| Boryslaw | ||
|---|---|---|
| Борислав | ||
| Basisdaten | ||
| Staat: | ||
| Oblast: | Oblast Lwiw | |
| Rajon: | Rajon Drohobytsch | |
| Höhe: | 359 m | |
| Fläche: | 37 km² | |
| Einwohner: | 32.473 (1. Januar 2022) | |
| Bevölkerungsdichte: | 878 Einwohner je km² | |
| Postleitzahlen: | 82300 | |
| Vorwahl: | +380 3248 | |
| Geographische Lage: | 49° 17′ N, 23° 26′ O | |
| KATOTTH: | UA46020010010087534 | |
| KOATUU: | 4610300000 | |
| Verwaltungsgliederung: | 1 Stadt, 6 Dörfer | |
| Verwaltung | ||
| Bürgermeister: | Oleh Iwanyzkyj | |
| Adresse: | вул. Шевченка 42 82300 м. Борислав | |
| Website: | місто Борислав (Ukrainisch) | |
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Boryslaw (ukrainisch []; russisch Борислав Borislaw, polnisch Borysław, deutsch auch Borislau) ist eine ukrainische Stadt mit etwas mehr als 35.200 Einwohnern. Sie liegt in der Oblast Lwiw und befindet sich südlich der Oblasthauptstadt Lwiw. Die nächstgrößere Stadt ist Drohobytsch.


Boryslaw gehörte im Kronland Galizien, einem Landesteil der Habsburger bzw. Österreich-Ungarischen Monarchie, bis 1918 zum Bezirk Drohobycz. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erlangte der Ort weitreichende Bekanntheit als eines der damals weltweit bedeutendsten Zentren der Erdölförderung.
So weist das Karpatenvorland zahlreiche Stellen auf, an denen Erdölvorkommen bis nahe an die Erdoberfläche reichen. Die kommerzielle Ölgewinnung aus händisch gegrabenen Sickergruben ist seit dem 16. Jahrhundert überliefert. Das Naphtha bzw. Erdnaphtha gelangte als Schmiermittel und Arzneimittel in weite Teile Europas.
Diese Rohstoffbasis bewog den Apotheker Ignacy Łukasiewicz 1853 dazu, eine Petroleumlampe zu entwickeln. Auf der Suche nach Bezugsquellen für den dazu erforderlichen Brennstoff entstand 1854 das erste Ölbergwerk in Bóbrka südlich von Krosno. Damit wurde ein Ölboom an verschiedenen Stellen in der Karpatenregion ausgelöst, in dessen Folge beispielsweise allein zwischen 1860 und 1865 in und um Boryslaw herum rund 4000 händisch gegrabene Schächte zur Gewinnung von Erdöl und Erdwachs (Ozokerit) entstanden.
Das Erdöl konnte ab 1883 mit der Dniester-Bahn nach Lemberg und Wien transportiert werden. Mit zunehmender Tiefe der erschlossenen Vorkommen löste etwa um 1865 die Tiefbohrtechnik den bisherigen Schachtbau ab. Schon bald wurden Bohrungen bis in Tiefen von 1500 m getrieben. Die Ölförderung in Galizien erreichte 1912 mit fast 3 Millionen Tonnen ihren Höhepunkt. Davon kam der Großteil aus der Region Boryslaw.
Im Ersten Weltkrieg zerstörten russische Truppen sämtliche Förderanlagen. Nach 1918 wurde der Ort, wie ganz Galizien, polnisch und der Woiwodschaft Lwów zugeordnet. Die Erdölförderung erfolgte ab 1920 überwiegend durch französische Unternehmen. Im sogenannten Zwischenkriegspolen ging die Ölgewinnung in Boryslaw stark zurück.
Nach der sowjetischen Besetzung Ostpolens am 17. September 1939 folgte die Eingliederung der Gemeinde in die Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik. Mit dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion gelangte der Ort im Juni 1941 für rund drei Jahre zum Generalgouvernement.
Die erdölreichen polnischen Ostgebiete annektierte 1944 erneut die Sowjetunion und ordnete sie der Westukraine zu. Die polnische Bevölkerung wurde 1944–1946 vertrieben.
Juden siedelten ab dem frühen 19. Jahrhundert in Boryslaw. Viele von ihnen arbeiteten bis 1914 in der Ölindustrie. In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts gab es zwei Synagogen und einen jüdischen Friedhof. 1890 betrug der jüdische Bevölkerungsanteil nahezu 80 % (7263 Personen). Bis 1921 ging der Anteil auf 45 % zurück; absolut war er auf 10.149 Personen gestiegen.
Mit dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion gelangte der Ort im Juni 1941 für rund drei Jahre zum Generalgouvernement. Während des Holocausts 1942–1943 wurden Hunderte von Juden aus der Umgebung von deutschen Truppen und der Ukrainischen Hilfspolizei unter Beteiligung der Zivilbevölkerung auf der Stelle erschossen, so am 3. und 4. Juli 1941 beim Pogrom von Boryslaw. Andere wurden ins KZ Janowska oder ins Vernichtungslager Belzec deportiert. Nur circa 400 Juden überlebten diese Zeit, viele davon wanderten danach aus.
In Boryslaw gibt es keine Synagoge mehr. Statt eines eigenständigen jüdischen Friedhofs gibt es auf dem städtischen Friedhof einen eigenen Bereich für jüdische Begräbnisse.
Bis heute besitzt die Region umfangreiche Erdgas- und Erdölreserven, von denen ein großer Teil bislang unerschlossen geblieben ist. So waren im Jahr 2020 etwa ein Viertel der Bewohner von Boryslaw – etwa 8000 Personen – in der Erdölindustrie beschäftigt. Gefördert werden jährlich rund 100.000 Tonnen Erdöl aus einer Tiefe von 2500 Metern. Größere Vorräte befinden sich in Teufen von 3000 bis 5000 Metern. Der Aufschluss unterblieb jedoch bislang mangels fehlender Investoren.
Zur Gemeinde Boryslaw gehörte bis 2020 noch die südwestlich gelegene Siedlung städtischen Typs Schidnyzja. Am 12. Juni 2020 wurde die Stadt zum Zentrum der neu gegründeten Stadtgemeinde Boryslaw (Бориславська міська громада/Boryslawska miska hromada). Zu dieser zählen auch die sechs in der untenstehenden Tabelle aufgelisteten Dörfer; die Siedlung städtischen Typs Schidnyzja wurde ein Teil der eigenständigen Siedlungsgemeinde Schidnyzja.
Folgende Orte sind neben dem Hauptort Boryslaw Teil der Gemeinde:
| Name | |||
|---|---|---|---|
| ukrainisch transkribiert | ukrainisch | russisch | polnisch |
| Jassenyzja-Silna | Ясениця-Сільна | Ясеница-Сольная (Jasseniza-Solnaja) | Jasienica Solna |
| Mokrjany | Мокряни | Мокряны | Mokrzany |
| Pidmonastyrok | Підмонастирок | Подмонастырёк (Podmonstyrjok) | Podmanasterek |
| Popeli | Попелі | Попели | Popiele |
| Urisch | Уріж | Урож (Urosch) | Uroż |
| Wynnyky | Винники | Винники (Winniki) | Winniki |
1930 wurden die bis dahin selbstständigen Dörfer Bania Kotowska (ukrainisch Баня Котівська Banja Kotiwska), Hubicze (ukrainisch Губичі Hubytschi), Mraźnica (ukrainisch Мразниця Mrasnyzja) und Tustanowice (ukrainisch Тустановичі Tustanowytschi) eingemeindet.