Chaloka Beyani

Chaloka Beyani (2010)

Chaloka Beyani (geboren am 13. August 1959 in Chalimbana) ist ein sambischer Rechtswissenschaftler und Anwalt. Ein wichtiges Thema seiner Forschung sind die Menschenrechte von Binnenvertriebenen, seine wissenschaftliche Arbeiten haben die staatliche Politik zum Schutz von Binnenvertriebenen, insbesondere in Afrika, maßgeblich beeinflusst. Er war von 2010 bis 2016 Sonderberichterstatter für Binnenvertriebene beim UN-Menschenrechtsrat. Seit 2025 ist er UN-Sonderberater für die Verhütung von Völkermord.

Herkunft und Ausbildung

Chaloka Beyani kam 1959 in der Gemeinde Chalimbana im Distrikt Chongwe in der südostsambischen Provinz Lusaka zur Welt. Er wuchs im Süden des Landes in Sinakoba auf. Er erwarb 1982 einen LL.B.-Abschluss und 1984 einen LL.M.-Abschluss von der Universität Sambia.

1988 immatrikulierte sich Beyani am St Cross College der University of Oxford, wechselte später ans Wolfson College. Sein Doktorvater war Professor Sir Ian Brownlie, Inhaber der Chichele-Lehrstuhls für Völkerrecht am All Souls College in Oxford. 1992 veröffentlichte Beyani seine Dissertation mit dem Titel „Human Rights Standards and the Free Movement of People within States“, die in Fachmedien als „bahnbrechend“ bezeichnet wurde.

Akademischer Werdegang

Chaloka Beyani arbeitete als Dozent für Rechtswissenschaften an der Universität von Sambia (1984–1988), wo er Völkerrecht und Menschenrechte lehrte. An der Universität Oxford (1992–1995) war er Fellow am Wolfson College und hatte Lehraufträge für Rechtswissenschaften am Exeter College und am St Catherine’s College inne. Zudem war er Crown Prince of Jordan Fellow am Queen Elizabeth House (QEH) der Universität Oxford im Rahmen des Refugee Studies Centre (RSC). Darüber hinaus war er Gastwissenschaftler für Völkerrecht an der juristischen Fakultät der Universität Toronto und an der School of Law der Santa Clara University.

Beyani lehrte von 1996 bis 2025 als außerordentlicher Professor für Rechtswissenschaften an der London School of Economics internationales Menschenrechtsrecht, Binnenmigration (Bewegung von Personen innerhalb von Staaten) sowie internationale Migration (Bewegung von Personen zwischen Staaten).

Beyani erhielt Forschungsstipendien von der Association of Commonwealth Universities (1988–1991), der Ford Foundation (1991–1992), der Nuffield Foundation (1990 und 1992) und der Shaler Adams Foundation (1995).

Forschungsschwerpunkte seiner Arbeit sind neben Binnenvertreibung Bevölkerungstransfers, ein rechtebasierter Entwicklungsansatz, der Klimawandel, Sonderberichterstat sexuelle und reproduktive Gesundheit, Söldner und private Militärunternehmen, internationale Verträge und Verfassungen.

Er war Herausgeber des von Cambridge University Press im Auftrag der SOAS University of London veröffentlichten Journal of African Law, des International Journal of Refugee Law und bis 2020 des Journal of International Humanitarian Legal Studies.

Beyani war Senior Fellow im Brookings-LSE-Projekt zum Thema Binnenvertreibung an der Brookings Institution, von 2009 bis 2025 Mitglied des Internationalen Instituts für humanitäres Recht in San Remo und bis 2025 Mitglied des internationalen Forschungskonsortium PeaceRep bei der Edinburgh Law School.

Rechtsberatung

Beyani war als Rechtsberater und Experte für eine Reihe von UN-Organisationen tätig, darunter das Büro des Hohen Kommissars für Menschenrechte (UNHCHR) und das Büro des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen (UNHCR), der Weltgesundheitsorganisation, dem Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen und dem Entwicklungsfonds der Vereinten Nationen für Frauen sowie der Europäischen Union (EU), dem Commonwealth-Sekretariat und der Afrikanischen Union (AU). Er war Mitglied des hochrangigen Gremiums namhafter Persönlichkeiten der Afrikanischen Union zur Bildung einer Regierung der Afrikanischen Union und der 2009 eingerichteten Joint AU-EU Ad hoc Expert Group on the Principle of Universal Jurisdiction.

Beyani gehörte zu einem Expertenteam, das von der Internationalen Kommission für Intervention und staatliche Souveränität (ICISS) mit der Ausarbeitung des Kapitels „Schutzverantwortung“ beauftragt wurde. Seine Aufgabe bestand darin, die Begriffe „staatliche Souveränität“ und „Intervention“ im Völkerrecht zu untersuchen. Seine Erkenntnisse flossen in die endgültige Formulierung der Schutzverantwortung ein, wie sie vom UN-Weltgipfel 2005 gebilligt wurde.

Als Rechtsberater der Internationalen Konferenz der Region der Großen Seen entwarf und verhandelte Beyani den 2006 abgeschlossenen Pakt der Afrikanischen Großen Seen über Frieden, Stabilität und Entwicklung, der elf Friedensverträge und den ersten rechtsverbindlichen Vertrag über den Schutz und die Unterstützung von Binnenvertriebenen enthielt.

Beyani war Mitglied des offiziellen Expertenkomitees, das die Verfassung Kenias von 2010 ausarbeitete.

Er war offizieller Vermittler zwischen der Regierung von Mosambik und der bewaffneten Oppositionsrebellengruppe RENAMO während des Friedensprozesses, der 2019 zum Maputo-Abkommen führte und entwarf Verfassungsänderungen, die dezentralisierende Prinzipien stärken sollten.

2022 beobachtete er als Mitglied der Commonwealth Elections Observer Group die kenianischen Parlamentswahlen.

Menschenrechtsarbeit

2005 wurde Beyani von der Afrikanischen Union beauftragt, das Übereinkommen der Afrikanischen Union zum Schutz und zur Unterstützung Binnenvertriebener (das Kampala-Übereinkommen) auszuarbeiten und zu verhandeln, das Übereinkommen wurde 2009 verabschiedet.

Beyani folgte 2010 dem Schweizer Walter Kälin als Sonderberichterstatter für die Menschenrechte von Binnenvertriebenen beim UN-Menschenrechtsrat. In seiner Amtszeit veröffentlichte er fast 40 Länderberichte. 2016 wurde er von Cecilia Jimenez-Damary abgelöst.

Von 2013 bis 2014 war er Vorsitzender des Koordinierungsausschusses für Sonderverfahren des UN-Büro des Hohen Kommissars für Menschenrechte (OHCHR). Seine Aufgabe war, die Abstimmung zwischen den UN-Sonderberichterstattern für Menschenrechte zu verbessern und als Brücke zwischen ihnen und dem OHCHR, dem umfassenderen UN-Menschenrechtsrahmen und der Zivilgesellschaft zu fungieren.

Im Jahr 2018 vertrat Beyani den Südsudan bei den Beratungen zur Kampala-Konvention (African Union Convention for the Protection and Assistance of Internally Displaced Persons in Africa), der Unterstützung des Ratifizierungsprozesses, der Ausarbeitung der notwendigen nationalen Gesetze zur Umsetzung, der Schaffung eines Rahmens für den Schutz und die Unterstützung von Binnenvertriebenen sowie Festlegung von Bestimmungen für nachhaltige Lösungen. Im Folgejahr verabschiedete der Südsudan diesen Gesetzesentwurf als „Gesetz zum Schutz und zur Unterstützung von Binnenvertriebenen 2019“. Im Jahr 2019 wurde Beyani von den Vereinten Nationen und der äthiopischen Regierung eingeladen, dort einen entsprechenden Prozess durchzuführen.

Beyani gehörte von 2019 bis 2025 neben Alexandra Bilak, Walter Kälin und Elizabeth Ferris der Expert Advisory Group des High-Level Panel on Internal Displacement beim UN-Generalsekretär an.

Im Jahr 2020 wurde Beyani von der UN-Hochkommissarin Michelle Bachelet für Menschenrechte zum Mitglied der Unabhängigen UN-Untersuchungskommission für Libyen ernannt, die mutmaßliche Verstöße und Missbräuche des internationalen Menschenrechts und des humanitären Völkerrechts im libyschen Bürgerkrieg durch alle beteiligten Parteien dokumentieren sollte. Auf der Grundlage der Berichte dieser Expertenkommission erließ der Internationale Strafgerichtshof 2024 sechs Haftbefehle. 2023 wurde Beyani Mitglied der Expertengruppe beim UNHCR zum Schutz von Binnenvertriebenen (Internally displaced person IDP).

2024 führte Beyani im Auftrag des UNHCR nationale Konsultationen durch, um Armeniens Bemühungen zur Ausarbeitung von Gesetzen zum Schutz und zur Unterstützung von Binnenvertriebenen gemäß internationalen Standards und bewährten Verfahren zu unterstützen.

Ebenfalls 2024 wurde er in eine Referenzgruppe für Übergangsjustiz in Afrika berufen, die die Afrikanische Union gemeinsam mit dem Zentrum für Gewaltforschung und Versöhnung (CSVR) und mit Unterstützung der Europäischen Union einrichtete.

Von 2010 bis 2025 beriet er den britischen Außenminister in Menschenrechtsfragen.

Im August 2025 wurde er von UN-Generalsekretär António Guterres als Nachfolger von Alice Wairimu Nderitu zum UN-Sonderberater für Genozidprävention ernannt.

Sonstiges Engagement

Beyani ist ehemaliges Mitglied des Vorstands des International Centre for the Protection of Human Rights (INTERIGHTS), des Open Society Justice Initiative, des African Book Trust, des Beirates von Oxfam und der Minority Rights Group International (MRG).

Veröffentlichungen (Auswahl)

Bücher

Journalartikel

Buchbeiträge

Commons: Chaloka Beyani – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 Protecting the human rights of internally displaced persons. In: London School of Economics and Political Science. 2021 ehemals im Original (nicht mehr online verfügbar) (englisch). (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive)
  2. 1 2 Mr. Chaloka Beyani of Zambia - Special Adviser on the Prevention of Genocide. In: United Nations Secretary-General. United Nations, 22. August 2025, abgerufen am 2. April 2026 (englisch).
  3. 1 2 3 Dr. Chaloka Beyani, former Special Rapporteur (2010-2016). In: United Nations Office of the High Commissioner for Human Rights. 2023, abgerufen am 2. April 2026 (englisch).
  4. 1 2 3 4 5 Faculty - Visiting - 2002-03 – Chaloka Beyani. In: University of Toronto Faculty of Law. Abgerufen am 4. September 2023 (englisch).
  5. ↑ Chaloka Beyani: Human Rights Standards and the Free Movement of People within States. Oxford University Press, Oxford 2000, ISBN 978-0-19-826821-5, doi:10.1093/acprof:oso/9780198268215.001.0001 (englisch, oup.com [abgerufen am 2. April 2026]).
  6. ↑ Santa Clara Law 2015 Oxford Faculty. In: Santa Clara University School of Law. 2015 ehemals im Original (nicht mehr online verfügbar) (englisch). (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive)
  7. ↑ Dr. Chaloka Beyani, Professor of Law at London School of Economics. In: WebForum. DCA Group WebForum, 2020, abgerufen am 2. April 2026 (englisch).
  8. ↑ Dr Chaloka Beyani. In: London School of Economics and Political Science. 2023, abgerufen am 2. April 2026 (englisch).
  9. ↑ Displacement and climate change in Africa: Chaloka Beyani calls for action. (video) In: youtube.com. UNICEF Innocenti, 30. Mai 2014, abgerufen am 2. April 2026 (englisch).
  10. ↑ How To Raise A Private Army: Mercenaries and International Law. (video) In: youtube.com. LSE, 29. September 2012, abgerufen am 4. September 2023 (englisch).
  11. 1 2 3 4 5 6 7 8 Mr. Chaloka Beyani. In: UN Secretary-General’s High-Level Panel on Internal Displacement. United Nations, abgerufen am 2. April 2026 (englisch).
  12. ↑ Editorial board. In: Cambridge University Press. SOAS University of London, 2023, abgerufen am 4. September 2023 (englisch).
  13. ↑ Editorial Board. In: Oxford University Press. University of Oxford, 2023, abgerufen am 4. September 2023 (englisch).
  14. ↑ Editorial. In: Journal of International Humanitarian Legal Studies. Brill, 22. Juni 2020, abgerufen am 4. September 2023 (englisch).
  15. ↑ Chaloka Beyani. In: The Brookings Institution. 2023, abgerufen am 4. September 2023 (englisch).
  16. ↑ Professor Chaloka Beyani. In: PeaceRep. Edinburgh Law School, 2023, abgerufen am 2. April 2026 (englisch).
  17. ↑ IDP Protection Expert Group. In: UN High Commissioner for Refugees. Abgerufen am 2. April 2026 (englisch).
  18. 1 2 3 4 Biographies of the members of the Independent Fact-Finding Mission on Libya. In: United Nations Human Rights Council. 2023, abgerufen am 2. April 2026 (englisch).
  19. ↑ The AU-EU Expert Report on the Principle of Universal Jurisdiction. In: Council of the European Union. Abgerufen am 2. April 2026 (englisch).
  20. ↑ The Responsibility to Protect: A Background Briefing. In: Global Centre for the Responsibility to Protect. The Graduate Center, CUNY, abgerufen am 2. April 2026 (englisch).
  21. 1 2 3 4 Protecting the human rights of refugees and displaced persons. In: LSE. 2023, abgerufen am 2. April 2026 (englisch).
  22. ↑ Pact on Security, Stability and Development in the Great Lakes Region. In: UN Peacemaker. UN Department of Political and Peacebuilding Affairs (DPPA), 2019, abgerufen am 4. September 2023 (englisch).
  23. ↑ The Pact on Security, Stability and Development in the Great Lakes Region. In: The International Conference on the Great Lakes Region. 2022, abgerufen am 4. September 2023 (englisch).
  24. ↑ Profiles of members of the Committee of Experts. Archiviert vom Original am 30. Dezember 2011; abgerufen am 4. September 2023 (englisch).
  25. ↑ Commitment to peace must be supported by all in Kenya, says leader of Commonwealth Observer Group. In: Commonwealth Secretariat. 3. August 2022, abgerufen am 2. April 2026 (englisch).
  26. ↑ Dr Chaloka Beyani serves as a member of the Commonwealth Elections Observer Group. In: London School of Economics and Political Science. 26. August 2022, abgerufen am 2. April 2026 (englisch).
  27. ↑ Dr. BEYANI, Chaloka. In: Office of the High Commissioner for Human Rights. 2010, abgerufen am 2. April 2026 (englisch).
  28. ↑ The Kampala Convention: Entry Into Force. (video) In: youtube.com. Brookings Institution, 13. Mai 2013, abgerufen am 2. April 2026 (englisch).
  29. ↑ UN Special Rapporteur on displaced persons. (video) In: youtube.com. UN Human Rights, 6. Januar 2012, abgerufen am 2. April 2026 (englisch).
  30. ↑ United Nations Digital Library. In: United Nations Digital Library. United Nations Dag Hammarskjöld Library, 2023, abgerufen am 2. April 2026 (englisch).
  31. ↑ Coordination Committee of Special Procedures. In: United Nations Office of the High Commissioner for Human Rights. 2023, abgerufen am 2. April 2026 (englisch).
  32. ↑ Dr Chaloka Beyani leads on Human Rights and Internally Displaced Persons in South Sudan. In: LSE. 19. März 2019, abgerufen am 2. April 2026 (englisch).
  33. ↑ Expert Advisory Group Members. In: UN Secretary-General’s High-Level Panel on Internal Displacement. United Nations, abgerufen am 2. April 2026 (englisch).
  34. ↑ Libya: Bachelet appoints Independent Fact-Finding Mission experts. In: Office of the High Commissioner for Human Rights. 19. August 2020, abgerufen am 2. April 2026 (englisch).
  35. ↑ Dr Chaloka Beyani appointed to UN Fact-Finding Mission on Libya. In: London School of Economics and Political Science. 21. August 2020, abgerufen am 2. April 2026 (englisch).
  36. ↑ Independent Fact-Finding Mission on Libya. In: United Nations Human Rights Council. 2023, abgerufen am 2. April 2026 (englisch).
  37. ↑ Statement of ICC Prosecutor Karim A.A. Khan KC on the unsealing of six arrest warrants in the situation in Libya. In: Office of the Prosecutor. International Criminal Court, 4. Oktober 2024, abgerufen am 2. April 2026 (englisch).
  38. ↑ IDP Protection Expert Group. In: UNHCR. 2025, abgerufen am 2. April 2026 (englisch).
  39. ↑ The IDP Protection Expert Group: Contributing experience and expertise to enhance IDP protection around the world. In: UNHCR. 2023, abgerufen am 2. April 2026 (englisch).
  40. ↑ Professor Chaloka Beyani conducts IDP-related national consultations in Armenia. In: UNHCR Representation in Armenia. UNHCR, 19. Dezember 2024, abgerufen am 2. April 2026 (englisch).
  41. ↑ African Union appoints continental reference group on transitional justice in Africa. In: Freedom Newspaper. 28. September 2024, abgerufen am 2. April 2026 (englisch).
  42. ↑ Appointment and Launch of the African Union Reference Group on Transitional Justice in Africa. In: Centre for the Study of Violence and Reconciliation (CSVR). 10. September 2024, abgerufen am 2. April 2026 (englisch).
  43. ↑ The Foreign Secretary's Advisory Group on Human Rights. In: Foreign, Commonwealth & Development Office. 2. September 2020, abgerufen am 2. April 2026 (englisch).
  44. ↑ Foreign Secretary announces members of Human Rights Advisory Group. In: Foreign & Commonwealth Office. 11. November 2010, abgerufen am 2. April 2026 (englisch).
  45. ↑ Board of Trustees. In: INTERIGHTS. Abgerufen am 2. April 2026 (englisch).
Personendaten
NAME Beyani, Chaloka
KURZBESCHREIBUNG sambischer Rechtswissenschaftler
GEBURTSDATUM 13. August 1959
GEBURTSORT Chalimbana (Sambia)