Der Große Brand Roms war der größte aller Stadtbrände von Rom in antiker Zeit. Er ereignete sich vom 19. bis 26. Juli 64 zur Regierungszeit des Kaisers Nero. Nach einer Angabe von Tacitus wurden von den 14 Stadtbezirken Roms drei völlig zerstört, in sieben Bezirken standen von den Gebäuden nur noch wenige halbverbrannte Trümmer und nur vier Bezirke seien unversehrt geblieben.

Die zeitgenössischen Quellen zum Brand sind spärlich. Dies könnte verschiedene Gründe haben. Ein so großes Unglück stellte einerseits sicher eine Art Tabu dar. Andere betonen, dass man sich durch klare Stellungnahmen in Gefahr gebracht hätte.
Es war Hochsommer und es herrschte starker Wind, ein Funke genügte, um ein Feuer zu entfachen, das sich in den engen Gassen und den Holzhäusern sehr schnell ausbreiten konnte. Das Feuer entstand in den Buden am Circus Maximus, wo brennbare Ware gelagert und verkauft wurde. Von hier aus breitete sich das Feuer mit dem Wind mit hoher Geschwindigkeit in nordwestlicher Richtung aus.
Nero hielt sich zu Beginn des Brandes im rund 50 km entfernten Antium auf, eilte aber sofort nach Rom und engagierte sich bei den Löscharbeiten. Die Löschmöglichkeiten der römischen Feuerwehr waren angesichts des Infernos äußerst begrenzt. Die Menge der Flüchtenden behinderte zusätzlich effektive Maßnahmen. In der kollektiven Panik wurden viele zu Tode getreten. Um das Übergreifen des Feuers zu verhindern, versuchte man aber Brandschneisen in die Häuserblocks zu schlagen und mit kontrollierten Gegenfeuern zu arbeiten. Dies scheint jedoch in dem Durcheinander von privaten Rettungsversuchen und Plünderungen manchen Bewohnern nicht verständlich gewesen zu sein, so dass es zu den Gerüchten kam, hier sollte auf kaiserlichen Befehl mutwillig zerstört werden, was nicht von selber brannte.
Erst am sechsten Tag (24. Juli 64) gelang es, am äußersten Rande des Esquilin mit einer Brandschneise das Feuer zu stoppen. Gleichwohl brach das Feuer erneut aus, diesmal in dem Vorort Aemiliana, was das Gerücht bestärkte, Nero habe nur den Ruhm erlangen wollen, eine neue Stadt zu erbauen und sie nach sich zu benennen. Der Brand wütete sieben Nächte und nach Schätzungen zu urteilen sechs Tage.
Nero öffnete den herandrängenden Massen das Marsfeld, die Bauten des Agrippa und seinen eigenen Park und ließ eilig Behelfsbauten errichten, um die hilflose Menge aufzunehmen. Er ließ Lebensmittel von Ostia und den benachbarten Landstädten heranbringen und senkte den Getreidepreis auf drei Sesterzen.
„So populär dies war, verfehlte es doch seine Wirkung, weil sich das Gerücht verbreitet hatte, er habe gerade während des Brandes der Stadt in seinem Hause die Bühne bestiegen und Trojas Untergang besungen, das gegenwärtige Unglück Vernichtungsszenen der Vorzeit gleichstellend.“
Ob Nero tatsächlich zuhause oder auf dem Maecenasturm im Anblick der brennenden Stadt den Untergang Trojas besungen hat, ist nicht mehr zu beweisen. Tacitus kennt das Gerücht, Juvenal spielt darauf an, Sueton und Cassius Dio halten es für hinreichend belegt.
Unverzüglich wurde die Schuttabfuhr organisiert und der Wiederaufbau in Angriff genommen. Im Unterschied zu dem völlig planlosen Wiederaufbau nach dem Galliereinfall 390/87 v. Chr. ging man diesmal nach einem städtebaulichen Plan vor. Breite Straßen und Vordächer, eine beschränkte Gebäudehöhe und freie Höfe sollten für die Zukunft ein solches Unglück so gut wie möglich verhindern. Auch wurde bestimmt, dass die Untergeschosse aus feuerfestem Stein bestehen sollten und jedes Gebäude seine eigenen Umfassungswände besitzen musste. Es wurden Aufseher für die Wasserleitungen eingesetzt und jeder Hausbesitzer musste von nun an eigene Löschmittel bereithalten.
Um den Wiederaufbau zu beschleunigen, wurden befristete Prämien ausgesetzt, wie dies ähnlich bereits beim Brand von 390/386 v. Chr. geschehen war.
Jetzt erst erfolgte die unvermeidliche Besänftigung der Götter. Man befragte die sibyllinischen Bücher, hielt dem Vulcanus, der Ceres und der Proserpina ein Betfest und versöhnte Juno durch Besprengen mit Wasser.
„Doch nicht durch menschliche Hilfe, nicht durch kaiserliche Schenkungen, noch durch Sühnungen der Götter ließ sich das schmähliche Gerücht bannen, dass man glaubte, die Feuersbrunst sei befohlen worden.“
Dieses Gerücht, Nero sei der eigentliche Urheber gewesen, kam direkt nach dem Brand auf. Schon Seneca spricht im August 64 andeutungsweise von Brandstiftung. Der Tribun Subrius Flavus wirft sie Nero im April 65 vor. Für Plinius den Älteren steht – rund zehn Jahre später? – Nero als Urheber fest, genau wie für den anonymen Dichter der Octavia und die Dichter Statius und Juvenal. Auch Tacitus hält es für möglich, dass das Feuer einer Hinterlist des Imperators entsprang, will aber auch einen Unfall nicht ganz ausschließen. Moderne Historiker interpretieren dies als deutlichen Zweifel an der Brandstiftung durch Nero. Für Sueton ist Nero dagegen eindeutig der Brandstifter, zumal er dieses Vorhaben angeblich schon zuvor angekündigt habe. Dies überzeugte auch Cassius Dio von Neros Schuld, der noch hinzufügt, dass der Brand an mehreren Stellen zugleich ausgebrochen sei.
Moderne Autoren halten die Brandstiftung auf Neros Befehl mehr oder weniger für eine politische Propaganda, denn das Feuer brach nicht in den von Nero verhassten Elendsvierteln aus, sondern vielmehr am Fuße des Caelius-Hügels südlich des hölzernen Circus Maximus, einem Ort, der für mögliche Bauvorhaben sicher nie vorgesehen war und von dem das Feuer leicht die kaiserlichen Besitzungen auf der Kuppe des Palatin erreichen konnte. Der Caelius-Hügel stand schon 27, 36 (wobei das ganze Viertel abbrannte) und 54 n. Chr. in Flammen, wobei auch der Aventin abbrannte und das Feuer zwei Tage wütete. Großbrände waren also in Rom keine Seltenheit. Augustus klagte schon im Jahre 6 über die häufigen Brände in der Stadt. Der Brand von 390 v. Chr. wurde auch „Gallischer Brand“ genannt.
Der kaiserliche Palast, der kurz zuvor nach Neros Wünschen umgestaltet worden war, ist bei dem Brand zerstört worden und mit ihm die dort befindliche einzigartige Sammlung griechischer und römischer Kunstschätze, auf die Nero besonders großen Wert legte. Des Weiteren setzte Nero alle verfügbaren Kräfte zur Brandbekämpfung ein und schaffte umgehend Lebensmittel aus Ostia herbei. Er senkte sogar den Preis für das Getreide. Als die Stadt wieder aufgebaut wurde, traf man Vorkehrungen, die ein weiteres Feuer dieses Ausmaßes verhindern sollten. Doch gerade von den ersten christlichen Schriftstellern wie dem Bischof Clemens von Rom, Tertullian und Lactantius wird die Brandstiftung Neros überhaupt nicht erwähnt, obwohl diese gerade für sie von besonderem Interesse hätte sein müssen. Lactantius sah als Ursache für die Christenverfolgung unter Nero nicht die Brandstiftung, sondern begründet sie mit dem Erscheinen des heiligen Petrus in Rom, der durch dieses Wunder viele Menschen vom christlichen Glauben überzeugte. Zudem gab es unter den frühen Christen eine Prophezeiung, dass die Welt beim heliakischen Aufgang des Sirius untergehen würde. Die frühen Christen sehnten sich nach einem Ende der Welt, denn die Bestrafung des Bösen (also der unchristlichen Welt) wäre die Belohnung der Guten (also der Christen) gewesen. Erlöser-Prophezeiungen waren zu jener Zeit weit verbreitet. Laut Tacitus wurden die Löscharbeiten durch Drohungen von verschiedenen Leuten behindert. Einige hätten gar Feuersbrünste selbst entfacht und schrien dabei, dass es ihnen befohlen wurde, so zu handeln. Dieses offene Handeln bzw. das Fehlen jeglicher Bemühungen, heimlich zu agieren, weisen jedoch darauf hin, dass es sich bei den geschilderten Vorgängen um ein von Feuerwehrleuten (Vigiles) durchgeführtes kontrolliertes Abbrennen von Gebäuden und damit das Schaffen von Brandschneisen handelte, eine übliche Brandbekämpfungsmethode. Zudem gab es laut Tacitus Christen, die gestanden, ohne dass man sie hätte foltern müssen (gemeint ist wahrscheinlich lediglich, dass sie sich zum Christentum, nicht aber zur Brandstiftung bekannten). Auffällig ist, dass sowohl der gallische Brand 390 v. Chr. (im Vorfeld der Schlacht gegen den Gallier Brennus) als auch der Brand Neros am 18./19. Juli 64 n. Chr. exakt zum heliakischen Aufgang des Sirius ausbrach, und beide zerstörten die Stadt fast völlig.
Auch die zeitgenössischen und durchaus kritischen Autoren wie Cluvius Rufus, Flavius Josephus und Martial halten Nero für völlig unschuldig. Insgesamt fällt auf, dass die Berichte der antiken Historiker immer genauer, ausführlicher und eindeutiger werden, je weiter das Ereignis zurückliegt.
Philipp Vandenberg kommt im Jahr 2000 in seinem Buch über Nero zu dem Urteil: „Wir können heute davon ausgehen, dass die Brandstiftertheorie von Sueton in die Welt gesetzt wurde, einem Autor, der nicht Geschichte aufzeichnete, sondern Geschichten und mitunter unkritisch Gerüchte und Anekdoten kolportierte, die ihm zu Ohren kamen. Die ersten frühchristlichen Autoren hätten gute Gründe gehabt, die Brandstiftung durch Nero zu erwähnen, aber offensichtlich waren selbst sie nicht von Suetons Darstellung überzeugt“. Laut Vandenberg ist Nero, wenn man genauer hinschaut, einer der Hauptgeschädigten des Brandes, denn er stand vor dem glücklichsten Jahr seiner Regierung. Er war mit dem Adel und dem Senat in Konflikt geraten, was ihm aber die Gunst des Volkes einbrachte, und er wusste sehr genau, dass man ihn auf jeden Fall für den Brand verantwortlich machen würde.
Auch Massimo Fini kommt zu dem Urteil: „Einen Beweis dafür, dass die Brandstiftung sich gegen den Kaiser richtete, sieht Caiati in der Tatsache, dass das erste Feuer am Palatin ausbrach, wo sich Neros Palast befand, und das zweite in den Aemilianischen Gärten, die Tigellinus gehörten. Hätte man mit der Brandstiftung wirklich den Zweck verfolgt, den Verdacht auf Nero zu lenken, dann hätte man dadurch gerade das Gegenteil bewirkt.“
Anthony A. Barrett spricht von einer „offene[n] Voreingenommenheit aller drei literarischen Hauptquellen, besonders Suetons und Dios“; diese hätten alles getan, „um den unwiderstehlichen Eindruck zu erwecken, dass es zwar keine zwingenden Beweise für Neros Schuld gebe, aber kein vernünftiger Mensch daran zweifeln könne, dass er der Brandstifter war“. Nero hat laut Barrett „nach wie vor allerhand auf dem Gewissen, aber mit ziemlicher Sicherheit nicht den Brand Roms“.
Gerade das erneute Ausbrechen des Brandes „hatte schlimmere Nachrede, weil sie in den aemilianischen Besitzungen des Tigellinus ausgebrochen war, und es den Anschein hatte, als wolle Nero nur den Ruhm haben, eine neue Stadt bauen und nach seinem Namen zu benennen.“ Als Grund für die Brandstiftung wird auch angeführt, dass Nero für sein gigantisches Palastprojekt, die Domus Aurea, enorme Baufläche benötigte und ihm außerdem das alte Rom zuwider gewesen sei. Doch ist dies umstritten. Nero hätte für den Bau der Domus Aurea auch zum Mittel der Enteignung greifen können. Festzustehen scheint jedenfalls, dass nach dem Stadtbrand von 390/386 v. Chr. das Privateigentum als erloschen galt.

„Um daher das Gerede zu beenden, gab Nero denen, die wegen ihrer Schandtaten verhasst das Volk Christen nannte, die Schuld und belegte sie mit den ausgesuchtesten Strafen. […] Anfangs wurden nur solche ergriffen, welche sich dazu bekannten, und dann auf deren Anzeige hin eine ungeheure Menge nicht nur der Brandstiftung, sondern auch des allgemeinen Menschenhasses überwiesen. Bei ihrem Tod wurde auch noch Spott mit ihnen getrieben, indem sie bedeckt mit den Fellen wilder Tiere von Hunden zerrissen oder ans Kreuz geheftet starben oder zum Feuertode bestimmt sich zur nächtlichen Erleuchtung verbrennen lassen mussten, wenn sich der Tag neigte. Nero hatte seinen Park zu diesem Schauspiele geöffnet und gab ein Zirkusspiel, wobei er sich im Aufzug eines Wagenlenkers unter das Volk mischte oder auf dem Wagen stand.“ Die genaue Anzahl der Christen – 30 Jahre nach dem Kreuzestod – ist nicht bekannt, man schätzt jedoch, dass es etwa 200 bis 300 waren, was ca. 10 % der Christen in Rom beträfe. Der Feuertod war in Rom die durchaus übliche Bestrafung für Brandstifter. Sowohl wegen Ungereimtheiten im Bericht des Tacitus über die Christen als auch wegen der Nichterwähnung eines unmittelbaren zeitlichen Zusammenhangs zwischen Brand und Verfolgung bei anderen christlichen und nichtchristlichen Autoren bis ins fünfte nachchristliche Jahrhundert wird eine Verbindung dieser beiden Ereignisse von Historikern auch bezweifelt.
Der Umfang des Schadens ist nie genau bestimmt worden. Uralte und unersetzliche Bau-, Kunst- und Literaturwerke gingen verloren, darunter die ältesten Heiligtümer, der Lunatempel des Servius Tullius, der Herkulestempel des Euandros, der Iuppiter-Stator-Tempel des Romulus, Numas Königsburg und das Heiligtum der Vesta mit den Penaten des Römischen Volks.
Zahllose Menschen hatten den Tod gefunden, manche hatten sich aus Verzweiflung selbst in den Tod begeben. Hunderttausende waren obdach- und mittellos und mussten ernährt, gekleidet und untergebracht werden. Unterkünfte, Arbeitsstätten, Ersparnisse und Kapital waren in unermesslicher Menge verlorengegangen.
Zur Finanzierung dieser ungeheuren Wiederaufbaukosten zog Nero nicht nur unter Druck erfolgte Spenden von Privatleuten und Gemeinden heran, sondern begann zudem, ganze Provinzen und insbesondere die Tempelschätze auszuplündern. In Asia und Achaia raubte man sogar die Götterbilder. Die Getreidespenden für die römische Plebs wurden eingestellt. Es ist naheliegend, dass hierbei auch der besonders reiche Tempel in Jerusalem in Neros Finanzplanung einbezogen wurde. So mag der Statthalter Gessius Florus im Jahr 64 mit den massiven Plünderungen beauftragt worden sein, die zwei Jahre später im Jüdischen Krieg eskalierten.