Werdegang
Benjamin Karl ist am Ötscher aufgewachsen. 1995 entschied sich Karl für einen Weg als Snowboarder. Im selben Jahr beendete ein Unfall, bei dem er sich drei Brustwirbel brach, beinahe seine Karriere. Nach einer einmonatigen Bettruhe begann er wieder mit dem Aufbautraining und gewann noch im selben Jahr den Landescup. Als Schüler besuchte er die Skihandelsschule Schladming. Dort fand er geeignete Trainingsmöglichkeiten vor. Er gewann in der Saison 2004/05 die Juniorenweltmeisterschaften im Parallelriesentorlauf, den Gesamtsieg im Europacup und den österreichischen Staatsmeistertitel im Parallelslalom und Parallelriesentorlauf. In der Saison 2007/08 gewann er den Snowboard-Gesamtweltcup vor dem Franzosen Mathieu Bozzetto. Karl hat einen jüngeren Bruder Tobias. Im Sommer 2008 war Benjamin Karl einer von vier Kandidaten in der ORF-Show „Die Überflieger“.
Am 27. Februar 2010 holte Benjamin Karl die Silbermedaille bei den Olympischen Winterspielen in Vancouver, die nicht zuletzt ein Grund dafür war, dass er noch ab April desselben Jahres an der ORF-Show „Das Match“ teilnahm. Bei den Snowboard-Weltmeisterschaften 2011 in La Molina, Spanien gewann Benjamin Karl Gold im Parallel-Riesenslalom (PGS) und verteidigte seinen WM-Titel im Parallel-Slalom (PSL) und kürte sich damit zum Doppelweltmeister. Am 25. Jänner 2013 holte sich Karl den vierten WM-Titel. Benjamin Karl schaffte es damit als erster Snowboarder, einen WM-Titel im Parallel-Riesentorlauf erfolgreich zu verteidigen.
Bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi gewann er im Parallelslalom die Bronzemedaille. Auch abseits des Wintersports ist Benjamin Karl sportlich aktiv und nimmt zur Vorbereitung regelmäßig an Mountainbike-Rennen teil. Bereits dreimal (2011, 2012, 2014) stand er beim Extremradrennen Race Around Austria an der Startlinie. 2014 erreichte er in der Staffel mit Axel Naglich, Andreas Goldberger und Christoph Sumann den vierten Platz. Bei der Snowboard-WM in der Sierra Nevada holte sich der damals 31-jährige Benjamin Karl am 15. und 16. März 2017, jeweils im Finale hinter seinem Zimmerkollegen Andreas Prommegger Silber im Parallelslalom und Parallel-Riesenslalom.
Beim im Rahmen der Olympischen Winterspiele 2018 ausgetragenen Parallel-Riesenslalom wurde er am 24. Februar in Pyeongchang als bester Österreicher Fünfter. Im März 2021 holte sich der 35-Jährige bei der WM in Slowenien im Parallelslalom seinen fünften Weltmeister-Titel.
Olympiasieger 2022 und 2026
Bei den Olympischen Winterspielen 2022 in Peking holte Benjamin Karl Gold im Parallelriesenslalom. Im Jänner 2026 wurde der 40-Jährige zum fünften Mal für einen Start bei den Olympischen Winterspielen 2026 nominiert. Im Parallelriesenslalom im Livigno Snow Park wurde er am 8. Februar erneut Olympiasieger. Als erster österreichischer Wintersportler holte er vier Einzel-Medaillen bei vier Olympischen Spielen und er ist zudem mit 40 Jahren und 115 Tagen der älteste Gewinner einer Einzel-Goldmedaille aller Zeiten.
Rücktritt und Comeback
Karl kündigte 2026 einen Wechsel zum Radsport, etwa Cyclocross, an. Im März 2026 rollt ihm der Radsportverband "den roten Teppich aus". Im September 2026 erklärte er den Rücktritt vom Rücktritt.
Persönliches
Benjamin Karl heiratete im August 2011 seine Freundin Nina Grissmann, die Tochter des ehemaligen Skirennläufers Werner Grissmann (* 1952) und ist Vater von zwei Mädchen. Die Familie lebt in Lienz/Osttirol. Im Mai 2012 erlitt Karl einen Motorrad-Unfall in Italien, bei dem er sich einen Bänderriss im Fuß zuzog.
Autounfall
Im Juni 2021 verursachte Karl auf der Felbertauernstraße einen Verkehrsunfall und wurde wegen fahrlässiger Tötung verurteilt, nachdem durch den Unfall ein 70-jähriger Mann getötet und seine Ehefrau, die Beifahrerin, schwer verletzt wurden. Das Gerichtsgutachten kam zu dem Schluss, dass Karl auf einem Streckenabschnitt, der aufgrund der Witterungsbedingungen – zum Unfallzeitpunkt hat eine hagelbedeckte Straßenlage vorgelegen – eine Maximalgeschwindigkeit von 65 km/h verlangt hätte, mit Tempo 100 bis 110 km/h gefahren ist. Im befahrenen Streckenabschnitt galt ein Tempolimit von 80 km/h. Karl hätte, so der Gutachter, den Unfall verhindern können, hätte er die angemessene Geschwindigkeit eingehalten. Vor Gericht übernahm Karl die Verantwortung für sein Handeln und gab an, dass ihm der Vorfall "sehr leid" tue, was ihm laut Medienberichten vor Gericht als strafmildernd ausgelegt wurde.
Benjamin Karl wurde zu drei Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Das Urteil erging in Rechtskraft.
Am 2. April 2022 wurde er, darauf angesprochen, im ORF wie folgt zitiert:
"Wie der Unfall passiert ist, als ich hingelaufen bin und den Leuten helfen wollte und gesehen habe, dass sich da nicht mehr viel tut, das war extrem erschreckend und prägend. Ich glaube, ich habe das ganz gut verkraftet. Das Leben geht weiter. Ich bin bei weitem nicht der Einzige, den so etwas trifft. Es gibt jeden Tag Autounfälle. Man ist einfach nicht alleine und es hat mir sehr geholfen, dass das zum Leben dazu gehört. Gott sei Dank dank einer starker Familie, tollen Kindern, meiner tollen Frau und professioneller Hilfe haben wir es geschafft, dass wir es durchstehen."