Bernd Hinz

Bernd Hinz (* 20. Juli 1947 in Köln; † 10. August 2021) war ein deutscher Vertriebenenpolitiker (parteilos), Museumsgründer und Publizist.

Leben

Hinz wuchs als Kind eines ostpreußischen Vaters und einer aus dem Rheinland stammenden Mutter in Köln auf und legte 1968 am Schiller-Gymnasium Köln das Abitur ab. Er studierte an den Universitäten Köln und Regensburg Rechtswissenschaften, Französisch und Geschichte. Die erste Juristische Staatsprüfung legte er 1977 in Köln und die zweite Juristische Staatsprüfung 1980 in Düsseldorf ab. Danach war er als Leiter der Rechts- und Personalverwaltung in einem mittelständischen Unternehmen tätig. Dann wechselte er als Justitiar in das Rechtsamt der Stadt Mönchengladbach. Dort war er bis zur Pensionierung 2016 Leitender Stadtrechtsdirektor und Amtsleiter des Rechtsamtes sowie Leiter der Antikorruptionsstelle. Hinz war seit 1982 verheiratet und lebte in Hürth.

Öffentliche Ämter

Hinz gehörte seit 1969 ununterbrochen dem Kreisausschuss und Kreistag der ostpreußischen Kreisgemeinschaft Preußisch Holland an, die Gemeinschaft der aus dem historischen ostpreußischen Landkreis Preußisch Holland geflohenen oder heute dort noch lebenden Deutschen. Von 1971 bis 1980 amtierte er als stellvertretender Kreisvorsitzender, seit 1980 als Heimatkreisvertreter (Vorsitzender) für Preußisch Holland. Hinz erwarb von der Stadt Itzehoe, der Patenstadt der Ostpreußen aus Preußisch Holland, ein historisches Adelspalais Hinterm Klosterhof, sanierte es und baute es zum Haus der Heimat aus, dem Museum der Kreisgemeinschaft. Das Haus der Heimat beteiligt sich an den zentralen Kulturveranstaltungen der Stadt, bietet Wechselausstellungen an, richtet Lesungen aus und ist Mitglied im Museumsverband Schleswig-Holstein und Hamburg. Als Kreisvertreter baute Bernd Hinz die Beziehungen zur Stadt Pasłęk, dem historischen Preußisch Holland, und zum Kreis Elbing nachhaltig aus. Unter anderem begründete er die gleichberechtigte Partnerschaft der Kreisgemeinschaft zur Stadt Paslek (1998) und zum Landkreis Elbing (2003). Auf sein Wirken gehen die Sanierung zweier historischer Stadttore und eines Teils der Stadtmauer von Paslek zurück – 2001 wurde ihm aufgrund seines Wirkens die Ehrenbürgerschaft der Stadt verliehen.

Von 1986 bis 2005 gehörte Hinz dem Bundesvorstand der Landsmannschaft Ostpreußen (LO) an, ab 1992 als Stellvertretender Sprecher. Im Jahr 2000 gründete er den deutsch-polnischen Kommunalpolitischen Kongress, auf dem deutsche Heimatkreisvertreter über kommunal- und europapolitische Themen diskutieren, um so eine Annäherung auf politischer Ebene zu erreichen. 2005 kam es zu einem Zerwürfnis mit dem Sprecher der Ostpreußen, Wilhelm von Gottberg sowie einer Mehrheit in der Ostpreußischen Landesvertretung, dem höchsten Beschlussorgan der LO, über die zukunftsgewandte Politik der Republik Polen gegenüber. Hinz trat als Stellvertretender Sprecher der LO zurück und überführte den deutsch-polnischen Kommunalpolitischen Kongress in die von ihm, dem Allensteiner Landrat Adam Sierzputowski und dem Journalisten Bernhard Knapstein im Oktober 2005 gegründete deutsch-polnische Arbeitsgemeinschaft Kommunalpolitische Partnerschaft (AKP). Unter Innenminister Wolfgang Schäuble wurde die Förderung des AKP-Kongresses als wichtiger Beitrag zur deutsch-polnischen Verständigung eingeführt.

Hinz war ab 2005 auch Vorsitzender der AKP und für diese seit 2012 im Rat der Gemeinden und Regionen Europas (RGRE) Mitglied im deutsch-polnischen Ausschuss. Ab 2018 arbeitete er zudem im Ausschuss für interregionale Zusammenarbeit der deutsch-polnischen Regierungskommission mit. Die AKP strebt an, deutsche und polnische Landräte und Bürgermeister, die Partnerschaftsverhältnisse pflegen oder solche anstreben, zusammenzuführen, den Erfahrungsaustausch zu intensivieren, die Partnerschaftsarbeit zu stärken und dabei sowohl die deutsche Minderheit in Polen wie auch dialogorientierte Vertreter ostdeutscher Heimatkreise als Brückenbauer mit einzubeziehen. Ungeachtet der Einbeziehung von Vertriebenenvertretern, nehmen auch polnische Diplomaten in der Bundesrepublik und deutsche Diplomaten in der Republik Polen an den jährlichen Kommunalpolitischen Kongressen der AKP teil.

Im Bund der Vertriebenen (BdV) war er von 1994 bis 2006 Mitglied des Präsidiums und zuständig für die Beziehungen zur Republik Polen. Er gehörte zudem von 2000 bis 2004 dem Vertriebenenbeirat des Bundesministeriums des Innern an.

Im Humanitären Großpriorat Europa des Lazarus-Ordens war Hinz Initiator des Aufbaus von acht humanitären Lazarus-Sozialstationen im ehemaligen südlichen Ostpreußen. Chevalier (Ritter) Hinz war als Prior Ritterkomtur (Kommandierender Ritter) Mitglied des Ordenskapitels.

Ehrungen

Herausgeberschaft

Als Herausgeber folgender Publikationen fungierte Bernd Hinz ab 1980:

Einzelnachweise

  1. ↑ genial-nah vom 17. März 2016 (Memento vom 1. Dezember 2016 im Internet Archive), abgerufen am 30. November 2016
  2. ↑ Website der Kreisgemeinschaft Preußisch Holland Abgerufen am 30. November 2016
  3. ↑ Angaben auf der Seite der Stadt Itzehoe (Memento vom 4. Dezember 2016 im Internet Archive), abgerufen am 3. Dezember 2016
  4. ↑ Nachweis beim Museumsverband Schleswig-Holstein und Hamburg e.V. im Web Abgerufen am 29. November 2016
  5. ↑ Partnerschaftsvertrag mit der Stadt Paslek Abgerufen am 30. November 2016
  6. ↑ Bernhard Knapstein: Dialog in neuen Dimensionen, in: Preußische Allgemeine Zeitung vom 8. Oktober 2005, S. 5 Abgerufen am 29. November 2016
  7. ↑ vgl. Im Dialog Grenzen überwinden / Przezwyciezyc granice poprzez dialog, Bernd Hinz (Hrsg.), Hürth/Olsztyn 2006, S. 38 Abgerufen am 29. November 2016
  8. ↑ Website der AKP Abgerufen am 29. November 2016
  9. ↑ Website der Stadt Paslek/Ehrenbürger (Memento vom 29. November 2016 im Internet Archive) Abgerufen am 29. November 2016
  10. ↑ Bericht über Verleihung auf Pisz.wm.pl Abgerufen am 29. November 2016
  11. ↑ Nachrichten.net - Bundesverdienstkreuz - Bernd Hinz Abgerufen am 28. November 2016
  12. ↑ Pamięci Bernda Hinza. Abgerufen am 16. Juni 2022 (polnisch).
  13. ↑ Publikation als PDF Abgerufen am 6. Dezember 2016
  14. ↑ Publikation als PDF Abgerufen am 29. November 2016
  15. ↑ Publikation als PDF Abgerufen am 29. November 2016
  16. ↑ Publikation als PDF Abgerufen am 29. November 2016
  17. ↑ Publikation als PDF Abgerufen am 29. November 2016
  18. ↑ Publikation als PDF Abgerufen am 29. November 2016