBURTSORT Oberösterreich