Caltagirone

Caltagirone
Caltagirone (Italien)
Caltagirone (Italien)
Staat Italien
Region Sizilien
Metropolitanstadt Catania (CT)
Lokale Bezeichnung Caltaggiruni / Cartaggiruni
Koordinaten 37° 14′ N, 14° 31′ OKoordinaten: 37° 14′ 0″ N, 14° 31′ 0″ O
Höhe 608 m s.l.m.
Fläche 382 km²
Einwohner 35.373 (31. Dez. 2025)
Postleitzahl 95041 Capoluogo, 95040 Granieri und Santo Pietro
Vorwahl 0933
ISTAT-Nummer 087011
Bezeichnung der Bewohner Calatini oder Caltagironesi
Schutzpatron San Giacomo il Maggiore
Website Caltagirone

Caltagirone

Caltagirone ist eine Stadt und Gemeinde der Metropolitanstadt Catania in der Region Sizilien in Italien mit 35.373 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2025). Caltagirone ist eine der spätbarocken Städte des Val di Noto, die 2002 von der UNESCO zum UNESCO-Welterbe erklärt wurden.

Lage und Daten

Caltagirone liegt 74 km westlich von Catania. Die Einwohner arbeiten in der Industrie und der Landwirtschaft.

Die Nachbargemeinden sind Acate (RG), Gela (CL), Grammichele, Licodia Eubea, Mazzarino, Mazzarrone, Mineo, Mirabella Imbaccari, Niscemi (CL), Piazza Armerina (EN) und San Michele di Ganzaria.

Geschichte

Schon in vorgeschichtlicher Zeit bewohnten Menschen die Gegend um Caltagirone. Dies wird u. a. durch Nekropolen in der Umgebung belegt, vor allem die Nekropole Montagna di Caltagirone, in der durch 1903 Paolo Orsi über 1500 Felskammergräber erforscht wurden, die bis in die Mitte des 2. Jahrtausends v. Chr. zurückreichen. Auf dem Gebiet der Gemeinde sind auch Reste einer vorgeschichtlichen (eventuell sikelischen) Siedlung gefunden worden. Außerhalb von Caltagirone befindet sich die archäologische Stätte Monte San Mauro, in der Überreste einer griechischen Besiedlung entdeckt wurden.

Die heutige Stadt wurde im 9. Jahrhundert von den Arabern gegründet, die hier eine Festung bauten und sie Qalat-al-Ghiran (Burg über den Höhlen; in den lateinischen Quellen als Calatagerun) nannten. Die Festung wurde von einer Gruppe Ligurer im Jahr 1030 erobert, sie konnten die Stadt aber nicht lange halten. Auch nach der Eroberung Siziliens durch die Normannen zwischen 1061 und 1091 blieb Caltagirone arabisch. 1161 flohen vertriebene Araber aus den Nachbarorten nach Caltagirone. Unter der Herrschaft von Friedrich II. ab dem Jahr 1207 wuchs die Stadt weiter.

Ab dem 14. Jahrhundert lebte dort auch eine kleine jüdische Gemeinde, die sich in einem Teil des Bezirks San Giuliano niederließ, der heute den Namen Via Iudeca trägt. In der Stadt befand sich zudem eine Synagoge. Nach dem Alhambra-Edikt flohen viele jüdische Bewohner oder sahen sich zur Konversion zum Katholizismus gezwungen.

Ab dem 15. Jahrhundert entwickelte sich Caltagirone zur Stadt der Töpferkunst. Zu dieser Zeit wohnten hier etwa 20.000 Menschen und etwa 1000 übten den Beruf des Keramikers aus. Bis heute gilt Caltagirone als die „Keramikhauptstadt“ Siziliens.

Das Erdbeben auf Sizilien 1693 im Val di Noto zerstörte die Stadt. Die Stadt verlor damit ihr mittelalterliches Stadtbild und sie wurde an gleicher Stelle im Laufe von etwa zehn Jahren im Stil des sizilianischen Barocks wieder aufgebaut. Im Jahre 1782 ließen die Bourbonen ein großes Gefängnis nahe der Piazza errichten. Heute befindet sich dort ein Museum zur Stadtgeschichte.

Im Rahmen der Operation Husky (9./10. Juli 1943) wurde die Stadt von den alliierten Luftstreitkräften bombardiert. Dabei gab es hunderte zivile Opfer und es wurden mehrere Gebäude von historischer Bedeutung zerstört. In Caltagirone trafen während der Operation zum ersten Mal alle drei an der alliierten Landung beteiligten Kontingente, britische, amerikanische und kanadische Truppen, aufeinander.

Der Ortsteil Santo Pietro wurde am 14. Juli 1943 zum Schauplatz des sogenannten Biscari-Massakers. Auf dem Militärflugplatz 504 von Santo Pietro begingen Soldaten der US Army ein Kriegsverbrechen, bei dem 74 italienische und 2 deutsche Kriegsgefangene erschossen wurden.

Wirtschaft

Caltagirone ist eines der historischen Zentren der Keramikherstellung in Sizilien. Die Keramikproduktion ist auf Sizilien seit dem Neolithikum nachgewiesen. Im Laufe der Jahrtausende wurden immer wieder Anregungen von außen aufgenommen. Seit 1918 besteht eine staatliche Fachschule für Keramik (Istituto Statale d’Arte per la Ceramica “L. Sturzo”), die auf Initiative des damaligen Bürgermeisters Don Luigi Sturzo gegründet wurde. Sie bietet auch eine spezielle Ausbildung in Keramikrestaurierung an. Keramik aus Caltagirone wird heute weltweit vermarktet.

Verkehr

Der Ort ist mit der Bahnstrecke Lentini Diramazione–Caltagirone–Gela an das italienische Bahnnetz angeschlossen. Caltagirone ist wegen eines Brückeneinsturzes seit Mai 2011 Endstation aus Richtung Lentini Diramazione. Im Juli 2022 begann der Brückenneubau und die Strecke soll 2023 wieder durchgängig befahrbar sein.[veraltet] Am Viale Sicilia befindet sich zudem ein Busbahnhof.

Eine Schmalspurzahnradbahn, die Bahnstrecke Dittaino–Caltagirone, wurde 1971 stillgelegt. Bei Caltagirone gibt es einen kleinen Flugplatz (Aviosuperficie Massarotti) für die allgemeine Luftfahrt.

Bauwerke

Palazzo dell’Aquila, Rathaus
Kathedrale S. Giuliano

Bilder

Veranstaltungen

Söhne und Töchter der Stadt

Literatur

Commons: Caltagirone – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikivoyage: Caltagirone – Reiseführer

Einzelnachweise

  1. ↑ Bilancio demografico e popolazione residente per sesso al 31 dicembre 2025. ISTAT. (Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2025).
  2. ↑ Davide Tanasi: Per una rilettura delle necropoli sulla Montagna di Caltagirone. In: Vincenzo La Rosa (Hrsg.): Le presenze micenee nel territorio siracusano. I Simposio Siracusano di Preistoria Siciliana in memoria di Paolo Orsi. Siracusa, 15–16 dicembre 2003. Palazzo Impellizzeri. Museo Archeologico Regionale „Paolo Orsi“, Padua 2004, S. 399 ff.
  3. ↑ Anna Maria Bietti Sestieri: The Bronze Age in Sicily. In: Harry Fokkens, Anthony Harding (Hrsg.): The Oxford Handbook of the European Bronze Age. Oxford University Press, Oxford 2013, S. 663.
  4. ↑ https://www.ferrovie.it/portale/articoli/12140