
„Blue Swan“ ist der Name eines bayerischen Großprojekts für Künstliche Intelligenz (KI) das der Freistaat Bayern 2025 ins Leben rief. Standort für das riesige Rechenzentrum sind die einstigen Conn Barracks bei Schweinfurt. Baurecht soll Ende 2026 bestehen.
Das Projekt läuft im Rahmen für eine Bewerbung um ein drei bis fünf Mrd. Euro teueres KI-Rechenzentrum des „EU-InvestAI“-Programms (englisch: artificial intelligence AI). Der Freistaat hat hierzu eine Interessenbekundung bei der EU-Kommission eingereicht. Der Bau der Gigafactory soll in Teilabschnitten erfolgen. Zwei Module mit einer Leistung von 63 Megawatt sollen, ungeachtet einer Förderzusage der EU, in jedem Fall durch den Freistaat 2028 in Betrieb gehen (Megafactory) und mit EU-Förderung im Endausbau sechs Module mit 220 Megawatt (Gigafactory).
Das bayerische Leibniz-Rechenzentrum (LRZ) im Hochschul- und Forschungszentrum Garching, mit dem größten Campus der Technischen Universität München und vielen anderen Forschungseinrichtungen, soll die Kontrollstelle und Steuerungseinheit des Rechenzentrums werden. Das Umfeld in der weiträumigen Flugplatzkaserne bei Schweinfurt soll die Möglichkeit zum Aufbau eines ganzen „Ökosystems“ für neue Firmen und Forschungszentren bieten, die intelligente KI-Lösungen für Unternehmen, Hochschulen, Unikliniken oder den Staat entwickeln und vermarkten.
Die Bezeichnung „Blue Swan“ wurde vom Supercomputer „Blue Lion“ in Garching abgeleitet. Der blaue Schwan steht für eine kontrollierte, technologisch getriebene Disruption, als positiver Gegenentwurf zum „Black Swan“.
Das Sondergebiet „Data Center“ für das Projekt „Blue Swan“ liegt im Bereich der Gemeinde Geldersheim in der Konversionsliegenschaft Conn Barracks. Es war die größte Kaserne der 2014 aufgelösten US-Heeresgarnison Schweinfurt. Sie befindet sich 4 km (Luftlinie) westlich des Schweinfurter Stadtzentrums.
Siehe auch: Liste zur US-Konversion Schweinfurt
Bereits 2013 wurde der Zweckverband Interkommunaler Gewerbepark Conn Barracks gegründet. Das Grundstück wurde Anfang 2026 vom Zweckverband gekauft.
Die Conn Barracks besitzen eine sehr zentrale Lage in Deutschland und Europa, im Straßen-, Schienengüter-, Schienenpersonen- und Luftverkehr. Sie liegen an einer Autobahnanschlussstelle und besitzen einen Gleisanschluss.
Näheres hierzu siehe: Conn Barracks, Lage
Die Conn Barracks haben eine Gesamtfläche von 202,25 Hektar, was etwa der Fläche der Münchener Innenstadt entspricht. Darin können 100 Hektar gewerblich genutzt werden. Darin hat sich der Freistaat Bayern 48 Hektar gesichert. Darin liegt das Sondergebiet „Data Center“ mit 15,1 Hektar.

Das Sondergebiet „Data Center“ liegt im Südwesten der Conn Barracks, auf unbebauten Flächen des einstigen Flugplatzes.
Am Leibniz-Rechenzentrum in Garching sind, wie nahezu überall in Bayern, die nötigen Netzanschluss-Leistungen von bis zu 300 Megawatt bei weitem nicht vorhanden. Sie gibt es in Deutschland nur an relativ wenigen Orten, wie am Netzknotenpunkt Bergrheinfeld.
Am Netzknotenpunkt Bergrheinfeld wird sich mit dem Anschluss an SuedLink, dessen erster (nördlicher) Ast in Bergrheinfeld endet, die Situation dort noch deutlich weiter verbessern. Die Gigafactory wird ein Viertel des Stroms von SuedLink benötigen, zu der unweit von ihr, westlich von Geldersheim, die Bauarbeiten im Herbst 2025 begannen.
Der Netzknotenpunkt Bergrheinfeld wird durch die Fulda-Main-Leitung noch weiter ausgebaut. Sie wird parallel zur Gleichstromtrasse Suedlink als Wechselstromtrasse errichtet.
Vom Netzknotenpunkt Bergrheinfeld soll eine unterirdische Leitung in zweifacher Ausführung zum Data Center verlegt werden. Da Rechenzentren zur kritischen Infrastruktur zählen, werden sie doppelt abgesichert. Ein Blackout soll durch Notstromaggregate abgesichert werden, die alle zweieinhalb Monate getestet werden müssen, um ihre Funktionsfähigkeit zu garantieren. Das soll wegen der Lärmbelastung (Geldersheim) im Tagesbetrieb geschehen, zudem sollen die Aggregate mit Schalldämpfern ausgestattet werden.
Die EU-Kommission definiert die KI-Gigafabriken als „Großanlagen für die Entwicklung und das Training von KI-Modellen der nächsten Generation mit Billionen von Parametern“. Europaweit sind fünf Anlagen geplant. 65 % sind von Unternehmen zu finanzieren, 35 % von der EU und dem im Bund federführenden Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR). Das Vorhaben ist Teil des „EU-InvestAI“-Programms (englisch: artificial intelligence AI) mit 20 Milliarden Euro Fördermitteln für den Aufbau einer europäischen KI-Infrastruktur. Durch Öffentlich-private Partnerschaften sollen Investitionen bis zu 200 Milliarden Euro mobilisiert werden.
Die EU-Kommission bekam 76 Interessenbekundungen aus 16 EU-Mitgliedstaaten mit 60 Standorten, getragen von Industrie, Forschung, Versorgern, Investoren und einem deutschen Bundesland (Bayern). Aber nur sechs konkrete Standorte wurden bisher öffentlich bekannt, mit vier Orten die an großen, national bedeutenden Strom-Netzknotenpunkten liegen:
Wissenschaftsminister Blume betonte:
Ferner weist Blume auf die Sicherung von Talenten und Arbeitsplätzen hin:
Zu Anwendungen und Bereichen sagt Blume:
Hinter dem Projekt steht ein Konsortium mit drei Akteuren:
Im nächsten Schritt gründet die Bayerische Akademie der Wissenschaften (BAdW) als Trägerin des LRZ die Blue Swan Service GmbH, um die Konsortialbildung weiter voranzutreiben und künftig die Gigafabrik zu betreiben. Die GmbH mit Sitz in Garching soll als gewerbliche Trägerin der IT-Services der Blue Swan Gigafactory fungieren, zur Abdeckung kommerzieller Bedarfe.
Ergänzend soll der Verein Blue Swan e.V. gegründet werden, um Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, Verbände und Unternehmen zu vereinen, die zur Förderung des bayerischen KI-Ökosystems und der Gigafabrik beitragen wollen.
Es soll ein KI-Rechenzentrum in einem geschlossenen Ökosystem aus Theorie (Lehre), Grundlagenforschung und Praxis (Start-ups und Wirtschaft) entstehen. Die Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt (THWS) plant einen Innovations-, Forschungs- und Lehr-Hub, mit einer Bündelung und Erweiterung der Kompetenzen. Zudem sollen Unternehmen über gemeinsame Projekte mit Forschenden und Studierenden der THWS anwendungsnahe KI-Lösungen entwickeln können (Technologietransfer).
Der Bebauungsplan sieht neben dem Rechenzentrum Flächen vor, in die künftig Forschung und junge Technologieunternehmen (Start-ups) einziehen sollen.
Die nachfolgenden mainfränkischen Hochschulen und Außeruniversitären Forschungseinrichtungen sollen das Rechenzentrum nutzen können:

In einem neuen bayernweiten KI-Großprojekt wurden aus 94 Bewerbungen elf Hochschulen ausgewählt, u. a. die Universität Würzburg, die an der Entwicklung der Plattform „Blue Swan“ mitarbeiten. Ziel ist, ein eigenes, europaweites KI-Basismodell zu entwickeln, das Forschung und Wirtschaft enger verzahnen soll, mit dem Fokus Gesundheit und Robotik.
Das 15,1 Hektar große Areal der KI-Gigafabrik wird im Flächennutzungsplan als „Sonstiges Sondergebiet“ mit der Zweckbestimmung „Data Center“ ausgewiesen. Für die KI-Gigafactory sind zwei Bebauungspläne nötig. 2025 wurde für dieses Gebiet vom Zweckverband (siehe: Zweckverband) der Bebauungsplan „Gewerbepark Conn Barracks - Blue Swan“ beschlossen. Der zweite Bebauungsplan Sondergebiet „Data Center“ beschreibt die spezifische Zweckbestimmung innerhalb dieses Bebauungsplans.
Zum Anhörungsverfahren für den Bebauungsplan „Data Center“ gab es keine gravierenden Einwände. Bürger haben sich nicht zu Wort gemeldet. Die Kommunen des Zweckverbandes (siehe: Conn Barracks, Zweckverband) und der Landkreis Schweinfurt haben den Bebauungsplan im Oktober 2026 final abgesegnet.
Noch 2026 soll Baurecht bestehen und der erste Spatenstich könnte bereits erfolgen.
Die KI-Fabrik soll mit einem geschlossenen Wasser-Luft-Kühlsystem ausgestattet werden. Dieselbe Flüssigkeit zirkuliert kontinuierlich, nimmt die Wärme auf und gibt sie über einen Wärmetauscher an die Umgebungsluft ab.
In den Anfangsjahren, mit großen Investitionen, werde keine Gewerbesteuer fließen, sondern erst wenn die KI-Factory boomt. Geldersheim als flächenmäßig einziger Anteilseigner erhält davon 40 Prozent, Niederwerrn, die kreisfreie Stadt Schweinfurt und der Landkreis Schweinfurt jeweils 20 Prozent. Im Bereich des Gewerbeparks außerhalb der KI-Factory wird die Gewerbesteuer anders aufgeteilt (siehe: Conn Barracks, Gewerbesteuer).
Koordinaten: 50° 2′ 59,1″ N, 10° 10′ 3″ O