Bettina Carl

Bettina Carl

Bettina Carl (* 1968 in Coburg) ist eine zeitgenössische bildende Künstlerin, die mit Zeichnung, Malerei und Installation arbeitet. Bettina Carl ist deutsch-schweizerische Doppelbürgerin und lebt und arbeitet vorrangig in Zürich.

Leben

Bettina Carl wuchs in Bayern auf. Nach dem Abitur studierte sie zunächst Englische und Spanische Literaturwissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität München, der Universität von Granada und der Freien Universität Berlin. 1991 zog Bettina Carl nach Ostberlin und begann 1994 ihr Studium an der Hochschule der Künste Berlin, heute Universität der Künste Berlin, wo sie von 1996 bis 2001 in der Klasse von Katharina Sieverding studierte. Während ihres Kunststudiums experimentierte sie mit Installation, Zeichnung, Texten und Farbfotografie. Ein Erasmusstipendium ermöglichte ihr 1999 einen Studienaufenthalt am Chelsea College of Art in London, wo Ceal Floyer ihre Tutorin war. 2001 schloss Carl ihr Kunststudium in Berlin mit einem Master of Fine Arts als Meisterschülerin von Katharina Sieverding ab.

2002 bis 2003 nahm sie als Stipendiatin an dem Berliner Künstlerinnen-Förderprogramm „Goldrausch“ teil. Im Folgejahr wurde sie für den Postgraduate Course Critical Studies der Kunstakademie Malmö / Universität Lund ausgewählt, wo sie bis 2005 unter anderem bei Sarat Maharaj studierte.

Seit Ende der 1990er Jahre werden Bettina Carls Installationen und Zeichnungen international in Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt. Von 2008 bis 2012 repräsentierte die Vegas Gallery London Bettina Carls Arbeit, von 2010 bis 2013 war sie im Programm von SchauOrt Christiane Büntgen Zürich und seit 2014 vertritt DuflonRacz Bern / Brüssel ihre Arbeit.

Bettina Carls Arbeit wurde mit vielen Stipendien, Preisen und Residenzen gewürdigt; darunter sind ein Pro-Helvetia-Stipendium für Buenos Aires, der Werkbeitrag des Kantons Zürich und das Arbeitsstipendium des Senats von Berlin.

Neben ihrer eigenen künstlerischen Tätigkeit ist sie als Kuratorin und Autorin aktiv. Im Jahr 2001 war Bettina Carl Mitbegründerin des Kunstprojekts CAPRI Berlin. Sie realisiert bis heute als Gastkuratorin Ausstellungsprojekte in internationalen Kunsträumen und Institutionen. Seit 2007 hat sie ihren Arbeits- und Lebensschwerpunkt in Zürich.

Werk

Für Bettina Carls Praxis hat die Zeichnung als eigenständiges Medium zentrale Bedeutung. In ihren Arbeiten auf Papier steht die Einfachheit des Materials im Gegensatz zu einer ausgeprägten formalen und inhaltlichen Vielschichtigkeit. Bettina Carls Kompositionen bewegen sich im Grenzbereich von Figuration und Abstraktion, sie zeichnet vor allem großformatig, auf malerische Weise prozesshaft und in mehreren Bearbeitungsstufen. Die Künstlerin wechselt zwischen trocken-linearem und flächigem Farbauftrag und bewirkt so eine grundlegende Dissonanz und Hybridität ihres Bildaufbaus. Bettina Carl entwickelt ihre Arbeiten experimentell, in der Auseinandersetzung zwischen den Motiven und dem formalen und materiellen Potential des Bildraums.

Inhaltlich geht ihre künstlerische Arbeit von einer ebenso kritischen wie spielerischen Befragung konventioneller Wahrnehmungsmuster und deren historisch-politischer Kontexte aus. Dabei interessiert sich Carl besonders für das kulturelle Konstrukt der 'Natur' und für westlich-hegemoniale Vorstellungen von Körperlichkeit; das hier dominante Konzept einer hierarchischen Zweiheit von Geist und Körper hat einerseits tragikomische Aspekte, andrerseits negiert es fundamentale Bedingungen des Lebens, wie die osmotischen Abhängigkeiten zwischen dem Körper-Ich und der Mitwelt und die Verletzlichkeit und Durchlässigkeit unserer physischen Existenz. Der zusammenfassende Titel dieser thematischen Werkgruppe ist "Falten/Anti-Falten", dazu gehören u. a. die Serien "Einsilbige Tiere" 2000–2025 und "Schlitz" 2023–2025.

Auch installative, oft ortsspezifisch konzipierte Werke sind für Bettina Carls Praxis charakteristisch. Fundstücke, Elemente aus Holz und Stoffen, sowie Textfragmente und Zeichnungen verbinden sich zum Beispiel in "Montes Sovietici" 2001–2004 oder "Happy Knowledge" 2015–2022. Seit ihrem Prohelvetia-Stipendium in Buenos Aires 2023 sind Objekte und Installationen aus textilen Materialien als medial neues Element in Carls Schaffen präsent.

Preise, Stipendien und Auszeichnungen (Auswahl)

Ausstellungen (Auswahl)

Einzelausstellungen (Auswahl)

Gruppenausstellungen (Auswahl)

Publikationen und kuratorische Projekte (Auswahl)

Kuratorische Projekte (Auswahl)

Bettina Carl gründete 2001 zusammen mit den Künstlerinnen Ina Bierstedt und Alena Meier-Menzel den Kunstraum CAPRI in Berlin-Mitte. Bis 2006 wurden dort 71 Projekte realisiert, darunter viele Solopräsentationen mit installativen Arbeiten, aber auch Gruppenausstellungen und internationale Kooperationen. Seit 2009 steht CAPRI Berlin für die Ausstellungsprojekte, die Bettina Carl und Ina Bierstedt als kuratierende Künstlerinnen für verschiedene Institutionen konzipieren. Dazu gehörten Gruppenausstellungen im Kunstraum Kreuzberg/Bethanien Berlin, den Karlin Studios/Futura Prag, dem Haus der Kunst der Stadt Brno sowie der Studiogalerie des Hauses am Lützowplatz Berlin. Im Team von CAPRI Berlin ist Bettina Carl seit 2001 für alle Konzeptetexte und Übersetzungen verantwortlich. Ab 2007 hat Carl auch in der Schweiz einige Gruppenausstellungen realisiert, in denen sie oft lokale und internationale künstlerische Positionen zusammenbrachte.

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 Werkschau Kanton Zürich 2022 – Bettina Carl. In: kunstbulletin.ch. Abgerufen am 30. November 2025.
  2. ↑ Bettina Carl. In: goldrausch.org. Abgerufen am 1. Dezember 2025.
  3. ↑ Bettina Carl: Curriculum Vitae. In: 1&1. 2021, abgerufen am 29. Dezember 2025.
  4. ↑ Kate Whitebread und Pesche: Biography. Galerie DuflonRacz, 2025, abgerufen am 29. Dezember 2025 (englisch, deutsch).
  5. ↑ Ken Pratt: Vegas Gallery London Past Exghibitions. In: vegasgallery.co.uk. 2013, abgerufen am 29. Dezember 2025 (englisch).
  6. ↑ Christiane Büntgen: Represented Artists. In: schauort.com. 2013, abgerufen am 29. Dezember 2025 (englisch).
  7. ↑ Kate Whitebread: Bettina Carl. In: duflon-racz.ch/bern/home. 2023, abgerufen am 29. Dezember 2025 (englisch).
  8. ↑ A summary of residencies to and from South America in 2023. In: Pro Helvetia. 15. Dezember 2023, abgerufen am 30. November 2025 (englisch).
  9. ↑ Werkbeiträge des Kantons Zürich im Bereich Bildende Kunst. In: zh.ch. Abgerufen am 30. November 2025.
  10. ↑ Capri. In: capri-berlin.de. Abgerufen am 30. November 2025.
  11. ↑ Kunstpreis der Stadt Uster 2019: akku künstleratelier Uster. Abgerufen am 1. Februar 2026.
  12. ↑ Stadt Zürich Kultur: Stipendien der Stadt Zürich für Bildende Kunst 2017. In: Stadt Zürich Kultur Bildende Kunst. Stadt Zürich, 14. Juli 2017, abgerufen am 1. Januar 2026.
  13. ↑ Werkbeiträge des Kantons Zürich im Bereich Bildende Kunst. Abgerufen am 1. Februar 2026.
  14. ↑ mbarsanelli: A summary of residencies to and from South America in 2023. In: Pro Helvetia. 15. Dezember 2023, abgerufen am 1. Februar 2026 (deutsch).
  15. ↑ Alena Meier-Menzel: CAPRI Berlin Programm 2001. In: www.capri-berlin.de. CAPRI Raum für aktuelle Kunst Berlin, 2002, abgerufen am 2. Januar 2026.
  16. ↑ Sofia Hultén. (PDF) In: nordenhake.com. Abgerufen am 27. November 2025.
  17. ↑ Bettina Carl: Bilder über die Kultur: Den alten Bekannten. In: capri-berlin.de. Abgerufen am 27. November 2025.
  18. ↑ On a Horse Without. In: vegasgallery.co.uk. Abgerufen am 27. November 2025 (englisch).
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  20. ↑ Schau Ort – Past Exhibitions. Abgerufen am 30. November 2025 (englisch).
  21. ↑ Bettina Carl. In: Kunstbulletin. Abgerufen am 1. Dezember 2025.
  22. ↑ Bettina Carl – Ganze Teile, Glaser/Kunz – Kopfkino. In: glurisuterhuus.ch. 31. August 2014, abgerufen am 30. November 2025.
  23. ↑ Bettina Carl – Nahe Verwandte des Menschen. In: duflon-racz.ch. Abgerufen am 30. November 2025.
  24. ↑ Bettina Carl – Anti-Falten. In: duflon-racz.ch. Abgerufen am 30. November 2025.
  25. ↑ 2017. Art on Paper. In: artonpaper.be. Abgerufen am 30. November 2025 (französisch).
  26. ↑ Bettina Carl – Take a Bone from a Dog. In: duflon-racz.ch. Abgerufen am 30. November 2025.
  27. ↑ Ausstellungen. In: akkuuster.ch. 8. November 2019, abgerufen am 30. November 2025.
  28. ↑ Bettina Carl – Dinge im Fall. In: duflon-racz.ch. Abgerufen am 30. November 2025.
  29. ↑ Bettina Carl & Bettina Diel: Red & Reckless – Ein installatives Projekt für den Wartsaal Wipkingen. In: wartsaal-wipkingen.ch. 27. Juli 2024, abgerufen am 30. November 2025.
  30. ↑ Bettina Carl, Ina Bierstedt, Janosch Perler – Löcher im Sieb. In: duflon-racz.ch. Abgerufen am 30. November 2025.
  31. ↑ Bettina Carl / Sadhyo Niederberger. In: GSH. 12. Oktober 2025, abgerufen am 3. Dezember 2025.
  32. ↑ Jana Franchi: D.U.M. exhibitions 2015. In: https://www.dum-umeni.cz/en/exhibitions/. Dum Umeni Mesta Brno / The Brno House of Art, CZ, 2015, abgerufen am 1. Januar 2026 (englisch).
  33. ↑ Jeremias Heppeler: Was die Kunst zur Kunst macht. In: https://www.thurgaukultur.ch/magazin/. Thurgau Kultur, 15. Juni 2021, abgerufen am 1. Januar 2026.
  34. ↑ Palmenschatten – Ina Bierstedt, Bettina Carl, Silke Leverkühne und Marie Kratochvílová. In: kunstleben-berlin.de. 13. Januar 2022, abgerufen am 3. Dezember 2025.
  35. ↑ Uncertain Domesticities. Abgerufen am 3. Dezember 2025 (englisch).
  36. ↑ Richard Rabensaat: Die blaue Grotte von Capri. In: taz.de. 15. Mai 2002, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 3. Dezember 2025]).
  37. ↑ Capri Space for Contemporary art. Abgerufen am 3. Dezember 2025 (englisch).
  38. 1 2 Ich weiss was du nicht siehst. In: kunstforum.de. Abgerufen am 3. Dezember 2025.
  39. ↑ Bettina Carl: Rear Window. In: VdBK1867. 2025, abgerufen am 3. Dezember 2025.
  40. ↑ Regine Helbling, Christoph Doswald: Corona Call visarte Schweiz. Druckerei Odermatt, 2021, abgerufen am 29. Dezember 2025.
Personendaten
NAME Carl, Bettina
KURZBESCHREIBUNG bildende Künstlerin
GEBURTSDATUM 1968
GEBURTSORT Coburg