Blickpilotin

Blickpilotin – Verein zur Förderung feministischer Filmbildungsarbeit e. V. war eine Initiative von Kinomacherinnen, Filmforscherinnen und Cineastinnen in Berlin, die von 1989 bis 2007 feministische Filmarbeit förderte.

Geschichte

1989 wurde die Initiative für ein Feministisches Kommunales Kino von fünf Frauen gegründet, mit dem Ziel, ein Kino für feministischen Film in Westberlin aufzubauen. Erstmalig vorgestellt hat sich die Initiative auf dem zehnjährigen Jubiläum des Verbands der Filmarbeiterinnen in der Akademie der Künste im Hanseatenweg. Das dortige Programm umfasste unter anderem Dokumentarfilme von Ella Bergmann-Michel, Experimentalfilme von Marie Menken und Christine Noll Brinckmann sowie als Berliner Erstaufführung den Spielfilm Nana von Dorothy Arzner.

Mithilfe der Filmemacherinnen Maria Lang und Ute Aurand wurde 1990 der Verein unter dem Namen Verein zur Förderung feministischer Film-Bildungsarbeit e. V. gegründet und bald darauf das Wort Blickpilotin vorangestellt.

In den folgenden Jahren konzipierte und organisierte die Gruppe feministische Filmprogramme und spezielle thematische Filmreihen sowie Vorträge. „So gab es eine Werkschau der Filmkomponistin Lindsay Cooper, Veranstaltungen zu den Filmen der vietnamesisch-amerikanischen Regisseurin Trinh T. Min-Ha, Reihen über arabische oder lateinamerikanische Regisseurinnen, eine Retro der britischen Drehbuchautorin und Regisseurin Muriel Box oder auch die Wiederentdeckung der französischen Stummfilmpionierin Marie-Louise Iribe.“ (Gudrun Holz, taz 1999). Die Filmprogramme wurden von unterschiedlichen Frauen und teils in Kooperationen mit anderen Filmschaffenden kuratiert, wodurch ein sehr diverses Programm entstand und immer wieder neue Perspektiven auf das Kino und Frauen im Film geschaffen wurden (s. u.).

Ihr zehnjähriges Jubiläum feierte Blickpilotin im Arsenal-Kino in der Welserstraße 1999.

Von 2000 bis 2003 konnten nochmals mit Unterstützung des Künstlerinnenprogramms der Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur fünf Veranstaltungen realisiert werden, die die gesamte Bandbreite der Arbeit von Blickpilotin darstellten: Im Grünen (ein Experimentalfilm-Freiluftprogramm), La Maternelle (ein früher Tonfilm von Marie Epstein), ein Abend mit der Filmforscherin Mariann Lewinsky, musikalische Filme von Mary Ellen Bute und Lilia Olivier sowie Caged als Tribut an die Schauspielerin Hope Emerson.

Nach zwei Veranstaltungen im Jahr 2003 mit Filmen von Danielle Arbid und dem Film/Video-Programm My Migrant Soul löste sich die Gruppe im Jahr 2007 auf.

Filmprogramme (Auswahl)

Publikationen

Parallel zu den Filmprogrammen brachte Blickpilotin mehrere Publikationen heraus. Zwischen 1991 und 1993 publizierte der Verein für seine Mitglieder eine monatlich erscheinende Informationszeitschrift namens BLICKPILOTIN, in dem feministische Kinoveranstaltungen in Berlin beworben und diskutiert wurden.

Archiv

Blickpilotin hat seit 1990 Informationen aller Art zum Filmschaffen von Frauen gesammelt und in den eigenen Büroräumen öffentlich zugänglich gemacht. Durch eine Schenkung, 32 Ordner, von Brigitte Tast wurde 1993 das Archiv erweitert. 2016 wurde die Sammlung dem Schriftgutarchiv der Deutschen Kinemathek übergeben und wird dort erschlossen.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. 1 2 Blickpilotin. Abgerufen am 8. November 2023.
  2. 1 2 Gudrun Holz: Kissenschlachten satt. In: Die Tageszeitung: taz. 28. Oktober 1999, ISSN 0931-9085, S. 23 (taz.de [abgerufen am 9. November 2023]).
  3. 1 2 Blickpilotin. Abgerufen am 9. November 2023.
  4. ↑ Andre Simonoviescz: Feministin aus gutem Hause. In: tip Berlin. Band 13/91. Berlin 1991.
  5. ↑ andrea winter: Blick Richtung Individuum. In: Die Tageszeitung: taz. 15. Oktober 1992, ISSN 0931-9085, S. 14 (taz.de [abgerufen am 9. November 2023]).
  6. ↑ Giuliana Bruno: Streetwalking on a ruined map: cultural theory and the city films of Elvira Notari. Princeton University Press, Princeton, N.J 1993, ISBN 978-0-691-08628-6.
  7. ↑ Anke Leweke: „Mamma, Mamma mia“. In: Die Tageszeitung: taz. 18. Dezember 1993, ISSN 0931-9085, S. 37 (taz.de [abgerufen am 9. November 2023]).
  8. ↑ Silvia Hallensleben: Raum zum Atmen – „Frauen(t)räume“: Filme arabischer Regisseurinnen. In: Tagesspiegel. Band 15/1995. Tagesspiegel Verlag, Berlin 25. September 1995.
  9. ↑ Andrea Seitz: Lauter eigene Geschichten – Filme von Geneviève Mersch im fsk. Abgerufen am 9. November 2023.
  10. ↑ Blickpilotin. Abgerufen am 8. November 2023.
  11. ↑ Claudia Lenssen, Bettina Schoeller-Bouju: Wie haben Sie das gemacht? Aufzeichnungen zu Frauen und Filmen. Schüren, Marburg 2014, ISBN 978-3-89472-881-6, S. 47.
  12. ↑ Schriftgutarchiv. Deutsche Kinemathek, abgerufen am 8. November 2023.
  13. ↑ Blickpilotin. Abgerufen am 8. November 2023.