
Bernardo Mario Kuczer (geb. 30. April 1955 in Buenos Aires, gest. 22. Juni 2023) war ein argentinischer Komponist, Musiktheoretiker und Architekt.
Bis zum Alter von etwa 20 Jahren war Bernardo Mario Kuczer in Buenos Aires als Rockmusiker, Komponist und Gitarrist tätig und komponierte auch für das Theater. Gleichzeitig absolvierte er ein Architekturstudium, das er 1978 mit Diplom abschloss. Durch das Studium der klassischen Gitarre kam er zur klassischen Musik. Er studierte mehrere Jahre Harmonie und Musikanalyse und später Renaissance-Kontrapunkt. Er wurde Mitglied einer interdisziplinären Forschungsgruppe über Musik und arbeitete dabei mit Psychologen, Biologen, Ärzten und Musikwissenschaftlern zusammen.
1979 präsentierte er öffentlich eine These mit eigenen Ideen über „die Bausteine der Musik, deren dynamische Zusammenwirkung und einer besonderen, dadurch entstehenden „Energieform“, welche die mikro- und makroskopische Artikulation des Musikflusses bestimmt und ermöglicht“. Er nannte die These zuerst „La forma natural de la Música“ („The natural ways of music“), dann „The New Connections“ (1983) und später auch „Música sin el factor Humano“ („Musik ohne den menschlichen Faktor“).
1980 reiste Kuczer nach London, um Viola da gamba zu studieren, was er jedoch kurze Zeit später aufgab, um sich der Komposition zu widmen. Sein erstes Ensemble-Werk (Even … the loudest sky, Saxophon-Quartett, 1981) wurde von der britischen Society for the Promotion of New Music („Gesellschaft zur Förderung Neuer Musik“) für das „Komponisten-Wochenende“ 1981 in London ausgewählt.
1983 kam er nach Freiburg im Breisgau, um an der dortigen Musikhochschule bei Brian Ferneyhough Komposition zu studieren, verspürte jedoch sehr bald das Bedürfnis, seinen Weg in der Musik allein fortzusetzen.
1984 nahm er an den Darmstädter Ferienkursen teil, an denen mehrere Stücke seines Tonband-Zyklus Civilización o Barbarie uraufgeführt wurden. Für dieses Werk wurde Kuczer als erster lateinamerikanischer Komponist mit dem Kranichsteiner Musikpreis ausgezeichnet.
1986, für die folgende Veranstaltung der Darmstädter Ferienkurse, wurde er eingeladen, ein zweites Konzert mit Werken aus seinem Tonbandzyklus aufzuführen.
Civilización o Barbarie wurde von Klaus Huber, einem der drei Juroren, als persönliche Wahl der Jury, für die Weltmusiktage der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik vorgeschlagen, die 1987 in Köln stattfanden.
Im Jahre 1990 war Kuczer Stipendiat der Heinrich-Strobel-Stiftung des Südwestfunks.
1999 zog er sich aus dem aktiven Musik- und Konzertbetrieb zurück. Ab 2000 arbeitete er fast ausschließlich mit Computern, plante, schrieb und entwickelte dabei seine eigenen Computerprogramme. Diese Programme beruhen auf seinen eigenen Hypothesen, Modellen und theoretischen Ideen zu Harmonik, Rhythmus, Klang, Form und „Musikfluss“ und werden zu deren weiteren Erforschung verwendet. Mit ihrer Hilfe produzierte er auch seine späteren digitalen Werke.
Kuczer war nebenbei auch in weiteren künstlerischen Bereichen tätig. Er schuf über 1000 Malereien, Zeichnungen und Skulpturen und entwarf zudem eigene Möbel. Als Schriftsteller verfasste er etwa 250 Gedichte und zwei Bücher, die alle bisher nicht publiziert wurden. Der Titel seines ersten Buches lautet „Salvas de Guerra“ (contra La Música) („Kriegssalven“ [gegen die Musik]). Er drehte und vertonte auch einen eigenen Dokumentarfilm unter dem Titel Vida? (por un Espacio Poético o una Poesía del Espacio-Tiempo), una documentación.
Er starb am 22. Juni 2023 und wurde am folgenden 3. Juli in Buenos Aires beerdigt.
Kuczers musikalisches Œuvre umfasst über 81 Hauptwerke, mit etwa 110 einzeln benannten Stücken aus verschiedenen Bereichen der Musik, wie beispielsweise Instrumentalmusik, Tonbandmusik, elektroakustische Musik, Computermusik und algorithmische Computermusik.
Über 60 seiner Kompositionen sind bis heute nicht aufgeführt (bzw. enthüllt) worden. Mehrere seiner Instrumentalwerke galten lange bzw. gelten heute noch als unspielbar. Sein Saxophon-Quartett von 1981 wurde zunächst als unspielbar eingestuft und erlebte eine richtige Uraufführung erst 1994. Einige Werke wurden jedoch in verschiedenen europäischen Städten aufgeführt und gesendet. Beispiele:
Am 2. Mai 1996 schrieb Fara C. in der Weltmusik-Zeitschrift World:
Der belgische Musikwissenschaftler Harry Halbreich schrieb in der Monatszeitschrift Le Monde de la musique Nr. 72 vom November 1984:
(*) revidiert 2012, jetzt nur als digitale Version existierend
(*) diese Werke gehören zu den so genannten „Apócrifos americanos“, eine Serie von „composer aided, computer generated“ Studien.
Note: the pieces, result of automatic generation and creation processes, where then (loosely) classifed into the following categories: (*) Genéricos Instrumentales (Gramática de la (N.) Música (standard)), (**) Genéricos Globales (World Music), (***) Genéricos Americanos.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Kuczer, Bernardo |
| ALTERNATIVNAMEN | Kuczer, Bernardo Mario |
| KURZBESCHREIBUNG | argentinischer Komponist, Musiktheoretiker und Architekt |
| GEBURTSDATUM | 30. April 1955 |
| GEBURTSORT | Buenos Aires |
| STERBEDATUM | 22. Juni 2023 |
| STERBEORT | Deutschland |