
Bernard van Orley (* vor 1490 in Brüssel; † 6. Januar 1541 ebenda), auch Barend van Orley, Barent van Orley, Bernaert van Orley, Bernart van Orley oder D'Orley genannt, war ein flämischer Maler und Entwurfszeichner für Tapisserien und Glasmalereien. Seine Entwürfe, die den niederländischen Stil mit Elementen der italienischen Renaissance verbinden, machten ihn zu einem der führenden Entwurfszeichner für Tapisserien seiner Zeit.
Bernard van Orley war der Sohn des Malers Valentin van Orley und erhielt seine künstlerische Ausbildung vermutlich gemeinsam mit seinem Bruder Everard im Atelier des Vaters, der die Künstlerfamilie begründete. Er war von 1512 bis zum Tod seiner ersten Frau Agnès Seghers im Jahr 1539 mit ihr verheiratet und hatte sieben Kinder mit ihr. Am 25. November 1539 heiratete er in zweiter Ehe Catherine Hellinck, mit der er zwei weitere Kinder hatte. Drei seiner Söhne wurden ebenfalls Maler.
Die ersten schriftlichen Nachweise seiner künstlerischen Tätigkeit stammen aus dem Jahr 1515. Ein frühes erhaltenes Werk ist der um 1515 im Auftrag der Gilde der Maurer und Zimmerleute entstandene Thomas-und-Matthias-Altar für die Brüsseler Kirche Notre-Dame du Sablon. Die Flügel befinden sich in den Musées royaux des Beaux-Arts de Belgique in Brüssel, die Mitteltafel im Kunsthistorischen Museum in Wien. Der Altar ist mit van Orleys Namen und Wappen versehen und stellte möglicherweise sein Meisterstück für die Aufnahme in die Malergilde dar. In seine frühe Schaffensphase fallen auch drei im Auftrag des Abtes Jacques Coëne für die Abteikirche von Marchienne bei Tournai gefertigte Altarstücke, darunter ein Johannes-Altar, der dem Täufer gewidmet ist (die Mitteltafel ist nicht erhalten, die Flügel befinden sich in Privatbesitz bzw. im Metropolitan Museum of Art in New York). Im Jahr 1515 übernahm er zudem den Auftrag für ein Triptychon für die Bruderschaft des Heiligen Kreuzes in der Walburgakirche in Veurne, welches 1522 geliefert wurde (linker Flügel: Musées royaux des Beaux-Arts de Belgique, Brüssel).
Ab 1515 entstanden zahlreiche Porträts von Mitgliedern des Hauses Habsburg, darunter der Statthalterin der Niederlande, Margarete von Österreich, und ihres Neffen Karl, des späteren Kaisers Karl V. Im Jahr 1517 wurde Bernard van Orley als Meister in die Antwerpener Lukasgilde aufgenommen. Dies war wohl die Voraussetzung dafür, dass er seine Werke in dieser Stadt verkaufen durfte. Von 1518 bis 1527 war er offizieller Hofmaler der Statthalterin Margarete von Österreich und ab 1532 in gleicher Funktion für deren Nachfolgerin Maria von Ungarn tätig. In den 1520er Jahren muss Bernard van Orley ein Atelier mit zahlreichen Mitarbeitern geführt haben. Die erhaltenen Arbeiten dieser bisweilen serienmäßig wirkenden Produktion belegen jedoch nicht zwingend seine eigenhändige Beteiligung an der Ausführung.
1520 traf Bernard van Orley Albrecht Dürer; dessen Einfluss lässt sich in seinem Œuvre nachweisen, etwa bei der Pietà des Haneton-Triptychons (Musées royaux des Beaux-Arts de Belgique, Brüssel). Eine Reise nach Italien ist nicht urkundlich belegt. 1527 fiel er wegen seiner Sympathien für den Protestantismus vorübergehend in Ungnade. In den 1530er Jahren nahmen kirchliche Aufträge stark ab, doch Maria von Ungarn, die ab 1531 Statthalterin der Spanischen Niederlande war, beschäftigte van Orley weiterhin als Maler. Bernard van Orley starb am 6. Januar 1541 in Brüssel.
Zu den Hauptwerken seiner mittleren Schaffensphase zählen die Triptychen Hiob (signiert und datiert auf 1521, Musées royaux des Beaux-Arts de Belgique, Brüssel) und Das Jüngste Gericht und die Werke der Barmherzigkeit (um 1520, Koninklijk Museum voor Schone Kunsten, Antwerpen). Im Jahr 1534 gab Margarete von Österreich einen Altar mit einer Golgatha-Darstellung als Mitteltafel für die Klosterkirche von Brou in Bourg-en-Bresse in Auftrag. Diese ist heute als Liebfrauenkirche in Brügge bekannt.

In den 1520er Jahren verlagerte sich van Orleys Tätigkeit zunehmend auf Entwürfe für Tapisserien, die bereits von Karel van Mander (1604) gerühmt wurden. Er fertigte Entwürfe für einige der bekanntesten Tapisserie-Serien seiner Zeit, darunter die Serie zur Legende von Notre-Dame du Sablon mit Porträts von Mitgliedern des Hauses Habsburg (Entwurf vermutlich um 1516/17; die Tapisserien befinden sich im Koninklijke Musea voor Kunst en Geschiedenis in Brüssel). Zudem war er an den Entwürfen und Kartons für die neunteilige Serie Los Honores beteiligt, die unter anderem Porträts von Kaiser Maximilian I. und Margarete von Österreich zeigt. Im Jahr 1523 wurden sieben Tapisserien dieser Serie in der Werkstatt von Pieter van Aelst gefertigt. Im Jahr 1519 erscheint van Orleys Name in einem Vertrag über die Anfertigung zweier Tapisserien für Margarete beim Bildwirker Pieter de Pannemaker.
Der Einfluss Raffaels wird unter anderem in einer Serie von Zeichnungen zu römischen Themen deutlich (vier Zeichnungen, 1524 datiert und monogrammiert, Staatliche Graphische Sammlung München). Erhaltene vorbereitende Skizzen im charakteristischen Stil van Orleys gehören zu einer Serie zur Schlacht von Pavia (nach Februar 1525, Museo Nazionale di Capodimonte, Neapel). Auch die berühmte Folge der Monatsdarstellungen mit den Jagden Maximilians, die im Raum Brüssel angesiedelt ist (Entwurf 1528–1533, Tapisserien im Louvre, Paris), sowie eine Serie zur Geschichte Jakobs (vollendet 1534) werden mit van Orley in Verbindung gebracht. Um 1530 entstanden vorbereitende Skizzen für eine Tapisserie-Serie zur Genealogie des Hauses Nassau (unter anderem in der Staatlichen Graphischen Sammlung in München und im Metropolitan Museum of Art in New York). Die zugehörigen Tapisserien verbrannten im Jahr 1760.

Glasmalerei ist in van Orleys Werk erst ab den 1530er Jahren dokumentiert, beispielsweise für die Brüsseler Kirche Saint-Géry (fünf Fenster mit Porträts Karls V. und seiner Familienmitglieder, 1538) und für die Kathedrale Saints-Michel-et-Gudule in Brüssel (1539/1540).
Eine Verehrung der heiligen Dreifaltigkeit, die sich in der Lübecker Marienkirche befand und dort 1942 verbrannte, wurde zunächst van Orley, später jedoch Jacob van Utrecht zugeschrieben. Weiterhin galt er zunächst auch als Schöpfer der Malereien des von Jan Borman geschnitzten Altars in der Pfarrkirche St. Marien in Güstrow, die aber seit 1893 auch dem Meister des Güstrower Altars zugeordnet werden.
Bernard van Orley hat auch Entwürfe für Wandteppiche (Tapisserien) angefertigt, welche in Brüsseler Manufakturen ausgeführt wurden. Er fertigte die Entwürfe für einige der populärsten Tapisserienserien, so etwa für die Gründungsgeschichte Roms (Madrid, Patrimonio Nacional), die Jagden Maximilians (jetzt im Louvre zu Paris), die sieben Episoden der Schlacht von Pavia (Neapel, Museo Nazionale di Capodimonte) und Szenen aus dem Buch Tobias (Wien, Kunsthistorisches Museum).

| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Orley, Bernard van |
| ALTERNATIVNAMEN | Orley, Barend van; Orley, Barent van; D'Orley, Barend |
| KURZBESCHREIBUNG | flämischer Maler |
| GEBURTSDATUM | 1491 oder 1492 |
| GEBURTSORT | Brüssel |
| STERBEDATUM | 6. Januar 1542 |
| STERBEORT | Brüssel |