


Belletruche ist ein Herrensitz und Weingut (Maison de maître) in der Gemeinde Mont-sur-Rolle in der La Côte im Kanton Waadt. Die Häusergruppe ist ein Kulturgut von regionaler Bedeutung, steht unter kantonalem Denkmalschutz, ist eingetragen im ISOS und liegt im Perimeter der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung. Der Garten ist in der Liste historischer Gärten und Anlagen der Schweiz der ICOMOS eingetragen.
Die Klöster Romainmôtier, Bonmont und Joux waren spätestens ab dem 13. Jahrhundert durch entsprechende Schenkungen in Germagny in der Herrschaft Mont begütert. Davon zeugen die in der Gemeinde Mont-sur-Rolle überlieferten Flurnamen wie «Clos de Jérusalem», «Montbenoît» (Montbenay), «L'Abbaye», «En Couvent» und «Joux». Jean-François de Gingins, Freiherr zu La Sarraz, verkaufte 1558 ein Haus in Germagny, samt Rebbergen in Mont, Rupalet und Perroy an Pierre Gacon aus Rolle. Bei dem Haus könnte es sich um das heutige Haus Belletruche handeln.
Ursule de Cerjat (1615–1701), Tochter des Philippe de Cerjat und der Jacqueline de Joffrey, Nichte der Françoise de Gingins, hatte möglicherweise bereits Grundstücke in der Herrschaft Mont geerbt und kaufte ab 1669 weitere hinzu. Ihren Besitz vererbte sie an ihre beiden Töchter Ursula Esther und Rosina, aus ihrer zweiten Ehe mit Franz Ludwig von Graffenried (1600–1661). Die «Maison située en Germagny» (heute Belletruche) ging zunächst an Rosina von Graffenried und die Besitzung En Crochet ging 1701 an ihre Tochter Ursula Esther von Graffenried, verheiratet mit Hans Rudolf von Luternau. Ursula Esther wiederum vererbte ihre Besitzungen an ihre Tochter Anna Ursula von Luternau, verheiratet mit Hans Franz Nägeli (VIII.) (1661–1724). Nach dem Tod von Anna Ursula ging der Besitz an ihren Sohn Hans Rudolf Nägeli (1698–1741). Von Nägeli gingen En Crochet und die Maison en Germagny käuflich an den Artillerieoffizier Johann Rudolf Wurstemberger (1679–1748). Sein Grossvater, der Venner und Welschseckelmeister Hans Rudolf Wurstemberger (III.) (1608–1693) besass bereits Rebland in Mont, welches mehrere Generationen vorher bereits vermehren konnten.
Johann Rudolf Wurstemberger verkaufte 1746 seine «Batiments de Germagny» samt Rebbergen an Bartlome May (1705–1760), Landvogt zu Nyon und zu Oberhofen. May kaufte zwei Jahre später weitere Parzellen hinzu. Ab 1754 wird das Gut in einem Kaufbrief erstmals «Belletruche» genannt. Die Benennung dürfte im Andenken an das Haus Belles-Truches in Vevey der Familie de Joffrey erfolgt sein.
Mays Sohn Johann Carl May erbte 1760 Belletruche und vererbte 1824 es seinem einzigen Sohn Carl Rudolf May (1787–1843), der es testamentarisch seiner Witwe Julie von May (1789–1873) vermachte. Ihre Tochter Julie von May, verheiratet mit Friedrich Amadeus Sigmund von May, und ihr Enkel Alfred von May (1833–1883) erbten Belletruche gemeinsam. Deren Tochter Esther von May heiratete 1861 Hans von Hallwyl, Besitzer des Schlosses Hallwyl. Erbin war deren Tochter Esther Johanna Irmengard von Hallwyl, die mit dem Historiker Wolfgang Friedrich von Mülinen verheiratet war. Deren Tochter Johanna Ines Barbara von Mülinen wiederum heiratete 1915 den Ingenieur Alfred von Erlach (1886–1971), sodass nach ihr das Gut 1953 an ihre Söhne Harald von Erlach (1919–1988) und Thüring von Erlach (1933–2025), und damit an die Familie von Erlach (Zweig Hindelbank) kam.
Das Weingut produzierte bis 2022 vier Weine: Den Domaine de Belletruche (Chasselas), den Clos de Jérusalem (Chasselas, à la lie), L'Hirondelle (Chasselas, Schaumwein) und die Cuvée du Chevalier (rot). Zudem wurde ein Eau de vie de Lie hergestellt.
Seit 2023 sind der Domaine de Belletruche und der Belletruche rouge über den Weinhandel zu beziehen.
Koordinaten: 46° 28′ 12″ N, 6° 19′ 59,8″ O; CH1903: 515103 / 147118