Blumenrohr

Blumenrohr

Indisches Blumenrohr (Canna-Hybride)

Systematik
Klasse: Bedecktsamer (Magnoliopsida)
Monokotyledonen
Commeliniden
Ordnung: Ingwerartige (Zingiberales)
Familie: Blumenrohrgewächse
Gattung: Blumenrohr
Wissenschaftlicher Name der Familie
Cannaceae
Juss.
Wissenschaftlicher Name der Gattung
Canna
L.

Blumenrohr (Canna) ist die einzige Gattung der Pflanzenfamilie der Blumenrohrgewächse (Cannaceae), die zur Ordnung der Ingwerartigen (Zingiberales) innerhalb der Einkeimblättrigen Pflanzen (Monokotyledonen) gehört. Die etwa 10 (bis 20) Arten besitzen eine rein neotropische Verbreitung. Einige Arten sind weltweit in den Tropen verwildert. Es sind viele Sorten entstanden, die als Zierpflanzen für Parks und Gärten verwendet werden.

Beschreibung und Ökologie

Illustration der Wildform: Indisches Blumenrohr (Canna indica)
Indisches Blumenrohr (Canna indica): Habitus, Kapselfrüchte und Samen.
Unreife und reife Canna-Früchte mit ihren weich-stacheligen Oberflächen. In der offenen Frucht sind die kugeligen, schwarzen Samen zu sehen

Habitus und Laubblätter

Canna-Arten sind ausdauernde krautige Pflanzen mit Rhizomen als Überdauerungsorganen. Sie erreichen, je nach Art, Wuchshöhen von 0,50 und 5 Metern. Sie bilden einen aufrechten, unverzweigten Stängel oder die einander überlappenden Blattscheiden bilden einen „Scheinstamm“. Die wechselständig und schraubig oder zweizeilig angeordneten, sehr großen, einfachen Laubblätter sind gegliedert in Blattscheiden, kurze Blattstiele und Blattspreiten. In der Knospenlage sind sie eingerollt: convolute Vernation. Die parallel verlaufenden Blattadern entspringen der Mittelrippe (nicht typisch für Einkeimblättrige).

Blütenstände und Blüten

Die auffälligen, endständigen, traubigen oder ährigen Gesamtblütenstände (Infloreszenzen) enthalten viele Blüten oder sind oft aus ein- bis zweiblütigen, monochasialen, zymösen Teilblütenständen zusammengesetzt, mit meist unscheinbaren, kleinen, grünen Hochblättern (Brakteen).

Die zwittrigen, meist großen Blüten sind dreizählig und überraschend asymmetrisch. Die Blütenhüllblätter sind verschieden gestaltet. Die drei freien Kelchblätter sind meist grün und etwas ungleich. Die drei Kronblätter sind meist auffällig gefärbt. Sie sind mit dem halbfertilen Staubblatt und den Staminodien „am Grunde zu einer gedrehten Röhre verwachsen“. Es sind zwei Kreise mit je ursprünglich drei Staubblättern vorhanden, aber pro Blüte gibt es nur ein nur einseitig fertiles Staubblatt: einen kronblattähnlichen Staubfaden mit einem halben Staubbeutel. Die anderen sind zu kronblattähnlichen Staminodien umgebildet; eines der inneren Staminodien ist zurückgebogen und bildet ein Labellum. Bei einigen Arten fehlt ein Staminodium. Die Kronblätter und Staminodien sind meist gelb bis rot.

Die drei Fruchtblätter sind zu einem unterständigen (synkarpen) Fruchtknoten verwachsen, der eine weich-stachelige Oberfläche besitzt und viele zentralwinkelständige Samenanlagen enthält. Der Griffel ist kronblattähnlich abgeflacht. Der Pollen wird auf der abaxialen (achsfernen) Fläche des Griffels deponiert. Der Bestäubungsmechanismus ist sehr spezialisiert; die Bestäubung erfolgt durch Insekten (Entomophilie). Die Bestäuber-Insekten nehmen den Pollen vom kronblattartig abgeflachten Griffel aus auf.

Früchte und Samen

Die dreikammerigen Kapselfrüchte besitzen eine weichstachelig-warzige Oberfläche und enthalten 5 bis 25 (selten bis zu 75) Samen. Die hartschaligen, kugeligen Samen mit hartem Endosperm sind mittel- bis dunkelbraun und haben einen Durchmesser von etwa 4 bis 10 mm.

Die Samen bewahren sehr lange ihre Keimfähigkeit. Das wird damit erklärt, dass sie einer Sklereide entsprechend aufgebaut sind und eine äußere Schicht malpighischer Zellen mit einem hydrophoben und einem hydrophilen Anteil tragen. Der hydrophobe Teil ist hauptsächlich für die Abdichtung des Saatguts verantwortlich und enthält Kieselsäuren, Callose und Lignin als wasserabweisende Substanzen. Wasser kann erst nach einer bestimmten temperaturbedingten Öffnung eines Imbibitions-Deckels in das Saatgut gelangen. Während der Imbibition schwillt der hydrophile Teil der malpighischen Zellen an und die Samenhülle reißt aufgrund von Druckunterschieden im oberen und unteren Teil der malpighischen Zellen. Es gibt Berichte, dass die Samen etwa 600 Jahre keimfähig bleiben. Der Embryo ist gerade.

Chromosomensätze und Inhaltsstoffe

Die Chromosomengrundzahl beträgt x = 9. An Inhaltsstoffen sind zu nennen: Proanthocyanidine, Cyanidin, Flavonoide (Kaempferol und Quercetin).

Canna indica, Syn.: Canna indica var. warszewiczii (A.Dietr.) Nob.Tanaka
Habitus, Laubblätter und Blütenstände von Canna flaccida
Canna jaegeriana
Ausschnitt des Blütenstandes von Canna paniculata
Habitus, Laubblätter und Blütenstand von Canna tuerckheimii
Canna ×generalis
Die Sorte 'Golden Gate'

Systematik und Verbreitung

Die Gattung Canna wurde oft in die Familie der Marantaceae eingeordnet und sind mit dieser auch am nächsten verwandt innerhalb der Ordnung der Ingwerartigen (Zingiberales). Heute bildet sie eine eigene Familie Cannaceae. Die Familie Cannaceae wurde 1789 durch Antoine Laurent de Jussieu in Genera Plantarum, S. 62 unter dem Namen „Cannae“ aufgestellt.

Die Erstveröffentlichung der Gattung Canna erfolgte bereits 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, 1, S. 1. Als Lectotypus wurde Canna indica L. durch Nathaniel Lord Britton in Flora of Bermuda, 1918, S. 86 festgelegt. Synonyme für Canna L. sind Achirida Horan., Cannacorus Medik. ex Mill., Katubala Adans., Xiphostylis Raf., Distemon Bouché, Eurystylus Bouché. Der Gattungsname Canna ist vom lateinischen Wort canna für Rohr abgeleitet.

Das weite natürliche Verbreitungsgebiet der Gattung Canna sind die subtropischen bis tropischen Gebiete der Neuen Welt (Neotropis). Canna-Arten gedeihen in Höhenlagen vom Meeresniveau bis zu Berghängen unterhalb 3000 Metern.

Neuere Bearbeitungen der Gattung Canna reduzieren die Anzahl der Arten von ursprünglich etwa 100 auf unter 50 und Paulus Johannes Maria Maas 1985; P. J. M. Maas & H. Maas 1988 reduzierten die Zahl auf 10 Arten; die Artenzahl war wieder auf 20 angestiegen, besonders nach der Revision von Nobuyuki Tanaka und Neubeschreibungen, aber durch de Kamer & P. J. M. Maas 2008 ist sie wieder gesunken, weil einige dieser neubeschriebene Arten doch nur Synonyme sind.

Hier eine Liste der akzeptierten Arten (Stand 2018):

In Kultur entstanden Hybriden (Canna ×generalis L.H.Bailey & E.Z. Bailey, Syn.: Canna ×orchiodes L.H.Bailey) aus mehreren Arten.

Nutzung

Herkunft

Die als Zier- und Nahrungspflanze wichtigste Art heißt Indisches Blumenrohr (Canna indica). Der Name kommt durch den Irrtum des Entdeckers von „West-Indien“ (Westindische Inseln) zustande.

Nahrung

Vor allem das Indische Blumenrohr, auch Achira oder Essbare Canna wird zur Produktion von Nahrungsmitteln in den Anden (Peru und Ecuador) und in Asien (Vietnam und südliches China) angebaut. Canna-Rhizome sind essbar und reich an Stärke. Die Rhizome können sehr faserreich sein und müssen stundenlang gekocht werden, damit sie weich genug sind für ein Essen. Ihr Geschmack ähnelt dem von Süßkartoffeln. In Asien wird die Stärke zur Produktion von Glasnudeln verwendet. Es wird ein alkoholisches Getränk hergestellt.

Zierpflanze

Die Gattung wurde bereits um 1570 in Europa als Zierpflanze eingeführt. Seit etwa 200 Jahren wird intensiv gekreuzt und so entstanden bis heute etwa 1000 eingetragene Sorten.

Canna-Hybriden können als Kübelpflanzen oder ausgepflanzt kultiviert werden. Die Canna-Longwood-Hybriden werden als Sumpfpflanzen in Teichanlagen gepflegt.

Die Rhizome werden kühl (frostfrei) und dunkel überwintert. Nach den letzten Frösten werden sie ins Freie gepflanzt. Vorgetriebene Pflanzen, die ab Januar warm und hell stehen und gegossen werden, blühen schon früh und lange. Wenn man die Rhizome erst nach den letzten Frösten einpflanzt, blühen die Pflanzen auch erst spät im Sommer. Der Standort sollte sehr hell sein. Sie vertragen volle Sonne, sollten dann aber auch regelmäßig gegossen werden.

Die Canna indica Hybride 'Aphrodite'

Sorten

Es gibt einige Zwergsorten der Canna indica, die nur Wuchshöhen von etwa 50 Zentimetern erreichen und sich für eine Topfkultur in Räumen eignen. Hier eine Auswahl solcher Zwergsorten:

Hier eine Auswahl hochwüchsiger Sorten:

Sonstige Nutzung

Die schwarzen Samen werden als Perlen zur Herstellung von Ketten, besonders für Rosenkränze, und in Rasseln verwendet. Medizinische Anwendungen im Human- und Veterinärbereich wurden untersucht.

Quellen

Einzelnachweise

  1. ↑ Delin Wu, W. John Kress: Cannaceae., S. 378 – textgleich online wie gedrucktes Werk, Wu Zheng-yi, Peter H. Raven (Hrsg.): Flora of China. Volume 24: Flagellariaceae through Marantaceae, Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis 2000. ISBN 0-915279-83-5
  2. ↑ A. Engler’s Syllabus der Pflanzenfamilien, 12., neugestaltete Auflage, herausgegeben von Prof. Dr. Hans Melchior, Verlag Gebr. Bornträger, Berlin-Nikolassee 1964, S. 611
  3. ↑ P. F. Yeo: Secondary pollen presentation: Form, function and evolution. In: Plant Systematics and Evolution, Suppl. 6, 1993, S. 204–208.
  4. ↑ Peter Graven, Chris G. de Koster, Jaap J. Boon, Ferry Bouman: Functional aspects of mature seed coat of the Cannaceae. In: Plant Systematics and Evolution, Band 205, Nr. 3, 1997, S. 223–240 (PDF).
  5. ↑ P. R. M. Souza Filho, H. H. Tozzi, M. Takaki: Temperature effect on seed germination in Canna indica L.(Cannaceae). In: Seed Science and Technology, Band 39, Nr. 1, 2011, S. 243–247.
  6. ↑ Cannaceae bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. Louis, abgerufen am 7. November 2014.
  7. ↑ Canna bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. Louis, abgerufen am 7. November 2014.
  8. ↑ P. J. M. Maas: Cannaceae, In: A. R. A. Görts-van Rijn (Hrsg.): Flora of the Guianas, Series A: Phanerogams, Königstein, 1985, S. 69–73.
  9. ↑ P. J. M.Maas, H. Maas: Cannaceae. In: G. Harling et al.: Flora of Ecuador, Göteborg, 1988, S. 1–9.
  10. 1 2 N. Tanaka: Taxonomic revision of the family Cannaceae in the New World and Asia., in Makinoa, 1, 2001, S. 1–74.
  11. ↑ Cannaceae im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland.
  12. 1 2 3 Canna. In: POWO = Plants of the World Online von Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew: Kew Science, abgerufen am 11. August 2018.
  13. ↑ Canna edulis, Canna glauca und Canna indica Eintrag bei Plants for A Future. (englisch).
  14. ↑ Nobuyuki Tanaka: The utilization of edible Canna plants in southeastern Asia and southern China. In: Economic Botany, Volume 58, Issue 1, 2004, S. 112–114.
  15. ↑ Nobuyuki Tanaka, Naoyoshi Inouch & Tetsuo Koyama: Edible Canna and its Starch: An Under-Exploited Starch-Producing Plant Resource. In: Foods Food Ingredients J. Jpn., Volume 211, Issue 4, 2006.
  16. ↑ W. John Kress & Linda M. Prince: Cannaceae in der Flora of North America, Volume 22: Online.
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