Curiger wuchs als Einzelkind in einem kunstfreundlichen Elternhaus auf. Ihre Mutter ist eine aus dem Tessin stammende kreative Schneiderin, ihr Vater betreibt als Architekt ein Büro für Industriebauten. Sie studierte an der Universität ZürichKunstgeschichte, in den Nebenfächern Volkskunde und Literaturkritik. Ihre Lizenziatsarbeit thematisierte den Schweizer Maler Albert Welti. In den 1960er Jahren war sie Stammgast im legendären Zürcher Underground-Club Platte 27, in dem auch Dieter Meier, Fredi Murer, Urs Lüthi oder Manon verkehrten. Anfang der 1970er Jahre schrieb sie Kunstkritiken für den Zürcher Tages-Anzeiger. 1980 kuratierte sie im Zürcher Strauhof ihre erste Ausstellung Saus und Braus, die heute als legendär gilt und Bezug nahm auf Popkultur und die Zürcher Jugendunruhen. Erstmals wurde hier mit Wurstserie (1979) eine Arbeit der Künstler Fischli & Weiss gezeigt.
Zwischen 1984 und 1994 war sie Mitglied der Eidgenössischen Kunstkommission und von 1999 bis 2004 gehörte sie dem Universitätsrat der Universität Zürich an. 2006/2007 hatte sie die Rudolf-Arnheim-Professur inne an der Humboldt-Universität zu Berlin. 2007 erhielt sie die Heinrich-Wölfflin-Medaille, den Kunstvermittlerpreis der Stadt Zürich, 2009 den "SI Award" des Swiss Institute in New York. 2012 erhielt sie den mit CHF 50'000 dotierten Kulturpreis des Kanton Zürich und den mit CHF 40'000 dotierten Prix Meret Oppenheim. 2013 den Preis des "Centenario" der BSI SA in Lugano. 2013 ernannte sie der französische Staat zum „Chevalier dans l’ordre des Arts et des Lettres“.
Curiger war 2011 die Direktorin der Biennale in Venedig, die unter dem Titel ILLUMInazioni / ILLUMInations stattfand. Vom Sommer 2013 bis April 2025 war sie künstlerische Direktorin der Fondation Vincent van Gogh in Arles, einer Institution, die im April 2014 in einem neu umgebauten Gebäude aus dem 15. Jh. eröffnete.
Kuratierte Ausstellungen (Auswahl)
Kunsthaus Zürich
Deftig Barock – von Cattelan bis Zurbarán. Manifeste des prekär Vitalen (2012)
Zeichen und Wunder – Niko Pirosmani und die Gegenwartskunst (1995)
Endstation Sehnsucht (1994)
Weitere Museen
Fondation Vincent van Gogh, Arles: Inauguration. Van Gogh Live! Vincent van Gogh, Thomas Hirschhorn, Elizabeth Peyton, Raphael Hefti, Gary Hume, Bertrand Lavier, Camille Henrot, Bethan Huws, Guillaume Bruère, Fritz Hauser, 2014
(Hrsg. mit Stefan Zweifel): Ausbruch & Rausch. Frauen Kunst Punk 1975-1980. Edition Patrick Frey, Zürich 2020, ISBN 978-3-907236-05-5.
Rebecca Warren – Every Aspect of Bitch Magic. Fuel Publishing. London 2013. (engl.)
Feuerproben / Acid Tests, Maurizio Cattelan. Three Star Press. Paris, 2008 (dt./engl.)
Before the Sun Rises. Walter A. Bechtler Stiftung. Kunst für die Öffentlichkeit, jrp Verlag, Zürich 2005.
Kunst expansiv – zwischen Gegenkultur und Museum. Gesammelte Aufsätze. Lindinger+Schmid, Regensburg 1997.
Sigmar Polke, Musik ungeklärter Herkunft. Institut für Auslandsbeziehungen, Stuttgart, 1997 (dt./engl./span./russ.)
Sigmar Polke, Photographien‚ Paris 1971. Verlag Walther König, Köln 1989.
Englische Übersetzung in: David Thistlewood und Anne Mac Phee (Hrsg.): Back to Postmodernity. Liverpool University Press and Tate Gallery, Liverpool 1996.
Looks et tenebrae. Peter Blum Edition, New York 1983 (dt./engl.)
Italienische Übersetzung: Edizione Fidia Arte, Como Lugano 1995
Literatur
Dora Imhof (Hrsg.): C is for Curator. Bice Curiger – eine Arbeitsbiografie. Verlag der Buchhandlung Walther und Franz König, Köln 2022, ISBN 978-3-7533-0070-2 (deutsche Ausgabe).
Auszeichnungen
2007: Heinrich-Wölfflin-Medaille der Stadt Zürich
2009: SI Award des Swiss Institute in New York
2012: Kulturpreis des Kantons Zürich
2012: Grand prix suisse pour l'art / Prix Meret Oppenheim des Bundesamtes für Kultur
2013: Preis des Centenario der BSI SA in Lugano
2013: Chevalière de l'ordre des Arts et des Lettres
Bice Curiger (italienisch) auf ti.ch/can/oltreconfiniti, abgerufen am 24. Juli 2015.
Einzelnachweise
↑Namensnennung (Memento vom 1. Juni 2010 im Internet Archive) unter Luma-Stiftung. In: Schweizer Handelsamtsblatt vom 18. Juni 2008, S. 27. Abgerufen am 22. April 2012. (PDF-Datei, 820 KB.)