
Charles Drelincourt, latinisiert Carolus Drelincurtius (* 1. Februar 1633 in Charenton bei Paris; † 31. Mai 1697 in Leiden), war ein französischer Mediziner und Anatom.
Drelincourt war ein Sohn des Pariser Pfarrers Charles Drelincourt des Älteren (1595–1669) und dessen Frau Marguerite Boldue, Tochter eines reichen Brauers aus Biere. Er stammte aus einer kinderreichen Familie. Wie sein älterer Bruder und sein Vater sollte er ursprünglich ein Hugenottischer Pfarrer werden. Eine Krankheit in seiner Jugend weckte in ihm das Interesse, sich medizinischen Themen zu widmen. Nach einer anfänglichen Ausbildung in Paris zog er nach Saumur. Für die dortige Akademie Saumur hatte Philippe Duplessis-Mornay von Heinrich IV im März 1593 Gründungsbriefe für ein College in Saumur erhalten.
1604 öffnete die Akademie ihre Pforten, um protestantischen Adligen und dem angehenden französischen Pfarrernachwuchs eine Ausbildung zu ermöglichen. Aber auch der katholischen Jugend wurden dort Möglichkeiten zur Bildung eingeräumt. Weiterführende Studien zu den Rechtswissenschaften und zur Medizin waren an ihr nicht möglich, jedoch wurden allgemeine Grundlagen zu diesen Themen auch an ihr unterrichtet. Vielmehr war der Lehrplan der Universität auf ein Studium der Theologie fokussiert, welches ein philosophisches Grundstudium voraussetzte. Letzteres absolvierte Drelincourt und er erwarb am 24. September 1650 den akademischen Grad eines Magisters der Philosophie.
Nach anatomischen Studien bei Jean Riolan dem Jüngeren war er an die Universität Montpellier gegangen und wurde hier am 2. März 1654 Baccalaurus der Medizin. Am 18. August 1654 avancierte er mit der Abhandlung Clarissimum Monspeliensis Apollinis Stadium currente zum Lizentiaten der Medizin und promovierte am 28. August 1654 mit der Abhandlung An omnibus putridis febribus venae sectio et purgatio? zum Doktor der Medizin. Kurz darauf wurde er Arzt des Marschalls Henri de La Tour d’Auvergne, vicomte de Turenne und er war von 1656 bis 1658 Inspektor des medizinischen Dienstes der französischen Armee in Flandern.
Nach seinem Felddienst wurde er 1659 Arzt am Hof des französischen Königs Ludwig XIV. Außerdem errichtete er sich eine eigene medizinische Praxis in Paris. Zu jener Zeit hatte er auch dort geheiratet. Am 23. August 1668 beriefen ihn die Kuratoren der Universität Leiden, als Nachfolger von Johannes Antonides van der Linden, zum Professor der praktischen Medizin, welches Amt er am 18. Februar 1669 mit einer Einführungsrede antrat. Nach dem Tod von Johannes von Horne (1621–1670) wurde er am 3. Dezember 1670 zum Lehrstuhlinhaber und Professor der Anatomie ernannt, welche Tätigkeit er im Januar des Folgejahres mit der Rede Praeludium anatomicum begann.
Während jener Zeit unterstand ihm auch die Leidener Universitätsklinik Collegium Medico-Practicum. Während seiner Amtszeit erreichte er es, dass Leichen von Straftätern für den anatomischen Unterricht genutzt werden konnten. 1687 wurde er aus gesundheitlichen Gründen, weil seine Augen durch das Mikroskopieren gelitten hatten, von den anatomischen Vorlesungen befreit. Seine Vorlesungen wurden von Anton Nuck (um 1650–1692) übernommen und er las fortan zur theoretischen Medizin, wobei er eine besondere Vorliebe für Hippokrates entwickelte. Obwohl ihn Herman Boerhaave als gewissenhaften Dozenten schätzte, war er in seiner Zeit nicht unumstritten. Vor allem sollen hier seine Beobachtungen zu den Föeten genannt sein. In den Jahren 1679/80, 1688/89 und 1694/95 beteiligte er sich als Rektor der Alma Mater auch an den organisatorischen Aufgaben der Hochschule. Bei der Niederlegung des ersten Rektorats hielt er 1680 die ungewöhnliche Rede Libitinae Tropaea. Er war Leibarzt von Willhelm III. und der Prinzessin Maria.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Drelincourt, Charles |
| ALTERNATIVNAMEN | Drelincurtius, Carolus; Drelincourt, Carl |
| KURZBESCHREIBUNG | französischer Mediziner |
| GEBURTSDATUM | 1. Februar 1633 |
| GEBURTSORT | Paris |
| STERBEDATUM | 31. Mai 1697 |
| STERBEORT | Leiden |