Berolinahaus

Berolinahaus
Südostfassade mit Haupteingang, 2012

Südostfassade mit Haupteingang, 2012

Daten
Ort Berlin-Mitte
Anschrift Alexanderplatz 1
Architekt Peter Behrens
Sergei Tchoban (2006)
Bauherr Bürohaus am Alexanderplatz GmbH
Pegasus GmbH (2006)
Baustil Neue Sachlichkeit
Baujahr 1931
1969 (Teil-Aufstockung)
2006 (Sanierung/Rekonstruktion)
Höhe 30,3 m
Grundfläche 1.638 m²
Koordinaten 52° 31′ 17,5″ N, 13° 24′ 44,9″ OKoordinaten: 52° 31′ 17,5″ N, 13° 24′ 44,9″ O

Das Berolinahaus in Berlin-Mitte ist das erste und älteste Hochhaus am Alexanderplatz, errichtet 1931 im Rahmen einer Flächensanierung. Architekt Peter Behrens entwarf das Büro- und Geschäftsgebäude im Stil der Neuen Sachlichkeit, es gilt heute als herausragendes Beispiel der klassischen Moderne. 1969 bekam das Haus eine vergrößerte, quaderförmige Kubatur, 2006 wurde es von Architekt Sergei Tchoban denkmalgerecht saniert. Berolina ist der latinisierte Name der Stadt Berlin und Name der ersten Grundeigentümerin, der kommunalen Berolina AG.

Lage

Das Berolinahaus liegt im Westen des Alexanderplatzes zwischen Platzfläche und der Dircksenstraße. Nördlich befindet sich seit 1970 der Brunnen der Völkerfreundschaft, westlich die Halle des Bahnhofs Alexanderplatz. Gemeinsam mit dem südöstlich gelegenen Zwillingsbau Alexanderhaus bildet es ein Bauensemble sowie eine Torsituation westwärts zum alten Berliner Stadtkern. Das Gebäude steht am Ort der Contrescarpe der Berliner Festung, bis 1746 befand sich südlich das barocke Königstor, später bis in die 1880er Jahre die Königsbrücke über den Königsgraben.

Grundstück Berolinahaus (gelb), 1928 / 2026. Alte Grünfläche Alexanderplatz (grün), altes Haus Alexanderplatz 1–2 (rot)

Die erste Adresse des Berolinahauses war „Alexanderstraße 71 / Dircksenstraße 22–25 / Am Königsgraben 8–9“, nach dem Abriss des ehemaligen Königsstädtischen Theaters für den Bau des Alexanderhauses erhielt das Berolinahaus 1933 dessen Adresse „Alexanderplatz 1“.

Architektur

Das Haus entspricht in Materialität und Raumaufteilung weitestgehend nicht mehr dem Originalzustand. Es wurde 1951 wiederaufgebaut, 1969 umgebaut und 2006 in Teilen entkernt, die Fassade rekonstruiert. Bereits seit 1975 steht es unter Denkmalschutz.

Das Gebäude ruht auf einer zehn Meter tief liegenden und eineinhalb Meter starken Betonwanne, die etwa vier Meter in das Grundwasser hineinreicht, es besteht aus einem zweigeschossigen Tiefkeller und oberirdisch aus einem achtgeschossigen Skelettbau aus Stahlbeton.

Nordwestfassade, 2026

„Das Äußere des Hauses ist einfach gehalten, sachlich in dem Sinne, ohne Umschweife den Charakter eines Bürohauses zu treffen. Die Konstruktion in Eisenbeton bleibt erkennbar. Die Betonung der Stützen und Balken als Rahmenwerk wird durch kassettenartige Rücksprünge verstärkt, die den Zweck haben, den Einfall des Lichtes in die Fenster zu begünstigen.“

– Peter Behrens, 1931

Nebeneinander in die Rücksprünge sind quadratische Kastenfenster gesetzt: sie bilden Gruppen zu je zwei Fenstern an den Gebäude-Längsseiten und Dreier-Gruppen an der Südostseite, die äußeren Fenster haben quadratisch gerasterte Stahlrahmen mit Wendeflügeln. Die Nordwestfassade war bis in die 1960er Jahre eine fensterlose Brandwand zum Nachbargebäude, sie steht seitdem frei und erhielt 2006 einen verglasten Spitzerker über das sechste und siebte Geschoss.

Drei Seiten der Fassade des Erdgeschosses sowie das Vestibül am Haupteingang sind mit schwarzgrünem Serpentinit verkleidet, das erste Obergeschoss ist von einer verglasten, einen Meter auskragenden Galerie umgeben. Oberhalb des Haupteingangs erhebt sich ein über das Flachdach hinausragender Treppenturm aus rückseitig emailliertem Weißglas. Die Fassaden der oberen Bürogeschosse sowie der Nordwestwand sind mit horizontal kanneliertem, grobporigem Elmkalkstein verblendet.

Elmkalkstein (links) und Serpentinit am Treppenabgang zur U-Bahn-Linie U8

Der Grundriss des Berolinahauses ist nahezu rechteckig, der oberirdische Baukörper quaderförmig mit Seitenlängen von 72,55 und 74,55 Metern, einer Breite von 22,27 Metern und 30,3 Metern Höhe. Die Brutto-Grundfläche beträgt 16.500 Quadratmeter, in den fünf oberen Geschossen befinden sich siebentausend Quadratmeter Büroflächen, in den unteren gut fünftausend Quadratmeter Ladenflächen.

Das Haus wird an seiner Südwestseite vom Tunnel der U-Bahn-Linie U8 unterfahren. Die Gebäudelast wird dort durch stählerne Kragträger abgefangen, die bis zu vier Meter über den Tunnel reichen. Bereits seit 1931 bestehen zwei Verbindungen zum großen U-Bahnhof-Alexandeplatz: Im Oberkeller gibt es an der Ostecke einen Übergang zur unterirdischen Ladenpassage (seit Ende der 2000er Jahre verschlossen). In der westlichen Hausecke gegenüber der Bahnhofshalle befindet sich ein straßenseitig geöffneter Treppenabgang zum Bahnsteig der U8.

Geschichte

Vorgängerbauten

Das Berolinahaus steht am Ort der ehemaligen äußeren Wallanlage der Berliner Festung, der sogenannten Contrescarpe, angelegt um das Jahr 1660. Bei den Bauarbeiten fanden sich im Baugrund „in den oberen 4 m […] Reste der außergewöhnlich starken Wälle […], die durch Sprengstoff gelöst und entfernt wurden.“ Im 18. und 19. Jahrhundert standen auf dem Grundstück zwei größere Gebäude: zunächst das sogenannte Tassaert’sche Haus gefolgt vom Dünnwald’schen Haus.

Tassaert’sches Haus (im Bild rechts), gesehen vom Ochsenmarkt, 1796 –
Königsbrücke im Umbau, dahinter das große Dünnwald’sche Haus, 1872

1779 ließ König Friedrich II. ein Wohnhaus für Hofbildhauer Antoine Tassaert am Ort des heutigen Berolinahauses errichten, es stand damals am Ufer des Königsgrabens und grenzte im Süden an die kurz zuvor errichtete Königsbrücke. Tassaert betrieb im Haus eine akademische Lehrwerkstatt, in der Bildhauer Gottfried Schadow seine Ausbildung erhielt, dieser galt später als einer der bedeutendsten Vertreter des deutschen Klassizismus und war Begründer der Berliner Bildhauerschule. Schadow nannte das Gebäude ein „hübsches zweistöckiges Haus mit den Attributen der Bildhauerkunst verziert“. Das Gebäude hatte ab 1801 die Adresse An der Contrescarpe 71 und ab 1819 Alexanderstraße 71.

1858 ließ der Kaufmann Hermann Joseph Dünnwald für seine Handelsfirma Dünnwald & Comp. ein viergeschossiges Wohn- und Geschäftshaus errichten mit Rundbogenfenstern und klassizistischem Frontispiz. Es war Teil eines größeren Neubaukomplexes an der Straße Am Königsgraben. In den 1890er Jahren hatte der Hoffotograf Martin Balg dort sein Atelier.

Baugeschichte 1929–1931

Das Berolinahaus entstand bei einer Flächensanierung. Nach Plänen der Stadträte Martin Wagner und Ernst Reuter erwarb die Stadt Berlin ab 1927 fast alle historischen Gebäude um den Alexanderplatz und ließ zahlreiche davon abreißen, darunter das Haus mit den 99 Schafsköpfen und das ehemalige Königsstädtische Theater. 1928–1932 wurden ein neuer großer Kreisverkehr in der Platzmitte sowie die heutigen U-Bahn-Linien U5 und U8 angelegt. Das Berolinahaus gehörte zum südlichen Teil der neuen Randbebauung, der nördliche Teil wurde aufgrund der Weltwirtschaftskrise nicht realisiert.

Eigentümerin der des alten Dünnwald’schen Hauses war ab 1924 die Berolina Spiegelglas GmbH unter Vorstand Julius Stahl, das Gebäude war deshalb bekannt als Stahlhaus. Im Juli 1927 wurde die Berolina Spiegelglas von der öffentlichen Hand für einen ungewöhnlich hohen Preis von 4,4 Millionen Reichsmark aufgekauft und hieß fortan Berolina Grundstücks-AG. Unter dieser Firma erwarb die Stadt auch zahlreiche weitere Abrissobjekte in der Umgebung, darunter das ehemalige Grand Hôtel Alexanderplatz, die Rechtmäßigkeit der Immobiliengeschäfte war später umstritten.

Baufortschritt im November 1930 – Fertiges Haus, 1931.

Zur Bebauung des Grundstücks schloss die Berolina einen Erbbauvertrag mit der Bürohaus am Alexanderplatz G.m.b.H., deren Geldgeber aus einem US-amerikanischen Firmen-Konsortium bestanden und die als Bauherren das Architekturbüro von Peter Behrens mit dem Neubau beauftragten. Während der Planungsphase nannte Behrens das Haus entsprechend dem Voreigentümer noch „Stahlhaus“ und das spätere Alexanderhaus „Aschinger­block“. Ab 1931 vermarkteten die Amerikaner den Neubau dann als Haus Berolina.

Die Bauarbeiten fanden unter beengten Bedingungen statt. Der Großstadtverkehr sowie die zahlreichen umliegenden Baustellen machten es „vollkommen unmöglich, beim Berolinahaus ausserhalb des Baugrundstucks Baustoffe zu lagern“. Ein schneller Baufortschritt erforderte minutiöse Logistik und eine nach amerikanischem Vorbild sehr genaue Bauplanung. Das Gebäude gehörte zu den ersten in Deutschland, in die bereits im Rohbau die Haustechnik eingeplant war.

Noch ohne Alexanderhaus, 1931

Vom Beginn der Rammarbeiten im September 1929 bis zur Rohbauabnahme vergingen fünfzehn Monate, die Büroetagen waren im Mai 1931 und das Café Braun im Oktober 1931 fertiggestellt, die letzte Gebrauchsabnahme für das Kellerrestaurant Wollenberg erfolgte im Januar 1932.

„Das erste Wahrzeichen des neuen Alexanderplatzes ist das acht Stock hohe Haus Berolina, das ehemalige Stahlhaus. Es schneidet als aufgestapelter Rechteckblock mit glasüberdachtem Fahrstuhlturm, der abends in eine Lichtsäule verwandelt wird, in das Platzbild hinein.“

– Badischer Beobachter, April 1931

Wenige Monate später folgte das Haus Alexander, dessen Rohbau im Dezember 1931 und Innenausbau im Oktober 1932 fertiggestellt war.

Originalzustand

Die Geschosse der Nordwestfassade waren in Behrens’ Berolinahaus abgestuft, die Konstruktion ähnelte dem 1922 von Max Taut errichteten Haus des Gewerkschaftsbundes. Über eine Breite von sechs Fensterachsen war das Gebäude an seiner Nordecke sechsgeschossig ausgeführt, die heutige Kubatur in Quaderform erhielt das Haus erst nach knapp vier Jahrzehnten bei einer Aufstockung Ende der 1960er Jahre in der DDR.

Ostansicht mit originaler Kubatur, 1930er Jahre und 1962

Die originale Fassade bestand aus dem gleichen Material wie der Naumburger Dom, sie war mit sechs Zentimeter starken Platten aus Freyburger Muschelkalk verblendet, einem feinporigen, unteren Muschelkalk aus Freyburg an der Unstrut. Der weiße Treppenturm bestand aus Opalglas, die Schaufensterrahmen aus Leichtmetall, die quadratischen Fensterrahmen aus Walzstahl.

Marmor am Paternoster, 1931

Die Raumaufteilung unterschied sich gänzlich: Vom Haupteingang am Treppenturm führte ein gerader Vitrinen­gang längs durch das Gebäude und vorbei an den Aufzügen, diese bestanden aus zwei Paternostern und zwei aus Weißbronze gearbeiteten Schnell-Aufzügen der Firma Otis. Der Vitrinengang endete an einer quer durchs Gebäude verlaufenden Hauspassage, jenseits davon lag der Eingangsbereich des Café Braun mit separater Rolltreppe in das erste Obergeschoss. Die oberen Bürogeschosse durchlief in Längsrichtung ein zentraler Korridor mit abgehenden Vorräumen, außen lagen zahlreiche in ihrer Größe frei unterteilbare Büroräume.

Sämtliche Boden- und Wandfliesen des Hauses bestanden aus Groß Kunzendorfer Marmor in großer Farbvariation: Die Böden der Flure waren mit hell-bunt bis dunkel-blaugrauen Steinen gemustert. Die großflächigen Marmor-Wandverkleidungen an den Aufzügen erschienen im Erdgeschoss dunkel, in den oberen Geschossen in senkrecht-gestreiften, rötlich-braunen Farbtönen. Das Café Braun im ersten Obergeschoss war mit „fast weißem, lichtelfenbeinfarbig getöntem schlesischem Marmor“ verkleidet.

Zweiter Weltkrieg und Wiederaufbau

Die Luftangriffe der Alliierten trafen das Berolinahaus mehrfach: Ende November 1943 flog das britische RAF Bomber Command seinen größten Angriff auf die Stadt, am Alexanderplatz gingen zahlreiche Spreng- und Brandbomben nieder, die „schwere Schäden“ am Berolinahaus verursachten. Im Februar 1945 hinterließ ein weiterer Großangriff ein ausgedehntes Schadensgebiet zwischen Hackeschem Markt und Alexanderplatz, das Berolinahaus galt als „Bemerkenswerte Schadensstelle“.

Berolinahaus (halbrechts), 1945 – Erster Mai 1953 mit Lenin und Stalin

Nach dem Krieg stand das ausgebrannte Haus weitgehend leer und diente vorübergehend als Quartier sowjetischer Truppen. Nach deren Auszug überließ der Berliner Magistrat einige Flächen an Einzelhändler und plante ab 1947 den Wiederaufbau des Hauses als Verwaltungsgebäude. Ende 1950 inserierte ein im Haus ansässiger Herrenausstatter einen Vor-Ort-Verkauf von „Bronze-Schaufenstern, Rollgittern und Marmor-Verkleidung“, vermutlich waren es Teile der alten Bausubstanz.

Als im Sommer 1951 das Organisationskomitee der Weltjugendspiele das Haus bezog, war es noch eine Baustelle, die Stadtverwaltung nutzte das Berolinahaus schließlich ab Herbst 1951. Beim Wiederaufbau wurde die Fassade großflächig mit grob scharriertem Beton ausgebessert und das Erdgeschoss an der Südostseite mit einem Säulengang zur Straße geöffnet. Im Galeriegeschoss richtete der Magistrat größere Ausstellungsräume ein und präsentierte dort im September 1951 die Entwürfe zum Ausbau der Berliner Stalinallee.

Umbauten und Sanierungen

Beim Jugendfestival der FDJ, 1979

Mitte der 1960er Jahre wurde das Nachbargebäude an der nordwestlichen Brandwand abgerissen, es war ein um 1888 errichtetes und im Krieg schwer beschädigtes Geschäftsgebäude, in den 1930er Jahren bekannt als Alexahaus. Nach dem Abriss stand das Berolinahaus frei, die östliche Gebäudeecke wurde ab 1967 von sechs auf acht Geschosse aufgestockt, innen wurden die Paternoster erneuert. Zum Abschluss der Arbeiten 1969 bekam die Kalksteinfassade eine neue Außenhaut aus Silikatputz.

Im Dezember 1993 verkaufte das Land Berlin das Berolinahaus für siebzig Millionen Mark an die Landesbank Berlin, das Gebäude galt damals als stark sanierungsbedürftig. Als letzter Nutzer zog 1998 das Bezirksamt Mitte aus, danach stand das Haus leer. Nach dem Zusammenbruch der Landesbank im Berliner Bankenskandal erwarb 2004 die Immobilienfirma Pegasus das Gebäude und beauftragte den Architekten Sergei Tchoban mit der Sanierung.

Tchoban ließ vier Ladengeschosse entkernen, die Stützweite der Pfeiler auf gut zehn Meter verdoppeln und zur Lastenverteilung eine zusätzliche Decke zum dritten Obergeschoss einziehen. Wegen tiefgreifender Bauschäden wurde die Fassade bis auf den Rohbau entfernt und nach Vorgaben des Denkmalschutzes restauriert (siehe oben Architektur), die Paternoster wurden entfernt. 2006 war die Sanierung abgeschlossen, sie kostete rund 25 Millionen Euro.

Nutzung

Stadtverwaltung

Über knapp siebzig Jahre – von 1931 bis 1998 – war das Berolinahaus Sitz verschiedener Dienststellen der Berliner Stadtverwaltung. Im neuerbauten Haus bezog im Juni 1931 das Gewerbeaufsichtsamt Berlin-Mitte seine Räume, die Nationalsozialisten verlegten 1937 die Amtsleitung des Arbeitsamts Mitte in das Haus. Nach dem Zweiten Weltkrieg zog im September 1951 die Abteilung Volksbildung des Magistrats ein, kurz darauf folgte für knapp vier Jahrzehnte der Rat des Stadtbezirks Mitte, von 1990 bis 1998 dann das Bezirksamt Mitte.

Im ersten Obergeschoss unterhielt der Magistrat ab 1951 größere Ausstellungsflächen, neben Volkskunst und zahlreichen sozialistischen Leistungsschauen wurde dort im Februar 1958 auch ein Modell von Sputnik 1 präsentiert.

Café Braun / Café Berolina

Café Braun, 1932. Seit 2006 befinden sich dort Verkaufsräume von C&A

Zu den größten Mietparteien gehörte ab Herbst 1931 das Café Braun mit angeschlossener Konditorei, betrieben von Johanna Braun und Gastronom Heinrich Braun, dem ehemaligen Inhaber des Café Piccadilly am Potsdamer Platz. Das Café Braun lag im nördlichen Teil des Gebäudes, hatte eine eigene Rolltreppe vom Erdgeschoss ins erste Obergeschoss und bot Platz für angeblich eintausend Personen:

„Berlin erhält jetzt als neueste Errungenschaft ein federndes Tanzparkett. Noch im Laufe des Oktober wird der Alexanderplatz ein großes weltstädtisches Café im Berolinahaus, dem neuen Hochhause neben der Stadtbahn, erhalten. […] Die Tanzfläche hat einen neuartigen Bodenbelag, bei dem das Holz in Blocks zusammengesetzt ist; dadurch soll beim Tanzen eine federnde Wirkung erzielt werden.“

Zum Café gehörte eine größere Dachterrasse mit Palmen und Liegestühlen.

1936 enteigneten die Nationalsozialisten die jüdischen Betreiber, das Café übernahmen die Erich-Krumm-Betriebe unter dem neuen Namen Café Berolina. Die Hausbühne war vor dem Zweiten Weltkrieg bekannt für Varieté, Kabarett und Musik, berühmte Gruppen wie das „Telefunken-Swing-Orchester“ von Heinz Wehner traten dort auf.

Kellerrestaurant Wollenberg / Berolina Keller

Nach längeren Ausbauarbeiten eröffnete im Herbst 1932 der Mediziner und Gastronom Dr. Bernhard Wollenberg ein gleichnamiges Bier- und Speiserestaurant im Untergeschoss. Eine Zeitungsnotiz beschrieb das Lokal genau:

„Dieser Betrieb umfaßt drei Etablissements: das Restaurant und die Schwemme im Oberkeller, die Stehbierhalle im Erdgeschoß. Das Restaurant liegt infolge seiner vielen Eingänge im Herzen des neuen Hochhauses, im Zentrum des neuen Alexanderplatzes. Der Haupteingang befindet sich in der durch das Hochhaus führenden Passage. Außerdem gelangt man durch zwei direkte Eingänge von der Untergrundbahn, durch die Stehbierhalle, durch einen Fahrstuhl vom Vestibül, sowie durch den in der Dircksenstraße gegenüber dem Bahnhof gelegenen Eingang ‚Schwemme‘, in das Restaurant. Die Speisekarte bietet zu den billigsten Preisen all das, was ein verwöhnter Gaumen verlangt.“

– Vorwärts, 1932

Das Restaurant Wollenberg bestand bis etwa 1940, nach dem Krieg folgte in den Räumen ab November 1951 der Berolina Keller, mit holzvertäfelten Gasträumen und insgesamt 360 Plätzen, der Betrieb hatte anfangs unter größeren Baumängeln zu leiden. Nach dreizehn Jahren wurde der Berolina Keller 1964 wegen hygienischer Mängel geschlossen und anschließend als Versorgungslokal für Bauarbeiter der damaligen Großbaustelle Alexanderplatz genutzt.

Post und Einzelhandel

Eine Post auf dem Grundstück hatte es bereits von 1888 bis 1905 im Vorgängerhaus gegeben, im Berolinahaus folgte von 1951 bis 1971 das Postamt C 25, eine Zweigstelle des großen Postamts C 2. Nach dem Auszug der Post eröffnete im Mai 1976 die Handelsorganisation in den alten Räumen das Eis-Café Polar. Das große Blumenbeet vor seiner Terrasse an der Dircksenstraße war alljährlich ein beliebtes Fotomotiv der DDR-Presse. Das Café blieb – wie auch eine Rewatex-Filiale namens Flinke Jette – über fünfzehn Jahre bis 1991 im Haus ansässig.

Größter Mieter nach der Sanierung 2006 wurde der Textil-Konzern C&A, der Verkaufsräume in vier Geschossen bezog, vom Oberkeller bis ins zweite Obergeschoss. Unter seinem alten Namen C&A Brenninkmeijer hatte der niederländische Traditionsbetrieb bereits ab 1911 seine erste deutsche Filiale an der nahegelegenen Königstraße Ecke Neue Friedrichstraße betrieben. Dort errichtete C&A einhundert Jahre später das Geschäftshaus Alea 101, behielt allerdings seine neue Filiale im Berolinahaus, direkt am Alexanderplatz.

Wissenswertes

Literatur

Commons: Berolinahaus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Pegasus Grundstücksentwicklung und Beteiligungsgesellschaft mbH & Co. KG, Wachtendonk
  2. ↑ Helga Griepentrog: Die Bürohäuser »Alexander« und »Berolina«. In: Gisela Fiedler-Bender (Hrsg.): Peter Behrens, Berlin Alexanderplatz. Kaiserslautern 1993, S. 103.
  3. ↑ Alexander Glintschert: Die Behrens-Bauten am Alexanderplatz. 20. Dezember 2016. (anderes-berlin.de, abgerufen am 12. September 2026)
  4. ↑ Peter Behrens: Ein neues Hochhaus in Berlin. In: Werner Hegemann und Günter Wasmuth (Hrsg.): Wasmuths Monatshefte für Baukunst und Städtebau, XV. Jahrgang, Heft 7, Berlin u. a. 1931, S. 291.
  5. ↑ Technisches vom Bau der Hochhäuser am Alexanderplatz in Berlin. In: Deutsche Bauzeitung, 67. Jahrgang, Heft 18, Berlin 3. Mai 1933, S. 358.
  6. ↑ Paul Seidel: Tassaert, Jean Pierre Antoin. In: Königliche Akademie der Wissenschaften: Allgemeine Deutsche Biographie. 37. Band, Leipzig 1894, S. 408. Online-Version.
  7. ↑ Gottfried Schadow: Biographie (1805/1806). In: Julius Friedländer (Hrsg.): Gottfried Schadow : Aufsätze und Briefe. Stuttgart 1890, S. 2.
  8. ↑ Zu vermiethen. Berlinische Nachrichten von Staats- und gelehrten Sachen, Berlin 4. Juli 1858, S. 8. („Die in den neu erbauten Häusern Alexanderstr. Nr. 71., hart an der Königsbrücke, sowie den anstoßenden Königsgraben 20. bis 22. gelegenen Läden, Lagerräumen, Wohnungen jeder Größe und zu den größten geschäftlichen Unternehmungen sich eignend sind zum 1. October d. J. theilweise auch sofort zu vermiethen und täglich zu besichtigen.“)
  9. ↑ Vorlagen für die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Berlin: Vorlage betr. die Grundstücksankäufe aus Anlaß der Durchführung der Untergrundbahnbauten und der dadurch erforderlich werdenden Straßendurchbrüche und Platzerweiterungen. Nr. 15 (342), Berlin 18. April 1930, S. 243 ff. (Detaillierte Liste der städtischen Immobilienaufkäufe und Gebäudeabrisse)
  10. ↑ Martin Wagner: Material zu einem Reichsstädtebaugesetz. In: Deutsche Bauzeitung, Beilage Stadt und Siedlung zur DBZ Nr. 93/94, Berlin 19. November 1930, S. 118f. (Diskussion der Wertsteigerung des Grundstücks)
  11. ↑ Berliner Börsen-Zeitung, Abendausgabe, 23. November 1927, S. 10.
  12. ↑ 38. Grundstück: Alexanderstr. 71 / Dircksenstr. 22—25 / Am Königsgraben 8—9 (Stahl). In: Vorlagen für die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Berlin: Vorlage betr. die Grundstücksankäufe aus Anlaß der Durchführung der Untergrundbahnbauten und der dadurch erforderlich werdenden Straßendurchbrüche. Nr. 15 (342), Berlin 18. April 1930, S. 253f, 258.
  13. ↑ Der neue Skandal. In: Berliner Tageblatt, Abendausgabe, Erstes Beiblatt, 26. März 1930, S. 1.
    Neue Skandalstimmung in Berlin. Grundstücksgeschäfte des Berliner Magistrats. In: Kölnische Zeitung, Morgenausgabe, 27. März 1930, S. 2.
  14. ↑ Big New Buildings In Berlin. In: The Times, London 2. August 1929. (genannt werden: Lowbeck Corporation of Chicago and New York; Lawrence Stern and Co. of Chicago; A.G. Becker and Co. of New York)
  15. ↑ Peter Behrens: Baublock: Stahlhaus. Grundriss, Juni 1930. Faksimile in: Ein neues Hochhaus in Berlin. Wasmuths Monatshefte für Baukunst|Wasmuths Monatshefte für Baukunst und Städtebau, XV. Jahrgang, Heft 7, Berlin u. a. 1931, S. 291.
  16. ↑ Der Wiederaufbau des Alexanderplatzes. In: Berliner Börsen-Zeitung, Morgenausgabe, 6. Juli 1930, S. 6.
  17. ↑ Bürohaus am Alexanderplatz G.m.b.H.: Haus Berolina am Alexanderplatz. Anzeige, Gemeindeblatt der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Ausgabe Januar 1932, S. 17.
  18. ↑ Technisches vom Bau der Hochhäuser am Alexanderplatz in Berlin. In: Deutsche Bauzeitung, 67. Jahrgang, Heft 18, Berlin 3. Mai 1933, S. 362.
  19. ↑ Technisches vom Bau der Hochhäuser am Alexanderplatz in Berlin, Abschnitt Bauausführung und Termine. In: Deutsche Bauzeitung, 67. Jahrgang, Heft 18, Berlin 3. Mai 1933, S. 362.
  20. ↑ Berliner Bilderbogen. In: Badischer Beobachter, Hauptorgan der badischen Zentrumspartei, 23. April 1931, S. 5.
  21. ↑ Tilmann Buddensieg: Der Weltstadtplatz. Peter Behrens und das »Neue Herz« Berlins am Alexanderplatz. In: Gisela Fiedler-Bender (Hrsg.): Peter Behrens, Berlin Alexanderplatz. Kaiserslautern 1993, S. 85.
  22. ↑ Peter Behrens: Ein neues Hochhaus in Berlin. In: Wasmuths Monatshefte für Baukunst|Wasmuths Monatshefte für Baukunst und Städtebau. XV. Jahrgang, Heft 7, Berlin u. a. 1931, S. 291.
  23. ↑ Helga Griepentrog: Im Atelier von Peter Berens. In: Gisela Fiedler-Bender (Hrsg.): Peter Behrens, Berlin Alexanderplatz. Kaiserslautern 1993, S. 99.
  24. ↑ Die neuen Hochhäuser am Alexanderplatz in Berlin. In: Deutsche Bauzeitung, 66. Jahrgang, Nr. 46, Berlin 9. November 1932, S. 902. (Grundriss Erdgeschoss)
  25. ↑ Peter Behrens: Ein neues Hochhaus in Berlin. In: Werner Hegemann und Günter Wasmuth (Hrsg.): Wasmuths Monatshefte für Baukunst|Wasmuths Monatshefte für Baukunst und Städtebau. XV. Jahrgang, Heft 7, Berlin u. a. 1931, S. 291f.
  26. ↑ Neue Hochhäuser in Berlin am Alexanderplatz. In: Werner Hegemann und Günter Wasmuth (Hrsg.): Wasmuths Monatshefte für Baukunst und Städtebau. XV. Jahrgang, Heft 10, Beilage, Berlin u. a. 1931, Seite V. (Mit Abbildung)
  27. ↑ Laurenz Demps: Berichte der Hauptluftschutzstelle der Stadtverwaltung Berlin. Ch. Links, Berlin 2012. Spezialinventar von Kerstin Bötticher, S. 633. (=LAB, A Rep. 001-02, Nr. 701, Bl. 176.)
  28. ↑ Laurenz Demps: Berichte der Hauptluftschutzstelle der Stadtverwaltung Berlin. Ch. Links, Berlin 2012. Spezialinventar von Kerstin Bötticher, S. 1035. (=LAB, A Rep. 001-02, Nr. 703, Bl. 31 ff.)
  29. ↑ Helga Griepentrog: Die Bürohäuser »Alexander« und »Berolina«. In: Gisela Fiedler-Bender (Hrsg.): Peter Behrens, Berlin Alexanderplatz. Kaiserslautern 1993, S. 102.
  30. ↑ Aufbau am Alexanderplatz – Ausbau der ausgebrannten Hochhäuser. In: Berliner Zeitung, 28. Mai 1948, S. 6.
  31. ↑ Verkauf. Anzeige der Firma Carl Stark. In: Berliner Zeitung, 24. September 1950, S. 5.
  32. ↑ Berlin bereitet sich auf seine Gäste vor. In: Neues Deutschland, Berlin 7. Juli 1951, S. 4.
  33. ↑ Abteilung Volksbildung im Berolina-Hochhaus. In: Neues Deutschland, Berlin 30. August 1951, S. 6.
  34. ↑ Helga Griepentrog: Die Bürohäuser »Alexander« und »Berolina«. In: Gisela Fiedler-Bender (Hrsg.): Peter Behrens, Berlin Alexanderplatz. Kaiserslautern 1993, S. 103.
  35. ↑ Berolina-Haus wird aufgestockt. In: Berliner Zeitung, 19. Juli 1967, S. 3.
  36. ↑ Neues Kleid aus Silikat. In: Neue Zeit, Berlin 8. August 1969, S. 6.
  37. ↑ Historische Bauten in Berlin : Das Berolina- und Alexanderhaus. In: Neue Zeit, Berlin 27. Januar 1970, S. 6.
  38. ↑ Berolinahaus ist an die Landesbank Berlin verkauft. In: Berliner Zeitung, 31. Dezember 1993, S. 20.
  39. ↑ Bernd Hettlage: Berolinahaus Alexanderplatz Berlin. Stadtwandel Verlag, Berlin 2007, S. 9. (Vollständiger Name der Bauherrin war: Pegasus Grundstücksentwicklung und Beteiligungsgesellschaft mbH, Wachtendonk)
  40. ↑ Ohne Paternoster. Berolina-Haus am Berliner Alex wird umgebaut. In: BauNetz. 25. Mai 2005.
  41. ↑ Dienststellenverlegung. In: Amtliche Nachrichten des Polizei-Präsidiums in Berlin, Ausgabe 1931, Nr. 48, 3. Juli 1931, S. 1.
  42. ↑ Abteilung Volksbildung im Berolina-Hochhaus. In: Neues Deutschland, 30. August 1951, S. 6.
  43. ↑ Sputnik aus der Nähe zu sehen. In: Neues Deutschland, 6. Februar 1958, S. 4.
  44. ↑ Café Braun Gesellschaft mit beschränkter Haftung, Berlin. In: Deutscher Reichsanzeiger und Preußischer Staatsanzeiger, 9. Januar 1931, S. 11.
  45. ↑ Ein federndes Tanzparkett. In: Bochumer Anzeiger, 14. Oktober 1931, S. 6.
  46. ↑ Dachgarten Berolinahaus. Postkarte, undatiert, Landesarchiv Berlin, Allgemeine Postkartensammlung, F Rep. 251 Nr. 563.
  47. ↑ Christoph Kreutzmüller: Datenbank jüdischer Gewerbebetriebe in Berlin, Humboldt-Universität zu Berlin, Eintrag: „Café Braun GmbH“. (Abgerufen 6. September 2026)
  48. ↑ Bernhard Wollenberg: Ueber Lipome des Magens. Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin, 20. März 1931, S. 23. (Dissertationsschrift mit Kurzlebenslauf. Wollenberg war der Sohn des Berliner Gastronoms Wilhelm Wollenberg)
  49. ↑ Wo speist man gut? In: Vorwärts, Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, Morgen-Ausgabe, 27. November 1932, S. 7.
  50. ↑ Deutscher Reichsanzeiger und Preußischer Staatsanzeiger, 31. Januar 1940, S. 8. (Liquidationsvermerk der B. Wollenberg Gaststättengesellschaft mbH)
  51. ↑ Neue HO-Gaststätte am Alex. In: Berliner Zeitung, 25. November 1951, S. 8.
  52. ↑ Wüstensöhne im „Berolina-Keller“ am Alex. In: Berliner Zeitung, 21. März 1952, S. 6.
  53. ↑ Sonderpostamt mit Auslandsverkehr. In: Neues Deutschland, 20. Juli 1951, S. 4.
  54. ↑ Gerhard Schulz: Ein Stück Boulevard. In: Berliner Zeitung, 15. Juni 1976, S. 9.
  55. ↑ Uwe Aulich: Bürgerfreundliche Verwaltung. In: Berliner Zeitung, 3. Juli 1991, S. 12.
  56. ↑ Arme Berolina. In: Berliner Stadtanzeiger, Generalanzeiger des Berliner Tageblatts, Berlin 5. Juni 1927, S. 1.
  57. ↑ Georg Pahl: Die feierliche Wiederaufstellung der Berolina auf dem Alexanderplatz in Berlin. Fotografie, Berlin Dezember 1933. Bundesarchiv, Bild 102-03257.
  58. ↑ Christoph Kreutzmüller: Datenbank jüdischer Gewerbebetriebe in Berlin, Humboldt-Universität zu Berlin, Eintrag: „Automaten-Restaurant Alexanderplatz Benno Einfeld“. (Abgerufen 12. September 2026)
  59. ↑ Eine Molle Vollbier für Marke Nr. 3. In: Neues Deutschland, 2. Juli 1954, S. 6.