
Camillo Manfroni (* 13. Juni 1863 in Cuneo; † 17. Juni 1935 in Rom) war ein italienischer Historiker.
Nach Abschluss der klassischen Richtung am römischen Gymnasium Ennio Qurino Visconti schrieb sich Manfroni an der geisteswissenschaftlichen Fakultät der römischen Universität „Sapienza“ ein. Dort schloss er am 2. Juli 1884 sein Studium der Jüngeren Geschichte ab. Nachdem er bis 1885 als Vertretungslehrer am Gymnasium von Bobbio tätig gewesen war, erhielt er im März 1885 eine Stelle am Visconti-Gymnasium in Rom.
Dann unterrichtete er bis zum 28. Mai 1896 Italienisch und Geschichte an der Marineakademie Livorno. 1894 erhielt er von der Universität Rom die Lehrbefugnis und wurde am 6. Februar 1896 zum außerordentlichen Professor für jüngere Geschichte an die Universität Genua berufen. Zunächst befasste er sich mit der Geschichte des Hauses Savoyen und insbesondere derjenigen von Karl Emanuel I.
Die Marinegeschichte, ein von Historikern bis dahin kaum erforschtes Gebiet, beschäftigte ihn im Zusammenhang mit dem Verlust der italienischen Vorherrschaft im Mittelmeerraum.
Beim Verleger Giusti entstanden schließlich auch Schulbücher, wie die Lezioni di storia contemporanea d’Europa e specialmente d’Italia oder die Lezioni di storia d’Europa. Dann befasste er sich mit der Geschichte der Niederlande, eines der Gegenspieler der italienischen Handelsmächte. So erschien 1908 seine Storia dell’Olanda. Manfronis Bedürfnis, eine Breitenwirkung zu erzielen, zeigte sich darüber hinaus in Werken wie La patria lontana. Letture per emigranti. Er befasste sich dabei mit der Adria und besonders mit Dalmatien, um die imperialistischen Tendenzen in Italien zu rechtfertigen, besonders aber gilt dies für den Krieg um Libyen, den er als ersten Schritt zur Rückgewinnung der Kontrolle über das Mittelmeer betrachtete. Nur noch sporadisch befasste er sich mit den marinen Auseinandersetzungen der vorindustriellen Epoche, sondern mehr mit der italienischen Dominanz im Mittelmeerraum.
Damit war sein Weg in der Politik vorgezeichnet. Der Erste Weltkrieg, nach dessen Ende er die Behandlung Italiens insbesondere durch Frankreich scharf kritisierte, führte dazu, dass er sich fortan auf die jüngste Geschichte konzentrierte. Er stand inzwischen den Radikalen nahe, mit denen er 1912, nachdem er aus der Associazione Nazionalista Italiana ausgetreten war, bei den Kommunalwahlen in Padua kandidiert hatte. Manfroni schloss sich schließlich dem Faschismus an, der ihm Perspektiven für eine Wiederbelebung der Kolonialpolitik zu bieten schien.
Gioacchino Volpe, für dessen Berufung er sich 1913 starkgemacht hatte, holte ihn an die Universität Rom, wo er an der soeben gegründeten Fakultät für Politikwissenschaften ab dem 28. Dezember 1925 mit der Lehre in Kolonialgeschichte und -politik betraut wurde. 1927 übernahm er auf Initiative des Kolonialministeriums die Leitung der Rivista delle colonie italiane. Schließlich wurde er nach vierjähriger Lehrtätigkeit zum Senator ernannt. Eigenartigerweise musste er den Antrag auf den Mitgliedsausweis der Partei (des Partito Nazionale Fascista), der ihm erst am 15. Juli 1929 ausgestellt worden war, auf das Jahr 1926 zurückdatieren.
Manfroni hob nun die in seinen Augen bedeutendsten Leistungen der Italiener hervor, etwa von Christoph Kolumbus, dessen Herkunft in Genua er besonders herausstrich. Besonders aber sein Werk I colonizzatori italiani durante il Medio Evo e il Rinascimento, das in die von Mussolini initiierte Reihe L’opera del genio italiano all’estero aufgenommen wurde (sie erschien von 1933 bis 1962), pries die Tugenden des italienischen Volkes. Der unausgesetzt auf Breitenwirkung zielende Manfroni schrieb auch für eine Reihe von Zeitungen, aber auch in Fachblättern, wie den Atti del Reale Istituto Veneto di Scienze, Lettere ed Arti, der Rivista Storica Italiana und der Nuova Rivista Storica oder den Atti e Memorie della Reale Accademia di Padova. Zudem war er Mitglied in mehreren Akademien und commendatore des Ordens der Krone von Italien. Sein letztes Werk Marina e aviazione italiana nella guerra mondiale, das er zusammen mit Vittorio Giglio verfasste, erschien erst posthum im Jahr 1937.
1927 wurde er zum korrespondierenden Mitglied der Accademia Nazionale dei Lincei gewählt.
Zu Manfroni wurden zahlreiche Nachrufe verfasst, darunter Camillo Manfroni, in der Rivista letteraria, im Archivio Veneto (S. 5, XVII (1935) 303–317), aber auch in der Bibliografia fascista X (1935) 609–611 oder der Rivista delle colonie italiane XIII (1935) 655–658.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Manfroni, Camillo |
| KURZBESCHREIBUNG | italienischer Historiker |
| GEBURTSDATUM | 13. Juni 1863 |
| GEBURTSORT | Cuneo |
| STERBEDATUM | 17. Juni 1935 |
| STERBEORT | Rom |