| Bristol | |
|---|---|
Bristol Fighter (2006) | |
| Fighter | |
| Produktionszeitraum | 2004–2009 |
| Klasse | Sportwagen |
| Karosserieversionen | Coupé |
| Motoren | Ottomotoren: 8,0 Liter (385–755 kW) |
| Länge | 4420 mm |
| Breite | 1795 mm |
| Höhe | 1345 mm |
| Radstand | 2750 mm |
| Leergewicht | 1540 kg |
Der Bristol Fighter ist ein Sportwagen des britischen Automobilherstellers Bristol Cars, der zwischen 2004 und 2009 in sehr geringer Stückzahl hergestellt wurde. Der Fighter war die erste neue Konstruktion des Unternehmens seit mehreren Jahrzehnten und zugleich seine letzte, abgesehen vom nur als Prototyp gebauten Bristol Bullet von 2016. Der mit Flügeltüren ausgestattete Fighter wurde einige Jahre parallel zu Bristols Limousine Blenheim angeboten, mit der er keine technischen oder stilistischen Gemeinsamkeiten hat. Ab 2026 gibt es Bemühungen eines unabhängigen Unternehmens, weitere Fighter zu produzieren.
Der als Tochterunternehmen der Bristol Aeroplane Company gegründete und seit 1960 unabhängige Automobilhersteller Bristol Cars produzierte seit 1946 Oberklassefahrzeuge, die im Laufe der Jahre nur schrittweise weiterentwickelt wurden. Basis aller Modelle war ein auf eine BMW-Konstruktion der Vorkriegszeit zurückgehender Leiterrahmen, auf den zumeist viersitzige Karosserien aus Aluminiumblechen montiert wurden. Ab 1961 bestand eine Motorenpartnerschaft mit Chrysler. In der Zeit der Ölpreiskrisen ging Bristols Produktion deutlich zurück; sie lag seitdem jährlich im sehr niedrigen zweistelligen, teilweise einstelligen Bereich. Das traf in besonderem Maße auch für den Blenheim zu, den letzten Viersitzer der Marke, der bei seiner Vorstellung 1993 als veraltet kritisiert wurde.

Tony Crook, Bristols damaliger Alleininhaber, bemühte sich in den 1990er-Jahren, das Unternehmen durch ein neues Automodell wieder attraktiv zu machen. Angedacht war ein neuer Viertürer mit überarbeitetem Rahmen und neuer Karosserie, der unter dem Projektnamen Bristol Buccaneer entwickelt wurde. Nachdem Crook sein Unternehmen 1997 anteilig an die Tavistock Group verkauft hatte, wurde die Entwicklung des Buccaneer eingestellt. Toby Silverton, der für Tavistock die Leitung von Bristol Cars übernahm, hielt die Entwicklungskosten für zu hoch. 1998 bemühte sich Silverton stattdessen um die Übernahme des Konzeptfahrzeugs Chrysler Chronos, das Bristol in einer Kleinserie produzieren und unter eigener Marke verkaufen wollte; die Idee scheiterte aber, nachdem Chrysler und Daimler-Benz zur DaimlerChrysler AG fusioniert waren. In der Konsequenz entschied sich Bristol für die Entwicklung eines neuen eigenen Modells, das den bekannten, mittlerweile überarbeiteten Blenheim ergänzen sollte. Daraus wurde der Flügeltüren-Sportwagen Fighter.
Silverton leitete die Entwicklung des Fighter bereits 1999 ein und machte den Prozess frühzeitig öffentlich. Ein erster Pressebericht über das Fighter-Projekt wurde im Dezember 1999 veröffentlicht; wenig später bereits enthielt der Internetauftritt von Bristol Cars eine Notiz dazu. Im Dezember 1999 stellte Bristol erstmals ein Holzmodell des künftigen Sportwagens im Showroom in der Kensington High Street aus. Die Entwicklungsarbeiten dauerten fünf Jahre. 2003 war der erste Prototyp fertiggestellt, und Mitte 2004 begann die Produktion des Fighter.
Die konzeptionelle Vorgabe für den Fighter kam von Toby Silverton selbst. Ziel war danach der Bau eines leichten und kompakten Sportwagens mit niedrigem Luftwiderstandsbeiwert und ausreichendem Platzangebot für Fahrer und Beifahrer. Generell orientierte sich Silverton am Konzept der amerikanischen Dodge Viper, stilistisch griff der Aufbau einige Elemente des Konzeptfahrzeugs Alfa Romeo Nuvola auf.
Die Entwicklung leitete der kanadische Ingenieur Max Boxstrom, der seit den 1970er Jahren vornehmlich im Motorsport als Konstrukteur für Brabham, Williams, Martini und Aston Martin tätig gewesen war; Bristol-Techniker leisteten Detailarbeiten.
Der Fighter basiert auf einem aus Aluminiumblechen zusammengefügten Plattformrahmen, der exklusiv für dieses Fahrzeug entwickelt wurde. Der Rahmen hat keine Bezüge mehr zum traditionellen Bristol-Chassis, das auf eine Vorkriegskonstruktion für den BMW 326 zurückgeht. Die seitlichen Träger des Chassis sind weit ausgestellt. Sie ermöglichen so eine niedrige Sitzposition. Auch die Radaufhängung wurde vollständig neu konstruiert. Sie besteht vorn und hinten aus doppelten Querlenkern mit Feder-Dämpfer-Einheiten. Die Reifen der Größe 285/40 × 18 sitzen auf 10 Zoll breiten Rädern. Bristol verzichtete auf elektronische Hilfen beim Fahrwerk.

Als Antrieb diente ein 8,0 Liter großer Zehnzylindermotor von Chrysler, der in seiner Grundkonstruktion in der ersten Generation des Dodge Viper verwendet wurde. Er wurde im Detail überarbeitet; unter anderem installierte Bristol selbst entwickelte Zylinderköpfe.
In seiner Basisversion leistete er 391 kW, etwa 81 kW mehr als der amerikanische Originalmotor. Später bot Bristol mit dem Fighter S und dem Fighter T Versionen mit mehr Leistung an. Die Kraft wurde wahlweise über ein handgeschaltetes Sechsganggetriebe oder über eine Viergangautomatik übertragen. Motor und Getriebe waren zwischen der Vorder- und der Hinterachse untergebracht; dadurch konnte eine ausgeglichene Gewichtsverteilung von 50 : 50 erreicht werden.

Die Karosserie des Fighter war im Hinblick auf aerodynamische Effizienz entwickelt worden. Der Luftwiderstandsbeiwert (cw) betrug 0,28. Bei der später realisierten Version Fighter T konnte er auf 0,255 abgesenkt werden. Um eine möglichst gute Übersichtlichkeit zu erreichen, hatte die Fahrerkabine große Fenster. Ein besonderes Gestaltungsmerkmal waren die Flügeltüren. Der Aufbau wurde mit einem Stahlrohrgerippe und einer Außenhaut aus Aluminium gefertigt, die Türen und die Heckklappe hingegen bestanden aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff.
In stilistischer Hinsicht war der Fighter eigenständig. Die abgerundete Frontpartie mit den vier eingelassenen Rundscheinwerfern erinnerte entfernt an die Gestaltung des Rennsportwagens Bristol 450. Der Fighter war schmaler, kürzer und leichter als die meisten Modelle der Konkurrenten. Mit 4422 mm ist der Fighter einige Millimeter kürzer als ein Porsche 996, der Bugatti Veyron dagegen übertraf den Fighter um nahezu 200 mm. Zugleich war das Dach höher und über den Sitzen hoch gewölbt („double bubble“), sodass auch großgewachsene Fahrer bequem Platz fanden.

Basisversion ist der Bristol Fighter, der nach Werksangaben eine Höchstgeschwindigkeit von 340 km/h erreicht. Sein Motor leistet 525 bhp (391 kW; 532 PS) bei 5500/min; das maximale Drehmoment von 714 Nm kann bei 4,200/min abgegeben werden. Bei hohen Geschwindigkeiten soll die Leistung auf 550 bhp steigen, weil der Staudruck zum Aufladen des Motors genutzt wird.
Beim 2005 vorgestellten Bristol Fighter S war die Leistung des Motors auf 628 bhp (468 kW; 637 PS) bei 5900/min erhöht worden. Fahrwerk und Karosserie entsprachen weitestgehend der Basisversion.
Als Spitzenmodell war der Bristol Fighter T vorgesehen, der mit zwei Turboladern und Ladeluftkühlung ausgestattet sein sollte. Der aufgeladene Motor leistete nach Werksangabe 1012 bhp (755 kW; 1026 PS) bei 5600/min, das maximale Drehmoment betrug über 1400 Nm bei 4500/min. Damit war der Fighter T leistungsstärker als der Bugatti Veyron, dessen Motor 736 kW (1001 PS) abgab. Der Fighter T sollte ausschließlich mit manuell zu schaltendem Sechsganggetriebe ausgeliefert werden. Beim Fahrwerk waren härtere Federn und Dämpfer vorgesehen, außerdem gab es einen steiferen Stabilisator an der Vorderachse und mehr Nachlauf. Die Räder sollten mit 19 Zoll etwas größer sein als die der anderen Modelle, die vorderen hatten 285 mm breite und die hinteren 335 mm breite Reifen. Die Karosserie sollte 10 mm tiefer gelegt sein; das verstärkte Chassis war um etwa 30 % torsionssteifer als das des Standard-Fighters. Zugleich war eine weitere Gewichtsreduktion geplant. Die Höchstgeschwindigkeit des Fighter T sollte laut Werksangabe über 400 km/h betragen, allerdings war eine Abregelung bei 362 km/h vorgesehen.
Der Fighter T wurde nicht gebaut; es gab auch keinen Prototyp. Zwar meldete ein US-amerikanischer Kunde Interesse an dem Auto an, er zog seinen Auftrag aber zurück, nachdem er in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten war.
| Modell | Motorbauart | Motoraufladung | Hubraum (cm³) | max. Leistung
(kW/PS) |
max. Drehmoment (Nm) | Beschleunigung 0–60 Meilen/Stunde | Höchstgeschwindigkeit (km/h) |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Fighter | V10 | − | 7994 | 385/523 bei 5500/min | 712 bei 4200/min | ca. 4,0 s | 340 |
| Fighter S | 462/628 bei 5900/min | 790 bei 3900/min | 4,0 s | ||||
| Fighter T | zwei Turbolader | 755/1027 bei 5600/min | 1405 bei 4500/min | 3,5 s | 362 (1) |
Das Werk ermöglichte nur wenigen Journalisten eine Probefahrt in einem Fighter. Das britische Evo-Magazine erhielt 2005 als erste Zeitschrift einen (Standard-)Fighter, das gleiche Auto wurde zwei Jahre später von der Financial Times probegefahren. Die britische Zeitschrift The Independent dagegen musste das Auto eines privaten Kunden für eine Impression heranziehen.
Die meisten Berichte lobten die Fahrleistungen, das gute Handling des Autos wie auch die Rundumsicht. Andererseits wurde auch Kritik geäußert. Das Fahrwerk sei „unterentwickelt“, und die aus Aluminiumblöcken gefrästen Schalter im Innenraum wirkten wie „selbstgemacht“, was sie auch waren.
Der Fighter wurde nur in geringen Stückzahlen produziert. Frühe Veröffentlichungen behaupten, Bristol habe bis 2008 insgesamt 45 Fahrzeuge komplettiert, darunter einige Prototypen. Das ist deutlich zu hoch gegriffen. 2014 bezifferte Bristol Cars auf der eigenen Internetseite den Produktionsumfang des Fighter mit 14 komplettierten Autos; diese Zahl wird mittlerweile – mit wenigen Ausnahmen, die von lediglich neun vollständigen Autos sprechen – in der Literatur akzeptiert. Der letzte Fighter wurde 2009 komplettiert. Hinzu kamen fünf Chassis, die unvollendet blieben.
Die Bedeutung des Fighter wird rückblickend ambivalent gesehen. Einerseits dokumentiert das Fahrzeug die technischen Fähigkeiten des Unternehmens, andererseits werden die hohen Entwicklungskosten in der Literatur vielfach als wesentliche Ursache für die 2011 eingetretene (erste) Insolvenz Bristols angesehen.
Silverton trat dem 2026 entgegen: Die Fighter-Absatz sei kostendeckend gewesen. Auslöser für die Insolvenz seien vielmehr „extrem hohe“ Gebäudekosten gewesen: Tony Crook habe zu Beginn der 2000er-Jahre einen „sehr unvorteilhaften“ Mietvertrag geschlossen, den Bristol langfristig gebunden und finanziell stark belastet habe. Weil der Gebäudeeigentümer den Vertrag nicht habe aufheben wollen, entschied sich Silverton für die Insolvenz.
Nachdem 2021 ein Versuch des Immobilienentwicklers Jack Wharton, die Produktion des Fighter wieder aufzunehmen, an der fehlenden Rechtsinhaberschaft Whartons gescheitert war, kam es 2026 zu einem neuen Anlauf der Wiederbelebung des Fighter durch den Geschäftsmann Paul King zusammen mit dem Markenspezialisten Richard Hackett die Bristol Cars Group Ltd. gründete. Im September 2026 kündigte die Bristol Cars Group an, auf der Basis von Originalchassis, die vor Bristols Insolvenz im Jahr 2011 hergestellt, aber nicht mehr komplettiert worden waren, fünf neue Fighter aufzubauen. Zu dieser Zeit war eines der Autos bereits fahrbereit produziert. Die Herstellung erfolgt im Betrieb SLJ Hackett in Warminster, Wiltshire.