Bernhard Paul

Bernhard Paul (2017)

Bernhard Paul (* 20. Mai 1947 in Lilienfeld) ist ein österreichischer Zirkusdirektor, Regisseur und Clown. Er gründete 1975 zusammen mit André Heller den Circus Roncalli.

Leben

Bernhard Paul als „Zippo“ (1984)
Bernhard Paul als Clown Zippo (2012)
Bernhard Paul und sein Schwager David Larible (2009)
Bernhard Paul in der Manege (2017)

Paul wurde 1947 als Sohn einer Handwerkerfamilie geboren und wuchs in Wilhelmsburg in Niederösterreich auf. Nach Volks- und Hauptschule bot es sich an, später eine Hoch- und Tiefbau-Ausbildung anzustreben, mit dem Ziel, in die Baufirma eines kinderlosen Onkels einzutreten. Da seine Begabungen nicht in diesem Fach lagen, wechselte er auf die Höhere Graphische Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt in Wien. Dort waren Josef Bramer, Manfred Deix und Gottfried Helnwein seine Mitschüler. Durch Vermittlung seines WG-Mitbewohners Manfred Deix wurde er Mitarbeiter des österreichischen Nachrichtenmagazins profil und stieg dann dort zum Art Director auf. Danach arbeitete er bei einer internationalen Werbeagentur.

Seit 1990 ist Paul mit der Artistin Eliana Larible verheiratet, die aus einer italienischen Zirkusdynastie stammt. Mit ihr hat er zwei Töchter und einen Sohn, die 2013 im Tourneeprogramm Time is Honey erstmals gemeinsam als die Rollschuhakrobaten Les Pauls auftraten. Adrian spielt im Zirkusorchester Gitarre, Vivian studiert im Fernstudium Marketing und Marktforschung, Lili zeigt Kontorsionsakrobatik als sogenannte „Schlangenfrau“. Alle Kinder wollen später den Zirkus von ihrem Vater übernehmen und gemeinsam weiterführen. Elianas Bruder David Larible tritt immer wieder im Circus Roncalli auf.

Paul wohnt – wenn er mit seiner Familie nicht im Zirkuswagen unterwegs ist – in Köln, auf Mallorca und in Wien.

Circus Roncalli

Paul wollte bereits als kleiner Junge zum Zirkus. Nach mehreren erfolgreichen Berufsjahren verwirklichte er 1975 seinen Traum und gründete gemeinsam mit André Heller den Circus Roncalli. Bereits nach wenigen Wochen stritten sich Heller und Paul über Bühnenbilder und Dompteurnummern. Schließlich verließ Heller das gemeinsame Unternehmen und nahm dabei 42 Artisten mit. Paul improvisierte mit Studenten und Ersatz-Artisten. Heller gab das Zirkusprojekt erst nach einem mehrjährigen Rechtsstreit auf und ließ Paul mit mehreren Millionen Schilling Schulden zurück. Nach Aussage von Paul gab es zu jener Zeit, als es scheinbar „nicht mehr ging“, Menschen, die ihm halfen, diese Zeit zu überstehen. Ab 1978 bereitete er eine Neugründung des Zirkus in der Kölner Südstadt vor. Die Premiere fand am 4. Juni 1980 in Köln statt. Paul trat oft selbst in der Manege auf und verkörperte als „Zippo“ die Clownfigur des dummen August. Nach einer Wiederannäherung, bei der Heller „die Größe [hatte], seine Schuld zuzugeben“, kam es 1992 erneut zu einer Zusammenarbeit mit der Wiedereröffnung des Berliner Varieté-Theaters Wintergarten. Er setzt sich seit Jahren dafür ein, dass Zirkus in Deutschland nicht mehr als Gewerbe, sondern als Theater eingestuft wird.

Sammlungen

Paul bewahrt in seinen Hallen in Köln unter anderem eine der größten Sammlungen von Zirkusgegenständen in Europa auf. Dazu zählen viele alte Kostüme, Tausende von Büchern über den Zirkus, Plakate und viele andere originale Exponate. Er sammelt auch Möbel und Einrichtungsgegenstände historischer Gaststätten und Kaffeehäuser. Zu seinen Sammlungen gehören:

Projekte

Wohnhaus, Lagerstätte und Winterquartier in Köln-Mülheim (2009)

Audio

Sonstiges

Filme

Publikationen

Ehrungen und Auszeichnungen (Auswahl)

Commons: Bernhard Paul – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Inga Griese: „Wer nicht verrückt ist, ist nicht normal“. In: Die Welt, 18. Mai 2001.
  2. ↑ Bernhard Paul. Biographie. In: roncalli.de.
  3. ↑ Johanna Heinz: Circus Roncalli. Kinder des Direktors treten erstmals gemeinsam auf. In: General-Anzeiger (Bonn), 4. Juli 2013.
  4. ↑ Christian Lingen: Die Töchter des Zirkus-Chefs. In: Rheinische Post, 1. April 2017.
  5. ↑ 18. Mai 1976 – Circus Roncalli startet in Bonn. In: WDR 2, Stichtag, 18. Mai 2016.
  6. ↑ Daniel Kastner: Manischer Manager der Manege. Circus Roncalli – eine Legende feiert Jubiläum. (Memento vom 25. März 2018 im Internet Archive). In: Willmy Magazin, April 2016, Nr. 9.
  7. 1 2 Martin Wein: Interview mit Roncalli-Chef Bernhard Paul: „Ich hatte Zirkusdirektor studiert“. In: General-Anzeiger (Bonn), 19. Mai 2017.
  8. ↑ Sophie Crocoll: „I hab mer 'dacht: I moch des jetzt amol.“ In: Bilanz, Dezember 2015, S. 38–45, (PDF; 6,8 MB).
  9. 1 2 Alexander Kühn, Timo Schober: »Ich höre nicht auf! Lassen Sie mich doch arbeiten«. In: Der Spiegel. 29. Dezember 2022, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 1. Januar 2023]).
  10. ↑ Bernhard Paul. Biographie • Kap. TV-Film & Theater. In: roncalli.de.
  11. ↑ Roncalli. In: fernsehserien.de.
  12. ↑ Siehe eine entsprechende Aussage Pauls in diesem Video.
  13. ↑ Verdienstordenträgerinnen und -träger seit 1986. (Memento vom 18. Februar 2017 im Internet Archive). In: Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen, (PDF; 25 S., 90 kB).
  14. ↑ Ernst-Renz-Plakette / Ernst-Renz-Preis. (Memento vom 29. Januar 2018 im Internet Archive). In: circusfreunde.org, 2018.
  15. ↑ 29. Verleihung der Goldenen Europa. (Memento vom 9. Dezember 2022 im Internet Archive) In: Chronik der ARD, 1997.
  16. ↑ Pressemitteilung: Ministerpräsident Armin Laschet verleiht den Staatspreis 2018 an Bernhard Paul. In: land.nrw, 27. November 2018, mit Fotostrecken.
Personendaten
NAME Paul, Bernhard
KURZBESCHREIBUNG österreichischer Zirkusdirektor, Regisseur und Clown
GEBURTSDATUM 20. Mai 1947
GEBURTSORT Lilienfeld, Österreich