Bernard Manin

Bernard Manin, 2013

Bernard Manin (* 19. April 1951 in Marseille; † 1. November 2024) war ein französischer Politikwissenschaftler und Professor of Politics an der New York University.

Leben

Manins Forschungsschwerpunkte waren die Demokratietheorie (insbesondere der Vergleich zwischen Demokratie und Aristokratie). Außerdem beschäftigt sich Manin mit politischer Repräsentation.

Manin rekonstruierte verschiedene Perspektiven auf die Entscheidungsverfahren in der Demokratie. In Athen galten Entscheidung durch Los als demokratisches Verfahren, während Entscheidungen durch Wahl als aristokratischer Modus der Entscheidungsfindung angesehen wurden. Diese Unterscheidung sei auch im antiken Rom und in den Stadtstaaten Italiens gängig gewesen.

In seinem Werk Kritik der repräsentativen Demokratie, beschreibt er unter dem Stichwort „Metamorphosen der repräsentativen Demokratie“ die Veränderung und Rezeption der demokratischen Repräsentationsformen von der klassisch-parlamentarischen Demokratie über die Parteiendemokratie bis hin zur Publikumsdemokratie.

Typklassisch-parlamentarische DemokratieParteiendemokratiePublikumsdemokratie
Auswahl des RepräsentantenIdentifikation mit einzelnem KandidatenIdentifikation mit einer Partei (entlang von Konfliktlinien)Identifikation mit einzelnem (Spitzen-)Kandidaten

Typischer Repräsentant

HonoratiorenParteiaktivistMedienprofi
Öffentliche Meinung im politischen ProzessStoppt vor den Toren des ParlamentsÄußert sich in der Unterscheidung von Regierung und OppositionKommt entscheidende Bedeutung im Wahlkampf und bei der Wahl zu
Ort der EntscheidungsfindungVerhandlung im ParlamentVerhandlung innerparteilich und zwischen den Parteien; NeokorporatismusVerhandlung zwischen Partei- und Verbandseliten, Debatte in den Medien
Zurechenbarkeit der EntscheidungEntscheidungen gehen auf Parlamentsmehrheit zurückEntscheidungen sind Parteien (und auch Verbänden) zuzurechnenEntscheidungen beruhen auf externen Beratern und Kommissionen
Autonomie des RepräsentantenAbgeordnete sind nur ihrem Gewissen unterworfenRichtlinienkompetenz des Parteiführers; FraktionsdisziplinWahl aufgrund eines Images; Medientauglichkeit
RechenschaftspflichtAbgeordneter gegenüber Wählerschaft rechenschaftspflichtigPartei und ihre Mitglieder gegenüber Wählerschaft rechenschaftspflichtigSpitzenkandidat gegenüber Medien

Tabelle in Anlehnung an:, ganz ähnlich auch

Werke

Als Herausgeber

Einzelnachweise

  1. ↑ Loïc Blondiaux: Hommage à Bernard Manin. In: participation-et-democratie.fr. Abgerufen am 4. November 2024 (französisch).
  2. ↑ Homepage von Prof. Manin an der New York University
  3. ↑ vgl. Bernard Manin: Kritik der repräsentativen Demokratie, Berlin 2007, S. 96.
  4. ↑ Annette Knaut (2011): Abgeordnete als Politikvermittler. Zum Wandel von Repräsentation in modernen Demokratien, Baden-Baden, hier z. B. S. 20.
  5. 1 2 3 vgl. Julia von Blumenthal:Auswanderung der Politik aus den Institutionen. Replik auf Eberhard Schuett-Wetschky (Memento des Originals vom 24. Dezember 2013 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., in: Zeitschrift für Politikwissenschaft, 12. Jg. (2002), H. 1, S. 3–26, hier: S. 11.
  6. ↑ vgl. Bernard Manin: Kritik der repräsentativen Demokratie, Berlin 2007, S. 193–238, ähnliche Tabelle s. Bernard Manin: The principles of representative government, Cambridge Univ. Press, Cambridge 1997, S. 235.
  7. ↑ vgl. Annette Knaut: Abgeordnete als Politikvermittler. Zum Wandel von Repräsentation in modernen Demokratien, Baden-Baden, S. 49.
Personendaten
NAME Manin, Bernard
KURZBESCHREIBUNG französischer Politologe und Hochschullehrer
GEBURTSDATUM 19. April 1951
GEBURTSORT Marseille
STERBEDATUM 1. November 2024