Blue Monday

Blue Monday
New Order
Veröffentlichung 7. März 1983
Länge 7:29 (Originalversion)
4:09 (Edited Version)
Genre(s) New Wave, Elektronische Tanzmusik, Synthiepop
Autor(en) Peter Hook, Stephen Morris, Gillian Gilbert, Bernard Sumner
Label Factory Records, Tonpress
Album Power, Corruption & Lies

Blue Monday ist ein Lied der britischen New-Wave-Band New Order und gilt aufgrund seiner innovativen Tontechnik und frühen Sampling-Sounds als ein Pionierstück der elektronischen Tanzmusik und des Synthiepops sowie als Wegbereiter des Techno. Die Originalversion des Stücks erschien 1983 als 12″-Maxi-Single. Die Schallplatte ist mit über einer Million Exemplaren eine der meistverkauften 12″-Singles. Das Stück selbst wurde, inklusive späterer Neuaufnahmen und Remixe, schätzungsweise über zehn Millionen Mal verkauft.

Hintergrund

Mit einer Länge von 7:29 Minuten in der 1983er Originalfassung zählt Blue Monday zu den längsten Liedern, die Einzug in die britischen Charts hielten, erreichte 1983 Platz zwölf (als Wiedereinsteiger auf Platz neun; Platz zwei in den deutschen Charts) und gilt als einer der meistgespielten Dancetracks. Der kommerzielle Erfolg blieb indes aus: Da das Independent-Label Factory Records, das zu der Zeit sämtliche New-Order-Stücke produzierte, nicht der British Phonographic Industry, dem Verband der britischen Plattenindustrie, angehörte, war Blue Monday nicht legitimiert, mit einer goldenen Schallplatte ausgezeichnet zu werden. Factory-Chef Tony Wilson klagte, dass die hohen Produktionskosten der Maxi für das Label zu einem Verlustgeschäft führte: das aufwändige, von dem britischen Designer Peter Saville gestaltete Plattencover in Form einer 5,25″-Floppy Disk geriet aufgrund der hohen Herstellungskosten – für das Cover wurden extra Stanzformen angefertigt – teurer als geplant, zudem nutzte sich die Plattenhülle schnell ab und ging oft ramponiert über den Ladentisch. In der darauffolgenden Legendenbildung um die Platte spekulierten Kritiker und Musikpresse sogar, dass Factory und New Order mit jeder verkauften Scheibe zugezahlt hätten. Anfangs trugen die New-Order-Mitglieder wenig zur weiteren Vermarktung des Songs bei, indem sie sich jahrelang weigerten, Blue Monday auf einem Album zu veröffentlichen. Erst die Album-Retrospektive Substance (1987) und die 1988 von Quincy Jones remixte Version verschafften dem Titel wieder Achtungserfolge in den Charts.

Komposition

Der aus vier Strophen bestehende Song beginnt mit einem hämmernden Sechzehntelnoten-Drumcomputer-Beat (Oberheim DMX), in den die Keyboarderin Gillian Gilbert langsam eine Melodie als Sequencer-Loop einblendet. Nach Aussage der Bandmitglieder tat sie das an der falschen Stelle, so dass die Melodie asynchron zum Beat läuft; der vermeintliche „Fehler“ wurde schließlich als willkommenes Charakteristikum beibehalten. Das Stück baut sich im Folgenden kaskadierend auf; nach einem ungewöhnlich langen Intro, bestehend aus einer pulsierenden Moog-Synthesizersequenz und Peter Hooks E-Bass-Linie sowie Hi-Hat-Breaks, beginnt schließlich der Vokalteil des Stücks, emotionslos und düster vorgetragen von Bernard Sumner. Untypisch für einen „Hit-Song“ verzichtete Sumner als Texter des Stücks auf einen Standardvers als Refrain. Es folgt ein Staccato von Soundeffekten: eine Abfolge von Drumbeats, die einem Maschinengewehrfeuer ähneln, und der damals populäre Synthie-Pitchbending-Sound eines „abstürzenden Flugzeuges“, den man – relativ zeitgleich im Entstehungsdatum – auch in der Disco-Longversion von Soft Cells Tainted Love (1981) wiederfindet. Das Stück gipfelt in einem sphärischen Chorus-Sample und mehrspurigen Überlagerungen (Overdubs) aus Synthesizermelodie und Basslinie, bis es schließlich ausfadet.

Nach Bernard Sumners Aussage sei Blue Monday von vier Stücken beeinflusst: Das Arrangement stamme aus Dirty Talk von Klein & MBO; die Oktaven der markanten Basslinie seien Sylvester James’ You Make Me Feel (Mighty Real) entnommen; der House-Beat stamme von Donna Summers Our Love und das lange Keyboard-Intro sei von Kraftwerks Stück Uranium aus dem Album Radio-Aktivität inspiriert. In einem Interview mit dem Sender Channel 4 erklärten New Order, der Song sei als Reaktion auf ihr enttäuschtes Publikum entstanden, weil sie niemals Zugaben spielen. Dieser Song erlaube es ihnen nun, einfach noch einmal auf die Bühne zu gehen, „Play“ auf dem Synthesizer zu drücken und die Bühne wieder zu verlassen.

Titel und Text

Wie bei den meisten Stücken von New Order hat der Titel keinen Bezug zum Songtext, was wiederum viel Freiraum für Interpretationen lässt; obwohl Sumner sich selten öffentlich zu seinen Texten äußert, wurde, wie schon häufiger seit Neubeginn der ehemaligen Joy-Division-Bandmitglieder als New Order, ein Bezug des Textes auf den Suizid des Joy-Division-Sängers Ian Curtis konstruiert und Aussagen über die Auswirkungen Curtis’ Tod auf die Verbliebenen unterstellt. Ebenso wurden versteckte Anspielungen auf Drogenexperimente in dem Text vermutet, und dass die Band während der Produktion auf einem LSD-Trip gewesen sei. Die seit jeher stringente „Desinformationspolitik“ der Gruppe tat ihr Übriges, um Spekulationen zu streuen. Ein anderer Interpretationsansatz stellte damals aufgrund der Worte ship (Schiff), harbour (Hafen) und beach (Strand) sogar einen Bezug zum Falklandkrieg her und deutete auf die vielen militärischen Elemente in dem 1983er Original-Videoclip zum Song, der unter anderem ein Harrier-Kampfflugzeug zeigt, welches in dem Konflikt eine wichtige Rolle spielte.

Artwork

Das berühmte Floppy-Disk-Plattencover von Blue Monday ist in die Annalen des Packungsdesigns eingegangen. Es wurde von dem Grafiker Peter Saville aus Manchester gestaltet. Saville, der durch seinen reduzierten und minimalistischen Stil bekannt wurde, war in den ausgehenden 1970er und 1980er Jahren für das Corporate Design der meisten Produktionen von Factory Records verantwortlich. Das schwarze Cover besitzt weder Bandnamen noch Titel und neben den für eine 5,25″-Diskette typischen ovalen Stanzungen lediglich einen Code aus farbigen Blöcken, der chiffriert „FAC 73 BLUE MONDAY AND THE BEACH NEW ORDER“ darstellt. Saville verwendete das Konzept der Codierung auch für das nachfolgende Album Power, Corruption & Lies, auf dessen Rückseite die Dechiffrierung des Codes abgedruckt ist, sowie für die Folge-Single Confusion. Das Original-Cover mit den Stanzungen wurde wegen der hohen Produktionskosten bald gegen eine gedruckte Auflage ausgetauscht und gilt heute unter Sammlern als begehrtes Sammelobjekt.

Offizielle Veröffentlichungen

1983

Blue Monday erzielte mehrmals Positionierungen in den englischen Charts. Bei der ersten Veröffentlichung am 7. März 1983 erreichte es Platz 12 und bekam noch im selben Jahr einen Re-Entry (Neuplatzierung) auf Platz 9 der UK-Charts, was daran lag, dass weder Blue Monday noch die B-Seite The Beach (eine Instrumentalversion von Blue Monday) auf dem Folgealbum Power, Corruption & Lies erschienen. Blue Monday und The Beach erschienen als Bonustracks lediglich auf der US-Veröffentlichung.

Am 31. März 1983 sollten New Order in der BBC-Sendung Top of the Pops auftreten, um Blue Monday zu bewerben; ungewöhnlicherweise bestand die Band darauf, den Song live zu spielen, was mit dem Playback-Konzept der Sendung kollidierte, und so sollte es zu einem mangelhaften Auftritt kommen. Der Schlagzeuger Stephen Morris beklagte im Anschluss, dass Blue Monday wohl nicht das einfachste Stück sei, um es live zu spielen. In einem Interview mit The Guardian sagte er: „Es musste alles falsch laufen; die Synthesizer liefen schräg und es klang grauenvoll.“

Blue Monday 88 / Remix 1995

Im Frühjahr 1988 machten sich Quincy Jones und der Tontechniker John Potoker daran, den Song unter dem Titel Blue Monday 88 zu remixen und zugleich einen Instrumental-Re-Remix der neuen Version mit dem Titel Beach Buggy zu veröffentlichen. Die Single erreichte Platz 3 der UK-Charts. Eine weitere Version, die ebenfalls die Charts erreichte, entstand Mitte 1995 als erneuter Remix des deutschen Techno-Projekts Hardfloor.

Musikvideos

Der Videoclip von 1983 mit einer gekürzten Fassung des Songs ist eine Filmcollage aus militärischen Aufnahmen in Falschfarben und einfachen computergenerierten Grafiken, wie farbigen Blöcken und geometrischen Linien, denen ein experimentelles Schriftdesign des Grafikers Peter Saville zugrunde liegt; des Weiteren sieht man Screenshots des Computerspiels Zaxxon und niedrig aufgelöste, digitalisierte Videoshots der Bandmitglieder.

Das vierminütige Musikvideo für Blue Monday 88 besteht ebenfalls aus einer Kurzfassung des Songs, enthält aber zusätzliche Stimmeneffekte. Der Clip wurde auf der nachfolgenden Videokollektion Substance zum gleichnamigen Album veröffentlicht. In dem surreal anmutenden Video wechseln sich in schnellen Schnitten Realfilm mit Trickfilm und Animationen ab. Kurze Sequenzen zeigen den Weimaraner-Hund Fay Wray des amerikanischen Fotografen William Wegman, der mit seinen Hundefotografien weltbekannt wurde. Fay Wray vollführt Balance-Akte auf Bällen oder gestapelten Stühlen, die wiederum von spontanen handgezeichneten Animationen des Trickfilmkünstlers Robert Breer unterbrochen werden; währenddessen – wieder als Realfilm – werden die Bandmitglieder dabei gezeigt, wie sie absurde Dinge tun, z. B. in einem blau gestrichenen Raum über eine Holzplanke vor- und zurückzulaufen, durch das Gitter eines Wäschekorbs oder einer Drahtkonstruktion zu schauen u. a. Dabei werden sie von Tennisbällen umkreist oder getroffen; schließlich stehen oder sitzen sie im Raum und blättern in großen Daumenkinos, in denen die Trickfilmsequenz weiterläuft. Schließlich endet das Video mit einer Großaufnahme der auf einem Tennisball balancierenden Pfote des Weimaraners.

Single-Titellisten

Blue Monday 1983

  1. Blue Monday (7:29)
  2. The Beach (7:19)

Blue Monday 88

  1. Blue Monday 1988 [12″ Version] (7:09)
  2. Beach Buggy (6:52)
  3. Blue Monday 1988 [7″ Version] (4:09)

Blue Monday 1988 (USA)

  1. Blue Monday 1988 [12″ Mix] (7:09)
  2. Touched By The Hand Of God [Single Version] (4:10)
  3. Blue Monday 1988 [Single Version] (4:10)
  4. Blue Monday 1988 [Dub Version] (7:16)

Blue Monday-95 (UK CD)

  1. Blue Monday [1983 12″ Version] (7:29)
  2. Blue Monday [Hardfloor Mix] (8:34)
  3. Blue Monday [Manuela Mix] (7:31)
  4. Blue Monday [Andrea Mix] (8:26)
  5. Blue Monday [Plutone Mix] (6:29)
  6. Blue Monday [Starwash Mix] (5:29)
  7. Blue Monday [Hawtin Mix] (8:02)

Blue Monday erschien außerdem auf diversen New-Wave-Samplern und auf Kompilationen von New Order:

Kommerzieller Erfolg

Chartplatzierungen

Chartplatzierungen: Original
ChartsChartplatzierungenHöchst­platzie­rungWo­chen
 Deutschland (GfK)2 (22 Wo.)22
 Österreich (Ö3)4 (12 Wo.)12
 Schweiz (IFPI)10 (5 Wo.)5
 Vereinigtes Königreich (OCC)9 (74 Wo.)74
Jahrescharts: Original
ChartsJahres­charts (1983)Platzie­rung
 Deutschland (GfK)12
 Vereinigtes Königreich (OCC)18
Chartplatzierungen: Neuaufnahme 1988
ChartsChartplatzierungenHöchst­platzie­rungWo­chen
 Deutschland (GfK)3 (16 Wo.)16
 Schweiz (IFPI)9 (10 Wo.)10
 Vereinigte Staaten (Billboard)68 (10 Wo.)10
 Vereinigtes Königreich (OCC)3 (11 Wo.)11
Jahrescharts: Neuaufnahme 1988
ChartsJahres­charts (1988)Platzie­rung
 Deutschland (GfK)41
Chartplatzierungen: Remix 1995
ChartsChartplatzierungenHöchst­platzie­rungWo­chen
 Deutschland (GfK)54 (5 Wo.)5
 Vereinigtes Königreich (OCC)17 (4 Wo.)4

Auszeichnungen für Musikverkäufe

Originalversion 1982

Land/Region Aus­zeich­nung­en für Mu­sik­ver­käu­fe
(Land/Region, Aus­zeich­nung, Ver­käu­fe)
Ver­käu­fe
 Dänemark (IFPI) Gold45.000
 Italien (FIMI) Gold50.000
 Kanada (MC) Gold75.000
 Neuseeland (RMNZ) 2× Platin40.000
 Spanien (Promusicae) Gold30.000
 Vereinigtes Königreich (BPI) 3× Platin1.800.000
Insgesamt 4× Gold
5× Platin
2.040.000

Neuaufnahme 1988

Land/Region Aus­zeich­nung­en für Mu­sik­ver­käu­fe
(Land/Region, Aus­zeich­nung, Ver­käu­fe)
Ver­käu­fe
 Neuseeland (RMNZ) Gold10.000
Insgesamt 1× Gold
10.000

Einflüsse und Nachwirkungen

Inoffizielle Remix- und Coverversionen (Auswahl)

Trivia

Einzelnachweise

  1. ↑ Hamburger Morgenpost, Artikel vom 12. Oktober 2005
  2. ↑ 1000songs.de (Memento des Originals vom 28. September 2007 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. - Diskothek der Süddeutschen Zeitung, Jahr 1983
  3. ↑ www.bluemondayownersclub.com (Memento vom 25. Oktober 2008 im Internet Archive)
  4. ↑ www.soundonsound.com – Artikel, April 2004
  5. ↑ Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 24. Juli 2013 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  6. ↑ Interview The Guardian
  7. ↑ Chartplatzierung in Deutschland. In: offiziellecharts.de. Abgerufen am 25. Juli 2024.
  8. ↑ Chartplatzierung in Österreich. In: austriancharts.at. Abgerufen am 25. Juli 2024.
  9. ↑ Chartplatzierung in der Schweiz. In: hitparade.ch. Abgerufen am 25. Juli 2024.
  10. ↑ Chartplatzierung in Großbritannien. In: officialcharts.com. Abgerufen am 25. Juli 2024 (englisch).
  11. ↑ Jahrescharts 1983 in Deutschland. In: offiziellecharts.de. Abgerufen am 25. Juli 2024.
  12. ↑ Jahrescharts 1983 in Großbritannien. In: officialcharts.com. Abgerufen am 25. Juli 2024 (englisch).
  13. ↑ Chartplatzierung in Deutschland. In: offiziellecharts.de. Abgerufen am 25. Juli 2024.
  14. ↑ Chartplatzierung in der Schweiz. In: hitparade.ch. Abgerufen am 25. Juli 2024.
  15. ↑ Chartplatzierung in den USA. In: billboard.com. Abgerufen am 25. Juli 2024 (englisch).
  16. ↑ Chartplatzierung in Großbritannien. In: officialcharts.com. Abgerufen am 25. Juli 2024 (englisch).
  17. ↑ Jahrescharts 1988 in Deutschland. In: offiziellecharts.de. Abgerufen am 25. Juli 2024.
  18. ↑ Chartplatzierung in Deutschland. In: offiziellecharts.de. Abgerufen am 25. Juli 2024.
  19. ↑ Chartplatzierung in Großbritannien. In: officialcharts.com. Abgerufen am 25. Juli 2024 (englisch).
  20. ↑ Certificeringer. In: ifpi.dk. Abgerufen am 10. Januar 2025 (dänisch).
  21. ↑ Certificazione. In: fimi.it. Abgerufen am 25. Juli 2024 (italienisch).
  22. ↑ Gold/Platinum. In: musiccanada.com. Abgerufen am 25. Juli 2024 (englisch).
  23. 1 2 Dean Scapolo: The Complete New Zealand Music Charts: 1966 – 2006. Maurienne House, 2007, ISBN 978-1-877443-00-8 (englisch).
  24. ↑ Awards Record. In: elportaldemusica.es. Abgerufen am 25. Juli 2024 (spanisch).
  25. ↑ Brit certified. In: bpi.co.uk. Abgerufen am 14. Juni 2026 (englisch).
  26. ↑ Orkestra Obsolete play Blue Monday using 1930s instruments - BBC Arts. In: BBC Arts. 10. März 2016, abgerufen am 29. Juni 2025.
  27. ↑ Sunday's Listen Up - "Blue Monday". In: uthegamers.com. 15. Dezember 2019, abgerufen am 30. Dezember 2019.
  28. ↑ Jerry Brown: Wonder Woman 1984 trailer song is a remix of New Order's Blue Monday. In: Monsters and Critics. Digital Minefield Ltd, 9. Dezember 2019, abgerufen am 3. Mai 2020 (amerikanisches Englisch).