Centralteatret

Centralteatret
Centralteatret, Akersgata 38, Oslo
Lage
Adresse: Akersgata 38
Stadt: Oslo Norwegen
Koordinaten: 59° 54′ 52″ N, 10° 44′ 37″ OKoordinaten: 59° 54′ 52″ N, 10° 44′ 37″ O
Architektur und Geschichte
Bauzeit: 1890–1934
Eröffnet: 1897
Zuschauer: 360 + 120 Plätze
Architekt: Herman Major Backer (1890)
Henrik Bull (1897)
Jens Dunker (1934)
Internetpräsenz:
Website: oslonye.no
Norwegens ältestes noch betriebenes Theater
1780 Theaterbetrieb auf dem Gelände
1959 Ende als eigenständiges Theater
1971 Übernahme durch Oslo Nye Teater

Das Centralteatret, gelegentlich auch Centralteateret, in der Akersgata 38 wurde 1897 gegründet, war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts das wichtigste Privattheater in Oslo und ist seit 1971 die Zweitbühne des Oslo Nye Teater mit 360 Plätzen und weiteren 120 Plätzen in der dazugehörigen Kellerbühne. Es werden hauptsächlich Stücke zeitgenössischer Autoren für ein breites Publikum sowie Inszenierungen für Kinder und Jugendliche aufgeführt.

In der Akersgata 38 wurde bereits ab 1780 von den Amateuren Det Dramatiske Selskab eine Theaterbühne betrieben. Im 19. Jahrhundert wurde das Gebäude mehrfach um- und neugebaut und als Theater, Konzerthalle und Vereinslokal genutzt. Der jetzige Bau wurde 1890 als Bierlokal errichtet und von Alma und Johan Fahlstrøm zum Centralteatret umgebaut. Ein Saal aus dem Gebäude von 1826 blieb erhalten und dient nun als Schauspielerfoyer. 1934 erhielt die Fassade ihr heutiges funktionalistisches Aussehen. Das Centralteatret ist Norwegens älteste noch in Betrieb befindliche Bühne.

Von 1902 bis 1959 wurde das Theater von drei Generationen der Familie Otto betrieben. Komödien und Operetten und ab den 1930er Jahren auch Revuen verschafften dem Theater eine solide wirtschaftliche Grundlage. Es wurden jedoch auch Opern und ernsthafte Klassiker inszeniert und Uraufführungen norwegischer Autoren gegeben.

Örtlichkeit und Gebäude

Logo des Centralteatret (2025)

Das Centralteatret in der Akersgata 38 liegt im Osloer Stadtzentrum im Süden des Stadtteils St. Hanshaugen. Es befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum Høyesterett (Oberster Gerichtshof von Norwegen) und dem dahinter liegenden Regjeringskvartalet (Regierungsviertel). Vom Theater sind es etwa 300 Meter nach Südwesten zum Stortinget (Parlament) bzw. 400 Meter nach Südosten zur Oslo domkirke (Osloer Dom).

Die funktionalistische Fassade des Gebäudes ist dreiteilig. Der Mittelteil mit dem Haupteingang dominiert durch seine größere Höhe und dunkelorange Farbgebung. Im Seitenteil zur Linken befindet sich der Eingang zur Kellerbühne. Da der Seitenteil zur Rechten breiter ist, ist das Gebäude nicht symmetrisch. Die orange Farbe und die Asymmetrie flossen in die Gestaltung des offiziellen Logos des Theaters ein.

Das Gebäude Akersgata 38 wurde in die kommunale Denkmalliste aufgenommen. Im landesweiten Kulturminne-Verzeichnis wird es unter der nicht denkmalgeschützten Kategorie Bebauung/Infrastruktur mit der Id 165041 angeführt.

Die Immobilie Akersgata 38 ist im Besitz der Aktiengesellschaft Centralteateret AS, einer 100-prozentigen Tochter von Stormgård AS, welche wiederum zur Olav-Thon-Gruppe (Thon Holding AS) gehört.

Das eigentliche Oslo Nye Centralteatret umfasst 360 Sitzplätze, das Oslo Nye Teaterkjeller'n 120 Sitzplätze. Gelegentlich wird auch das Theatercafé als Bühne genützt (Cafescenen).

Das Puppentheater des Oslo Nye Teater hatte seit 1966 einen eigenen Standort, zuletzt in den Trikkestallen in der Torshovgata 33. Dort fand am 1. März 2025 die letzte Aufführung statt. Am 1. Mai 2025 zog das Puppentheater in das Centralteatret in der Akersgata um.

Programm und Betrieb

Die neue Fassade 1934. Modell von Jens Dunker

Das Centralteatret ist seit 1971 eine Nebenbühne des Oslo Nye Teater. Das Oslo Nye Teater wird von der Aktiengesellschaft Oslo Nye Teater AS betrieben, deren sämtliche Aktien von der Kommune Oslo gehalten werden. Als Aufsichtsrat fungiert der städtische Kulturausschuss. Das Unternehmen schüttet keine Dividenden aus, sondern erhält von der Stadt einen jährlichen Betriebszuschuss, der die eigenen Einkünfte des Theaters um ein Mehrfaches übersteigt. Vom norwegischen Zentralstaat gibt es keine Fördermittel.

Nach eigener Aussage zielt das Oslo Nye Teater auf ein „breites Publikum“ und „stützt sein Programm auf die Säulen Musiktheater, Komödien, Kinder- und Familienvorstellungen, gesellschaftsrelevantes Drama und Puppentheater.“

2025 entfielen auf das Centralteatret 45 Prozent der Vorstellungen bzw. 37 Prozent der Ticketerlöse des Oslo Nye Theater. Dies entspricht circa dem Anteil der Sitzplätze (40 Prozent).

Beide Häuser können bei weitem nicht kostendeckend produzieren. 2024 konnten nur 17 Prozent der Kosten durch eigene Einnahmen gedeckt werden. Nachdem die Stadt Oslo im Folgejahr ihren Zuschuss halbierte, fuhr das Unternehmen einen Verlust ein, der das Eigenkapital negativ werden ließ.

Oslo Nye Theater:
Einnahmen bzw. Mitarbeiter
in Mill. NOK20252024
Ticketverkäufe23,335,8
Einnahmen Gastronomie3,55,2
Zuschuss Stadt Oslo62,9121,0
Sonstige Zuschüsse2,21,8
Summe der Einnahmen91,9163,8
Jahresergebnis−28,719,1
Festangestellte (Köpfe)104104
bzw. Vollzeitstellen87,097,3
Oslo Nye Theater:
Vorstellungen 2025
BühneVorstellungenTicketsMill. NOK
Hovedscenen11640.38614,0
Centralteatret13220.5348,4
Cafescenen2680,0
Teaterkjeller'n322.0310,4
Trikkestallen325.7700,9
„Tag der offenen Tür“ u. a.1.3180,2
SUMME36470.05724,0

Geschichte

Vorgeschichte

Tanzsaal aus dem Dramatiken von 1826 im Inneren des Centralteatret (Foto ca. 1910)

Das heutige Centralteatret befindet sich auf einem geschichtsträchtigen Gelände, an dem einst die ersten Theateraufführungen Oslos stattfanden. Um 1750 stand hier ein Gewächshaus, das später zu einem Konzertsaal umgestaltet wurde, der auch für private Theateraufführungen genutzt werden konnte. Die von der Familie Collett 1780 gegründete Amateurtheatergesellschaft Det Dramatiske Selskab führte auf dieser Bühne ihre privaten Vorstellungen auf.

Das alte Gevæxthus wurde 1802 durch ein von Jørgen Henrik Rawert entworfenes Theatergebäude mit Platz für 500 Zuschauer ersetzt, das als Dramatiken bezeichnet wurde. 1826 wurde an das Gebäude eine Säulenhalle angebaut, die als Ball- und Festsaal für die Dramatiske Selskab diente. Dieser Damesalen ist auch nach dem Abbruch des Dramatiken erhalten geblieben und dient heute im Erdgeschoß des Centralteatret als Schauspielerfoyer und Garderobe.

Nachdem das von Johan Peter Strömberg 1827 gegründete Theater im Jahre 1835 abgebrannt war, übernahm dessen aus dänischen Schauspielern bestehende Truppe das Dramatiken als ihre Bühne, bis zur Eröffnung des Christiania Theaters 1837.

Damit endeten auch die Aktivitäten der Dramatiske Selskab. In den folgenden Jahren wurde das Gebäude zeitweise an Wanderschauspieler und Veranstalter von Maskenbällen vermietet. Ab 1861 diente es dem neu gegründeten Künstlerverein Kunstnerforeningen als Vereinslokal. 1863 wurde es zur Konzerthalls Askers Konsertsalon umgebaut.

Von 1865 bis 1867 beherbergte das Dramatiken wieder ein ständiges Theater. Das von Peter Lorentz Rasmussen betriebene Folketheatret musste wegen Erfolglosigkeit wieder schließen.

Nach einer weiteren Umgestaltung durch den Stadtarchitekten Georg Andreas Bull bezog der Handwerkerverein Christiania Haandværksforening (später: Oslo Håndverks- og Industriforening) das Gebäude, bis er 1882 in ein eigenes Haus umzog.

Das Dramatiken wurde 1887 mit Ausnahme des Damesalen abgerissen.

Neubau

Die alte Fassade, vor 1934

Das heutige Gebäude Akersgata 38 wurde in den 1880er Jahren nach Entwürfen von Herman Major Backer im Stil des Historismus und unter Einbeziehung des Damesalen errichtet. Auftraggeber war die Kristiania Actiebryggeri und die 1890 fertiggestellte Bierhalle mit Varieté Alhambra wurde im Volksmund bald Ølhambra genannt.

Nachdem das Schauspielerpaar Alma und Johan Fahlstrøm das Gebäude übernommen hatte, ließen sie es von Henrik Bull, dem Architekten des Nationaltheaters, zu einem Theater umbauen.

Am 17. August 1897 eröffneten sie das neue Centralteatret mit Holger Drachmanns Märchenkomödie Det var engang (Es war einmal). „Laut Alma Fahlstrøm hatten sie noch zwei Kronen in der Kasse, als der Vorverkauf für die Eröffnungsvorstellung begann, doch Drachmanns beliebtes Stück lief dreißig Abende lang und schuf damit die Grundlage für den weiteren Betrieb.“

Als Alma und Johan Fahlstrøm 1899 am neu eröffneten Nationaltheater engagiert wurden, übergaben sie das Centralteatret (oder Alhambra teater) an Rudolf „Rulle“ Rasmussen. Nachdem er in Konkurs gegangen war, wurde das Theater von Mitgliedern des Ensembles weitergeführt.

Harald Otto

Harald Otto in seinem Theater (Karikatur von Fredrik Christian Bødtker)
Hauk Aabel feierte ab 1904 mit der Komödie Ola Lia in der Titelrolle eines Bauern in Stadt große Erfolge

1902 kaufte der Theatermann Harald Otto das Centralteatret und war bis zu seinem Tod im Jahr 1928 dessen Eigentümer und Direktor. In diesen drei Jahrzehnten prägte er dem Theater „seinen ganz persönlichen Stempel auf“ und machte es (nach dem Nationaltheater) zum zweitwichtigsten der Stadt. Otto hatte als Auswanderer in Chicago Theater gespielt und 1890 Det Norske Teaterselskab gegründet. 1891 kehrte er zurück und unternahm unter diesem Namen Theatertourneen durch Norwegen, bis er mit seinem Ensemble im Centralteatret einzog.

Hauk Aabel feierte ab 1904 in Ola Lia, einer Komödie seines Vetters Vilhelm Dybwad, in der Titelrolle eines Bauern in der Stadt einen großen Erfolg. Das Repertoire des Theaters war breit gefächert; es umfasste volkstümliche Komödien, Musiktheater und moderne, ernsthafte Dramatik. Das Centralteatret wurde zum führenden Operettentheater Oslos; zudem wurden auch Opern gegeben (mit Gästen wie Eidé Norena und Cally Monrad), wie die norwegische Erstaufführung von Puccinis Tosca im Herbst 1908.

Die publikumswirksamen Stücke verschafften dem Theater „eine solide wirtschaftliche Grundlage“. Das machte auch Uraufführungen neuer Dramen von norwegischen Autoren wie Gunnar Heiberg oder Ronald Fangen möglich. „Vor allem aber profitierte das Centralteatret sowohl künstlerisch als auch wirtschaftlich von seinen Ibsen-Aufführungen.“

Harald Ottos „leistete als Regisseur großartige Arbeit“ „und seine Großzügigkeit als Theaterleiter wurde sehr geschätzt.“ 1932 zählte Aschehougs konversationsleksikon im Rückblick eine Reihe von Schauspieler/-innen auf, deren Auftritte im Centralteatret in Erinnerung blieben: Ingolf Schanche, Stub Wiberg, Hauk Aabel, Olaf Hansson, Agnethe Schibsted Hansson, Agnes Mowinckel, Gyda Christensen, Joachim Holst-Jensen, Gunnar Tolnæs, Thomas Thomassen, Einar Sissener, Bertha Ræstad und Odd Frogg.

Reidar Otto

Annonce des Centralteatret im Oslo adressebok 1947

Reidar Otto, Harald Ottos Sohn, war schon 1919 Mitdirektor geworden und er führte das Theater nach dem Tod seines Vaters 1928 allein weiter. In den 1930er Jahren entwickelte sich Centralteatret zum Unterhaltungs-Theater, mit Schwerpunkt auf klassischen und modernen Operetten, norwegischen und ausländischen Komödien und revueartigen „Sommerstücken“, unter denen die von Finn Bø verfassten besonders erfolgreich waren. Es gab gelegentlich auch erstere Stücke, z. B. Strindbergs „Passionsspiel“ Påsk (Ostern).

Vorausgegangen waren jedoch „schwierige Umstände“, sodass das Theater am Ende der Spielzeit 1930–1931 geschlossen werden musste: Von 1931 bis 1934 wurde das Theater jedes Jahr acht Monate lang an Det Norske Teatret vermietet.

Danach nahm das Centralteatret mit frischem Gesicht seinen Betrieb wieder auf: 1934 wurde nach Plänen von Jens Dunker die Fassade im funktionalistischen Stil neu gestaltet.

Seit 1938 wurde Reidar Otto durch seinen Sohn Harald Ottho als Mitdirektor unterstützt. Als Reidar jedoch am 10. Mai 1959 starb, beschloss Harald, den Theaterbetrieb aufzugeben, und das Theater zu vermieten. Das Theatergebäude blieb im Familienbesitz, bis es im Januar 2013 an das Immobilienunternehmen von Olav Thon verkauft wurde.

Während seiner Eigenständigkeit 1897–1959 produzierte das Centralteatret mindestens 552 Inszenierungen (mit im Sceneweb erfassten Daten).

Nachnutzung

Ab dem 1. September 1959 wurden die Räumlichkeiten zwei Jahre lang vom Nationaltheater als Nebenbühne namens Lille scene betrieben, bevor 1962 Jens Book-Jenssen das Centralteatret übernahm. Von 1963 bis 1969 nutzte der norwegische Rundfunk NRK das Theater als Fernsehstudio. Anschließend wurde es an Olav Thon vermietet, der darin einen Bingo-Saal betrieb. Olav Thon blieb Hauptmieter der Immobilie, die er ab 1971 an das Oslo Nye Theater weitervermietete.

Direktoren

Aufführung der Lysistrata von Aristophanes 1947. Wenche Foss (an der Säule) in der Titelrolle

(Quelle:)

Literatur

Plakat für Die Csárdásfürstin (1950)
Commons: Centralteatret, Oslo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Bilder

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 Centralteateret - Akersgata 38, Kulturinstitusjoner - forsamlingshus bei Kulturminnesøk. Abgerufen am 19. August 2026 (norwegisch).
  2. ↑ 979 907 664 CENTRALTEATERET AS In: Nøkkelopplysninger fra Enhetsregisteret. Abgerufen am 19. August 2026 (norwegisch).
  3. 1 2 3 4 Utleie. In: Oslo Nye Teater. Abgerufen am 19. August 2026 (norwegisch).
  4. 1 2 3 4 Historikk. In: Oslo Nye Teater. Abgerufen am 19. August 2026 (norwegisch).
  5. 1 2 3 4 5 6 Marianne Dyrnes Vallat: Centralteatret. In: Store norske leksikon. (Digitale Version, abgerufen am 19. August 2026 (norwegisch)).
  6. Jahresbericht 2025. In: Oslo Nye Teater. Abgerufen am 19. August 2026 (norwegisch).
    1. 1 2 S. 14–15 (PDF S. 8)
    2. 1 2 S. 18–19 (PDF S. 10)
    3. ↑ S. 16–17 (PDF S. 9)
    4. ↑ S. 38–39 (PDF S. 20)
  7. 1 2 3 4 5 6 Centralteatret. in: Trygve Aalheim (Hrsg.): Aschehougs konversationsleksikon. 2. utgabe. Supplementsbind. H. Aschehoug & Co. (W. Nygaard), Oslo 1932, Spalte 161 (Digitale Version bei Projekt Runeberg).
  8. 1 2 3 4 5 6 7 8 Centralteatret. in Oslo byleksikon. Abgerufen am 19. August 2026 (norwegisch).
  9. ↑ Herbert A. Frenzel: Geschichte des Theaters. Daten und Dokumente 1470–1890. dtv, München 1979, 2. Auflage 1984, ISBN 3-423-04302-4, Seite 313–314.
  10. 1 2 Arne Christiansen: Harald Otto. In: Store norske leksikon. (Digitale Version, abgerufen am 20. August 2026 (norwegisch)).
  11. 1 2 Thon kjøper Centralteatret. In: Estate. Veröffentlicht am 9. Januar 2013, abgerufen am 19. August 2026 (norwegisch).
  12. 1 2 Centralteatret. In: Sceneweb. Abgerufen am 19. August 2026 (norwegisch).