Bruce Gray

Robert Bruce Gray (* 7. September 1936 in San Juan, Puerto Rico; † 13. Dezember 2017 in Los Angeles, Kalifornien) war ein US-amerikanisch-kanadischer Schauspieler und Theaterregisseur, der von 1966 bis 2017 vor der Kamera aktiv war. Er ist nicht zu verwechseln mit dem später geborenen australischen Botaniker Bruce Gray (* 1939; Corsia dispar) und dem US-amerikanischen Skulpturenkünstler Bruce Gray (1956–2019).

Leben

Gray wurde 1936 als Sohn kanadischer Eltern in San Juan geboren, Hauptstadt des US-amerikanischen Außengebietes Puerto Rico, wo er die Schule besuchte und Spanisch sprach. Im Alter von zehn Jahren zog die Familie zunächst nach Saginaw im US-Bundesstaat Michigan, wo er sein Englisch verbesserte und sein leichtes Stottern überwand. Als er dreizehn Jahre alt war, zog die Familie nach Kanada zurück und er lebte fortan in Toronto. Er besuchte das Humberside Collegiate, eine öffentliche High School, an der er Mitglied des Schwimmteams und der Schülervertretung war und erste Theatererfahrung als Tony in You Can’t Take It With You sammelte. Privat spielte er mit Cousins Kurzstücke im Garagentheater. Im Anschluss an die High School studierte er an der University of Toronto, die er mit einem Bachelor und Master in Psychologie abschloss. An der Universität war er Mitglied der Bruderschaft Phi Delta Theta. Nach seinem Studium zog Gray 1960 nach London und arbeitete Zeitweise in der Marktforschung um die Erwartungen seines Vaters zu erfüllen, entschied sich aber schließlich für die Schauspielerei.

Den Beruf des Schauspielers erlernte er unter anderem bei Michael Howard, David Lehman, Milton Katselas, Stephen Book und Brian Reise. Ab 1980 lebte er ein in Los Angeles, verbrachte aber im Sommer weiterhin einen Monat in seiner Heimatstadt Toronto. Er richtete später ein Schauspielstipendium an seiner ehemaligen High School, am der er auch Schauspielkurse gab. Darüber hinaus richtete er das GATE-Programm an der Toluca Lake Elementary School ein und arbeitete acht Jahre lang mit begabten Schülern, mit denen er ein jährlich stattfindendes Musical entwickelte und inszenierte.

Gray, der die US-amerikanische und kanadische Staatsbürgerschaft besaß, starb im Alter von 81 Jahren in einem Hospiz in Los Angeles und wurde von seiner jüngeren Schwester Judy überlebt. Er litt an einem fortgeschrittenen Hirntumor, der bereits in seinen ganzen Körper metastasiert hatte.

Karriere

Theaterarbeit

In London spielte Gray ab 1960 am Mermaid Theatre in Androcles and the Lion neben Donald Sutherland und später als jugendlicher Hauptdarsteller am Theatre Royal in Bath. Im Jahr 1962 kehrte er nach Toronto zurück und spielte Tourneetheater in Kanada, darunter das Bastion Theatre in British Columbia und das Playhouse in New Brunswick. Zu dieser Zeit gründete er mit Kollegen Aries Productions, wo er als Produzent wirkte und sich das Bühnenbild kümmerte. Aries Productions existierte für vier Jahre und produzierte unter anderem Suddenly Last Summer und The Milk Train Doesn’t Stop Here Anymore. Parallel hatte er erste Gastrollen im kanadischen Fernsehen und war in lokalen Werbespots zu sehen.

1968 erhielt er erste Angebote aus den Vereinigten Staaten, so spielte am Studio Arena Theatre in Buffalo und in Rockford im US-Bundesstaat Illinois in The Owl and the Pussycat an der Seite von Diana Sands. Ihr Agent ermutigte ihn nach New York City zu ziehen, wo er ab 1970 in Manhattan lebte. Nach Aufführungen in New York spielte er Tourneetheater. Mit A Shot in the Dark war er in San Antonio zu sehen und mit The Philadelphia Story in Indianapolis. Er spielte auch zwei Jahre auf dem Great Lakes Shakespeare Festival, darunter Jesus in Godspell und MacHeath in The Beggar’s Opera. Als Mitglied der Circle Repertory Company spielte er in mehreren Uraufführungen, darunter die Titelrolle in A. R. Gurneys Who Killed Richard Cory? Im Jahr 1979 spielte er zudem Osric in Hamlet neben William Hurt.

In den 1980er- und 1990er-Jahren trat er sowohl in nationalen als auch in internationalen Produktionen auf, darunter in Quartermaine’s Terms, für die er eine Nominierung für den LA Weekly Award erhielt, in The Good Doctor, für die er einen Drama‑Logue Award erhielt, sowie in Inadmissible Evidence, The Merchant of Venice und Winter Signs. Als George in Who’s Afraid of Virginia Woolf?, inszeniert von Edward Albee, war er auf Tournee durch die Vereinigten Staaten und in der damaligen Sowjetunion. Er spielte die Rolle später auch neben Glenda Jackson in Los Angeles und mit Carol Mayo Jenkins am Alley Theatre in Houston, am Maly Theater in Leningrad und am Juanimo Theatre in Vilnius – zu Zeiten der litauischen Unabhängigkeitsbewegung Sąjūdis.

Sein Regiedebüt hatte er am Off-Off-Broadway in New York City mit Moonchildren. Als Theaterregisseur produzierte und inszenierte er ab 1982 selbst mehrere Stücke, darunter Seymour in the Very Heart of Winter (ausgezeichnet mit dem Critic’s Choice Award), The Body Politic, Family Values, 1987 My Life in Art (mit Ron Perlman und Jonathan Frakes), Weekends with Howie Morse, Lester’s Wife (mit Ray Camponella), A Shayna Maidell, Seven Sundays (ausgezeichnet mit dem Drama‑Logue Award), The Unexpected Guest, See How They Run, Entertaining Mr. Sloane (ebenfalls ausgezeichnet mit dem Drama‑Logue Award für Regie und Produktion) sowie Blithe Spirit und Black Coffee im Theatre 40 in Los Angeles. Am Actors Institute arbeitete er zudem mit der Produzentin Joanna Bongiovanni bei mehreren Theaterproduktionen in Los Angeles zusammen. Er schrieb, produzierte und inszenierte außerdem seine eigene englische Pantomime Aladdin und schrieb regelmäßig Beiträge für das American Theatre Magazine, den Equity Newsletter, den Orange County Register sowie Playback.

Film und Fernsehen

Neben seiner Arbeit auf und hinter der Bühne hatte er bereits 1963 eine Gastrolle in der kanadischen Fernsehserie The Serial und 1966 im Film Adulterous Affair, weitere kleine Rollen folgten. Nach seiner Rückkehr nach Toronto im Jahr 1977 spielte er die Hauptrollen in den Fernsehserien High Hopes aus dem Jahr 1978, Son of a Hundred Kings und in Strange Paradise. Ab 1978 trat er sowohl in kanadischen als auch in US‑amerikanischen Film‑ und Fernsehproduktionen auf und zog 1980 schließlich nach Hollywood. Er folgten Gastrollen in Fernsehserien wie Beverly Hills, 90210, Chicago Hope – Endstation Hoffnung, Murphy Brown, Melrose Place, Nowhere Man – Ohne Identität!, Überflieger und Emergency Room – Die Notaufnahme. Wiederkehrende Rollen hatte er unter anderem in Picket Fences – Tatort Gartenzaun, Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert und Star Trek: Deep Space Nine. Bekannt wurde er ab 1984 auch in der Rolle des Verlegers Ted Hartley in Mord ist ihr Hobby und durch mehrere Fernsehfilme.

Ende der 1990er-Jahre verkörperte er den Investmentbanker Adam Cunningham in vier Staffeln der kanadischen Fernsehserie Traders (1996–2000). Aufmerksamkeit erhielt er zudem durch die Rolle des Vaters des Bräutigams in My Big Fat Greek Wedding – Hochzeit auf griechisch, durch seine wiederkehrende Rolle als Richter J. E. Reilly in der Fernsehserie Passions sowie als Geist von Joes Vater in der Serie Medium – Nichts bleibt verborgen. Gray wirkte zudem in einer Reihe von Science‑Fiction‑Produktionen mit. So spielte er „Sky Marshall“ Dienes in der Filmversion von Starship Troopers, einen Vernehmer von Captain John Sheridan in der Fernsehserie Babylon 5 und den vulkanischen Philosophen Surak in Star Trek: Enterprise. Zudem trat er mehrfach in Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert und in Star Trek: Deep Space Nine als Admiral Chekote auf, unter anderem in der Doppelfolge Der Schachzug.

Er war auch in mehreren Seifenopern zu sehen: Zwei wichtige Rollen waren die des Wyatt Coles in All My Children und die des Owen Madison, Ehemann der von Kim Hunter gespielten Figur in The Edge of Night. Außerdem hatte er eine Gastrolle in der US-amerikanischen Version der Fernsehserie Queer as Folk aus dem Jahr 2000, in der er den schwulen Millionär George Schickel („Shickle The Pickle“) spielte und in Steven Spielbergs Science-Fiction-Serie Falling Skies aus dem Jahr 2011. Im Film war er sowohl in Kinoproduktionen als auch in Fernsehfilmen zu sehen. So hatte er Auftritte in Schlappe Bullen beißen nicht, For the Boys – Tage des Ruhms, Tage der Liebe, Meine verrückte Familie, Aus nächster Nähe, Agent 00 – Mit der Lizenz zum Totlachen, Projekt: Peacemaker, Cube²: Hypercube, S.W.A.T. – Die Spezialeinheit, Das Schwiegermonster, Wedding Bells, Evan Allmächtig, Wasser für die Elefanten, Crimson Peak, My Big Fat Greek Wedding 2 und Regeln spielen keine Rolle. Eine letzte Rolle vor der Kamera hatte er im Jahr 2018 in einer Folge der Fernsehserie Chateau Laurier, die posthum ausgestrahlt wurde.

Im deutschen Sprachraum wurde Gray unter anderem von Hans Bayer, Friedrich G. Beckhaus, Frank Ciazynski, Michael Cramer, Berno von Cramm, Victor Deiß, Eckart Dux, Werner Ehrlicher, Kaspar Eichel, Frank Engelhardt, Manfred Erdmann, Rüdiger Evers, Ulrich Frank, Norbert Gastell, Norbert Gescher, Gerd Grasse, Karl-Heinz Grewe, Klaus Guth, Thomas Hailer, Wilfried Herbst, Hans Hohlbein, Thomas Kästner, Fred Klaus, Raimund Krone, Reinhard Kuhnert, Lothar Mann, Andreas von der Meden, Gerhard Paul, Eberhard Prüter, Erich Räuker, Dieter Ranspach, Walter Reichelt, Christian Rode, Franz Rudnick, Udo Schenk, Reinhard Scheunemann, Michael Schwarzmaier, Joachim Siebenschuh, Ortwin Speer, Karl Sturm, Michael Telloke, Andreas Thieck, Bodo Wolf, Jürgen Zartmann und Hasso Zorn synchronisiert.

Sonstiges

Neben der Arbeit auf und hinter der Bühne sowie vor der Kamera, war Gray das Gesicht des Anführers einer fiktiven Anti‑Amsterdam‑Organisation in einer Werbekampagne für Amstel‑Bier und machte Fernsehwerbung für die Toronto Humane Society. Er übernahm auch die Rolle des Dr. Jefferson Bragg für das Computerspiel The Inpatient, das 2018 für PlayStation VR erschien, nach einer Rolle im Spiel Eraser: Turnabout aus dem Jahr 1997.

Auszeichnungen

Neben zahlreichen Auszeichnungen für seine Arbeit erhielt er auch Fernsehpreise, darunter:

Filmografie (Auswahl)

Filme

Fernseheserien

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 Bruce Gray. Internet Movie Database, abgerufen am 17. Oktober 2026.
  2. 1 2 3 Bruce Gray in The Movie Database (englisch), abgerufen am 17. Oktober 2026.
  3. 1 2 3 Bruce Gray bei Fernsehserien.de, abgerufen am 17. Oktober 2026.
  4. 1 2 3 4 5 6 7 8 The Unauthorized Biography of Bruce Gray (Memento vom 27. Dezember 2017 im Internet Archive)
  5. ↑ Bruce Gray. In: Open Media Database (OMDb). Abgerufen am 16. Oktober 2026.
  6. 1 2 Gary Ballard: Director Bruce Gray Serves Black Coffee at Theatre 40, This Stage LA Magazine, 6. Juli 2010 (Memento vom 6. August 2018 im Internet Archive) (englisch)
  7. 1 2 3 4 Etan Vlessing: Bruce Gray, ‘My Big Fat Greek Wedding’ Star, Dies at 81. In: The Hollywood Reporter. 15. Dezember 2017, abgerufen am 15. Oktober 2026 (englisch).
  8. 1 2 Bruce Gray in der Datenbank Find a Grave, abgerufen am 17. Oktober 2026.
  9. 1 2 Debra Yeo: Bruce Gray knows the benefit of a few good lines, Toronto Star, 2. Juli 2011 (Memento vom 25. Januar 2019 im Internet Archive) (englisch)
  10. ↑ Canadian ‘Traders’ actor Bruce Gray dies at 81 in Los Angeles, The Chronicle Herald, 15. Dezember 2017 (Memento vom 16. Dezember 2017 im Internet Archive) (englisch)
  11. ↑ Sprecher und Stimme Bruce Gray. In: Sprecherdatei.de. Abgerufen am 17. Oktober 2026.
  12. ↑ Bruce Gray. In: Deutsche Synchronkartei. Abgerufen am 17. Oktober 2026.
Personendaten
NAME Gray, Bruce
ALTERNATIVNAMEN Gray, Robert Bruce (Geburtsname)
KURZBESCHREIBUNG US-amerikanisch-kanadischer Schauspieler, Regisseur und Theaterproduzent
GEBURTSDATUM 7. September 1936
GEBURTSORT San Juan, Puerto Rico
STERBEDATUM 13. Dezember 2017
STERBEORT Los Angeles, Kalifornien, Vereinigte Staaten