Bernhard Rensch

Bernhard Carl Emmanuel Rensch (* 21. Januar 1900 in Thale; † 4. April 1990 in Münster) war ein Evolutionsbiologe, Zoologe, Verhaltensforscher, Neurophysiologe und Philosoph sowie Mitbegründer der synthetischen Evolutionstheorie. Er war Ordinarius für Zoologie und Direktor des Zoologischen Instituts an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Zusammen mit seiner Frau Ilse Rensch, geb. Maier (1902–1992), Tochter des Adolf Maier, arbeitete er auch auf dem Gebiet der Malakologie und beschrieb mehrere neue Arten und Unterarten von Landschnecken.

Leben

Bernhard Rensch wurde am 21. Januar 1900 in Thale im Harz geboren. Er besuchte von 1912 bis 1917 das Reformgymnasium in Halle/Saale und leistete 1917/18 (zuletzt als Leutnant der Reserve) Kriegsdienst. Nach zweijähriger französischer Gefangenschaft begann er 1920 in Halle mit dem Studium der Zoologie, Botanik, Chemie und Philosophie, wobei ihn besonders die Vorlesungen des Philosophen Theodor Ziehen (1862–1950) prägten. 1922 schloss er sein Studium mit einer Dissertation über ein cytologisch-phänogenetisches Thema bei Valentin Haecker (1864–1927) ab und arbeitete zwei Jahre als wissenschaftlicher Assistent am Institut für Pflanzenbau in Halle. Daneben nahm er Malunterricht.

Im Jahr 1925 wurde er Assistent und Abteilungsverwalter am Museum für Naturkunde, Berlin, an dem er bis 1937 wirkte. Unter anderem führte er 1927 eine sehr erfolgreiche Expedition zu den Kleinen Sunda-Inseln durch. Die wissenschaftlichen Ergebnisse dieser Reise fasste er 1930 in einem Buch zusammen, von dem insbesondere wichtige Impulse für die Biogeographie ausgingen. Als Nebenaspekt sind diesem Werk seine Eindrücke über die damals noch völlig unerforschte Musik von Lombok zu entnehmen. Im Jahre 1928 veröffentlichte er eine wichtige Arbeit zur Frage der Artentstehung (Das Prinzip geographischer Rassenkreise und das Problem der Artbildung), in dem er zahlreiche Ideen vorstellte, die später in die von ihm mitbegründete synthetische Evolutionstheorie Eingang fanden. Sein philosophisches Interesse galt besonders dem Leib-Seele-Problem. Hier entwickelte er eine eigene Form des Identismus (s. Lit.; Identitätstheorie). z. B. behauptet er, induktiv (also auf naturwissenschaftlicher Grundlage) zeigen zu können, dass das Auge (und andere Sinnesorgane) direkt am Bewusstsein Anteil hätten.

Rensch war Mitglied in verschiedenen NS-Organisationen. Von Beginn an im Reichsbund der Deutschen Beamten, trat er der NSV (1. Oktober 1935), dem Reichsluftschutzbund (4. Februar 1936), dem NSLB (September 1936), dem Reichskolonialbund sowie dem NSDDB bei.

Aufgrund letztlich nicht zu klärender Umstände verließ Rensch das Museum und fand eine Anstellung als Direktor am Landesmuseums für Naturkunde der Provinz Westfalen, wo er den von den Nationalsozialisten aus dem Amt entfernten Hermann Reichling ersetzte. Rensch habilitierte sich 1937 für Zoologie an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster.

1939 war er Oberleutnant der Reserve im Infanterie-Regiment 79. Im Mai 1940 wurde er zur Wehrmacht einberufen und diente in Frankreich und Russland. Am 1. Februar 1942 wurde er im Stab der 227. Infanterie-Division zum Hauptmann d. R. befördert. Ende Februar 1942 wurde er aus gesundheitlichen Gründen aus der Wehrmacht entlassen.

Im Jahr 1944 erhielt er einen Lehrstuhl für Zoologie an der Deutschen Universität Prag. Nach Kriegsende kehrte er 1945 nach Münster zurück und ab 1947 war er ordentlicher Professor am dortigen zoologischen Institut der Universität.

1953/1954 war Rensch Präsident der Deutschen Zoologischen Gesellschaft. Im Jahr 1956 gab er die Leitung des Westfälischen Museums für Naturkunde an seinen Schüler, den ehemaligen Jagdflieger Ludwig Franzisket ab, um sich nun ausschließlich seiner Arbeit als Hochschullehrer zu widmen. 1968 wurde er emeritiert.

1977 unternahm Rensch in Das universale Weltbild. Evolution und Naturphilosophie den Versuch, eine universelle Evolutionstheorie zu formulieren. Von der Evolution des Universums bis hin zur Erde, von der Bildung menschlicher „Rassen“, Völker und Kulturen bis zu ethischen und religiösen Vorstellungen wird alles im Sinne einer durchgängigen Evolution beschrieben. Selbst die Kunstgeschichte, die menschliche Psyche und einige Naturgesetze unterliegen nach Rensch diesem Prozess. Allerdings formuliert er nirgends allgemeine Evolutionsgesetze oder gar eine allgemeine Evolutionstheorie, sondern bleibt bei philosophischen Betrachtungen.

Bernhard Rensch starb 1990 im Alter von 90 Jahren.

Ehrungen

1958 erhielt Bernhard Rensch als einer von 18 Wissenschaftlern, „die Hervorragendes dazu beigetragen haben, die Darwin’schen Ideen weiterzuentwickeln und die großen Probleme der Evolution ein wenig aufzuhellen“ die Darwin-Wallace-Medaille und 1959 die Darwin-Plakette der Leopoldina. 1975 wurde er in die American Academy of Arts and Sciences gewählt, 1977 in die National Academy of Sciences. Seit 2004 vergibt die Gesellschaft für Biologische Systematik (GfBS) den Bernhard Rensch-Preis für herausragende Leistungen von Nachwuchswissenschaftlern auf dem Sektor der Systematik und Biodiversitätsforschung.

Werke

Allgemeine, theoretische, philosophische, weltanschauliche Arbeiten

Zoologische Arbeiten

Von Rensch neu beschriebene Taxa

Siehe auch

Architekten der Synthetischen Evolutionstheorie (1930–1950):

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Rensch, Bernhard Karl Emanuel, NDB-Artikel
  2. ↑ NARA T77 R950-0088
  3. ↑ Vgl. 100 Jahre Bernhard Rensch: Biologie – Philosoph – Künstler, herausgegeben von G. Dücker, 2000
  4. ↑ Gerhard Vollmer: Im Lichte der Evolution. Darwin in Wissenschaft und Philosophie. S. Hirzel, Stuttgart 2016, ISBN 978-3-7776-2617-8. (Vorschau des Buches bis S. 61 als PDF), abgerufen am 17. März 2024, S. 32–33.
  5. ↑ Uwe Fritz: GfBS: Verleihung des ersten Bernhard-Rensch Preises der GfBS. In: gfbs-home.de. 30. Juli 2015, abgerufen am 12. Juli 2017.
Personendaten
NAME Rensch, Bernhard
ALTERNATIVNAMEN Rensch Bernhard Carl Emmanuel
KURZBESCHREIBUNG deutscher Evolutionsbiologe
GEBURTSDATUM 21. Januar 1900
GEBURTSORT Thale im Harz
STERBEDATUM 4. April 1990
STERBEORT Münster