Burchard Precht

David von Krafft (1655–1724): Der Bildhauer Burchard Precht (1719). Finnische Nationalgalerie

Burchard Precht (* 24. Oktober 1651 in Bremen; † 26. Februar 1738 in Stockholm) war ein deutsch-schwedischer Bildhauer, Ornamententwerfer, Holzschnitzer und Kunsttischler. Er gilt als einer der bedeutendsten Vertreter des Barock in Schweden und prägte durch seine große Werkstatt in Stockholm über mehrere Jahrzehnte hinweg die schwedische Kirchenausstattung sowie das repräsentative Kunsthandwerk jener Zeit. Die von Precht und seiner Werkstatt geschaffenen Objekte – insbesondere vergoldete Spiegel, Tische und Rahmen – werden im heutigen Kunsthandel dem sogenannten Stockholmer Barock zugerechnet. Mangels gesicherter Zuschreibung werden sie häufig seiner Werkstatt oder seinen Söhnen zugeschrieben.

Leben

Burchard Precht wurde am 24. Oktober 1651 in Bremen als Sohn des Zimmermanns und Baumeisters Johan Precht geboren und am 2. November 1651 in der Bremer Kirche St. Stephani getauft. Im Jahr 1666 ging er nach Hamburg, um bei seinem älteren Bruder Christian Precht, der dort ebenfalls als Bildhauer tätig war, eine Lehre zu beginnen. 1672 (nach anderen Angaben 1674) folgte er einem Ruf nach Schweden, wo er in Stockholm Schüler des aus Flandern stammenden Bildhauers Nicolas Millich wurde. Dieser war zu jener Zeit mit der Ausstattung von Schloss Drottningholm befasst. Dort wirkte Precht zunächst als Ornamentbildhauer und war unter anderem an der Ausschmückung des sogenannten Alkovens der Königinwitwe Hedwig Eleonora von Schleswig-Holstein-Gottorf beteiligt.

Im Jahr 1681 wurde Burchard Precht zum königlichen Hofbildhauer ernannt. Von 1687 bis 1688 unternahm er gemeinsam mit dem Architekten Nicodemus Tessin d. J. eine Studienreise durch Deutschland, die Niederlande, Frankreich, Italien und Österreich, um die dortige Architektur, Skulptur und Ornamentik zu studieren. In der Folge setzte er zahlreiche Entwürfe Tessins für Kirchenkanzeln, Altäre, Grabmonumente und repräsentative Möbelstücke um. Daneben arbeitete er auch nach französischen Vorlagen von Ornamentstechern wie Jean Marot, Jean Le Pautre und Jean Bérain. Nach seiner Rückkehr war er an der Ausstattung der neuen Schlosskapelle und mehrerer weiterer Räume des Stockholmer Schlosses beteiligt. Diese wurden beim Schlossbrand von 1697 zerstört. Zusammen mit Tessin gilt Precht als Wegbereiter des vergoldeten Barockstils (auch Guldbarock genannt) in Schweden.

Burchard Precht war zweimal verheiratet: zuerst mit Brita Standoph und danach mit Susanna Nilsdotter Kröger. Aus seinen Ehen gingen mehrere Söhne hervor, von denen Johan Philip, Burchard (der Jüngere), Gustaf und Christian Precht ebenfalls als Bildhauer bzw. Goldschmied tätig wurden. Precht führte in Stockholm eine große, produktive Werkstatt mit zahlreichen Lehrlingen, darunter auch seine eigenen Söhne. Diese Werkstatt war von großer Bedeutung für die Vermittlung moderner, italienischer und französischer skulpturaler und ornamentaler Formen in Schweden. Neben Kirchenausstattungen fertigte sie auch Möbelstücke, Rahmen für Porträts und Spiegel, Bleisärge sowie Wappenschilder für Begräbnisse und Grabmonumente. Burchard Precht starb am 26. Februar 1738 in Stockholm. Im selben Jahr ließ sein Sohn, der Goldschmied Christian Precht, eine Gedenkmedaille auf ihn prägen.

Werk

Die Kanzel der Storkyrkan (Stockholmer Domkirche) von Burchard Precht. Die hölzerne Kanzel befindet sich an einer der Säulen auf der Nordseite des Mittelschiffs

Charakteristisch für die Produktion Burchard Prechts und seiner Werkstatt war der großzügige Einsatz von Vergoldung sowie eine reichhaltige, von französischen Vorbildern und Stichvorlagen abgeleitete ornamentale Gestaltung. Ein italienischer Einfluss zeigt sich vor allem in den Kircheninventaren mit klassischen Säulenordnungen und pathetischen Figurengruppen, die teils aus Stuck gefertigt wurden. Überwiegend wurde Holz als Material verwendet, für Särge und Details auch Blei.

Zu Prechts bedeutendsten Arbeiten zählen die Königsstühle in der Stockholmer Nikolaikirche (Storkyrkan, 1684–1685), die Kanzel (1707–1710) und der Altar (1725–1728) im Dom zu Uppsala. Letzterer befindet sich seit 1906 in der Gustav-Wasa-Kirche in Stockholm. Für die Königsstühle und die Kanzel in Uppsala arbeitete Precht nach Entwürfen Tessins, während er das Entwurfskonzept und das Figurenprogramm des Altars vermutlich selbst konzipierte. Eine frühere Kanzel im Dom zu Uppsala, die ebenfalls von Precht geschaffen wurde, verbrannte im Jahr 1702. Die Königsstühle bilden ein monumentales, zweigeteiltes Ensemble, das das Kirchenschiff flankiert. Jeder der als Bänke ausgeführten Stühle wird von einer ausladenden Engelsgruppe überfangen, von der ein Engel eine bestickte Draperie beiseiteschiebt, während zwei weitere eine Königskrone emporheben. Kronen, Engel und teilweise auch die Draperien sind reich vergoldet. Das vor allem italienisch beeinflusste Monument entstand im Kontext der Vermählung König Karls XI. von Schweden mit der dänischen Prinzessin Ulrika Eleonora.

Die Kanzel im Dom zu Uppsala zeigt an ihren Seiten geschnitzte Szenen aus dem Neuen Testament, die durch ornamentale Voluten gegliedert werden. An der Wand hinter dem Priester ist Johannes der Täufer als Prediger dargestellt. Über einer reich dekorierten Tür, die von einer Personifikation der Fides und flankierenden Putti geschmückt wird, führt eine geschwungene Treppe zur Kanzel empor. Den Baldachin bekrönt eine an Gian Lorenzo Bernini orientierte Skulpturengruppe, die den heiligen Ignatius von Loyola in Ekstase darstellt. Er wird von Wolken und drei Engeln getragen und fährt gen Himmel.

Spiegel von Burchard Precht (Stockholm um 1700)

Der dreiteilige Altar im Dom zu Uppsala orientiert sich an italienischen Vorbildern, beispielsweise dem Grabaltar des heiligen Ignatius von Loyola von Andrea Pozzo in der Kirche Il Gesù in Rom aus den 1690er Jahren. Aus wirtschaftlichen Gründen wurde er jedoch nicht aus Marmor, sondern aus Holz und Stuck gefertigt. Im Mittelteil tragen Säulen und Pilaster einen gesprengten Rundgiebel. Zwischen den tragenden Elementen ist die Kreuzigungsgruppe mit Christus, Johannes und Maria zu sehen. Zu beiden Seiten befinden sich hohe, freistehende Sockel mit lebhaften Figurengruppen, in denen Prechts Abhängigkeit von Bernini und seinem Lehrer Millich deutlich wird.

Weitere erhaltene Werke sind unter anderem der Sarkophag des Gustaf Kruus (1692) in der Sätuna-Grabkapelle der Kirche von Björklinge sowie zahlreiche Spiegel, Möbelstücke und Kunstkammerobjekte aus der Werkstattproduktion, die sich heute unter anderem im Nationalmuseum Stockholm und im J. Paul Getty Museum in Los Angeles befinden.

Literatur

Commons: Burchard Precht – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Christies: A SWEDISH GILT-LEAD AND GILTWOOD MIRROR. Abgerufen am 7. August 2026 (englisch).
  2. 1 2 3 4 5 6 7 De Gruyter (Hrsg.): Allgemeines Künstlerlexikon Online (AKL) / Artists of the World Online. 2009.
  3. ↑ Karin Eckhardt: Christian Precht. Ein Hamburger Bildhauer in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Hamburg 1987.
Personendaten
NAME Precht, Burchard
KURZBESCHREIBUNG deutsch-schwedischer Bildhauer, Ornamententwerfer, Holzschnitzer und Kunsttischler
GEBURTSDATUM 24. Oktober 1651
GEBURTSORT Bremen
STERBEDATUM 26. Februar 1738
STERBEORT Stockholm