Borland C++

Borland C++

Hallo-Welt-Programm und Compiler-Einstellungen von Borland C++ 3.1
Basisdaten
Entwickler Borland
Aktuelle Version 5.5 für DOS und Windows
(2000)
2.0 für OS/2
(1995)
Betriebssystem Microsoft Windows, PC-kompatibles DOS, OS/2
Kategorie Compiler, IDE
Lizenz proprietär
deutschsprachig nein
www.borland.com/borlandcpp (archiviert)

Borland C++ ist ein Compiler und eine Entwicklungsumgebung von Borland für die Programmiersprachen C und C++. Es ersetzte die Professional-Version von Turbo C++ und gilt als ihr Nachfolger, während Turbo C++ primär als Produkt für Einsteiger, Studenten und Hobby-Entwicklern weitervermarkted wurde.

Der Compiler ist bereits ab der ersten Version (2.0) vollständig kompatibel mit den Standards AT&T C++ 2.0 und ANSI-C.

Analog zu anderen Entwicklungsumgebungen von Borland unterstützt auch Borland C++ die Grafikbibliothek Borland Graphics Interface (BGI). Um BGI-Grafiktreiber zu entwickeln, wurde von Borland das SDK BGI Driver Toolkit angeboten, das u. a. mit Borland C++ in der Edition Borland C++ & Application Frameworks vertrieben wurde. In dieser Edition wurde ebenfalls ein Editor zum Erstellen von BGI-Schriftarten angeboten. Das enthaltene Tool BGIOBJ.EXE ermöglicht die Einbindung von Grafiktreiben und Schriftarten in ausführbare Dateien.

Borland C++ 5.02 ist der direkte Vorgänger der RAD-Entwicklungsumgebung C++Builder, deren Entwicklung und Vertrieb später von CodeGear und Embarcadero Technologies übernommen wurde.

2000 bot Borland unter der Versionsnummer 5.5 den Linker und den Compiler von Borland C++ kostenlos zum Download an. Höhere Programmierwerkzeuge, wie u. a. der grafische Editor waren in dieser Edition allerdings nicht enthalten.

Geschichte

Die nachfolgende Tabelle enthält eine Auswahl der wichtigsten Änderungen der einzelnen Versionen:

Version Datum Beschreibung
2.0 1991
  • Unterstützung des AT&T C++ 2.0 Standards
  • Unterstützung des ANSI-C-Standards
  • Es werden Compiler für den Real- und Protected Mode bereitgestellt
  • VROOMM (Virtual Runtime Object-Oriented Memory Manager)
  • Unterstützung von mathematischen Coprozessoren
3.0 1991
  • Unterstützung von C++ 2.1
  • Compiler und IDE unterstützen DPMI
  • Programme für DOS können mit der Funktion EasyWin in Programme für Windows konvertiert werden
  • Zusätzliche BGI-Schriftarten
3.1 1992
4.0 1993
  • OWL 2.0
  • 32-Bit-Unterstützung
  • Es können Anwendungen für Win32s erstellt werden, sofern sie nicht auf NT-exklusive Funktionen zurückgreifen
  • Via OWL 2.0 und 2.5 ist es möglich, VBX-Steuerelemente in Borland C++ zu nutzen, sofern als Zielplattform 16-Bit für Windows festgelegt wurde. Das Tool VBXGEN.EXE ermöglichte es, aus bestehenden VBX-Dateien Header-Dateien zu generieren, um die entsprechenden Komponenten in C++ nutzen zu können.
4.01 1993
4.02 1994
  • Bereitstellung eines DOS-Extenders, der es Anwendungen ermöglicht, auch unter DOS den 386er-Protected-Mode zu nutzen.
4.5 1994
  • OWL 2.5
  • vollständige Unterstützung von OLE 2.0
  • enthält eine im Funktionsumfang stark begrenzte Version von Microsoft Visio 3.0 zum Testen der OLE-Unterstützung
  • VBX-Unterstützung für 32-Bit-Programme
4.51 1994
4.52 1995
  • OWL 2.52
  • letzte 16-Bit Version
  • Anpassung der Header-Dateien und Programmbibliotheken zur Unterstützung von Windows 95
  • Verbesserung der VBX-Komponenten
5.0 1996
5.01 1996
5.02 1997 Direkter Vorgänger der RAD-Entwicklungsumgebung C++Builder.
5.5 2000 Kostenlos bereitgestellter Linker und Compiler. Höhere Programmierwerkzeuge, wie u. a. der grafische Editor fehlen.

Rezeption

1995 verglich die Zeitschrift PC Professionell den Compiler von Borland C++ 4.02 mit denen von Microsoft C++ 1.5, Symantec C++ 6.1 und Watcom C/C++ 10.0 mit dem Ergebnis:

„[…] Der zweite Platz geht an den Compiler Borland C++ 4.02, der sich sowohl für Einsteiger als auch Profis eignet und für die Windows-Programmierung ausreichend bestückt ist. Die Compilerleistungen sind allerdings schwach. Wer Entwicklungen mit dem Borland-C-Compiler für DOS betreibt und auf Windows umsteigt, sollte bei der Marke bleiben.“

– PC Professionell. Januar 1995.

Im September 1996 kam man dort im Hinblick auf die Version 5.0 zu dem Ergebnis:

„[…] Borland C++ ist in der aktuellen Version 5.0 ein ausgesprochen gutes und leicht zu handhabendes Produkt. Es eignet sich sowohl für Einsteiger als auch für Profis und insbesondere Entwickler mit Internet-Ambitionen.“

– Ruppert von Teutul: PC Professionell. September 1996.

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 Rainald Menge-Sonnentag: Nachfolger des kostenlosen Borland C++ Compiler erschienen. In: Heise online. 14. Juli 2016. Abgerufen am 19. August 2026.
  2. ↑ Borland C++. In: DOS Days: Old PC Computing Resource. Abgerufen am 28. August 2026 (englisch).
  3. 1 2 3 Peter Schulz: Product Comparison: C Compilers. In: InfoWorld. Band 13, Nr. 14. Popular Computing, 8. April 1991, ISSN 0199-6649, S. 55–65 (englisch, Volltext in der Google-Buchsuche).
  4. ↑ The Developer Tools Group of Borland Software Announces the Immediate Availability of the New Turbo™ Products. In: borland.com. 5. September 2006, archiviert vom Original am 11. November 2006; abgerufen am 5. Oktober 2026 (englisch).
  5. ↑ Turbo C++: The fast and easy way to start C++ development today! In: turboexplorer.com. Archiviert vom Original am 6. Dezember 2008; abgerufen am 5. Oktober 2026 (englisch).
  6. ↑ Ian O. Angell, Dimitrios Tsoubelis: Advanced Graphics on VGA and XGA Cards Using Borland C++. Red Globe Press, London 1992, ISBN 0-470-21833-9, S. 14 (englisch).
  7. 1 2 The BGI Driver Toolkit: Creating Device Drivers for the Borland Graphics Interface (Revision 1). In: Borland International (Hrsg.): Borland C++ & Application Frameworks. (BGI.DOC auf Installationsdatenträger). 31. Mai 1989 (englisch).
  8. 1 2 FE: A Stroke Font Editor (Revision 1). In: Borland International (Hrsg.): Borland C++ & Application Frameworks. (FE.DOC auf Installationsdatenträger). 29. September 1988 (englisch).
  9. Borland C++ Tools and Utilities. In: Borland C++ 5.02 Hilfe. (BCTOOLS.HLP im Installationsverzeichnis). 25. März 1997 (englisch).
    1. ↑ Converting graphics drivers and fonts (BGIOBJ): „BGIOBJ.EXE converts graphics driver files an character sets (stroked font files) to object (.obj) files. Once files are converted, you can link them into your program […].“
    2. ↑ VBXGEN 1.0: „VBXGEN is a utility program which generates a header file (.h) from a VBX control library (.vbx). […] The header file contains a section for each control model supported by a VBX library.“
  10. 1 2 Inprise/Borland Launches Free Borland C++ Compiler. In: borland.com. 16. Februar 2000, archiviert vom Original am 16. August 2002; abgerufen am 19. August 2026 (englisch).
  11. 1 2 BCC55: Publicly Available Borland C++ Compiler 5.5. In: archive.org. 9. Dezember 2013, abgerufen am 19. August 2026 (englisch).
  12. ↑ What is VROOMM from Borland? In: Tech Monitor. 11. September 1989, abgerufen am 28. September 2026 (englisch).
  13. ↑ Borland C++ turns heroes into legends. In: PC Magazine. Band 10, Nr. 16. Ziff Davis, 24. September 1991, ISSN 0888-8507, S. 95 (englisch, Volltext in der Google-Buchsuche).
  14. ↑ Welcome to Borland C++ & Application Frameworks 3.0. In: Borland International (Hrsg.): Borland C++ & Application Frameworks 3.0. (README im Installationsverzeichnis). 11. November 1991 (englisch).
  15. ↑ Borland International (Hrsg.): Borland C++ 3.0: User’s Guide. Scotts Valley 1991 (englisch, uni-stuttgart.de [PDF; 9,1 MB]).
  16. ↑ Willkommen zu Borland C++ 3.1 Professional. In: Borland International (Hrsg.): Borland C++ 3.1 Professional. (README im Installationsverzeichnis). 11. Juni 1992.
  17. Craig Arnush: Teach Yourself Borland C++ 5 in 21 Days (= Sams Teach Yourself). 3. Auflage. Sams, Indianapolis 1996, ISBN 0-672-30756-1 (englisch).
    1. ↑ S. 136 f. Borland’s Object Windows Library
  18. Sönke Müller-Lund: Objektorientierte Datenbankprogrammierung. Vieweg+Teubner Verlag, Wiesbaden 1995, ISBN 3-528-05381-X.
    1. 1 2 S. 7–35. Kapitel 2: Borland C++
    2. ↑ S. 77. Kapitel 4: Die OWL 2.0
  19. ↑ Borland International (Hrsg.): Borland ObjectWindows 2.5 Reference Guide. Module management classes, S. 13 (englisch, Volltext im Internet Archive).
  20. ↑ Matt Pietrek: Windows Q&A: How can I integrate VBX custom controls with C programs? (PDF) In: Microsoft Developer Network Library. Januar 1995, abgerufen am 1. September 2026 (englisch).
  21. ↑ Peter Wollschlaeger: Borland setzt auf Windows 95. In: PC Professionell. Redwood Press, April 1995, ISSN 0939-5822, S. 155.
  22. 1 2 Willkommen zu Borland C++ 4.52. In: Borland International (Hrsg.): Borland C++ 4.52. (README.TXT im Installationsverzeichnis). 10. September 1995.
  23. ↑ Borland International (Hrsg.): Borland C++ 4.5: Benutzerhandbuch. Scotts Valley 1994, Was ist neu in Borland C++?, S. 17–19 (Volltext im Internet Archive).
  24. ↑ Windows 95: The new Applications. In: PC Magazine. Band 14, Nr. 15. Ziff Davis, 12. September 1995, ISSN 0888-8507, Borland C++ 5.0, S. 224 (englisch, Volltext in der Google-Buchsuche).
  25. ↑ C++-Compiler: Borlands fünfte. In: PC Professionell. Redwood Press, Juli 1996, ISSN 0939-5822, S. 14.
  26. 1 2 Ruppert von Teutul: C/C++-Compiler für Windows. In: PC Professionell. Redwood Press, September 1996, ISSN 0939-5822, Borland C++ 5.0 Development Suite, S. 148–155.
  27. ↑ Im Vergleich: Visual C++ 4.0 und C++ 5.0: Borland überholt Microsoft durch aktuelle Java-Features. In: Computerwoche. 7. Juni 1996, abgerufen am 4. Oktober 2026.
  28. ↑ Das Beste einer Applikation ist sein Code in C oder C++. Fordern C-Compiler auch das Beste vom Entwickler, oder machen sie deren Arbeitsleben leichter? In: PC Professionell. Redwood Press, Januar 1995, ISSN 0939-5822, S. 136–159.