Brandis auf einer Karte von Hermann Oberreit (1836/39)
Lage
Brandis erstreckt sich im Osten der Leipziger Tieflandsbucht. Die Landschaft wird geprägt durch den 179m hohen Kohlenberg mit seiner waldreichen Umgebung. Der Ortsteil Waldsteinberg liegt mitten in dieser waldreichen hügeligen Landschaft. Der Ortsteil Beucha wird durch die weithin sichtbare Bergkirche geprägt. Im Stadtgebiet befinden sich auch mehrere Granitporphyrsteinbrüche. In ihnen wurden unter anderem auch die Steine für das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig gebrochen.
Der Name ist wohl eine Übertragung des Namens Brandis, einer Burg bei Meran in Südtirol. Parallelen finden sich mehrfach in Böhmen (siehe Brandýs). Im Jahr 1150 bekam die Siedlung Marktrechte. Seit dem 13. Jahrhundert werden in der Gegend Steine abgebaut. Die Bergkirche Beucha wird 1280 erstmals erwähnt. Unter dem Dreißigjährigen Krieg hatte die Stadt sehr zu leiden. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung verlor ihr Leben.
Das von 1700 bis 1727 gebaute barockeSchloss Brandis war der Nachfolgebau des Schlosses, das 1696 beim größten Stadtbrand teilweise zerstört wurde und bereits früh im Kontext mit der gleichnamigen Herrschaft Brandis steht.
Im Zuge der Gemeindegebietsreform wurde am 1. Januar 1999 aus der Stadt Brandis und der Gemeinde Beucha die neue Stadt Brandis gebildet.
Im Jahr 2014 gewann die Stadt Brandis als erste Kommune den Wettbewerb „Innovationskommune Sachsen“.
Eingemeindungen
Ehemalige Gemeinde
Datum
Anmerkung
Beucha
1. Januar 1999
Zusammenschluss, keine Eingemeindung
Cämmerei (Waldsteinberg)
15. November 1929
Kleinsteinberg
1. April 1938
Eingemeindung nach Beucha
Polenz
1. Juni 1992
Wolfshain
1. April 1938
Eingemeindung nach Beucha
Bevölkerung
Jahr
Einwohner
2002
9.859
2005
9.761
2010
9.587
2015
9.426
2020
9.638
Jahr
Einwohner
2021
9.646
2022
9.730
2023
9.744
2024
9.654
Stand: 31. Dezember des jeweiligen Jahres (Angaben des Statistischen Landesamtes Sachsen), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022
Politik
Stadtrat
Der Stadtrat von Brandis besteht aus 22 Mitgliedern und dem Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Ergebnis (frühere Wahlen sind unten tabellarisch aufgeführt):
Bei der Wahl 2024 entfielen auf die AfD sechs Sitze, von denen zwei unbesetzt bleiben, weil die Partei nur vier Kandidaten nominiert hatte. Bei der Wahl 2019 entfielen auf die AfD fünf Sitze, von denen drei unbesetzt blieben, weil die Partei nur zwei Kandidaten nominiert hatte.
Bürgermeister
1994–1999: Frank Mieszkalski (SPD)
1999–2013: Andreas Dietze (CDU)
seit 2013: Arno Jesse (SPD)
Jesse wurde in der Bürgermeisterwahl am 27. September 2020 mit 69,0% der gültigen Stimmen für eine weitere Amtszeit von sieben Jahren in seinem Amt bestätigt.
Bürgerschule, heute Gymnasium (1905–1906, späthistoristisch)
Parkschlösschen, heute Parkschlösschen-Café – ehemals Restaurant mit Saal
Ost- und Westbruch am Kohlenberg
Kohlenbergteich mit vielen Wasservögeln
Bergkirche Beucha
Katholische Kirche Beucha
Schloss Polenz, heute Seniorenresidenz
Sowjetischer Ehrenhain auf dem Alten Friedhof mit Sammel- und Einzelgrabstätten für 147 sowjetische Kriegsgefangene, vier Kriegsgefangene aus Beucha und Borsdorf sowie 90 Frauen und Männer, die während des Zweiten Weltkrieges nach Deutschland verschleppt und Opfer von Zwangsarbeit in Wurzen und Zschadraß wurden.
Fachklinikum Brandis, Rehabilitationsklinik für Orthopädie, Rheumatologie, Psychosomatik und Neurologie. Eine Ganzkörperkältekammer erweitert das Therapiespektrum.
Die Bahnstrecke (Leipzig–)Borsdorf–Döbeln–Coswig(–Dresden) verläuft durch Beucha. Der Bahnhof Beucha wird von der Regionalbahnlinie RB 110 (Leipzig–Döbeln) bedient. 1898 und 1911 wurde in zwei Abschnitten die Bahnstrecke Beucha–Trebsen eröffnet. Sie wurde im Jahr 2006 für den Personenverkehr eingestellt.
Brandis liegt südlich der BundesstraßeB 6 und nördlich der AutobahnA 14, die über die Abfahrt Naunhof (ca. 4km) erreichbar ist.
Bildung
Rund 1.700 Schülerinnen und Schüler besuchen die Brandiser Schulen. In enger Nachbarschaft auf dem so genannten Campus befinden sich dabei eine 2-3-zügige Grundschule, eine 3-4-zügige Oberschule mit integrierter Hauptschule, ein 3-4-zügiges Gymnasium sowie eine Mehrzweckhalle. Eine Grundschule besteht auch im Ortsteil Beucha.
Sport
Südlich der Stadt Brandis befinden sich mit dem Ostbruch und dem Westbruch zwei aufgelassene Steinbrüche am Kohlenberg. Beide wurden seit den 1920er Jahren als Leipziger Kletterschule zum Klettern erschlossen. Derzeit befinden sich 67 Kletterrouten bis zum 7. Sächsischen Schwierigkeitsgrad im Westbruch und 34 Routen bis zum 8. Sächsischen Schwierigkeitsgrad im Ostbruch.
Im Westbruch befindet sich auch ein Tauchrevier.
Persönlichkeiten
Söhne und Töchter der Stadt
Wolf von Lindenau (1634–1710), kursächsischer Amtshauptmann, in Polenz geboren
August Albanus (1765–1839), evangelischer Theologe, in Beucha geboren
Stadt Brandis: Brandis. Geschichte einer sächsischen Kleinstadt. 136 Seiten, Literaturverzeichnis S. 134–136. Beucha 1996, ISBN 3-930076-38-1.
Stadt Brandis (Hrsg.): 875 Jahre Brandis. Brandis 1996.
Pädagogischer Rat der Mittelschule Brandis, Rat der Stadt Brandis, Ortsausschuß der Nationalen Front (Hrsg.): Festschrift zum Schul- und Heimatfest in Brandis – 29. Juni bis 1. Juli 1956 (anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Schule Brandis). 48 Seiten, Format A5, mit 10 Schwarz-Weiß-Fotos und zahlreichen Anzeigen von Geschäften und Unternehmen aus Brandis. Wurzen 1956
Cornelius Gurlitt: Brandis. In:Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 19. Heft: Amtshauptmannschaft Grimma (1. Hälfte). C.C.Meinhold, Dresden 1897, S. 23.
Brandis. In: August Schumann: Vollständiges Staats-, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen. 1. Band. Schumann, Zwickau 1814, S. 477f.
Eine umfangreiche Überlieferung der Stadt Brandis für den Zeitraum 1844–1949 zu Gemeindeangelegenheiten, Finanzen, Militär- und Kriegsangelegenheiten, Schule, Kirche, Gesundheits- und Sozialwesen, Handel, Gewerbe, Ordnungs- und Sicherheitspolizei, Bauverwaltung, Landwirtschaft und Standesamtssachen befindet sich im Sächsischen Staatsarchiv, Staatsarchiv Leipzig, Bestand 20599 Stadt Brandis.
↑Brandis. In: Historisches Ortsnamenbuch von Sachsen. Hg. v. Ernst Eichler u. Hans Walther. Band I: A – L. Berlin 2001. S. 105 f.
↑Gothaisches genealogisches Taschenbuch der freiherrlichen Häuser auf das Jahr 1865. In: "Der Gotha", erschienen bis 1942. 15. Auflage. Brandis. Justus Perthes, Gotha 22.Oktober 1864, S.95–96 (google.de[abgerufen am 1.Dezember 2021]).
↑Pädagogischer Rat der Mittelschule Brandis, Rat der Stadt Brandis, Ortsausschuß der Nationalen Front (Hrsg.): Festschrift zum Schul- und Heimatfest in Brandis – 29. Juni bis 1. Juli 1956 (anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Schule Brandis). 48 Seiten, Format A5, mit 10 Schwarz-Weiß-Fotos und zahlreichen Anzeigen von Geschäften und Unternehmen aus Brandis. Wurzen 1956