| Biotronik SE & Co. KG | |
|---|---|
| Rechtsform | SE & Co. KG |
| Gründung | 1963 |
| Sitz | Berlin, |
| Leitung | Holger Krumel-van Randenborgh (CEO), Andreas Hecker, Arne Kolfenbach |
| Mitarbeiterzahl | 5.600 weltweit, 2.372 in Deutschland |
| Umsatz | 903,0 Mio. Euro |
| Branche | Medizintechnik |
| Website | www.biotronik.com |
| Stand: 31. Dezember 2025 | |
Die Biotronik SE & Co. KG (Eigenschreibweise BIOTRONIK) ist ein Hersteller von medizintechnischen Produkten und Dienstleistungen in den Bereichen Herzrhythmusmanagement, Monitoring, Elektrophysiologie und Neuromodulation sowie Lösungen im Bereich der digitalen Gesundheitsversorgung. Der Schwerpunkt des Unternehmens liegt auf aktiven Implantaten und vernetzten Gesundheitslösungen. Das Familienunternehmen hat seinen Hauptsitz in Berlin. Biotronik unterhält Forschungs- und Produktionsstätten in Europa, den USA und Singapur und vertreibt seine Produkte in mehr als 100 Ländern weltweit.
Die Anfänge von Biotronik begründen sich in der Entwicklung des ersten deutschen implantierbaren Herzschrittmachers (Biotronik IP-03) im Jahr 1963 an der Technischen Universität Berlin durch den Physiker Max Schaldach, der zugleich Professor für biomedizinische Technik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) war, und den Elektroingenieur Otto Franke. In den Anfangsjahren befasste sich das Unternehmen mit der Feststellung der Kapazitäten und der Betriebsdauer von Batterien für Herzschrittmacher und den Verbindungsoptionen zwischen Elektrode und Schrittmacher sowie zwischen den Elektroden und dem Herzen.
1976 wurde die Zentrale am Sieversufer 8 in Berlin-Neukölln eingeweiht. 1979 wurde eine Produktionsstätte in Lake Oswego im US-Bundesstaat Oregon errichtet. Diese Tochtergesellschaft resultierte aus der Übernahme des US-amerikanischen Schrittmacherherstellers Stimulation Technology, Inc. Zugleich wurde mit der Entwicklung und Herstellung von Hybridschaltungen und Baugruppen für die medizintechnische Industrie, darunter auch Schaltkreisen für Herzschrittmacher begonnen. In den 1980er Jahren wurde die Zweikammer-Stimulationsmethode (DDD) entwickelt, und es konnten Herzschrittmacher hergestellt werden, die spontanen Herzkontraktionen den Vorrang ließen und besser auf den eigentlichen Bedarf reagierten. BIOTRONIK entwickelte hierfür den Diplos 03, einen multiprogrammierbaren DDD-Schrittmacher mit bidirektionaler Telemetrie.

1987 erfolgte der Umzug der Zentrale in die Woermannkehre 1. Ab 1993 gehörten die ersten deutschen implantierbaren Kardioverter-Defibrillatoren (ICD) zur Produktpalette, darunter der Phylax 06. In den 1990er Jahren wurde zudem die Closed-Loop-Stimulation (CLS) (Frequenzanpassung) entwickelt, bei der der Herzschrittmacher in das körpereigene Regelungssystem integriert wird und dadurch auf die wechselnden körperlichen und psychischen Belastungen des Patienten reagiert. Ebenfalls 1993 entwickelte Biotronik die fraktale Beschichtung implantierbarer Elektroden. Diese Beschichtung optimiert die elektrisch aktive Oberfläche der Elektroden und verbessert damit ihre elektrische Wahrnehmungs- und Stimulationseigenschaften.
1994 und 1995 wurde das Produktspektrum um die Elektrophysiologie und die Vaskuläre Intervention ergänzt. Ab 2000 wurde eine komplette Schrittmacherfamilie mit Telematik angeboten und es erfolgte die Erstimplantation eines Schrittmachers mit Home Monitoring (Datenfernübertragung). 2005 entwickelte Biotronik den ersten implantierbaren Kardioverter-Defibrillator, der IEGMs (intrakardiale Elektrogramme) automatisch per Mobilfunk überträgt.
2010 entwickelte das Unternehmen ein Einkammer-Defibrillator-System mit umfassender Vorhof-Diagnostik. 2011 folgte die Markteinführung eines hybriden medikamentenfreisetzenden Stents mit bioresorbierbarer Beschichtung.

2012 erwarb das Unternehmen das ehemalige Postfuhramt, ein Backsteingebäude an der Oranienburger Straße im Berliner Bezirk Mitte. In dem Postfuhramt will Biotronik in Zukunft Vorträge, Schulungen und Ausstellungen abhalten. Außerdem brachte Biotronik einen implantierbaren Herzmonitor auf den Markt, der den Herzrhythmus lückenlos aufzeichnen und abspeichern kann. Darüber hinaus entwickelte das Unternehmen die weltweit erste Serie implantierbarer Herzschrittmacher, Defibrillatoren und Therapien, die Patienten den Zugang zu Magnetresonanztomographie-Untersuchungen ermöglichen.
Zum Schutz von interventionellen Kardiologen vertreibt Biotronik ein Strahlenschutzsystem, das aus einem beweglichen, hängenden Körperschild und einem Kopfschutz besteht.
Im Februar 2016 eröffnete Biotronik ein Bildungszentrum in New York City. Ebenfalls 2016 nahm Biotronik eine neue Produktionsstätte in Singapur in Betrieb und erweiterte damit seine Fertigungskapazitäten im asiatisch-pazifischen Raum.
2018 eröffnete das Unternehmen ein Bildungs- und Innovationszentrum in Tokio. 2023 folgte die Eröffnung eines Asien-Pazifik-Hubs in Singapur.
2023 erweiterte Biotronik seine Geschäftstätigkeit über die Kardiologie hinaus. Nach der Zulassung des Rückenmarkstimulationssystems Prospera durch die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) gründete das Unternehmen den Geschäftsbereich BIOTRONIK Neuro und trat in den Markt der Neuromodulation ein.
Im Februar 2025 kündigte Biotronik eine umfassende strategische Neuausrichtung an, bei der sich das Unternehmen stärker auf aktive implantierbare Geräte sowie digitale Gesundheitslösungen, darunter künstliche Intelligenz und Telemonitoring, fokussieren will. In diesem Zuge vereinbarte Biotronik den Verkauf des Geschäftsbereichs Vascular Intervention an den US-Medizintechnikkonzern Teleflex für rund 760 Millionen Euro. Die Übernahme wurde am 1. Juli 2025 abgeschlossen. Teleflex erwarb nahezu alle Gefäßinterventionsprodukte von Biotronik, darunter koronare und periphere Stentsysteme, drug-coated balloons sowie resorbierbare Magnesium-Scaffolds.
Das Unternehmen entwickelt und vertreibt Lösungen für die folgenden medizinischen Bereiche:
Herzrhythmusmanagement
Monitoring und digitale Gesundheitslösungen
Elektrophysiologie
Neuromodulation


Biotronik unterhält Tochtergesellschaften und Niederlassungen in Europa, Nord- und Südamerika, Asien sowie Afrika.

Im Juli 2022 konnte Biotronik nach einem jahrelangen Rechtsstreit gegen eine Millionenzahlung einen Rechtsstreit in den USA beilegen. Zwei Whistleblower, ehemalige unabhängige Vertriebler für Biotronik-Produkte, schildern ein Kick-back-System. Kardiologen seien eingeladen worden in teure Restaurants, zur Besichtigung von Weingütern, zu Baseball-Spielen, in Strip-Lokale, zum Golf spielen – je nach Lage, auch Ehefrauen oder Angestellte. Die Kardiologen hätten gezielt Geld für kurze Auftritte bei internationalen Konferenzen erhalten oder Flugreisen in der Business Class. Es gab ein sogenanntes Trainee-Programm, bei dem Mitarbeiter von Biotronik Kardiologen beim Implantieren der ICDs über die Schulter schauen durften, die Kardiologen erhielten dafür jeweils 400 Dollar. Die Compliance-Abteilung hatte zwar Bedenken angemeldet, Biotronik zahlte trotzdem. Das Kickbacksystem, mit dem die Kardiologen umgarnt wurden, soll zwischen 2013 und 2021 eingesetzt worden sein. Biotronik bestritt die Vorwürfe, stimmte im Juli ohne Schuldeingeständnis trotzdem einem Vergleich mit den US-Behörden zu – und zahlte knapp 13 Millionen Dollar. Für Biotronik war es nicht der erste Vergleich in den USA. Bereits 2014 berichtete ein Insider über Kickbackzahlungen von Biotronik an Kardiologen, auch damals schloss das Unternehmen einen Vergleich: über knapp fünf Millionen Dollar. Ein weiteres Verfahren ist aktuell im California Central District Court anhängig. Nach Recherchen des Spiegel und der niederländischen Tageszeitung NRC Handelsblad gibt es weitere Ermittlungen gegen Biotronik in den Niederlanden. Auch in den Niederlanden wird seit dem Herbst 2020 gegen die dortige Tochterfirma von Biotronik ermittelt. Die Behörden gehen offenbar dem Verdacht nach, dass Fachärzte seit Jahren Zahlungen in Millionenhöhe erhalten haben, um Biotronik-Produkte bevorzugt einzusetzen. Mehr als zehn Häuser wurden bislang durchsucht, und Vermögen von Medizinern im Wert von 3,1 Millionen Euro ist beschlagnahmt worden. Biotronik äußerte sich laut Spiegel auf Anfrage nicht zu den Vorwürfen.
Biotronik steht in Kooperation mit der EPIC Alliance, einem globalen Netzwerk für Elektrophysiologinnen, das sich dafür einsetzt, die Zusammenarbeit von Frauen im Feld der Elektrophysiologie zu verstärken.
Im Oktober 2025 schloss Biotronik ein dreijähriges Memorandum of Understanding (MoU) mit der University of Sydney, um digitale Innovationen im Bereich der Herzmedizin voranzutreiben. Die Kooperation umfasst die gemeinsame Entwicklung skalierbarer Lösungen für Telemonitoring, KI‑basierte Entscheidungsunterstützung und datengetriebene Versorgungskonzepte, insbesondere für Patienten in unterversorgten oder abgelegenen Regionen.
2007 erhielt Biotronik den EuroPCR 2007 Novelty Award der European Association of Percutaneous Cardiovascular Interventions (EAPCI) für seine Technologie des Absorbierbareren Metallstents (AMS). Im Jahr 2009 war Biotronik mit dem Home-Monitoring-System für den Deutschen Zukunftspreis nominiert. 2010 stiftete das Unternehmen den Technikwissenschaftlichen Preis der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Im Jahr 2016 erhielt Biotronik den Cardiostim Innovation Award für Verbesserung des Praxisalltags durch MRI AutoDetect. 2026 gewann Biotronik zum vierten Mal in Folge den „Supplier of the Year“-Award des Kliniknetzwerks Prospitalia. Das von BIOLAB Innovation entwickelte und von Biotronik hergestellte Geräteabfrage-System BIOexpress wurde 2026 vom Chicago Athenaeum mit dem Green Good Design Award in der Kategorie Green Consumer Products ausgezeichnet.