
Das Museum Chasa Jaura (dt. Haus der Jauer), auch Talmuseum Münstertal, ist eine 1973 in Valchava (Schweiz) eröffnete Kulturstätte. Sie befindet sich in einem über 300 Jahre alten Engadinerhaus und stellt gleichzeitig ein Heimatmuseum und ein Kunstmuseum dar.
Das ehemalige Doppelhaus Chasa Jaura wurde im 17. Jahrhundert erbaut. Daten über der Freitreppe und im Dachstuhl zeugen von einem Umbau in den Jahren 1724 bis 1727. Eine Restaurierung erfolgte von 1970 bis 1973 unter der Leitung von Iachen Ulrich Könz, eine Teilrestaurierung in den Jahren 1999 bis 2001. Zeitweise diente es als Gemeindehaus. Anstelle der früheren Scheune ist heute ein Ausstellungs- und Vortragssaal eingerichtet.
Der Bau verfügt über einen zweigeschossigen polygonalen Erker mit dreigliedrigen Fenstergruppen. Aufgemalt sind Wappen der Drei Bünde und Wappen der Familie Capol aus der Umbauzeit im 18. Jahrhundert. Die bemalte Putzdekoration stammt aus dem Jahr 1724.
Die Sammlung illustriert die frühere bäuerliche und handwerkliche Lebensweise der Talbevölkerung. Originale Möbel und Gerätschaften finden sich in Stube, Schlafkammer und Küche sowie in einer Alpkäserei.
Im früheren Viehstall, im Keller des Hauses ist eine original erhaltene Hammerschmiede wiederaufgebaut. Diese war ursprünglich 1884 in Valchava eingerichtet worden. Während dreier Generationen wurde sie von einer Familie Largiadèr betrieben. Nach ihrer Stilllegung Mitte des 20. Jahrhunderts wurde sie in ihre rund 250 Einzelteile zerlegt und mittels Massstabzeichnungen und Fotografien dokumentiert.
Die Schmiede verfügt über ein Tiefschlächtiges Wasserrad, mit Durchmesser von 2,24 Metern. Ihre Holzteile sind allesamt aus Lärche gefertigt. Die Wasserradwelle, zwei Hammerwerke und ein Schleifstein lassen sich hier besichtigen. Der Blasebalg und ein Luftzeugungsfass (Wassertrommelgebläse) für die ebenfalls aufgebaute Esse sind, samt den Schmiedewerkzeugen, zu sehen.
Es ist diese noch die einzige solche Anlage im Kanton und eine von nur 15 in der ganzen Schweiz erhaltenen. Ein durch Adolf Gähwiler erstelltes Modell der Hammerschmiede von Valchava findet sich im Bergbaumuseum Davos.
Es gibt saisonale Wechselausstellungen, die jeweils einzelnen Exponenten der zeitgenössischen bildenden Kunst gewidmet sind. Deren Werke werden zur Hauptsache nicht in separaten Räumen, sondern innerhalb der Sammlung ausgestellt. Dadurch tritt altes Volksgut in Dialog mit den Ausdrucksformen der Gegenwart. Teilweise werden die Objekte eigens für die Ausstellungen konzipiert.
Institutionell mit dem Haus verbunden ist die 1984 gegründete Biblioteca Chasa Jaura. Diese Bibliothek der Talschaft umfasst mehrere tausend Bände. Sie befindet sich heute in einem anderen Gebäude, im Gemeindesaal. Sie beherbergt unter anderem den Nachlass des Romanisten Heinrich Schmid. Auch befinden sich als Nachlass von Giovannes Mathis Manuskripte von einzelnen seiner Werke hier.
Die beschriebene Schau wird ergänzt durch ein kulturelles Veranstaltungsprogramm. Zu diesem gehören Autorenlesungen (bislang u. a. von Peter Bichsel, Wilhelm Genazino, Lukas Hartmann, Manfred Koch, Brigitte Kronauer, Werner Lutz, Angelika Overath und Herbert Rosendorfer), Vorträge (u. a. von Iso Camartin (2009, 2013)), Filmvorführungen (z. B. Die Frau mit den 5 Elefanten von Vadim Verneryko oder Fredi M. Murers Vitus) sowie Konzerte und Theaterabende.
Das Museum Chasa Jaura ist im saisonalen Betrieb, während des Sommerhalbjahres geöffnet. Als Kuratorin wirkte von 1989 bis 2014 Inge Blaschke. Sie erhielt 2002 für ihr Wirken einen Anerkennungspreis des Kantons Graubünden: «In Anerkennung ihrer innovativen Arbeit als Kuratorin und Leiterin des Museums Chasa Jaura, dem sie neue Impulse verleiht und so das kulturelle Leben der Val Müstair und des Kantons Graubünden anregt und bereichert.»
Koordinaten: 46° 36′ 0,2″ N, 10° 24′ 28,4″ O; CH1903: 827460 / 165281