Brenham (Meteorit)

Koordinaten: 37° 34′ 57″ N, 99° 9′ 49″ W

Brenham
Allgemeines
Offizieller Name
nach MBD
Brenham
Authentizität sicher
Lokalität
Land USA
Region Kansas
Bezirk Kiowa County
Streufeld ja
Fall und Bergung
Datum (Fund) ab 1882
Beschreibung
Typ Stein-Eisen-Meteorit
Klasse Pallasit
Masse (total) 4,3 Tonnen
Referenzen

Brenham ist ein Meteorit aus der Klasse der Pallasite, dessen Fragmente seit 1882 in der Nähe von Haviland im Kiowa County im US-Bundesstaat Kansas gefunden werden. Er wird als anomaler Vertreter der Hauptgruppe der Pallasite (Pallasite Main Group anomalous, PMG-an) klassifiziert. Pallasite sind eine Art von Stein-Eisen-Meteoriten, die im geschliffenen und polierten Zustand gelbliche Olivin-Kristalle zeigen. Mit einer bekannten Gesamtmasse von rund 4,3 Tonnen ist Brenham der massereichste aller bisher gefundenen Pallasite.

Der Meteorit zerbrach beim Eintritt in die Erdatmosphäre in zahlreiche Fragmente, die sich über ein ausgedehntes Streufeld verteilten. Innerhalb des Streufelds befindet sich der Haviland-Krater, der durch den Einschlag eines Brenham-Fragments entstand.

Ein genauer Fall-Zeitpunk des Brenham-Meteoriten konnte bisher nicht bestimmt werden. Ältere Schätzungen des terrestrischen Alters liegen bei 10.000 bis 20.000 Jahren. Die Impact Earth Database gibt für den Haviland-Krater ein Alter von 20.000 ± 2000 Jahre an. Die Datenbank weist allerdings ausdrücklich darauf hin, dass insbesondere das Mindestalter nur schlecht eingegrenzt ist. Jüngere Radiokarbondatierungen deuten dagegen auf einen Einschlag im 1. Jahrtausend v. Chr. hin, am wahrscheinlichsten zwischen 754 und 419 v. Chr. Einzelne Stücke des Meteoriten wurden bereits von Angehörigen der präkolumbischen Hopewell-Kultur über große Entfernungen transportiert und verarbeitet.

Das mit kosmogenen Nukliden bestimmte Bestrahlungsalter des Brenham-Meteoriten – also die Zeit, die der Meteoroid vor seinem Fall im Weltraum der kosmischen Strahlung ausgesetzt war – beträgt 156 ± 8 Millionen Jahre.

Entdeckung und Fundgeschichte

Die ersten als Brenham bekannten Meteoritenstücke wurden 1882 auf dem Land der Farmerfamilie Kimberly im Kiowa County entdeckt. Die Farmerin Eliza Kimberly bemerkte ungewöhnlich schwere, schwarze Steine, die beim Pflügen der ansonsten weitgehend steinfreien Prärieböden zum Vorschein kamen. Da sie als Schülerin bereits einen Meteoriten gesehen hatte, vermutete sie einen außerirdischen Ursprung der Stücke. Kimberly sammelte über mehrere Jahre zahlreiche Stücke und versuchte in zahlreichen Briefen, Wissenschaftler für ihre Funde zu interessieren. Erst nach mehreren Jahren gelang es ihr, einen Fachmann zur Untersuchung zu bewegen. Der Geologe F. W. Cragin vom Washburn College in Topeka bestätigte schließlich den meteoritischen Ursprung und kauft 5 der Fragmente, die Kimberly gesammelt hatte. Später grub Clyde Fisher vom American Museum of Natural History weitere Stücke aus. In den folgenden Jahrzehnten wurden im Gebiet zahlreiche weitere Massen gefunden. Der amerikanische Meteoritenforscher Harvey H. Nininger untersuchte das Brenham-Streufeld ab den 1920er-Jahren intensiv. 1949 entdeckte der Meteoritenjäger H. O. Stockwell eine etwa 454 kg schwere Masse. Sie wurde später unter dem Namen Space Wanderer bekannt und in Greensburg ausgestellt. Zum Zeitpunkt ihres Fundes galt sie als eine der größten bekannten Pallasitmassen.

Die 650-kg-Masse

Im Herbst 2005 suchten der Geologe und Meteoritensammler Philip C. Mani und der Meteoritenjäger Steve Arnold erneut im Brenham-Streufeld. Arnold verwendete dazu einen eigens konstruierten großflächigen Metalldetektor, der an einem dreirädrigen Fahrzeug montiert war. Dabei entdeckten sie auf dem Gelände des Farmers Allen Binford in etwa 2,2 m Tiefe eine außergewöhnlich große, 650 kg schwere Brenham-Masse.

Das Stück ist deutlich orientiert. Es behielt während eines Teils seines Fluges durch die Atmosphäre eine weitgehend stabile Lage bei, sodass sich eine charakteristische Vorderseite ausbildete. Es ist die größte bekannte Einzelmasse des Brenham-Meteoriten.

2007 wurde die Masse bei Bonhams in New York zur Versteigerung angeboten. Das Auktionshaus schätzte ihren Wert auf 630.000 bis 700.000 US-Dollar. Nachdem das höchste Gebot lediglich 200.000 US-Dollar erreicht hatte, wurde das Stück aus der Auktion zurückgezogen. Zu diesem Zeitpunkt befand es sich im gemeinsamen Besitz von Philip Mani, Steve Arnold und dem Grundstückseigentümer Allen Binford.

Haviland-Krater

Innerhalb des Brenham-Streufelds befindet sich der Haviland-Krater, der auch als Brenham Crater bezeichnet wird. Die kleine Impaktstruktur liegt auf einer Farm bei Haviland. Harvey H. Nininger bemerkte 1925 die ungewöhnliche Form einer flachen ovalen Senke, die zunächst für eine Büffelsuhle (buffalo willow) gehalten wurde. Nachdem er sich mehrere Jahre um eine Grabungserlaubnis für diese Bodenmulde bemüht hatte, untersuchte er die Stelle im Juni 1933 gemeinsam mit Jesse D. Figgins vom Colorado Museum of Natural History. Bei der Ausgrabung wurde unterhalb der Senke eine trichterförmige Zone freigelegt, die stark mit Brenham-Fragmenten angereichert war. Statt der erhofften großen Hauptmasse fanden sie zahlreiche kleinere Stücke. Das größte Einzelstück wog nur etwa 39 kg. Aufgrund der Verteilung des meteoritischen Materials gilt der Haviland-Krater heute als bestätigte Impaktstruktur. Die Struktur war ursprünglich von einem ungefähr 15 × 20 m großen elliptischen Ring umgeben. Durch die Grabungen und die spätere landwirtschaftliche Nutzung wurde sie weitgehend eingeebnet und ist heute an der Oberfläche kaum noch erkennbar.

Der Einschlagstrichter entstand wahrscheinlich beim Einschlag eines einzelnen größeren Fragments des bereits in der Atmosphäre zerbrochenen Brenham-Meteoroiden.

Beschaffenheit und Klassifikation

Brenham wird als Pallasite PMG-an klassifiziert, also als anomalen Vertreter der Hauptgruppe der Pallasite.

Wie für Pallasite typisch, besteht Brenham überwiegend aus Olivinkristallen, die in eine metallische Eisen-Nickel-Matrix eingebettet sind. Frische Olivinkristalle können gelblichgrün bis grün erscheinen und Schmucksteinqualität erreichen. In vielen Brenham-Stücken sind sie infolge terrestrischer Verwitterung dagegen bräunlich verfärbt.

Untersuchungen der chemischen Zusammensetzung und Spurenelementverteilung der Olivine und der Metallphase lieferten Hinweise auf die Entstehungsgeschichte der Hauptgruppen-Pallasite. Größere Chromitkörner sowie unterschiedliche Spurenelementverteilungen in den Olivinen wurden unter anderem als Hinweise auf komplexe Kristallisations- und Mischungsprozesse im Mutterkörper interpretiert.

Archäologische Bedeutung

Material des Brenham-Meteoriten spielte bereits lange vor seiner wissenschaftlichen Entdeckung eine Rolle in präkolumbischen Kulturen Nordamerikas.

Meteorisches Eisen aus Brenham wurde in Fundstätten der Hopewell-Kultur im Osten Nordamerikas identifiziert. Stücke des Meteoriten waren dabei bis zu etwa 1.500 km von seinem Streufeld entfernt transportiert worden.

Aus dem meteoritischen Eisen wurden unter anderem Messer, Schmuckelemente, Meißel, Knöpfe und Perlen hergestellt. Die Funde gelten als Beleg für weitreichende Handels- und Austauschnetze der Hopewell-Kultur sowie für den besonderen Wert, der meteoritischem Eisen beigemessen wurde.

Meteorite Men

Das Brenham-Streufeld spielte auch eine bedeutende Rolle in der Geschichte der US-amerikanischen Fernsehsendung Meteorite Men. Die Meteoritenjäger Steve Arnold und Geoffrey Notkin suchten bereits vor Beginn der Fernsehsendung gemeinsam im Brenham-Streufeld. Etwa ein Jahr vor den Dreharbeiten fanden sie dort ein besonders gut erhaltenes Stück, dessen Olivinkristalle ihre ursprüngliche grünliche Farbe weitgehend bewahrt hatten. Das Stück wurde als Green Brenham bekannt. Dieser Fund war ein wesentlicher Anlass dafür, dass Arnold und Notkin den Pilotfilm von Meteorite Men im Brenham-Gebiet drehten. Die Pilotfolge wurde 2009 auf dem Science Channel ausgestrahlt. Die Sendung entwickelte sich anschließend zu einer Serie, in der Arnold und Notkin weltweit nach Meteoriten suchten. Meteorite Men lief von 2009 bis 2012 über drei Staffeln. Während späterer Dreharbeiten und Suchaktionen wurden weitere Brenham-Massen geborgen. Mehrere Stücke aus Notkins Sammlung, darunter Material des Green Brenham, gelangten später in den Handel oder wurden versteigert.

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 Meteoritical Bulletin Database: Brenham. In: lpi.usra.edu. Abgerufen am 26. September 2026 (englisch).
  2. 1 2 3 4 5 Impact Earth Database – Impact Earth. Abgerufen am 25. September 2026 (kanadisches Englisch).
  3. ↑ Kenneth Tankersley, Stephanie A. Meyers, Don Stimpson, Sheila M. Knepper: Evidence for a large late-Holocene Strewn Field in Kiowa County, Kansas, USA. In: Airbursts and Cratering Impacts. Band 1. ScienceOpen, 2. Oktober 2023, ISSN 2941-9085, S. 20230005, doi:10.14293/ACI.2023.0005 (scienceopen.com [abgerufen am 26. September 2026]).
  4. ↑ Brenham Meteorite: Iron Source for Native Americans | AMNH. Abgerufen am 25. September 2026 (amerikanisches Englisch).
  5. ↑ M. Honda, M. W. Caffee, Y. N. Miura, H. Nagai, K. Nagao, K. Nishiizumi: Cosmogenic nuclides in the Brenham pallasite. In: Meteoritics & Planetary Science. Band 37, Nr. 12, Dezember 2002, ISSN 1086-9379, S. 1711–1728, doi:10.1111/j.1945-5100.2002.tb01159.x (harvard.edu [abgerufen am 26. September 2026]).
  6. 1 2 3 Meteorites in Kansas. In: Kansas Geological Survey. Abgerufen am 26. September 2026 (englisch).
  7. 1 2 Building planets. In: amnh.org. Abgerufen am 26. September 2026 (englisch).
  8. 1 2 3 Deseret News: Gigantic meteorite is dug up in Kansas. 13. November 2005, abgerufen am 26. September 2026 (englisch).
  9. ↑ Brenham Meteorite End Piece | Natural History, Including The Juvenile. Abgerufen am 26. September 2026 (englisch).
  10. ↑ Richard Pyle: Part of Willamette Meteorite goes unsold at auction. 29. Oktober 2007, abgerufen am 26. September 2026 (englisch).
  11. 1 2 3 H. H. Nininger, J. D. Figgins: The Excavation of a Meteorite Crater Near Haviland, Kiowa County, Kansas. In: American Journal of Science. Band 28, Nr. 166, 1934, S. 312 - 313 (meteoritegallery.com [PDF]).
  12. 1 2 J. T. Wasson, S. P. Sedwick: Possible Sources of Meteoritic Material from Hopewell Indian Burial Mounds. In: Nature. Band 222, Nr. 5188. Nature Publishing Group, April 1969, ISSN 1476-4687, S. 22–24, doi:10.1038/222022a0 (nature.com [abgerufen am 26. September 2026]).
  13. 1 2 3 Brenham Meteorite End Cut "The Green Brenham". Pallasite, PMG-an. | Lot #72085 | Heritage Auctions. Archiviert vom Original am 9. September 2022; abgerufen am 26. September 2026 (englisch).
  14. ↑ 'Meteorite Men' Host Geoff Notkin's Out-Of-This-World Collection Lands at Heritage Auctions. In: fineart.ha.com. 1. Juni 2022, abgerufen am 26. September 2026 (englisch).