Brigitte Tast wuchs in der badischen Rheinebene auf und absolvierte eine Sparkassenlehre im Heimatdorf. Im Anschluss ging sie für zwei Jahre als Au-pair ins Ausland (Basel, London und den Lake District). 1968–1969 wurde sie Krankenpflegeschülerin am Universitätsklinikum Freiburg.
Zusammen mit Magdalena Zerrath organisierte sie acht Jahre lang eine feministische Filmreihe in Hildesheim: Filme von Frauen im vhs-kellerkino. Ihr dafür gesammeltes, umfangreiches Text- und Fotoarchiv übergibt sie an die Westberliner Cineastinnen-Initiative Blickpilotin; denn ab Mitte der 1980er Jahre konzentrierte sich Brigitte Tast schließlich ganz auf die eigene künstlerische Arbeit.
Brigitte Tast lebt und arbeitet im Landkreis Hildesheim. Sie ist verheiratet mit dem Publizisten Hans-Jürgen Tast (* 1948). Ihre gemeinsame Tochter ist die Hamburger Fotografin Isadora Tast.
Werk
Im Februar 1985 führte Brigitte Tast ihre erste Diageschichte öffentlich vor. Bei dieser Multi-Media-Performance liest die Autorin neben der Leinwand stehend einen Text von ihr in die projizierten Schwarz-Weiß-Dias ein. „Neu ist sicherlich auch, dass sie sich des Mediums Diaprojektion, mit von ihr selbst live vorgetragenen Text, bedient, einer Gattung, die bislang eher im Rahmen von Reiseberichten und kunsthistorischen Vorträgen an Volkshochschulen Verwendung fand. Nur wenige Künstler wagten sich bisher an dieses Medium als künstlerisches heran. Diese Eigenständigkeit, sich so ganz unabhängig vom Kunstgetriebe, von Galeristen, Museen oder selbst Verlegern mit ihren Projekten zu bewegen und zunächst auch gar nicht hinüberzuschielen, ob das, was sie tut, dort registriert wird, ist auffällig und ungewöhnlich.“(Reinhold Mißelbeck)
Parallel zu den Performances entstanden mehrere Bildbände, ebenfalls Foto-Text-Kombinationen, sowie Ausstellungen in in- und ausländischen Galerien und Museen.
Brigitte Tast fotografiert analog mit Rollfilm. Häufig nutzt sie dabei ein Stativ, daneben auch immer wieder Spiegel. „Der Spiegel wiederum ist das klassische Instrument der Selbsterforschung […] Brigitte Tast perpetuiert und elaboriert diese Urszene der Selbstidentifikation beziehungsweise Selbstverkennung in ihren Fotoinszenierungen, die seit den 70er Jahren ihre künstlerische Arbeit bestimmen.“ Ihr 2020 erschienenes biografisches Fotobuch Rot in Schwarz-Weiß repräsentiere „eine typische 68er-Identität“, so die Rezension in der taz. Für die Photonews ist der Nachfolgeband Durch Schwarz und Weiß „auch ein Buch über diese sonderbare Magie, die der Fotografie in ihren besten Momenten, manchmal, innewohnt.“
Warten auf Lydia. Ein Fotogedicht. Kulleraugen-Verlag, Schellerten 1994, ISBN 978-3-88842-602-5.
Mit Gerd Scherm: Astarte und Venus. Eine foto-lyrische Annäherung. Kulleraugen-Verlag, Schellerten 1996, ISBN 978-3-88842-603-2.
Mit Hans-Jürgen Tast: be bop. Die Wilhelmshöhe rockt. Disco und Konzerte in der Hölle. Verlag Gebr. Gerstenberg, Hildesheim 2007, ISBN 978-3-8067-8589-0.
Mit Hans-Jürgen Tast: be bop. Rock Tempel & Nachtasyl. Band 2 zur Legende. Verlag Gebr. Gerstenberg, Hildesheim 2009, ISBN 978-3-8067-8733-7.
Mit Gala Goebel: Gala isst aus Brigittes Teller. Eine Recherche-Performance. Kulleraugen-Verlag, Schellerten 2024, ISBN 978-3-88842-057-3.
Mit Hans-Jürgen Tast: tüchtig. Kulleraugen-Verlag, Schellerten 2025, ISBN 978-3-88842-058-0.
Mit Hans-Jürgen Tast: Großmutter, warum hast du so große Hände? Kulleraugen-Verlag, Schellerten 2026, ISBN 978-3-88842-060-3.
Literatur (Auswahl)
Brigitte Tast. In: Feliciano L. Pastor (Hrsg.): Desnudos 1 / Nudes 1. Artual, Barcelona 1996, ISBN 84-88610-17-3, S. 18ff.
Brigitte Tast. In: Feliciano López Pastor (Hrsg.): Hedendaagse Naaktfotografie. Libroro, Hedel 1998, ISBN 90-72267-66-4, S. 24ff, 150.
Brigitte Tast. In: Peter Feierabend (Hrsg.): Nudes Index I. Könemann, Köln 2000, ISBN 3-8290-0502-4, S. 53.
Brigitte Tast. In: Giorgio Bonomi: Il corpo solitario. L’autoscatto nella fotografia contemporanea. Rubbettino, Soveria Mannelli 2012, ISBN 978-88-498-3616-5, S. 41.
Brigitte Tast. In: Mona Mathé (Hrsg.): Europe Under Construction. Berlin 1945-2015. Chaussee 36 Photography, Berlin 2015, ISBN 978-3-9817566-0-9, S. 130ff, 155.
Brigitte Tast. In: Giorgio Bonomi: Il corpo solitario. L’autoscatto nella fotografia contemporanea. Vol. II. Rubbettino, Soveria Mannelli 2017, ISBN 978-88-498-5051-2, S. 21.
Brigitte Tast. In: Giorgio Bonomi: Il corpo solitario. L’autoscatto nella fotografia contemporanea. Vol. III. Rubbettino, Soveria Mannelli 2022, ISBN 978-88-498-7129-6, S. 13.
Gala Goebel: Brigitte Tast. In: Deutscher Künstlerbund in Kooperation mit dem Projekt Kunst-Mentoring (Kulturbüro Rheinland-Pfalz) (Hrsg.): Auf den Spuren Bildender Künstlerinnen. Intervallverlag, Köln 2025, ISBN 978-3-949862-90-8, S. 30ff.
↑Roemer- und Pelizaeus-Museum (Hrsg.): auf den weg gebracht. paul könig und seine schüler. Hildesheim 1997.
↑Hans-Jürgen Tast: Umbo: Ich habe es gesehen. Ich habe es erlebt. Ich habe es festgehalten. Schellerten 2019, ISBN 978-3-88842-053-5.
↑Brigitte Tast, Magdalena Zerrath, Ute Magoulas-Frahm: Filme von Frauen. Sieben Jahre Filmclub-Arbeit in der Erwachsenenbildung. Ein Beispiel. Hannover 1986, ISBN 978-3-88923010-2.
↑Brigitte Tast: Initiativ werden - Wege suchen. In: Claudia Lenssen, Bettina Schoeller-Bouju (Hrsg.): Wie haben Sie das gemacht? Aufzeichnungen zu Frauen und Filmen. Marburg 2014, ISBN 978-3-89472-881-6, S. 47–49.
↑Brigitte Tast: Die Provinz-Frage. Schlaglichter aus einem Hildesheim der 80er Jahre. In: Maximilian Gallo, Magnus Rust (Hrsg.): fluide perspektiven. Ein vermittelnder Katalog. Hildesheim 2018, ISBN 978-3-00-059695-7, S. 246–260.