Brie (Käse)

Brie
Brie, Anschnitt

Brie ist die Bezeichnung für einen ursprünglich aus der gleichnamigen Region in Frankreich stammenden Weichkäse mit weißem Edelschimmel, der aus roher oder pasteurisierter Kuhmilch hergestellt wird.

Geschichte

Seinen Ursprung hat der Brie im Département Seine-et-Marne in der Île-de-France; heute ist er jedoch einer der meistkopierten Käse der Welt. Nur Brie de Meaux und Brie de Melun genießen in Frankreich seit 1980 Ursprungsschutz (AOC, Abkürzung für Appellation d’origine contrôlée = kontrollierter Ursprungsname) und sind in Europa seit 1996 geschützte Ursprungsbezeichnungen (unter dem Namen AOP, P bedeutet protégée = geschützt).

Der Brie de Meaux ist seit dem 13. Jahrhundert belegt und wurde 1470 vom piemontesischen Arzt Pantaleone da Confienza in einer Liste französischer Spezialitäten als der beste Käse Frankreichs gelobt. Sein Geschmack wurde von Karl dem Großen bis zu Heinrich IV. gepriesen und er erhielt im Jahr 1529 seine erste Auszeichnung.

Der Brie wurde auf dem Wiener Kongress 1814/15 zum „König aller Käse“ (Barthélemy Chasseneux, damals berühmter Gastronom) gekürt, als der französische Staatsmann Talleyrand zur Auflockerung der Verhandlungen um die politische Neuordnung Europas einen Käsewettbewerb ausrichten ließ, bei dem alle dreißig Staatenvertreter ihre landestypischen Käsesorten präsentierten.

Durch den Bau von Eisenbahn- und Kanalverbindungen nach Paris konnte sich in der Meuse in Lothringen eine milchverarbeitende Industrie entwickeln. Die erste Gründung erfolgte 1853 mit dem Unternehmen Maison-du-Val in Noyers-en-Barrois (Noyers-Auzécourt), durch Louis Bailleux, einen Bauern und Gastwirt aus Hazebrouck. 1872 verarbeitete die Fabrik bereits 40.000 Hektoliter Milch, von rund 2000 Landwirten in der Umgebung. In den 1920er-Jahren hatte das Unternehmen 5000 Kubikmeter Kühlraum, um 200.000 kg frisch hergestellten Käse einzulagern.

Herstellung

Bei der Produktion des klassischen Brie wird die Gallerte weder geschnitten noch gepresst. Die Kunst der Herstellung besteht im gleichmäßigen Schöpfen des Bruchs in die perforierten Formen und im optimalen Abtropfen der Molke. Wird hier nicht sorgfältig gearbeitet, entsteht leicht ein trockener, kalkiger und gipsähnlicher Käse. Nach dem Formen werden die Laibe auf Stroh- oder Kunststoffmatten gelagert und regelmäßig gewendet. Nach rund einer Woche werden die Käse mit einer Schimmelkultur (meist Penicillium camemberti) besprüht und unter weiterem Wenden unter sorgfältig kontrollierter Temperatur gelagert, bis sie durchgereift sind, was zwischen drei und zehn Wochen dauern kann.

Brie de Meaux

Geographisches Gebiet

Der Brie de Meaux wird ausschließlich aus roher Kuhmilch hergestellt. Die Gewinnung der Milch, die handwerkliche Herstellung sowie die Affinage (Reifung) erfolgen in einem festgelegten geografischen Gebiet, das sich vom Pariser Becken nach Osten über die Departments Seine-et-Marne, Aisne, Aube, Loiret, Marne, Haute-Marne, Meuse und Yonne erstreckt. Die Milchviehherde besteht zu mindestens 80 % aus Tieren, die auf dem Betrieb geboren wurden oder aus anderen Herden des Gebietes stammen. Die Kühe verbringen mindestens 150 Tage im Jahr auf der Weide. Die Dicklegung der Milch mittels Lab dauert maximal 2 Stunden, der entstandene feste Käsebruch wird anschließend vertikal geschnitten. Das Schöpfen in zylindrische Formen mit einem Innendurchmesser von 36 bis 37 Zentimetern erfolgt zwingend von Hand und in dünnen Schichten. Hierbei darf ausschließlich die sogenannte Pelle à brie verwendet werden – ein runder, durchlöcherter Seihschöpfer mit einem Durchmesser von 28 bis 32 Zentimetern. Nach einem rein natürlichen Molkeabzug ohne mechanischen Druck wird der Käse ausschließlich trocken gesalzen. Die Mindestreifezeit beträgt vier Wochen ab dem Tag der Labzugabe. In den Reifekellern werden die Käselaibe mindestens einmal pro Woche manuell gewendet und gepflegt.

Die Laibe des Brie de Meaux haben die Form einer flachen Torte und wiegen zwischen 2,6 kg und 3,3 kg. Sie haben einen Durchmesser von 35 bis 37 cm bei einer Höhe von etwa 2,5 cm. Brie de Meaux ist von dichtem Weißschimmel und einer leichten rotbräunlichen Käseflora bedeckt, was ihn von vielen Kopien unterscheidet. Der Teig ist anfangs weiß bis strohfarben und später elfenbeinfarben bis gelb und auf dem Höhepunkt seiner Reifung cremig-weich, ohne ganz zu zerfließen. Er riecht nach würzigem Gras und gerösteten Nüssen, reif bis überreif zunehmend nach Ammoniak. Der Geschmack ist mild bis fruchtig-würzig, wobei Rohmilch-Brie aus bäuerlicher Produktion kräftiger und nussiger schmeckt als der meist pasteurisierte Fabrikkäse. Der Fettgehalt beträgt mindestens 45 % in der Trockenmasse.

2024 wurden 6489 Tonnen produziert, davon 126 Fermier.

Brie de Melun

Brie de Melun
Geographisches Gebiet

Der Brie de Melun wird ebenfalls ausschließlich aus roher Kuhmilch hergestellt. Das festgelegte geografische Gebiet ist deutlich kleiner als beim Brie de Meaux und umfasst das ganze Département Seine-et-Marne sowie Teile der Départements Aube und Yonne. 80 % der Milchviehherde müssen aus diesem Gebiet stammen, Vorgaben zur Weidehaltung gibt es nicht. Die Dicklegung der Milch durch Lab dauert mindestens 16 Stunden. Nach einem groben Zerkleinern und Rühren des Bruchs wird der Käse traditionell von Hand mit einer Kelle in zylindrische Formen mit einem Innendurchmesser von 27 bis 28 Zentimetern geschöpft. Es folgt ein langsamer, natürlicher Molkeabzug ohne Druck von mindestens 18 Stunden. Gesalzen wird der Käse ausschließlich mit trockenem Salz auf beiden Seiten und am Rand. Die Mindestreifezeit beträgt fünf Wochen ab dem Tag der Labzugabe, wobei die Laibe während des gesamten Prozesses regelmäßig von Hand gewendet werden.

Der tortenförmige Brie de Melun hat ein fertiges Gesamtgewicht von 1,5 bis 2,2 kg. Er hat einen goldgelben Teig und eine rotbräunliche Käseflora, die mit weißen Schimmelflecken durchsetzt ist, und schmeckt und riecht kräftiger als sein Verwandter. Der Fettgehalt beträgt mindestens 45 % in der Trockenmasse.

Die Produktionsmenge ist seit Jahren rückläufig, 2024 wurden nur noch 173 Tonnen produziert.

Verwendung

Brie ist ein Verwandter des Camembert.

Als bayerische Spezialität wird aus Brie Obatzter hergestellt. Dazu wird er mit Butter, Rahm, kleingehackten Zwiebeln, Kümmel und Paprikapulver vermengt.

Besichtigungsmöglichkeiten der Herstellung

Die Herstellung kann in den folgenden Orten besichtigt werden: Meaux, Jouarre (auf Anfrage) oder Favières (einziger Bauernhofbrie = fermier).

Commons: Brie – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Brie – Schreibung, Definition, Bedeutung, Synonyme, Beispiele. Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache, 14. März 2024, abgerufen am 20. März 2026.
  2. 1 2 3 4 5 6 7 https://www.meaux-marne-ourcq.com/de/zu-den-vorteilen/le-brie-cest-la-vie/brie-de-meaux-ein-kase-mit-geschutzter-ursprungsbezeichnung/. In: Meaux Marne Ourcq Tourisme. Abgerufen am 20. März 2026.
  3. 1 2 Claus Schöttle: Frankreich-Mobil-Erleben - AOC / AOP. Abgerufen am 20. März 2026.
  4. ↑ Verordnung (EG) Nr. 1107/96 der Kommission vom 12. Juni 1996 zur Eintragung geographischer Angaben und Ursprungsbezeichnungen gemäß dem Verfahren nach Artikel 17 der Verordnung (EWG) nr. 2081/92 des Rates. 12. Juni 1996 (europa.eu [abgerufen am 3. Juni 2025]).
  5. 1 2 Lorraine: Produits du terroir et recettes traditionnelles. In: Claude Lebey (Hrsg.): L'inventaire du patrimoine culinaire de la France. Éditions Albin Michel, Paris 1998, ISBN 2-226-10003-2, S. 187 ff.
  6. ↑ Lentz, Thierry: 1815 : der Wiener Kongress und die Neugründung Europas. 1. Auflage. Siedler, München 2014, ISBN 978-3-8275-0027-4, S. 164.
  7. ↑ Jürgen Neher: Brie : Mehr als nur ein großer Camembert! In: Käse aus aller Welt. Abgerufen am 20. März 2026.
  8. 1 2 Brie. In: Alles über Käse. 15. August 2017, abgerufen am 15. April 2020 (deutsch).
  9. 1 2 3 Jürgen Neher: Brie : Mehr als nur ein großer Camembert! In: Käse aus aller Welt. Abgerufen am 20. März 2026.
  10. 1 2 Les chiffres-clés des produits laitiers sous AOP et IGP en 2024. l'Institut national de l'origine et de la qualité (INAO), September 2025, abgerufen am 2. Juli 2026 (französisch).
  11. ↑ Bayerischer Rundfunk: Obazda: Rezept mit flüssiger Butter für Obazdn. 29. August 2025 (br.de [abgerufen am 20. März 2026]).