| Binance | |
|---|---|
| Rechtsform | diverse Offshore-Holdings |
| Gründung | 2017 |
| Sitz | unbekannt |
| Leitung | Richard Teng, Yi He (Co-CEOs) |
| Branche | Kryptowährungen |
| Website | binance.com |
Binance ist eine Handelsplattform, auf der mit Kryptowährungen und Derivaten gehandelt werden kann. Sie ist mit einem Handelsvolumen von über 60 Milliarden US-Dollar pro Tag die größte Kryptowährungsbörse.
Binance wurde 2017 von dem chinesisch-kanadischen Geschäftsmann Changpeng Zhao gegründet – einem Entwickler, der zuvor Hochfrequenzhandelssoftware entwickelt hatte. Mitgründerin war Yi He. Binance war ursprünglich in China ansässig, zog aber wegen zunehmender Regulierung von Kryptowährungen dort nach Malta.
Im Oktober 2020 veröffentlichte Forbes durchgesickerte Dokumente, in denen behauptet wurde, Binance und Changpeng Zhao – auch bekannt als CZ – hätten eine ausgefeilte Unternehmensstruktur geschaffen, um die US-Aufsichtsbehörden zu täuschen und heimlich von Kryptowährungsinvestoren zu profitieren.
Im Jahr 2020 erwartete Binance einen Umsatz von umgerechnet 800–1000 Millionen US-Dollar.
Im April und Mai 2021 warf die BaFin der deutschen Plattform eine Verletzung der Prospektpflicht vor. Im August 2021 warnte die britische Finanzaufsicht Financial Conduct Authority, dass Binance ein beträchtliches Risiko für Verbraucher darstelle.
Im November 2021 legte Binance zusammen mit Animoca Brands einen 200-Mio.-Dollar-Fonds für Investitionen in Startups im Bereich Blockchain Games auf. Im Juni 2022 legte Binance einen weiteren 500-Mio.-Dollar-Fonds für Investitionen in Startups im Bereich „Blockchain, Web3 und Value-Building Technologies“ auf.
Wegen der Insolvenz des Mitbewerbers FTX veröffentlichte Binance seine Börsen-Bestände im Sinne eines „Proof of Reserves“ (PoR) in folgender Höhe: 475.000 BTC, 4.800.000 ETH, 17,6 Mrd. USDT, 21,7 Mrd. BUSD, 601 Mio. USDC und 58.000.000 eigene BNB. Wirtschaftsjournalisten schrieben Mitte Dezember 2022 allerdings keine Aussagekraft zu: Binance habe lediglich die Haben-Seite seiner Buchführung überprüfen lassen; über mögliche Verbindlichkeiten wurde aber nichts bekannt.
Binance betont, dass es keinen traditionellen Hauptsitz habe. Stattdessen befinde dieser sich immer dort, wo sich Gründer Changpeng Zhao gerade aufhalte. Es existieren zahlreiche Offshore-Holdings, darunter eine Muttergesellschaft auf den Cayman Islands (Binance Holdings Ltd.), während die AGB der Plattform mehrere NEST Ltd. aus Dubai als Anbieter nennen.
Am 29. Oktober 2026 um 21:05 MEZ wurde Binance Opfer eines Hackerangriffs, bei dem 6,36 Milliarden Dollar in Kryptowerten aus einer zweistelligen Anzahl Hot Wallets abflossen – das allermeiste innerhalb von 20 Minuten. Es handelt sich um den größten Diebstahl von Kryptowährungen in der Geschichte. Tether, Circle, Ripple, World Liberty Financial und Arbitrum froren Token im Wert von etwa 2,7 Milliarden Dollar ein. Der Angriff wird der staatlich gesteuerten nordkoreanischen Lazarus-Gruppe zugeschrieben. Binance stellte den Handel vorübergehend ein und teilte mit, es werde die Nutzer für Verluste entschädigen, indem es auf seine eigenen Finanzreserven sowie auf den „Secure Asset Fund for Users“ (SAFU) zurückgreifen werde – einen durch Bitcoin besicherten Notfallfonds mit einem Wert von rund einer Milliarde US-Dollar.
Binance bietet zwei Arten von Märkten an. Auf dem Spot-Markt können Kryptowährungen gegen andere getauscht werden. Der Derivatemarkt bietet die Möglichkeit, Futures, Optionen und weitere Hebelprodukte von Kryptowährungen zu handeln.
Zudem wird ermöglicht, erworbene Währungen auf den Servern von Binance zu speichern und aufzubewahren (sogenannte „safe storage“). Auch können eine Vielzahl der dort gehandelten Coins und Tokens direkt über Binance gestaked oder anderweitig angelegt werden.
Bei Binance Coin (BNB) handelt es sich um eine eigene Kryptowährung von Binance, die für die Nutzung der Dienstleistungen von Binance weniger Gebühren verursacht.
Im Jahr 2019 führte Binance dann die Binance Smart Chain ein, eine parallel laufende Blockchain, die die Verwendung von dezentralisierten Applikationen (dApps) auf der Plattform erlaubt und BNB als treibende Währung verwendet.
Anfang 2021 wurden bei Binance 150 verschiedene Kryptowährungen gehandelt und laut eigenen Angaben im Schnitt 1,4 Millionen Transaktionen pro Sekunde getätigt.
Seit Juni 2021 bietet Binance einen eigenen NFT-Marktplatz an.
Binance USD, kurz BUSD, ist ein an den US-Dollar gekoppelter Stablecoin, der von Binance in Partnerschaft mit Paxos ausgegeben und vom New York State Department of Financial Services (NYDFS) genehmigt und reguliert wird.
Die Commodity Futures Trading Commission (CFTC) ermittelt seit 2023 gegen Binance, weil sie Kunden aus den USA bedient haben soll, ohne eine Lizenz dafür zu haben. Es gibt eine Firma namens Binance.US, die eine Lizenz der Binance hat, um damit Kunden in den USA zu bedienen. Die Firmen behaupten, keine Operativen Verbindungen zu haben. Jedoch gehören beide Firmen Changpeng Zhao. Binance versuchte Gary Gensler, ehemaliger Direktor der CFTC unter der Regierung Obamas, als Berater zu gewinnen. Sie vermuteten, dass Gensler wieder einen wichtigen Posten gewinnen würde, wenn die Demokraten wieder einen Präsidenten stellen.
Außerdem scheint die Firma in China aktiv zu sein, obwohl Binance 2017 behauptete, sein Chinageschäft aufzugeben. Mitarbeiter sollten über das Chinageschäft schweigen. So sollen Mitarbeiter für Shanghai angeworben worden sein. Um die Spur in China zu vertuschen, nutzte man VPN-Zugänge. Beim Aufkommen der Gerüchte über die Chinaaktivitäten im Jahr 2019 wurden die Mitarbeiter angehalten zu sagen, dass man nur Büros in Malta, Singapur und Uganda habe. Als Binance 2023 mit den Vorwürfen konfrontiert wurde, erklärte Binance, dass „uralte Geschichten“ zitiert und die Ereignisse falsch dargestellt würden. Außerdem haben Behörden Schwierigkeiten, die Börse zu regulieren.
Die britische Finanzaufsichtsbehörde wies Binance im Juni 2021 an, sämtliche regulierten Aktivitäten im Vereinigten Königreich einzustellen. Im Juni 2023 erhob die US-Börsenaufsicht SEC Anklage in insgesamt 13 Anklagepunkten und beschuldigt Binance, Changpeng Zhao sowie mehrere Tochterfirmen unter anderem die Gelder von Anlegern veruntreut und weitere Gesetze umgangen zu haben. Binance bekannte sich im November 2023 schließlich schuldig, gegen Geldwäsche-Gesetze verstoßen zu haben, und akzeptierte eine Strafe von 4,3 Milliarden Dollar (knapp vier Milliarden Euro). Zudem trat Changpeng als CEO zurück.
2025 berichtete das Wall Street Journal, dass das Unternehmen Gespräche mit der Familie von Donald Trump über geschäftliche Transaktionen geführt habe und eine Handelsplattform für deren World Liberty Financial betrieben haben soll. Das Unternehmen zahlte zudem mutmaßlich 800.000 US-Dollar an Lobbyisten, um sich für eine Begnadigung von Zhao durch Präsident Trump einzusetzen, welche im Oktober 2025 tatsächlich gewährt wurde.
Interne Ermittler bei Binance stießen offenbar auf Hinweise, dass Russland und Iran trotz internationaler Sanktionen weiterhin Binance-Konten für Geldtransfers nutzten. Nachdem sie diese verdächtigen Transaktionen der Unternehmensführung gemeldet hatten, wurden sie laut Medienberichten entlassen oder suspendiert. Im Jahr 2026 wurde bekannt, dass das US-Justizministerium offenbar gegen Binance ermittelt, weil es Sanktionen gegen vom Iran unterstützte ausländische Terrororganisationen – etwa die Huthi – umgangen haben und Erlöse aus Ölverkäufen für die Islamische Revolutionsgarde gewaschen haben soll. Seit November 2025 ist auch bekannt, dass Binance wohl Benutzerdaten und Transaktionshistorie an die russischen Behörden übergibt. Darauf deutet der Fall Juri Belenki hin, welcher rund 700 $ an die ukrainische Armee überwiesen hatte und deshalb für 12 Jahre inhaftiert wurde.