Gewölbedurchlass als Hochwasserentlastung Carler TeichModell von Wasserrad und Feldgestänge unterhalb des DammesCarler Teich, im Hintergrund die Ringer Halde, der Ringer Schacht (verdeckt) und die Grube Silberne Schreibfeder (1905)Carler Teich Striegelhaus
Der Teich liegt am westlichen Ortsrand des Ortsteiles Zellerfeld und ist teilweise in den ehemaligen Kurpark von Zellerfeld integriert worden. Sein Zufluss wird durch einen namenlosen Bach gebildet, der im Oberharz auch „Kappe“ genannt wird. Das Wasser fließt dann etwa 100 m weiter über den Ringer Graben, ehe es in den Zellbach und schließlich in die Innerste gelangt. Nach weiteren 15 Kilometern fließt das Wasser in die Innerstetalsperre.
Unmittelbar am östlichen Dammende passiert die Kreisstraße K 37 den Damm.
Beschreibung
Der Staudamm wurde als Erdbauwerk, das heißt mit einer Erd- und Felsschüttung, erstellt. Dieses Dammschüttmaterial wurde örtlich gewonnen und ist von überwiegend steiniger Substanz. Die Dammdichtung ist aus Rasensoden hergestellt und verläuft entlang der wasserseitigen Böschung. Es handelt sich um einen Teich der „Alten Bauart“.
Die Hochwasserentlastungsanlage befindet sich am rechten (westlichen) Dammende. Sie besteht heute aus einer Grauwacke-Gewölbekonstruktion. Der Grundablass wird noch über eine Striegelanlage reguliert.
Einzugsgebiet, Wasserwirtschaft
Das Einzugsgebiet des Carler Teiches ist mit 0,15 km² (andere Quellen sprechen von 0,09 km²) extrem klein und mit einem Stauraum von etwa 14.000 m³ gehört der Teich zu den kleinsten Teichen des Oberharzer Wasserregals. Entsprechend gering ist seine wasserwirtschaftliche Bedeutung. Das Einzugsgebiet besteht aus Wiesenflächen, Siedlungsflächen und dem ehemaligen Kurpark von Zellerfeld.
Bauwerkshistorie
Das Bauwerk wurde um 1673 errichtet. Seinen Namen soll der Teich erhalten haben, weil er zunächst eine Grube „Unüberwindlicher Kaiser Carl“ mit Aufschlagwasser versorgte. Es diente vorrangig der Versorgung der südwestlich der Anlage gelegenen Bergwerke Ringer Schacht und Grube Schreibfeder mit Aufschlagwasser. Nach Stilllegung dieser Bergwerksanlagen im Jahr 1930 konnte sein Wasser noch dem Wasserkraftwerk in Lautenthal zugeführt werden; dies wird wegen der geringen wasserwirtschaftlichen Bedeutung des Teiches aber nur selten erfolgt sein.
Im Jahr 2001 wurde die Dammdichtung zwischen Striegelhaus und Hochwasserentlastungsanlage saniert. Hierzu wurden 90 m³ Ziegelton angefahren und eingebaut. 2009 erfolgte eine Erneuerung und Vergrößerung der Hochwasserentlastungsanlage (Ausflut), die jetzt als Gewölbedurchlass aus Grauwackesteinen gestaltet ist. Letzte Sanierungsarbeiten am Striegelhaus erfolgten 2022.
Wasserrad und Feldgestänge
Nachdem die Preussag AG die Wasserwirtschaftsanlagen des Oberharzer Wasserregals ab etwa der 1970er Jahre nicht mehr betreiben durfte, kaufte die Kurbetriebsgesellschaft die Liegenschaft und betrieb den Teich. In dieser Zeit gelang es auch, das Striegelhaus zu erhalten, welches an fast allen anderen Teichen im Laufe der 1970er Jahre verschwand. Das Striegelhaus wurde etwa Mitte der 1980er Jahre vom Technischen Hilfswerk, Ortsgruppe Clausthal-Zellerfeld, neu erstellt.
In den Jahren 1983 bis 1985 entstand auch ein bewegliches Modell der typischen Bergmännischen Künste unmittelbar unterhalb des Teiches: Wasserrad mit Feldgestänge, Kunstkreuz und Pumpensatz. Das Model hat den Maßstab 1:2; im Original waren diese Anlagen also doppelt so groß. Vorlage für die Konstruktion waren unter anderem historische Zeichnungen von Henning Calvör und Heron de Villefosse sowie die noch vorhandenen Kunsträder im Oberharzer Bergwerksmuseum und in der Grube Samson. Im Sommer ist die Anlage in der Regel in Betrieb und wird mit Wasser aus dem Carler Teich betrieben. In der Regel dreht sich das Wasserrad mit einer Geschwindigkeit von sechs bis zehn Umdrehungen pro Minute. Die letzte Erneuerung des Wasserrads erfolgte 2023.
Seit 1991 sind die Harzwasserwerke Eigentümer und Betreiber des Teiches. Die Modellanlage unterhalb des Dammes steht auf einem Grundstück der Stadt und wird auch seitens der Stadt unterhalten.
Trivia
Bis 1998 stand im Bereich der Stauwurzel ein Entenhaus.
Die Anlage wurde auch viele Jahre lang als Eislaufteich genutzt. Hierzu wurde das Eis von der Kurbetriebsgesellschaft geprüft und freigegeben.
In den 1980er und 1990er Jahren erfolgte eine Nutzung des Teiches auch von einem Modellbauverein; der hierzu einen Steg/Hafen am Ostufer angelegt hatte.
Es gibt eine historische Holzleitung, die Wasser aus dem Quellgebiet des Wasserläufer Teiches nach Zellerfeld führt und dabei das Einzugsgebiet des Carler Teiches kreuzt. Im Winter wird aus dieser meistens das Wasser in den Carler Teich geleitet.
Aktuell (2026) gibt es Planungen, in unmittelbarer Nachbarschaft (Kurpark) ein Baumhaushotel zu errichten.
Das Striegelhaus Carler Teich ist ein sehr beliebtes Fotomotiv und findet sich nicht nur in vielen Bildbänden über den Harz, sondern auch auf vielen Hochzeitsfotos oder ähnlichem wieder.
Sonstiges
Der Teich ist an einen Oberharzer Angelverein verpachtet. Er wird mit Regenbogenforelle, Rotfeder und Schleien besetzt. Gastkarten können erworben werden. Badebetrieb wird in der Regel nicht beobachtet.
Literatur
Martin Schmidt:Die Wasserwirtschaft des Oberharzer Bergbaus (=Schriftenreihe der Frontinus-Gesellschaft e.V. Heft 13). 3., ergänzte Auflage. Harzwasserwerke, Hildesheim 2002, ISBN 3-00-009609-4.
Walter Knissel, Gerhard Fleisch:Kulturdenkmal „Oberharzer Wasserregal“. Eine epochale Leistung. 2. Auflage. Papierflieger, Clausthal-Zellerfeld 2005, ISBN 3-89720-725-7.
Martin Schmidt:WasserWanderWege. Ein Führer durch das Oberharzer Wasserregal – Weltkulturerbe. Hrsg.: Harzwasserwerke GmbH. 4. Auflage. Papierflieger Verlag, Clausthal-Zellerfeld 2012, ISBN 978-3-86948-200-2.
123Hans-Hugo Nietzel, Christian Vetter, Ein historisches Kunstgezeug, Piepersche Druckerei und Verlagsanstalt, Clausthal-Zellerfeld, 1986, ISBN 3-923605-04-8