

Bratananium war der Name einer vermuteten frühkaiserzeitlichen römischen Straßenstation und einer nachgewiesenen mittelkaiserzeitlichen Zivilsiedlung (Vicus) auf dem Gebiet der oberbayerischen Gemeinde Gauting im Landkreis Starnberg.
Die ehemalige römische Ansiedlung befand sich im Tal der bis zu 45 m tief in das Gelände eingeschnittenen Würm, das sich bei Gauting auf rund 800 m Breite ausweitet und auf 15 m verflacht, wodurch sich eine gute Möglichkeit zur Querung des Flusses ergab. Die vorrömische Besiedlung in dieser Gegend reicht über Latènezeit und Hallstattzeit bis in die Bronzezeit zurück. In der Antike mündete dort die von Brigantium (Bregenz) über Cambodunum (Kempten) beziehungsweise von Parthanum (Garmisch-Partenkirchen) heranführende römische Straße in die Fernstraße, die von Iuvavum (Salzburg) nach Augusta Vindelicum (Augsburg) verlief. Diese Straßensituation ist durch zahlreiche archäologische Funde belegt (siehe unten im Abschnitt Denkmalschutz). Auf der Tabula Peutingeriana, der mittelalterlichen Kopie einer römischen Straßenkarte, ist Bratananium an der Fernstraße von Iuvavum nach Augusta Vindelicum als Straßenstation mit der Bezeichnung Bratananio eingetragen.
Die römische Vergangenheit Gautings wurde erst in den 1930er Jahren entdeckt. Bis in die 1990er Jahre kam es jedoch zu keinen planmäßigen Ausgrabungen. Alle Erkenntnisse aus dieser Zeit stammen von Notbergungen, die zumeist der örtliche Heimatpfleger Wolfgang Krämer durchführte. Erst in Folge zunehmender Bebauung ab den 1990er Jahren kam es zu regelmäßigen und systematischen Ausgrabungen.
Der Vicus erstreckte sich beidseitig der Würm, wobei sich der Schwerpunkt eindeutig auf der westlichen Seite befand, östlich des Flusses konnte nur ein einzelnes Haus identifiziert werden. Im Westen wurden seine Spuren auf einer Strecke von bis zu 800 m zu beiden Seiten der heutigen „Reismühler Straße“ gefunden, mit einem Schwerpunkt von rund 350 m Länge zwischen „Marienstraße“ und „Luisenstraße“.
Die ältesten Funde und Befunde im Zentrum konnten auf die tiberische Zeit datiert werden und wurden einer möglichen Militärstation zugeschrieben. Ab der flavischen Zeit expandierte der Vicus, die Gebäude wurden größer und auch häufiger in Stein ausgeführt, was auch für die typischen Streifenhäuser gilt. Ab dem Ende des ersten und während des zweiten Jahrhunderts wurden größere, vermutlich öffentliche Steingebäude errichtet. So entstand westlich der „Reismühler Straße“ eine Thermenanlage und um das Jahr 100 östlich derselben Straße ein größerer, 18,5 m mal 34,5 m (= 638,25 m²) messender Gebäudekomplex, der als Markthalle interpretiert wurde. Südlich davon wurde eine 16 m mal 14 m (= 224 m²) große Mansio (Herberge) errichtet, die zusammen mit der Markthalle einen Platz umgab, der als Marktplatz angesprochen wurde. Neben den Steinbauten existierten aber, auch im zentralen Bereich, weiterhin Holz- und Fachwerkgebäude. Töpferöfen und die Funde von Metallresten und -schlacken zeugen von entsprechenden handwerklichen Tätigkeiten. Nördlich des Vicus' konnte ein separates Handwerkerviertel mit Werkplätzen nachgewiesen werden. Zweimal wurde die Siedlung durch Schadfeuer zerstört, um 140 und Anfang der 170er Jahre, jedoch jedes Mal wieder aufgebaut. Ein beeindruckendes Zeugnis der zweiten Brandkatastrophe ist das niedergebrannte Depot eines Keramikhändlers, in dem die Scherben von rund 240 Krügen, davon 40 vollständige Exemplare geborgen wurden. Aber noch für die Zeit um 270/280 konnten Reparaturmaßnahmen an der Mansio nachgewiesen werden, so dass das Ende des Vicus' nicht vor dem Ende dritten Jahrhunderts erfolgt sein kann. Die Besiedlungsverhältnisse des 4. Jahrhunderts sind jedoch unklar, auch wenn südlich bei Königswiesen noch spätkaiserzeitliche Siedlungsspuren gefunden wurden.
Die Gräberfelder Bratananiums befanden sich nördlich und südlich des Vicus. Das nördliche Gräberfeld lag südlich der heutigen „Bahnhofstraße“ im Bereich des „Rathausplatzes“. Es war beim Neubau des Rathauses entdeckt worden. Einzelne Gräber fanden sich auch noch im Nordosten, im Eckbereich „Frühlingstraße“/„Buchendorfer Straße“. Das südliche Gräberfeld wurde in den landwirtschaftlich genutzten Flächen südlich der „Hedwigstraße“ und nördlich der „Leutstettener Straße“ lokalisiert. Alle Bestattungen datierten von der flavischen Zeit bis ins 3. Jahrhundert hinein.
Die römischen Anlagen vom Mühlthal sind zum größten Teil als registrierte Bodendenkmale unter verschiedenen Aktenzeichen nach dem Gesetz zum Schutz und zur Pflege der Denkmäler (Bayerisches Denkmalschutzgesetz – BayDSchG) eingetragen. Im Einzelnen sind dies:
Nachforschungen und gezieltes Sammeln von Funden sind dort erlaubnispflichtig, Zufallsfunde sind den Denkmalbehörden anzuzeigen.
Koordinaten: 48° 3′ 38″ N, 11° 22′ 36,5″ O