

Ludewig Gottlieb Carl Nauwerck (auch Karl, * 26. März 1810 in Salem, Herzogtum Lauenburg; † 7. Juli 1891 in Riesbach) war ein deutscher Journalist, Orientalist und Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung.
Carl Nauwerck wurde als uneheliches Kind der Maurertochter Marie Dorothee Zink geboren. Ludwig Nauwerck war sein Vater. Die Schulzeit absolvierte er an der Domschule in Ratzeburg. Nauwerck studierte von 1828 bis 1831 evangelische Theologie und Orientalistik an den Universitäten in Friedrich-Wilhelms-Berlin, Bonn und Jena. In Bonn wurde er 1828 Mitglied der Alten Bonner Burschenschaft. 1834 wurde er zum Dr. phil. in Halle promoviert. 1835 habilitierte er sich in Berlin. Mit einer venia legendi für arabische Literatur und Geschichte der Philosophie war er von 1836 bis 1844 als Privatdozent an der Philosophischen Fakultät tätig. Er war Mitglied des „Doctorklubbs“, in dem Karl Marx, Bruno und Edgar Bauer mitwirkten.
Nauwerck schrieb Artikel für die Zeitschrift Athenäum und war eifriger Mitarbeiter der Hallischen Jahrbücher. 1842/1843 war Nauwerck Korrespondent der Rheinischen Zeitung. 1844 wurde er Mitglied im Centralverein für das Wohl der arbeitenden Klassen. Ebenfalls 1844 wurde ihm ein Lehrverbot aufgrund freisinniger Meinungsäußerungen erteilt, nachdem Friedrich Wilhelm IV. Konsequenzen gegen den „patentirte[n] Revolutionär“ forderte. Seine Studenten protestierten gegen diese Sanktion. In der Folge wirkte er als freier Publizist in Berlin. Er war 1847/48 Stadtverordneter in Berlin. Mit Julius Berends vertrat er hier die äußerste Demokratie.
1848 wurde er für die zwei Wahlkreise 5. Provinz Brandenburg (Berlin, Georgenvorstadt) in das Paulskirchenparlament gewählt. Nauwerck nahm an jeder Sitzung der Nationalversammlung teil und war ein fleißiger Debattenredner. Er war Mitglied der Fraktion Deutscher Hof, später schloss er sich dem Centralmärzverein an. Außerdem saß er im "Durchführungs- und Fünfzehnerausschuß". Er engagierte sich vor allem für die Grundrechte, außenpolitisch für die polnische Solidarität, gegen die dänische Feudalsuprematie in der Schleswig-Holstein-Frage und für die Unabhängigkeit Italiens, innenpolitisch sprach er über die Arbeitslosen. Er vertrat das Recht auf Arbeit und sprach sich gegen eine Löwengesellschaft aus.
Nach dem Scheitern der Deutschen Revolution 1848/49 floh er in die Schweiz. Hier wohnte er in Bönigen und Thun und ab 1850 in Rechberg. 1850 bis 1851 war er Herausgeber der wirtschaftspolitischen Beilage Actionair der Neuen Zürcher Zeitung. Ab 1859 hatte er einen Tabak- und Zigarrenhandel. In Abwesenheit wurde er 1851 wegen seiner Mitarbeit in den Ausschüssen des Paulskirchenparlaments zum Tode verurteilt, 1861 wurde er amnestiert. Er war gemeinsam mit Gottfried Kinkel Mitherausgeber der Zeitschrift Der deutsche Eidgenosse. Von 1862 bis 1877 war er Mitglied und Präsident des Deutschen Hülfsvereins zu Zürich. 1860 wurde er Mitglied der Auslandsgruppe des Deutschen Nationalvereins in Zürich. 1891 verstarb er verarmt in Riesbach, das kurz darauf nach Zürich eingemeindet wurde.
Am 5. Juli 1840 heiratete er in Neustrelitz Angelica Julia Coelestina Dubois (* 29. September 1816; † 14. Oktober 1900). Er hatte sechs Kinder: Robert Carl Cölestin Nauwerck (* 25. März 1841), Gabriela Johanna Sophie Amalie Luise Nauwerck (* 7. September 1842; † 14. Mai 1908); Arnold Carl Julius Ludwig Nauwerck (* 12. Juli 1845); Ludwig Emmanuel Carl Alexander Nauwerck (* 6. Juli 1847; † 17. Dezember 1916), Coelestin Nauwerck (1853–1938) und ein weiteres Kind.
„Mit dem lebhaften Wunsche, daß nächstes Jahr die deutschen Könige und Herzöge in Thierachern und Bönnigen, jedoch ohne Diäten, wir dagegen in Berlin leben, empfehle ich mich bis auf Wiedersehen Ihrem gütigen Andenken.“
„Der Staat ist ein notwendiges Übel, der Fürst ein überflüssiges.“
„Die heutige Vossische Zeitung bringt folgende Erklärung des Herrn K. Nauwerck: „Laut den öffentlichen Blättern wird unter den Motiven, durch welche bewogen soeben die dem Zensurwesen vorgesetzten Ministerien das Aufhören der ‚Rheinischen Zeitung‘ mit dem 31. März verfügen, dieser Zeitung auch ‚Böswilligkeit‘ und ‚Frechheit‘ zur Last gelegt. Da ich an dem Blatte durch eine Reihe Artikel theilgenommen habe, so bin ich es mir selbst schuldig, was dieselben betrifft, jeden Vorwurf auf das Entschiedenste abzulehnen. Mein Gewissen gibt mir das Zeugnis, daß ich mein deutsches Vaterland treu liebe. Wer sich dessen bewußt ist, kann niemandem das Recht zugestehen, seine Ehre anzutasten.“ Berlin, 30. Januar 1843 Dr. Karl Nauwerck.“
„Herr Redakteur! Ihr Frankfurter Korrespondent führt mich unter denen auf, welche gegen das Wahlgesetz gestimmt haben. Vermuthlich verwechselte er mich mit dem Abg. Naumann aus Frankfurt a. d. O.; es bedurfte jedoch dann nicht des Beisatzes von „liberalen Berlinern“. Einem hiesigen Correspondenten sollte es nicht unbekannt sein, daß von allen 6 Abgeordneten für Berlin nur Einer entschieden demokratisch gesinnt ist. Um gefällige Aufnahme dieser Berichtigung bittet Ihr ergebenster Nauwerk, Abgeordneter aus Berlin. Frankfurt a. M., 7. März 1849.“
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Nauwerck, Carl |
| ALTERNATIVNAMEN | Nauwerck, Ludewig Gottlieb Carl (Taufname); Nauwerck, Karl; Robert Minder (Pseudonym) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Junghegelianer, Orientalist und Politiker |
| GEBURTSDATUM | 26. März 1810 |
| GEBURTSORT | Salem (Lauenburg) |
| STERBEDATUM | 7. Juli 1891 |
| STERBEORT | Riesbach |