Karl I. (Rumänien)

Karl I. von Rumänien
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Karl I. von Rumänien (rumänisch Carol I al României; * 20. April 1839 in Sigmaringen; † 27. Septemberjul. / 10. Oktober 1914greg. in Sinaia) war von 1866 bis 1881 Fürst und von 1881 bis zu seinem Tod König von Rumänien. Er entstammte der Linie Sigmaringen des Hauses Hohenzollern und trug den Beinamen „der Unabhängigkeitskönig“ (Regele Independenței).

Leben

Herkunft

Karl Eitel Friedrich Zephyrinus Ludwig war der zweitgeborene Sohn des Fürsten Karl Anton zu Hohenzollern-Sigmaringen (1811–1885), zeitweilig Ministerpräsident des Königreichs Preußen, und der Prinzessin Josephine von Baden (1813–1900), Tochter des Großherzogs Karl Ludwig Friedrich von Baden. Deshalb stand sein älterer Bruder, der spätere Fürst Leopold von Hohenzollern, vor ihm in der Nachfolge. Bis 1866, als er die rumänische Krone annahm, war Prinz Karl Offizier in der preußischen Armee. Als preußischer Offizier nahm er 1864 am Deutsch-Dänischen Krieg teil.

Thronübernahme

Einzug in Bukarest am 22. Mai 1866.

Dem Staatsgründer des Fürstentums Rumänien Alexandru Ioan Cuza war es nicht gelungen, die für das Land notwendigen Reformen durchzusetzen. Er war daher 1866 zur Abdankung gezwungen worden. Eine provisorische Regierung beschloss zunächst, den Bruder des belgischen Königs Leopold II., Philipp von Flandern, zum Fürsten einzusetzen. Da dieser aber verzichtete, wurde im Februar 1866 Karl Eitel Friedrich von Hohenzollern-Sigmaringen auf Empfehlung von Napoléon III. und nach einer Volksabstimmung am 20. April 1866 zum Fürsten gewählt. Am 22. Mai 1866 zog er als Fürst Carol I. unter dem Jubel des Volkes in Bukarest ein.

Regierungszeit

Rumänien mit den Grenzen 1878–1913

Am 29. Juni – zwei Monate nach Carols Ankunft – verabschiedete das rumänische Parlament die Verfassung Rumäniens von 1866, die Carol zwei Tage später unterzeichnete. Stark an der belgischen Verfassung von 1831 orientiert, war sie eine der fortschrittlichsten Verfassungen ihrer Zeit und sollte den Rahmen für die Entwicklung und Modernisierung des rumänischen Staates bilden. Die neue Verfassung führte die Gewaltenteilung ein, garantierte Privateigentum, Meinungsfreiheit sowie uneingeschränkte Pressefreiheit und schaffte die Todesstrafe in Friedenszeiten ab. Es gelang tatsächlich Karl, dem jungen Staat in den folgenden Jahrzehnten außenpolitische und innere Stabilität zu geben. Die von ihm vorangetriebenen Reformen umfassten die Staatsfinanzen, eine am preußischen Vorbild orientierte Armee, einen Ausbau des Schulsystems und das Anlegen von Eisenbahnlinien.

Krönung in Bukarest am 10. Mai 1881
20-Lei-Goldmünze von 1883 mit dem Konterfei Karls I.

Beim Ausbruch des Russisch-Osmanischen Krieges im Jahr 1877 erklärte Rumänien seine volle Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich. Nachdem die Unabhängigkeit 1878 durch den Frieden von San Stefano und den Berliner Vertrag international anerkannt wurde, wurde Karl am 26. März 1881 zum König von Rumänien proklamiert. Allerdings erschütterte der Bauernaufstand in Rumänien 1907 das Land und machte auf die Unhaltbarkeit der ungerechten Landverteilung (Großgrundbesitz) aufmerksam. Dieses Problem vermochte Karl ebenso wenig zu lösen wie die weitgehend oligarchisch-undemokratische Herrschaft der damaligen rumänischen Oberschicht.

Außenpolitisch lehnte sich der König – darin ganz Hohenzoller – an Deutschland und Österreich-Ungarn an. Ein geheimes Militärbündnis mit diesen Mächten (1883 Beitritt zum Dreibund) konnte er jedoch bei Beginn des Ersten Weltkrieges im August 1914 aufgrund der überwiegend entente-freundlichen Haltung der politischen Eliten und der Ablehnung im Kronrat nicht einhalten, was die letzten Wochen des greisen Herrschers (der sich als wortbrüchig empfand) verdüsterte.

Zuvor hatte sich Rumänien nach Neutralität im Ersten Balkankrieg 1912/13 aus Furcht vor einem zu mächtig werdenden Bulgarien am Zweiten Balkankrieg beteiligt und dabei einfache militärische Erfolge sowie die Einverleibung der südlichen Dobrudscha in Rumänien (in dem Friedensvertrag von Bukarest) erreicht.

Tod und Nachfolge

Beim Tod König Carols am 10. Oktober 1914 wurde sein Neffe Ferdinand I. der Nachfolger. Carol I. wurde in der Kathedrale von Curtea de Argeș beigesetzt.

Familie

Carol I. und Elisabeth zu Wied mit ihrer Tochter Prinzessin Marie im Jahr 1873.

Carol heiratete am 15. November 1869 in Neuwied am Rhein Elisabeth Pauline Ottilie Luise Prinzessin zu Wied; (Carmen Sylva) (* 29. Dezember 1843; † 2. März 1916). Das einzige Kind war die Tochter

Ehrungen

In den folgenden Jahrzehnten errichteten zahlreiche Städte Rumäniens Monumente zu Ehren von Karl I. Auch Straßen oder Plätze wurden nach ihm benannt wie der Bulevardul Carol I. Unter anderem finden sich Denkmale in Bukarest (Karl I. zu Pferde (1939–1948; erneuert; auf dem damaligen Palastplatz vor der Universitätsbibliothek) und in Sinaia. In Bukarest trägt die Carol-Hunchiar-Moschee seinen Namen, ebenso in Konstanza die Carol-I.-Moschee. Zudem wurde 1898 das rumänische Passagierschiff Regele Carol I nach ihm benannt.

Siehe auch

Stammtafel des rumänischen Königshauses

Literatur

Primärquellen

Commons: Karl I. von Rumänien – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Krista Zach: Karl I. (Carol I.). In: Mathias Bernath, Felix von Schroeder (Hrsg.), Gerda Bartl (Red.): Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Band 2. Oldenbourg, München 1976, ISBN 3-486-49241-1, S. 367–369.
  2. ↑ Anne Kerr, Edmund Wright: Carol I. In: A Dictionary of World History. 3. Auflage. Oxford University Press, Oxford und New York 2015, ISBN 978-0-19-968569-1, S. 118 (englisch, google.com).
  3. ↑ Andreas Hillgruber: Karl I., Prinz von Hohenzollern-Sigmaringen. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 11. Duncker & Humblot, Berlin 1977, ISBN 3-428-00192-3, S. 260–261 (deutsche-biographie.de).
  4. ↑ Constituția României (1866). (Wikisource)
  5. ↑ Marius Hriscu: The Romanian Constitution of 1866. Modernism and European Spirit. In: Petre Andrei University Year-Book (Social Work, Sociology, Psychology). Band 1, Nr. 5. Iași Januar 2010, S. 346–354 (englisch, researchgate.net).
  6. ↑ König Karl I. Abgerufen am 19. Juli 2023 (romanische).
  7. ↑ Hans-Joachim Böttcher: Ferdinand von Sachsen-Coburg und Gotha 1861–1948. In: Edition Bulgarische Geschichte. Band V. Osteuropa Zentrum, Berlin 2019, ISBN 978-3-89998-307-4, S. 242,260,262,264,267.
  8. ↑ Ansichtskarte Bukarest anno 1918 mit dem Bulevard Karl I.
  9. ↑ Mann im Schnee vor Carol-I. Denkmal in Bukarest in der Deutschen Digitalen Bibliothek; Ansichtskarte um 1900 mit Denkmal Karl I. in Bukarest
  10. ↑ Hinweis auf ein Karl-I.- Denkmal in Siebenbürgen (Memento des Originals vom 12. März 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  11. ↑ Carol-I-Moschee in Konstanza
VorgängerAmtNachfolger
Alexandru Ioan CuzaFürst von Rumänien
1866–1881
—
—König von Rumänien
1881–1914
Ferdinand I.
Personendaten
NAME Karl I.
ALTERNATIVNAMEN Karl Eitel Friedrich Zephyrinus Ludwig von Hohenzollern-Sigmaringen; Carol I.
KURZBESCHREIBUNG Fürst und König von Rumänien
GEBURTSDATUM 20. April 1839
GEBURTSORT Sigmaringen
STERBEDATUM 10. Oktober 1914
STERBEORT Schloss Peleș, Sinaia