Bistrița (rotes Viereck) im Kreis Bistrița-NăsăudBistritz heuteBistritz im 18. JahrhundertBistritz 1911 – HolzstraßeEvangelische Stadtpfarrkirche, 11. Juni 2008, der Kirchturm aus dem 16. Jahrhundert brennt
Bistrița ist Zentrum des Nösnerlandes (rumänischȚara Năsăudului). Durch die Stadt fließt der gleichnamige Fluss Bistritz(Bistrița). In der Nähe befindet sich das Bârgău-Gebirge, an dessen Hängen auch ein Weinanbaugebiet liegt.
Geschichte
Die Region um Bistrița war schon mindestens seit römischer Zeit besiedelt. Anfang des zweiten Jahrhunderts lagen knapp vier Kilometer nordöstlich der Stadt das Kastell Livezile und rund sieben Kilometer südöstlich das Kastell Orheiu Bistriței. Darüber hinaus gab es vereinzelte Limeswachtürme südlich des Ortes.
Im Jahr 1308 wurde die Bistritzer Mark als Zahlungsmittel erwähnt. 1353 erhielt die Stadt das Marktrecht und das Recht auf ein eigenes Siegel. 1366 schließlich kam sie samt ihrem Umland in den Genuss der Rechte des Goldenen Freibriefes. Im Folgenden entwickelte sich Bistritz zu einer Art Stadtrepublik, gelenkt von seinen Kaufleuten und Zünften. Als Zentrum des sogenannten Nösnergaus hatte die Stadt überregionale Bedeutung und war der nördlichste Außenposten des Königsbodens (lateinischFundus regius).
Frühe Neuzeit
Ab etwa 1523 kamen Schriften von Martin Luther und Philipp Melanchthon in die Stadt. Um 1550 wurde die Reformation eingeführt, weil die Stände einander die Glaubensentscheidung freigestellt hatten.
In den 1670er Jahren ließen sich zahlreiche Armenier aus dem Fürstentum Moldau in Bistritz nieder. 1712 wurden sie gewaltsam nach Gherla vertrieben.
Im Jahr 1713 ordnete der Magistrat von Bistritz die Vertreibung der Rumänen aus der Stadt und ihrer Umgebung an.
19. und 20. Jahrhundert
Bis 1919 gehörte Bistritz zu Österreich-Ungarn. Zwischen 1919 und 1940 war die Stadt rumänisch, danach, durch den 2. Wiener Schiedsspruch bis 1944 wieder ungarisch. Im Herbst 1944 wurden die deutschen Einwohner von der Wehrmacht evakuiert; sie wurden von der Roten Armee 1945 allerdings wieder zurückgeführt. Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges gehört die Stadt zu Rumänien.
Bis etwa 1890 lebten im Ort Bistrița 60,6% deutschsprachige und 25% rumänischsprachige Menschen. Die höchste Anzahl (82.336) im Ort selbst – gleichzeitig die der Rumänen (74.323) und die der Roma (1368) – wurde 1992, die der Magyaren (7374) 1941, die der Deutschen (5887) 1900 gezählt. Auf dem Gebiet der Stadt wurden 2002 81.259 Einwohner registriert. Davon bekannten sich 73.613 als Rumänen, 5204 als Magyaren, 1958 als Roma und 370 als Deutsche. Des Weiteren wurden seit 1850 bei jeder Aufnahme auch Ukrainer (höchste Anzahl 38, 1930), Serben (höchste Anzahl 12, 1930) und Slowaken (höchste Anzahl 133, 1890) registriert. 2011 wurden auf dem Gebiet Bistrițas 75.076 Menschen gezählt.
Wirtschaft
Bistrița ist Standort zweier Werke der Leoni AG, einem Entwicklungs- und Systemlieferanten der Automobilindustrie. In den 2002 und 2003 eingeweihten Fabriken werden Bordnetz-Systeme produziert.
Der nächstgelegene Flugplatz ist der Flughafen Cluj in ca. 107 km Entfernung. Dieser wird von einigen größeren Flughäfen wie z.B. Frankfurt, München, Wien und Budapest angeflogen.
Sehenswürdigkeiten und Kultureinrichtungen
Evangelische Stadtpfarrkirche im Stadtzentrum von Bistritz mit 75 Meter hohem Turm, deren Bau im Jahr 1470 begonnen wurde. Während noch nicht ganz abgeschlossener Restaurierungsarbeiten wurde sie am 11.Juni 2008 durch ein Feuer schwer beschädigt. Sie besitzt eine Orgel von Johannes Prause.
Evangelisches Pfarrhaus aus dem 14. Jahrhundert (1998 renoviert)
Kulturpalast mit Städtischem Theater
Heimatmuseum
Römisch-Katholischer Friedhof mit Gräbern aus dem 18. bis 21. Jahrhundert, Grabsteine in Deutsch, rumänisch und ungarisch u.a. von Franz Karl Franchy, Dumitru Munteanu und Lucian Valea.
Moldau RepublikSoroca, Republik Moldau (seit 2022)
Moldau RepublikUngheni, Republik Moldau (seit 2022)
Moldau RepublikȘtefan Vodă, Republik Moldau (seit 2024)
Trivia
In Bram StokersDracula besucht die Romanfigur Jonathan Harker die Stadt Bistritz (auch im englischen Originaltext auf Deutsch benannt) und übernachtet im Hotel „Goldene Krone“. Jonathan Harker sagt im Roman, dass er in Bistritz und Siebenbürgen ohne Deutschkenntnisse aufgeschmissen wäre.
Otto Dahinten: Geschichte der Stadt Bistritz in Siebenbürgen (= Studia Transylvanica. Band 14). Aus dem Nachlass herausgegeben von Ernst Wagner. Böhlau, Köln u. a. 1988, ISBN 3-412-04488-1.
Gheorghe Mândrescu: Arhitectura în stil renaştere la Bistriţa. Presa Universitatea Clujeana, Cluj-Napoca 1999, ISBN 973-595-038-3.
↑Autoritatea Electorală Permanentă:Primar.prezenta.roaep.ro,9.Juni 2024,abgerufen am 13.September 2024(rumänisch).
↑Georg Keintzel: Lautlehre der Mundarten von Bistritz und Sächsisch-Regen in „Archiv des Vereins für siebenbürgische Landeskunde“, 26. Band, Vereins-Ausschuß (Hrsg.), Hermannstadt 1894.
↑Ulrich Andreas Wien:Siebenbürgen – Pionierregion der Religionsfreiheit: Luther, Honterus und die Wirkungen der Reformation. Schiller Verlag, Hermannstadt/Bonn 2017, ISBN 978-3-946954-05-7, S.9–16.
↑Friedrich Heyer: Einführung. In: ders. (Hrsg.): Die Kirche Armeniens. Eine Volkskirche zwischen Ost und West. Evangelisches Verlagswerk, Stuttgart 1978, ISBN 3-7715-0187-3, S. 13–28, hier S. 17.