Bojan (Barde)

Bojan (Wiktor Wasnezow, 1910)

Bojan auch Bajan oder Jan (1016–1106) war ein Dichter und Sänger in Ruthenien (Vorgänger der Ukraine). Sein Name wurde im ruthenischen Epos Die Sage von Igors Feldzug (Igorlied) mehrmals erwähnt. Der Barde soll am Hof von Jaroslaw dem Weisen tätig gewesen sein. In den ersten Zeilen der Sage wird er als Enkel des Veles bezeichnet, was möglicherweise ein Hinweis auf Veles als Schutzpatron der Musiker ist.

Geschichte

Bojan Denkmal in Perejaslaw
Boyan Denkmal in Dorf Balyko-Schtschutschynka (am Standort der Chronikstadt Chuchin)

Obwohl der Name Bojan in der Rus tatsächlich existierte, waren viele Forscher der Meinung, dass es sich in diesem Fall um das zu einem Eigennamen erhobene allgemeine Substantiv „Bajan” (von „bajat”) handelte, was Sänger bedeutete und somit den Wörtern Skalde oder Barde gleichbedeutend war. Bojan ist möglicherweise die poetische Umbildung des Namens Jan zu Buj-Jan.

Der Autor des Igorlieds schreib über Bojan dass dieser ein fürstlicher Hofsänger war, der im 11. und frühen 12. Jahrhundert zu Zeiten des Fürsten Wseslaw Polozki lebte und die Taten des Fürsten Jaroslaw des Großen, des schönen Roman Svjatoslavič sowie den Kampf des Mstislaw gegen den Kassogerfürsten Bededja besungen habe und dass es schade sei, dass er nicht auch über Igors Taten habe singen können. Seine Lieder zeichneten sich durch erhabenen Schwung aus und seine Sprüche zeugten von tiefer Weltweisheit.

So heißt es dort unter anderem in der deutschen Übersetzung:

„O Bojan, du Nachtigall jener längst verwich’nen Zeiten, dass du jene tapfern Streiter doch besängest! […] O Bojan! erhabener Dichter, du, des Glücksgotts Weles Enkel hättest dies besingen sollen!“

Literatur

Commons: Bojan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Jan Wyschatytsch: Літопис руський / Litopys rusʹkyĭ. Kiew 1989, S. 519.
  2. ↑ Vladimir Kocovśkyj: Der litterarhistorische und der historische Hintergrund des Liedes von Ihors Heereszug. In: Записки Наукового товариства імени Шевченка – Mitteilungen der Ševčenko-Gesellschaft der Wissenschaften in LembergGesellschaft. Band 35–36, II. Hälfte: Sprachkunde und Litteraturgeschichte. Tovarystvo, 1900, S. 15–17 (ukrainisch, deutsch, google.de – für den Kijever archäologischen Congress bestimmte, aber infolge des Verbots der ukrainischen Sprache nicht vorgebrachte Referate).
  3. ↑ Heinrich von Paucker: Das Lied von der Heerfahrt Igors Fürsten von Sěversk. A. Deubner, Berlin 1884, S. 45–46 (Textarchiv – Internet Archive).
  4. ↑ August Boltz: Igor: Ein altrussisches Heldengedicht. C. Schultze, 1854, S. 8 (n14 – Internet Archive).