Česká Lípa

Česká Lípa
Wappen von Česká Lípa
Česká Lípa (Tschechien)
Česká Lípa (Tschechien)
Basisdaten
Staat: Tschechien Tschechien
Historischer Landesteil: Böhmen
Region: Liberecký kraj
Bezirk: Česká Lípa
Fläche: 6609,6322 ha
Geographische Lage: 50° 41′ N, 14° 32′ OKoordinaten: 50° 41′ 12″ N, 14° 32′ 13″ O
Höhe: 258 m n.m.
Einwohner: 37.262 (1. Jan. 2023)
Postleitzahl: 470 01
Kfz-Kennzeichen: L
Verkehr
Straße: Fernverkehrsstraße I/9
Bahnanschluss: 080 Bakov nad Jizerou–Ebersbach
081 Děčín–Česká Lípa
086 Liberec–Česká Lípa
087 Lovosice–Česká Lípa
Struktur
Status: Stadt
Ortsteile: 15
Verwaltung
Bürgermeister: Jitka Volfová (Stand: 2026)
Adresse: nám. T. G. Masaryka 1
470 01 Česká Lípa
Gemeindenummer: 561380
Website: www.mucl.cz
Lage von Česká Lípa im Bezirk Česká Lípa

Česká Lípa (Ausspracheⓘ/?, deutsch Böhmisch Leipa, kurz auch Leipa) ist eine Stadt im Okres Česká Lípa im Norden Tschechiens.

Gesamtansicht des Stadtgebiets (2006)

Geographie

Die Stadt liegt 263 m über dem Meeresspiegel am Fluss Ploučnice (Polzen), in den am westlichen Stadtrand die Bäche Šporka (Rohnbach) und Robečský potok (Robitzer Bach) einmünden.

Stadtgliederung

Die Stadt Česká Lípa besteht aus den Ortsteilen Častolovice (Schaßlowitz), Česká Lípa (Böhmisch Leipa), Dobranov (Dobern), Dolní Libchava (Niederliebich), Dubice (Klein Eicha), Heřmaničky (Hermsdorf), Lada (Jägersdorf), Manušice (Manisch), Okřešice (Aschendorf), Písečná (Pießnig), Stará Lípa (Altleipa), Vítkov (Leskenthal), Vlčí Důl (Wolfsthal) und Žizníkov (Schießnig).

Grundsiedlungseinheiten sind Častolovice, Česká Lípa-historické jádro, Dobranov, Dolní Libchava, Dolní Špičák (Niederspitzberg), Dubice, Dubická, Heřmaničky, Holý vrch (Kahlenberg), Horní Špičák (Oberspitzberg), K Manušicím, Ke Stružnici, Kopeček (Harzt), Lada, Manušice, Městský park (Stadtpark), Na Bídě (Elend), Nádražní, Nový Žizníkov, Obecní les, Okřešice, Písečná, Pod Holým vrchem, Poříčí, Průmyslový obvod, Rasova Hůrka, Robeč (Robitz), Sídliště Lada, Sídliště Sever, Sídliště Střelnice, Slovanka, Smetanovo nábřeží, Stará Lípa, Střední Špičák (Mittelspitzberg), Svárov (Schwora), Špičák (Spitzberg), U hřbitova, U Libchavy, U nemocnice, U Okřešického rybníka, U panelárny, U stadiónu, U staré cihelny, Vítkov, Vlčí Důl, Vřesoviště, Za Starou Lípou und Žizníkov.

Das Gemeindegebiet gliedert sich in die Katastralbezirke Častolovice u České Lípy, Česká Lípa, Dobranov, Dolní Libchava, Dubice u České Lípy, Heřmaničky u Dobranova, Lada, Manušice, Okřešice u České Lípy, Písečná u Dobranova, Stará Lípa, Vítkov u Dobranova, Vlčí Důl und Žizníkov.

Geschichte

Historische Altstadt mit dem Rathaus
Druckfabrik Ignaz Thume in Böhmisch Leipa 1858

Der Ortsname Česká Lípa leitet sich von dem Adelsgeschlecht Leipa (z Lipé) bzw. dem tschechischen Wort Lípa für Linde ab.

Die Stadt war ursprünglich eine kleine Siedlung, der im Jahre 1381 das Stadtrecht verliehen wurde. Sie gehörte u. a. die den Leipa (Adelsgeschlecht)|Herren von Leipa. Zu den wechselnden Inhabern gehörte u. a. Albrecht von Wallenstein. Neben dem Schloss Nový Zámek war die Herrschaft Leipa die einzige seiner zahlreichen Besitzungen (Herzogtum Friedland, Herzogtum Sagan, Herzogtum Glogau, Herzogtum Mecklenburg), die seiner Witwe Katharina, geborene Gräfin Harrach, als Witwensitz belassen wurde; deren einzige Tochter, Prinzessin Maria Elisabeth von Friedland (1626–1662), ehelichte 1645 Rudolf Freiherrn von Kaunitz, wodurch Leipa bis 1848 in den Besitz der Herren von Kaunitz kam.

1850 wurde Böhmisch Leipa zur Bezirksstadt und zu einem Eisenbahnknotenpunkt in der Monarchie Österreich-Ungarn. Des Weiteren befand sich der Sitz des Gerichtsbezirks Böhmisch Leipa in der Stadt. Seit 1864 verfügte die Stadt über eine staatliche Realschule. Am Ende des 19. Jahrhunderts hatte Böhmisch Leipa mehrere industrielle Produktionsbetriebe, darunter auch eine Pianofabrik, und außer einer Oberrealschule auch ein Gymnasium.

Nach dem Ersten Weltkrieg fiel der Ort 1918 an die Tschechoslowakei aufgrund des Vertrags von Saint-Germain. Durch das Münchner Abkommen wurde die Stadt 1938 bis 1945 Teil des neu gegründeten Reichsgaus Sudetenland des Deutschen Reichs eingegliedert. Sie war Sitz des Landkreises Böhmisch Leipa im Reichsgau Sudetenland, Regierungsbezirk Aussig.

Während der Novemberpogrome 1938 wurde die Synagoge in Leipa durch die nun an der Macht sitzenden Nationalsozialisten in Brand gesetzt und die Straße, an der sie sich befand, in Stürmergasse umbenannt. Da der erste Brand gelöscht wurde, folgte eine neue Brandstiftung am Tag darauf. Diese zerstörte die Synagoge. Die Mauerüberreste wurden 1941 abgetragen. Auch die beiden jüdischen Friedhöfe wurden teilweise zerstört. 225 Juden aus Leipa wurden Opfer des Holocaust.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs im Mai 1945 wurde ein Großteil der deutschböhmischen Bevölkerung 1945 bis 1946 vertrieben, unter Berufung auf die Beneš-Dekrete enteignet und zum Verlassen der Stadt gezwungen.

Viele Neubürger aus Mittelböhmen und der Slowakei, sogenannte „Repatrianten“, und Roma siedelten sich in der Nachkriegszeit hier an.

Bürgermeister (1850 bis 1945)

Bürgermeister (seit 1989)

Bevölkerung

Bis 1945 war Böhmisch Leipa überwiegend von Deutschböhmen besiedelt, die vertrieben wurden.

Bevölkerungsentwicklung bis 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
18305.804in 700 Häusern, darunter 639 Juden (in 21 Häusern)
18578.442am 31. Oktober
19009.217(als Gemeinde 10.731) fast ausschließlich deutsche Einwohner
19109.916darunter 495 Tschechen
193013.714darunter 3081 Tschechen
193911.963darunter 1089 Evangelische, 10.306 Katholiken, 114 sonstige Christen und 22 Juden

Bevölkerungsentwicklung nach Ende des Zweiten Weltkriegs

(Stand: 31.12. des jeweiligen Jahres)

JahrEinwohner
194712.031
195011.889
196014.132
197017.003
198024.915
JahrEinwohner
199040.985
200039.914
201037.878
202037.361
202237.262

Städtepartnerschaften

Česká Lípa unterhält Städtepartnerschaften mit:

Sehenswürdigkeiten

Kloster
Rotes Haus
Maria-Magdalenen-Kirche
Wasserburg Lipý

Wirtschaft

Eine Tradition seit 1918 hat in der Stadt der Schienenfahrzeugbau. In der Stadt hat das Unternehmen Alstom Czech Republic seinen Sitz. Historisch wurden unter unterschiedlichen Unternehmen Straßenbahnfahrzeuge, Personen- und Güterwagen produziert. Ab etwa 1950 konzentrierte sich das Werk auf den Bau von Güterwagen. Die Privatisierung überstand das Werk. Gebaut werden Wagenkästen für Reisezug- und Triebwagen, welche anderen Werken dann zugeliefert werden. 2022 war das Werk mit rund 1100 Betriebszugehörigen einer der größten Arbeitgeber in der Stadt.

Verkehr

Eisenbahnverkehr

Die Stadt ist seit 1867 an das Eisenbahnverkehrsnetz angeschlossen. Heute gibt es an der Bahnstrecke Bakov nad Jizerou–Ebersbach zwei Haltestellen, den Bahnhof „Česká Lípa hlavní nádraží“ und den Haltepunkt „Česká Lípa střelnice“. Zwischen 1903 und 1979 zweigte in Česká Lípa die Bahnstrecke Kamenický Šenov–Česká Lípa střelnice ab.

Straßenverkehr

In Nord-Süd-Richtung führt die Staatsstraße Silnice I/9 zwischen Rumburk und Prag durch Česká Lípa. In West-Ost-Richtung kreuzt die Bezirksstraße Silnice II/262 von Decin nach Mimoň.

Persönlichkeiten

Literatur

Commons: Česká Lípa – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ uir.cz
  2. ↑ Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2023 (PDF; 602 kB)
  3. ↑ Části obcí: Územně identifikační registr ČR. Abgerufen am 19. Januar 2023.
  4. ↑ Základní sídelní jednotky: Územně identifikační registr ČR. Abgerufen am 19. Januar 2023.
  5. ↑ Katastrální území: Územně identifikační registr ČR. Abgerufen am 19. Januar 2023.
  6. ↑ E. Seewald: Die Errichtung der Oberrealschule. In: Jahres-Bericht der Ober-Realschule in Böhmisch-Leipa für das Schuljahr 1864. Böhmisch-Leipa 1865, S. 29 ff..
  7. 1 2 Böhmisch-Leipa. In: Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage. Band 3: Bismarck-Archipel–Chemnitz. Bibliographisches Institut, Leipzig / Wien 1905, S. 162 (Digitalisat. zeno.org).
  8. ↑ jüdische-gemeinden.de
  9. ↑ Představitelé města [Die Vertreter der Stadt]. Auf http://www.bohmischleipa.cz Erstellt, 29. 1. 2010, 20:05.
  10. ↑ Johann Gottfried Sommer: Das Königreich Böhmen. Band 1: Leitmeritzer Kreis, Prag 1833, S. 320, Ziffer 26.
  11. ↑ Jahrbücher des böhmischen Museums für Natur- und Länderkunde, Geschichte, Kunst und Literatur. Band 2, Prag 1831, S. 197, Ziffer 4).
  12. ↑ Statistische Übersichten über die Bevölkerung und den Viehstand in Österreich. Wien 1859, S. 40, rechte Spalte.
  13. 1 2 3 Michael Rademacher: Landkreis Böhmisch Leipa. Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006. In: eirenicon.com.
  14. ↑ Database of Demographic Indicators for Selected Towns of the Czech Republic. Tab. 22. In: www.czso.cz. Abgerufen am 26. Oktober 2023.
  15. ↑ Partnerská města. Město Česká Lípa, abgerufen am 4. Mai 2022 (tschechisch).