Bahnstrecke Thionville–Völklingen

Thionville–Völklingen
Der Bahnhof Bouzonville im Juli 2009
Der Bahnhof Bouzonville im Juli 2009
Streckennummer (DB):3290
Streckennummer (SNCF):174 000 (Anzeling–Hargarten-Falck)
177 000 (Thionville–Anzeling)
Kursbuchstrecke (DB):634
267b (vor 1970)
Kursbuchstrecke:265d (Hostenbach – Überherrn 1946)
Streckenlänge:70,815 km
Spurweite:1435 mm (Normalspur)
Strecke
von Saarbrücken
Abzweig geradeaus und ehemals von rechts
von Lebach
Bahnhof
70,3 Völklingen
Abzweig ehemals geradeaus und nach rechts
nach Trier
Brücke über Wasserlauf (Strecke außer Betrieb)
Saar
Abzweig geradeaus und von links (Strecke außer Betrieb)
von Saarbrücken
Dienststation / Betriebs- oder Güterbahnhof (Strecke außer Betrieb)
67,3 Hostenbach
Abzweig geradeaus und nach rechts (Strecke außer Betrieb)
nach Bous (bis 1945)
Strecke mit Straßenbrücke (Strecke außer Betrieb)
Bundesautobahn 620
Brücke über Wasserlauf (Strecke außer Betrieb)
Bist
Abzweig geradeaus und von rechts (Strecke außer Betrieb)
Verbindung von Bous (bis 1945)
Bahnhof (Strecke außer Betrieb)
65,4 Wadgassen
Haltepunkt / Haltestelle (Strecke außer Betrieb)
63,7 Werbeln
Bahnhof (Strecke außer Betrieb)
62,1 Differten
Brücke über Wasserlauf (Strecke außer Betrieb)
Bist
Haltepunkt / Haltestelle (Strecke außer Betrieb)
58,8 Linslerhof
Dienststation / Betriebs- oder Güterbahnhof (Strecke außer Betrieb)
56,3 Überherrn
Grenze auf Brücke über Wasserlauf (Strecke außer Betrieb)
55,2 Staatsgrenze Deutschland–Frankreich
Abzweig ehemals geradeaus, ehemals nach links und von links
51,6 von Béning/Sarreguemines
Dienststation / Betriebs- oder Güterbahnhof
50,6 Hargarten-Falck (Falck-Hargarten)
Tunnel
zwei Tunnel
ehemaliger Bahnhof
45,7 Téterchen (Teterchen, Keilbahnhof)
Abzweig geradeaus und ehemals nach links
Bahnstrecke Courcelles–Téterchen nach Courcelles
ehemaliger Haltepunkt / Haltestelle
42,2 Brettnach
Abzweig geradeaus und von rechts
Niedtalbahn von Dillingen
Bahnhof
37,0 Bouzonville (Busendorf)
Brücke über Wasserlauf
Nied
Blockstelle
33,0 Freistroff (Freisdorf)
Blockstelle
29,6 Anzeling (Anslingen)
Abzweig geradeaus und ehemals nach links
nach Bettelainville
Blockstelle
25,6 Ébersviller (Ebersweiler)
Tunnel
zwei Tunnel
Abzweig geradeaus, ehemals nach links und von links
20,9 von Bettelainville
Blockstelle
20,2 Hombourg-Budange (Homburg-Bidingen)
Abzweig geradeaus und ehemals nach rechts
nach Merzig
Dienststation / Betriebs- oder Güterbahnhof
16,7 Kédange (Kedingen)
Blockstelle
11,8 Metzervisse (Metzerwiesen)
Blockstelle
9,1 Distroff (Diesdorf)
Blockstelle
6,0 Kuntzig (Künzig)
Blockstelle
2,8 Manom (Mackenhofen)
Abzweig geradeaus und von rechts
1,8 Bahnstrecke Thionville–Trier von Trier
Abzweig geradeaus und von rechts
0,7 von Luxembourg
Bahnhof
0,0 Thionville (Diedenhofen)
Abzweig geradeaus und nach rechts
nach Mohon
Strecke
nach Metz

Quellen:

ORM-Karte

Bahnhof Hombourg-Budange

Die Bahnstrecke Thionville–Völklingen – regional auch Bisttalbahn genannt – ist eine teilweise stillgelegte Eisenbahnstrecke. Sie war eine von sieben Strecken, die das Saarland mit Frankreich verbanden.

Geschichte

Betrieb

Die Bahnstrecke Diedenhofen–Völklingen wurde von den Reichseisenbahnen in Elsaß-Lothringen (EL) am 1. April 1880 von Teterchen (Téterchen) über Hostenbach bis Bous eröffnet, am 15. Oktober erfolgte die Fertigstellung der Verbindung Hostenbach–Völklingen. Zum 1. Juni 1883 erfolgte der letzte Lückenschluss zwischen Teterchen und Kedingen. Der starke Güterverkehr erforderte den zweigleisigen Ausbau der Strecke, woraufhin das Verkehrsaufkommen weiter stieg. Hier verkehrten täglich 38 Güter- und 14 Personenzüge. Von Anfang an war die Verbindung Diedenhofen–Völklingen als Erzbahn konzipiert und avancierte schnell zur „profitabelsten Relation in Deutschland seiner Zeit“.

Der Bau dieser Strecke war auch strategisch motiviert, konnten doch so – gegebenenfalls mit Umfahrung Saarbrückens – aus dem Zentrum des Deutschen Reichs die Festungen Metz und Diedenhofen und das Aufmarschgebiet vor Frankreich erreicht werden. Damit zwischen den Einmündungen der beiden zweigleisigen Bahnstrecken Haguenau–Falck-Hargarten im Bahnhof Falck-Hargarten und Courcelles–Téterchen im Bahnhof Téterchen das im Falle einer Mobilmachung stark erhöhte Verkehrsaufkommen bewältigt werden konnte, ging nach einer seit 1903 laufenden Planung 1907 der knapp 5 km lange Abschnitt viergleisig in Betrieb. Finanziert wurde das – einschließlich zweier Tunnel – aus Mitteln des Militärs. Die Anlage wurde so gestaltet, dass in Friedenszeiten die beiden nördlichen Gleise dem Personen- und die beiden südlichen Gleise dem Güterverkehr dienten. Im Falle einer Mobilmachung dagegen diente – kreuzungsfrei – das nördliche Gleis dem Verkehr Beningen–Diedenhofen, das südliche dem Verkehr Völklingen–Metz.

An der Ostausfahrt des Bahnhofs Falck-Hargarten bestand ein kleines Bahnbetriebswerk (Bw) der EL mit einer 20-m-Drehscheibe. Die Anlage wurde nach dem Ersten Weltkrieg von der Administration des chemins de fer d’Alsace et de Lorraine (AL) übernommen und ausgebaut. Im Zweiten Weltkrieg wurden sechs Luftangriffe auf das Bw geflogen, wobei 18 Lokomotiven beschädigt wurden. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg bestand das Bw weiter, wurde dann aber nach der Elektrifizierung der Strecke um 1960 aufgegeben.

Nach dem Krieg behielt die Strecke vor allem für den grenzüberschreitenden Güterverkehr ihre Bedeutung und wurde daher 1960 elektrifiziert. Der Bahnhof Überherrn wurde zum Systemwechselbahnhof zwischen dem deutschen Stromsystem mit 15 kV 16 2/3 Hz bzw. 16,7 Hz Wechselspannung und dem französischen System mit 25 kV 50 Hz Wechselspannung.

Abschnittsweise Stilllegung und Einstellung des Personenverkehrs

Der Personenverkehr auf dem grenzüberschreitenden Abschnitt zwischen Überherrn und Hargarten wurde zum 1. Oktober 1972 eingestellt. Auf dem verbliebenen deutschen Abschnitt Überherrn–Völklingen endete die Bedienung im Personenverkehr am 30. Mai 1992. Seit 1995 ist der deutsche Abschnitt der Strecke nicht mehr elektrifiziert. Bis 2003 verkehrten hier gelegentlich noch Güterzüge von DB Cargo Deutschland, ehe das Eisenbahn-Bundesamt dem Infrastrukturbetreiber DB Netz am 21. Mai 2003 die Stilllegung des Abschnitts Völklingen–Überherrn (Grenze) genehmigte, die zum 30. September 2003 vollzogen wurde. Der Grenzabschnitt Überherrn–Falck-Hargarten wurde bereits am 30. April 2001 stillgelegt.

Das Automobillogistikunternehmen Mosolf pachtete 2003 den stillgelegten Streckenabschnitt Hostenbach–Überherrn, um – unter Nutzung der Bahnstrecke Saarbrücken–Fürstenhausen–Hostenbach anstelle der Saarbrücke in Völklingen – die Bahnanbindung seines Standorts Überherrn sicherzustellen. Wöchentlich verkehrten mehrere Ganzzüge mit fabrikneuen PKW über die nun eingleisige, als nicht öffentliche Anschlussbahn betriebene Strecke nach Überherrn. Im Juli 2016 wurde jedoch wegen des schlechten baulichen Zustands der Strecke der Verkehr eingestellt.

Ebenfalls im Jahr 2016 wurde das letzte SNCF-Personenzugpaar zwischen Thionville und Bouzonville eingestellt, zunächst wegen Personalmangel. Letztendlich wurde der Betrieb aber seitdem nicht mehr aufgenommen.

Aktueller Betrieb

Seit 2016 ist nur noch der Streckenabschnitt zwischen Hargarten-Falck und Thionville in Betrieb, der Teil der Verbindung zwischen Sarreguemines und Thionville über Béning ist (siehe Bahnstrecke Haguenau–Falck-Hargarten). Er wird ausschließlich im Güterverkehr oder als Umleitung bei Bauarbeiten befahren. Der Abschnitt zwischen Hargarten-Falck und Völklingen ist vollständig eingestellt und stillgelegt. Lediglich der kurze Abschnitt am westlichen Bahnhofskopf von Völklingen einschließlich der Brücke über die Saar wird noch als Ausziehgleis des Bahnhofs verwendet.

Pläne zur Reaktivierung

Die Plattform Mobilität SaarLorLux e. V. hat ein Konzept zur Reaktivierung vorgestellt. Auch von offizieller Seite wurde schon über eine Reaktivierung nachgedacht. Da die Strecke nicht von Bahnbetriebszwecken freigestellt wurde, ist eine Reaktivierung der Bahnlinie möglich. In einer Studie des Mobilitätsministeriums wurde die Wirtschaftlichkeit 2024 bestätigt. Eine Reaktivierung könnte in 8–10 Jahren möglich sein.

Unfälle

Bei der Entgleisung des Eilzugs Diedenhofen–Völklingen unterhalb des Kalkofens bei Überherrn am 17. Februar 1912 gab es einige Leichtverletzte.

Am 4. September 1945 ereignete sich im Bahnhof von Kédange ein schwerer Eisenbahnunfall, der einen Großbrand zur Folge hatte. 39 Menschen starben, 34 wurden darüber hinaus verletzt.

Besonderheiten

Literatur

Commons: Bahnstrecke Völklingen–Thionville – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen

  1. ↑ Dies waren (in West-Ost-Richtung gesehen):

Einzelnachweise

  1. ↑ Infrastrukturregister. DB Netz.
  2. ↑ Eisenbahnatlas Deutschland. 9. Auflage. Schweers+Wall, Aachen 2014, ISBN 978-3-89494-145-1.
  3. ↑ Bahnpläne für das Saarland auf YouTube, 12. Dezember 2020. (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Januar 2026. Suche im Internet Archive)
  4. ↑ Elsaß-Lothringische Eisenbahnen. In: Viktor von Röll (Hrsg.): Enzyklopädie des Eisenbahnwesens. 2. Auflage. Band 4: Eilzüge–Fahrordnung. Urban & Schwarzenberg, Berlin / Wien 1913, S. 291–300.
  5. ↑ Jean-Georges Trouillet: Les Chemins de fer Impériaux d’Alsace-Lorraine – Reichs-Eisenbahnen in Elsass-Lothringen. Éditions Drei Exen Verlag, Husseren-les-Châteaux 2018, ISBN 978-2-9565934-0-9, S. 353 (französisch).
  6. ↑ Saarland. Lothringen / Lorraine.. (Memento vom 23. Februar 2020 im Internet Archive) In: Verkehrsrelikte.de.
  7. ↑ Jean-Georges Trouillet: Les Chemins de fer Impériaux d’Alsace-Lorraine – Reichs-Eisenbahnen in Elsass-Lothringen. Éditions Drei Exen Verlag, Husseren-les-Châteaux 2018, ISBN 978-2-9565934-0-9, S. 453–455 (französisch).
  8. ↑ Jean Buchmann, Jean-Marc Dupuy, Andreas Knipping, Hans-Jürgen Wenzel: Eisenbahngeschichte Elsass-Lothringen. EK-Verlag, Freiburg 2021, ISBN 978-3-8446-6429-4, S. 186 f.
  9. ↑ Stillgelegte Strecken in Deutschland. (XLSX; 49 kB) Eisenbahn-Bundesamt, 1. Februar 2024, abgerufen am 28. Januar 2026.
  10. ↑ Entwicklung der Strecken Fürstenhausen/Völklingen–Hostenbach–Überherrn und Fürstenhausen–Grube Warndt. (Memento vom 3. Januar 2009 im Internet Archive) In: reise.hochwaldbahn.info.
  11. ↑ Bahn frei für Züge nach Überherrn. In: Saarbrücker Zeitung, 11. Februar 2003.
  12. ↑ Bahn-Report. Band 5, 2016, S. 54.
  13. ↑ La SNCF contrainte de supprimer des trains en Lorraine faute de conducteurs. In: loractu.fr. 24. Februar 2016, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 12. August 2016; abgerufen am 29. Januar 2024 (französisch).
  14. ↑ Thierry Pernin: Moselle : le train du Vendredi saint de nouveau sur les rails à Bouzonville. France 3 Moselle, 14. April 2022, abgerufen am 29. Januar 2024 (französisch).
  15. ↑ Eisenbahnatlas Frankreich. Bd. 1: Nord – Atlas ferroviaire de la France. Tome 1: Nord. Schweers + Wall, Aachen 2015, ISBN 978-3-89494-143-7, Taf. 20.
  16. ↑ bahnbilder.de: Das noch vorhande Teilstück der Bisttalbahn wird nur noch als Ausziehgleis benutzt., abgerufen am 29. Januar 2026
  17. ↑ Reaktivierung Bisttalbahn. Plattform Mobilität SaarLorLux.
  18. ↑ Fredy Dittgen: Bisttalbahn kann reaktiviert werden. In: Saarbrücker Zeitung. 20. September 2022 .
  19. ↑ Carmen Bachmann: Saarland will vier Bahnstrecken reaktivieren. Saarländischer Rundfunk, 12. November 2024, abgerufen am 13. November 2024.