Bertrand Bouvier

Bertrand Bouvier, griechisch Μπερτράν Μπουβιέ (* 6. November 1929 in Zürich; † 3. Januar 2025), war ein Schweizer Neogräzist und Hochschullehrer.

Leben

Bouvier war Sohn des protestantischen Pastors André Bouvier und Enkel des Professors für französische Literatur an der Universität Genf Bernard Bouvier, des Herausgebers von Henri-Frédéric Amiel, der von 1906 bis 1908 zugleich Rektor der Universität war. Der Schriftsteller Nicolas Bouvier, dessen Gedichtsammlung Le Dehors et le dedans er ins Neugriechische übersetzte, war sein Cousin.

Bouvier studierte Klassische Philologie und moderne Sprachen an der Universität Genf und erlangte 1952 das Lizenziat. Von 1956 bis 1975 lehrte er Altgriechisch am Collège de Genève, dem heutigen Collège Calvin, von 1956 bis 1972 zugleich Neugriechisch an der École de Traduction et d’Interprétation de Genève, von 1957 bis 1976 war er Lehrbeauftragter für Neugriechisch und von 1957 bis 1960 zugleich Assistent für Altgriechisch und Lateinisch an der Faculté des Lettres der Universität Genf. Dort wurde er 1974 mit einer Dissertation über das Mirologion promoviert und zwei Jahre später zum ausserordentlichen Professor für Neogräzistik, 1979 dann zum ordentlichen Professor ernannt. 1995 wurde er emeritiert.

Bouvier war ein Schüler von Samuel Baud-Bovy, mit dem er die Genfer Schule der Neogräzistik begründete.

Auszeichnungen

Bouvier wurde 1988 zum Kommandeur des griechischen Phönix-Ordens, 1998 zum korrespondierenden Mitglied der Akademie von Athen, 2008 zum Doctor honoris causa der Universität Zypern, 2016 zum Doctor honoris causa der Universität Thessaloniki ernannt.

Forschungsschwerpunkte

Abgesehen vom Mirologion, einem von Frauen gedichteten und gesungenen Totenlied in der Tradition der griechisch-orthodoxen Kirche, arbeitete Bouvier auf dem Gebiet der neugriechischen Literatur zum Volkslied, zu zeitgenössischen Dichtern aus Thessaloniki, zum Dichter Andreas Kalvos und zur zypriotischen Dichtung. Einen Band mit Photographien des Berges Athos von Fred Boissonnas hat er mit eigenen Texten versehen veröffentlicht. Zuletzt hat er zusammen mit Anastasia Danae Lazaridis ein französischsprachiges Manuskript der Bibliothek von Genf herausgegeben, in dem sich der griechische Gelehrte Iakovakis Rhizos Nerulos, der sich zeitweilig in Genf aufhielt, kritisch mit der Charte Turque ou Organisation religieuse, civile et militaire de l’Empire Ottoman des Italieners Alfio Grassi (1766–1827) auseinandersetzt. Verschiedene Studien hat er der Genfer Gräzistik und Neogräzistik gewidmet (Iakovakis Rhizos Nerulos, 1778–1849; Élie Ami Bétant, 1803–1871; Samuel Baud-Bovy, 1906–1986). Zudem hat er ein Gedichtbändchen des griechischen Schriftstellers Thanasis Valtinos ins Französische übersetzt.

Nach seiner Emeritierung wandte er sich in Zusammenarbeit mit Frédéric Amsler und François Bovon der apokryphen Literatur der christlichen Überlieferung zu, insbesondere den Philippusakten, der Paulus-Apokalypse und den Petrusakten, und wirkte an einer kritischen Edition der Logienquelle Q mit.

Schriften (Auswahl)

Neugriechische Literatur

Geschichte der Genfer Neogräzistik

Altgriechische und altchristliche Literatur

Apokryphe christliche Literatur

Übersetzungen

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ En hommage à Bertrand Bouvier. In: Tribune de Genève. 7. Januar 2025, abgerufen am 11. Januar 2025 (französisch).
  2. ↑ André Bouvier ist Verfasser von: Un père de l’Église réformée, Henri Bullinger, le second réformateur de Zürich. Ouvrage posthume complété d’après les notes de l’auteur par Auguste Lemaître. Genève 1987.
  3. ↑ Henri-Frédéric Amiel, Fragments d’un journal intime. Paris 1932.
  4. ↑ Marcel Raymond, Hommage à Bernard Bouvier. Genève, Imprimerie du Journal de Genève 1942.
  5. ↑ Ekkehard Wolfgang Bornträger: Griechenland. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  6. ↑ Alfio Grassi: Charte Turque ou Organisation religieuse, civile et militaire de l’Empire Ottoman : Suivie de Quelques Réflexions sur la Guerre des Grecs contre les Turcs. À la Librairie Universelle, Paris 1825, Tome premier, Tome deuxième.
Personendaten
NAME Bouvier, Bertrand
KURZBESCHREIBUNG Schweizer Neogräzist
GEBURTSDATUM 6. November 1929
GEBURTSORT Zürich
STERBEDATUM 3. Januar 2025