Rhythmus (altgriechischῥυθμός) ist in der Musik die Akzentuierung (unterschiedliche Betonung) und zeitliche Gliederung (in lange und kurze Notenwerte einschließlich Pausen) von Klangereignissen mit einer gewissen Regelmäßigkeit. Besteht die Musik aus mehreren Klangfolgen mit unterschiedlichen rhythmischen Strukturen, so ergeben sich verschiedene Möglichkeiten der Rhythmuswahrnehmung.
Ein Rhythmus kann, nach Lucia Kessler-Kakoulidis (2019), in seinen unterschiedlichen Erscheinungsformen für den Menschen sensu stricto über auditive, taktile und visuelleSinneseindrückeperzeptibel und damit erfahrbar werden.
Notation in der Musik: Noten- und entsprechende Pausenwerte: ganze Note/Pause, Halbe-Note/Pause, Viertel-Note/Pause usw., sie notieren „lange und kurze“ Notenwerte einschließlich Pausen. Durch die Verwendung der verschiedenen Noten-/Pausenwerte wird auch der Rhythmus notierbar.
Ein Rhythmus gegen den Grundschlag des Takts wird als synkopiert bezeichnet. Wie spannungsreich ein Rhythmus empfunden wird, ist davon abhängig, in welchem Mischungsverhältnis und in welcher Weise seine Akzente mit dem Grundschlag zusammenfallen oder von ihm abweichen. Tanzrhythmen sind stets taktgebunden, so bei Marschrhythmus, Walzerrhythmus, Sambarhythmus oder Tangorhythmus.
In der Musik außerhalb des abendländischen Bereichs gibt es eine vom Taktsystem unabhängige Rhythmik, zum Beispiel beim Tala in der indischen Musik.
Erläuterung
Der Grundschlag unterteilt in der Musik die dahinfließende Zeit durch gleichmäßige (akustische) Impulse, den Grundschlag oder auch Puls. Der Grundschlag steht in enger Beziehung zum Metrum des akustischen Eindrucks. Während der Grundschlag durch die Schläge pro Minute (englischBeatsper minute) beschrieben wird, steht das Metrum für die Betonungsverhältnisse der akustischen Impulse in einem Musikstück. Damit beschreibt Metrik den Wechsel bzw. die Auf- oder Aneinanderreihung von betonten und unbetonten Tönen zu einem gleichmäßigen Puls.
Mit dem Rhythmus wird die Struktur der unterschiedlich nacheinander folgenden akustischen Impulse hinsichtlich ihrer Dauer, lange und kurze Töne, das heißt der Notenwerte erfasst. Damit wird der Rhythmus zum zeitlichen Gestaltungs- und Ordnungsmuster der Musik. Rhythmus hat mindestens drei grundlegende Elemente:
das Verhältnis von akzentuiert und nicht akzentuiert („schwer und leicht“) ergeben sich die Takte
das Verhältnis von „langen und kurzen“ Tönen, dem eigentlichen Rhythmus, der die Beziehung und Folge der Dauer der Töne zueinander beschreibt.
aus dem Verhältnis von „langsam und schnell“ ergibt sich das Tempo und somit die Dauer, die der einzelne Ton „gehalten“ werden soll.
In der dahinfließenden Zeit akustischer Ereignisse wird der Rhythmus definiert als „zeitliche Gliederung der Melodie aus Tonstärke (Betonung), Tondauer und Tempo“. Rhythmus, Metrum und Tempo, die horizontalen Tonkonstellationen, sind die zeitlichen Gestaltungsmittel in der Musik.
Formal unterteilen Takte die Musik in zeitlich gleich lange Abschnitte oder Gruppierung von Noten innerhalb eines Musikstückes. Eine Gruppe von zusammengehörigen Grundschlägen oder Pulsen wird dann Takt genannt, wenn sich die Grundschläge zyklisch wiederholen. Eine bestimmte Anzahl von Grundschlägen wird in Takte unterteilt, der erste Schlag eines Taktes wird betont. Bei zusammengesetzten Takten kann es unterschiedliche Betonungs- bzw. Zählmuster geben. Takt gliedert also die Grundschläge durch zyklisch wiederkehrende Betonungen.
Julian Caskel: Die Theorie des Rhythmus. Geschichte und Ästhetik einer Denkfigur des 20. Jahrhunderts. Transcript, Bielefeld 2020, ISBN 978-3-8394-5301-8.
Wilfried Neumaier: Antike Rhythmustheorien, historische Form und aktuelle Substanz. Amsterdam 1989, ISBN 90-6032-064-6.
John Palmer: Rhythm to go. Vision Edition 2013, ISMN 979-0-9002315-1-2. Ein Lehrgang für Gehörbildungskurse entsprechend dem Niveau an Musikhochschulen.
Martin Pfleiderer: Rhythmus. Psychologische, theoretische und stilanalytische Aspekte populärer Musik. (Kultur- und Medientheorie) Transcript, Bielefeld 2006, ISBN 978-3-89942-515-4.
Wieland Ziegenrücker: Allgemeine Musiklehre mit Fragen und Aufgaben zur Selbstkontrolle. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1977; Taschenbuchausgabe: Wilhelm Goldmann Verlag, und Musikverlag B. Schott’s Söhne, Mainz 1979, ISBN 3-442-33003-3, S. 32–62 (Vom Rhythmus).
↑Reinhard Kopiez: Musikalischer Rhythmus und seine wahrnehmungspsychologischen Grundlagen. In: Christa Brüstle, Nadia Ghattas, Clemens Risi, Sabine Schouten (Hrsg.): Aus dem Takt. Rhythmus in Kunst, Kultur und Natur. Transcript, Bielefeld 2005, ISBN 978-3-89942-292-4, S. 127–148, auf kopiez.de S. 128–129
↑Lucia Kessler-Kakoulidis: Rhythmus ‚in Takt‘. Die Bedeutung des Rhythmus in der musikpädagogischen Konzeption von Émile Jaques-Dalcroze. In: Sabine Schmolinsky, Diana Hitzke, Heiner Stahl (Hrsg.): Taktungen und Rhythmen: Raumzeitliche Perspektiven interdisziplinär. De Gruyter Oldenbourg, Berlin / Boston 2019, S. 215–242, https://doi.org/10.1515/9783110466591-011, S. 217