Die Burg Geldern wurde erstmals 1237 urkundlich erwähnt und war als Sitz der Grafen und späteren Herzogen von Geldern eine zentrale Landesburg der Region. Der genaue Grund der Entstehung der Burg ist unklar – Hypothese bezüglich einer Verlagerung aus Aldekerk als Sicherungspunkt wird abgelehnt. Strategisch am Übergang der Niers gelegen, schützte die Burg eine bedeutende Handelsroute und war Kern einer befestigten Siedlung, die sich im Laufe des 13. Jahrhunderts zur Stadt Geldern entwickelte. Ursprünglich wurde die Burg westlich der heutigen Stadt auf einer bis dato unbewohnten Insel errichtet. Die Anlage bestand aus einer Haupt- und Vorburg, die durch Brücken verbunden waren. Der massive Bergfried und die wehrhaften Strukturen machten sie zu einer repräsentativen und militärisch wichtigen Anlage. Im späten Mittelalter wurde die Burg zum Amtssitz und diente als Residenz für die reisenden Herzöge von Geldern. Mit der Verschiebung der Machtzentren ins Rheindelta und dem allmählichen Bedeutungsverlust des Herzogtums im 15. und 16. Jahrhundert wurde die Burg aufgegeben. In den darauffolgenden Jahrhunderten verfiel die Anlage und ist heute oberirdisch nicht mehr erhalten.
Die Hauptburg war durch mächtige, bis zu drei Meter starke Mauern geprägt, die ein rechteckiges Fundament von 11,75 × 11,25 Metern umschlossen. Der Bergfried, der im Zentrum der Anlage stand, war an der Nordost-Ecke von breiten Wassergräben umgeben. Weitere Mauern und Bauüberreste deuteten auf eine umfangreiche Bebauung der südlichen Ringmauer hin. Hinweise auf eine ältere Siedlungsstruktur oder Burganlage vor dem 14. Jahrhundert wurden nicht gefunden.
Bedeutung
Die Burg spielte eine zentrale Rolle in der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung der Region. Sie diente als Verteidigungsanlage, Verwaltungszentrum und Herrschaftssitz der Grafen und später der Herzöge von Geldern. Ihre strategische Lage an der Niers war nicht nur militärisch wichtig, sondern begünstigte auch den Handel und die Stadtentwicklung.
Die Entwicklung Gelderns zur befestigten Stadt mit einem ausgedehnten Mauersystem und bedeutenden Handelsverbindungen war eng mit der Existenz der Burg verbunden. Ihre Architektur und Nutzung spiegeln die typischen Merkmale einer niederrheinischen Wasserburg wider und machen sie zu einem Beispiel für mittelalterliche Herrschaftsarchitektur in der Region.
Forschung
In den Jahren 1964 bis 1966 führten Bauarbeiten in Geldern zu bedeutenden archäologischen Entdeckungen. Die Ausgrabungen an der Ponter Straße 6 und am Mühlenweg legten Eichenpfähle, Mauerreste und Keramikfragmente frei, die Aufschluss über die Lage und Bauweise der Burg geben. Die Dendrochronologie datierte die verwendeten Hölzer auf etwa 1353, was die Errichtung der Burg in die Mitte des 14. Jahrhunderts legt.
Die Funde umfassten unter anderem spitz zugeschnittene Holzpfosten, die für wassergebundene Konstruktionen typisch sind, sowie keramische Gefäße wie Kugeltöpfe und Steinzeugkrüge mit farbigen Glasuren aus dem 14. und 15. Jahrhundert. Diese Funde geben Einblick in die handwerklichen Fertigkeiten und die Nutzung der Burg im Alltag.
Die archäologischen Befunde bestätigen, dass die Burg auf bisher unbesiedelten Inseln errichtet wurde. Ältere Hypothesen, die die Ursprungsburg der Grafen in Aldekerk oder anderen nahegelegenen Orten vermuteten, gelten aufgrund der geologischen und archäologischen Untersuchungen als widerlegt. Entsprechend handelte es sich bei der Anlage um eine vollkommene Neuerrichtung.
Literatur
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Wolfgang Dassel: „...einen seer schoonen toorn van duyffsteen...“. Über die Herkunft und Verwendung von Naturwerksteinen für die Bauwerke von Burg und Stadt Geldern. In: Jürgen Kwiatkowski / Johannes Stinner (Hrsg.): Wolfgang Dassel. Beiträge zur Geologie, Archäologie und Geschichte an Rhein und Maas (= Veröffentlichungen des Historischen Vereins für Geldern und Umgegend. Nr. 106), Geldern 2007, S.241–247.
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Wolfgang Dassel / Christoph Elsemann / Lucien Pijper: Lederfunde von Burg und Stadt Geldern. In: Jürgen Kwiatkowski / Johannes Stinner (Hrsg.): Wolfgang Dassel. Beiträge zur Geologie, Archäologie und Geschichte an Rhein und Maas (= Veröffentlichungen des Historischen Vereins für Geldern und Umgegend. Nr. 106), Geldern 2007, S.248–253.
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Wolfgang Dassel: Untersuchungsmethoden zur Datierung von Holzpfählen aus dem Bereich der vermuteten Burg Geldern. In: Jürgen Kwiatkowski / Johannes Stinner (Hrsg.): Wolfgang Dassel. Beiträge zur Geologie, Archäologie und Geschichte an Rhein und Maas (= Veröffentlichungen des Historischen Vereins für Geldern und Umgegend. Nr. 106), Geldern 2007, S.254–264.
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