Bretzenacker Gemeinde Berglen | |
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| Koordinaten: | 48° 51′ N, 9° 27′ O |
| Höhe: | 355 m ü. NN |
| Eingemeindung: | 1972 |
| Eingemeindet nach: | Buchenberg |
| Postleitzahl: | 73663 |
| Vorwahl: | 07195 |
Lage von Bretzenacker in Berglen
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Ansicht aus dem 17. Jahrhundert (Andreas Kieser) | |

Bretzenacker ist ein Dorf und seit 1972 ein Ortsteil der Gemeinde Berglen im baden-württembergischen Rems-Murr-Kreis. Der Ort liegt im Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald.
Das kleine Dorf mit acht benannten Straßen liegt von Streuobstwiesen umgeben oberhalb des Buchenbachs, der bei Burgstall in die Murr mündet.
Umliegende Ortschaften sind das kleine Oberweiler im Norden, Oppelsbohm im Nordosten, Ödernhardt im Südosten, Steinach und Reichenbach im Süden, Lehnenberg im Südwesten und das zu Winnenden gehörende Birkmannsweiler im Nordwesten.
Zur Altgemeinde Bretzenacker gehörte die Volkhardtsmühle.
Entgegen der weit verbreiteten Sage geht der Ortsname nicht auf das Wort Brezel, sondern auf den germanischen Männernamen Bretzo zurück. Bretzenacker bedeutet also Siedlung auf dem Ackerfeld des Bretzo. Der Ortsname hat sich im Laufe der Zeit kaum verändert.
Der kleine Ort gehörte zu dem umfangreichen Grundbesitz des Klosters Lorch. Bretzenacker wurde am 22. Juli 1293 erstmals urkundlich erwähnt, als Graf Eberhard der Erlauchte zahlreiche Vogteirechte von dem Kloster erhielt und sich im Gegenzug verpflichtete, die Abtei zu schützen. Über diese Rechte, die das Haus Württemberg für das Kloster ausübte, kam das Dorf zu Altwürttemberg. Die Benediktinermönche aus Lorch besaßen 1542 noch fünf Lehen im Ort. Der Groß- und Klein-Zehnte gingen an die Pfarrei Oppelsbohm; der Neubruch- und Heu-Zehnte mussten an den württembergischen Staat abgeliefert werden. Bretzenacker war in altwürttembergischer Zeit dem Gericht Winnenden zugeteilt. Ab 1808 gehörte Bretzenacker zum Oberamt Waiblingen. Bis 1819 gehörte Bretzenacker zu Oppelsbohm und wurde dann eine eigenständige Gemeinde.
Im 19. Jahrhundert galt Bretzenacker als eine sehr arme Gemeinde mit einem schlechten Boden, der als mager und steinig beschrieben wurde. Neben dem Feldbau wurde auch Obst- und Weinbau betrieben. Der Wein war nur von mittlerer Qualität und wurde oft nach Stuttgart verkauft. Hagelschlag kam in der Gemeinde allerdings vor und zerstörte oft die Ernte. In guten Jahren konnten Most- und Tafelobst sowie Kirschen an auswärtige Händler verkauft werden. Handwerk war in der Gemeinde – von einigen Leinenwebern abgesehen – kaum vorhanden.
Durch die Gebietsreform in der NS-Zeit kam die Gemeinde Bretzenacker 1938 zu dem neu gebildeten Landkreis Waiblingen.
Im Zuge der Gemeindegebietsreform 1972 wurde die Gemeinde aufgelöst und der neu gegründeten Großgemeinde „Buchenberg“ zugeordnet. Buchenberg wurde am 27. Dezember 1972 in „Berglen“ umbenannt.
Die Volkhardtsmühle befindet sich südöstlich des Dorfs im Tal des Buchenbachs. Die Siedlung wurde 1444 in einem Urbar erstmals als Volkhartzmüllin erwähnt. Der Ortsname bedeutet Mühle des Volkhard.
Seit der Einführung der Reformation unter Herzog Ulrich 1535 ist Bretzenacker wie ganz Altwürttemberg evangelisch-lutherisch geprägt. Die Einwohner besuchen seit dem 15. Jahrhundert den Gottesdienst in der Mauritiuskirche in Oppelsbohm. Die wenigen römisch-katholischen Christen sind meist nach dem Zweiten Weltkrieg zugezogen und nach Winnenden eingepfarrt. Bretzenacker verfügt über einen eigenen kleinen Friedhof.
Die Schultheißen waren zumeist wohlhabende und angesehene Landwirte, die man umgangssprachlich auch Bauraschultes (Bauernschultes) nannte. Erst 1930 wurde in Württemberg die Amtsbezeichnung Schultheiß offiziell durch Bürgermeister ersetzt.
Liste der Schultheißen (unvollständig, Amtszeiten teilweise unklar):

Die Altgemeinde Bretzenacker führte ein Wappen sowie eine Hiss- und eine Bannerflagge.
Die Blasonierung des ehemaligen Gemeindewappens lautet: „In rotem Wappenschild eine goldene (gelbe) Brezel, darüber in weißem Schildhaupt ein Zweig mit drei roten Kirschen“.
Wappenbegründung: Die Kirschen weisen auf den früher bedeutenden Obstbau hin.
Mit der Auflösung der Gemeinde am 1. April 1972 ist das Wappen erloschen. Es kann noch von Vereinen und Privatpersonen zur Traditionspflege, etwa als Abzeichen oder Wimpel verwendet werden.
In Bretzenacker hat sich der alte Brauch der Pfingslümmel erhalten. Dabei handelt es sich um einen Kinderumzug an Pfingsten mit einem von Zweigen und Schellen umhüllten, tanzenden und gabenheischenden Pfingstbutz.
Ältere Einwohner von Bretzenacker wissen noch, dass die Einwohner in früheren Zeiten scherzhaft Wasserüble (Wasser-Rüben) genannt wurden. Mit dieser Bezeichnung wurden die Dorfbewohner wegen ihrer Armut von den Bewohnern der umliegenden Orte verspottet.
Nach der Gründung der Gemeinde Berglen herrschte bei vielen Straßen Namensgleichheit. Um Verwechslungen zu vermeiden, beschloss der Gemeinderat die Umbenennung der Straßen. Man entschied sich dabei, Bezeichnungen aus einem festumrissenen Bereich zu wählen. Man entschied sich bei Bretzenacker für Vögel: Adler-, Amsel- und Bussardstraße. Weiterhin Drosselweg, Falken-, Fasanen-, Finken- und Zeisigstraße.